Lächelnd und mit Frauenpower

FREUEN FÜR MONTRÉAL: Valérie Plantes ekstatische Dankesrede nach ihrer OB-Wahl.

Sie hat es wieder getan: Valérie Plante wurde in der vergangenen Nacht erneut zur Oberbürgermeisterin von Montreal gewählt. Dass die 47jährige studierte Anthropologin mit fast 15 Prozent Vorsprung zu ihrem Gegenkandidaten Denis Coderre gewann, hat selbst ihre eigene Partei überrascht.

Der Dritte unter den Hauptbewerbern, Balarama Holness, musste sich mit weniger als acht Prozent der Stimmen geschlagen geben.

Bis zum Schluss hatte es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Coderre und Plante ausgesehen. Dann begann die Schlammschlacht:

Coderre musste zugeben, dass er jahrelang als Lobbyist für eine Immobilienfirma tätig war, die im Rahmen der Gentrifizierung Montreals Hunderte von Mietern auf die Straße gesetzt hatte.

Auch Valérie Plantes Maschine lief plötzlich nicht mehr ganz so geschmeidig wie zu Beginn der Kampagne. Ein nie aktenkundig gewordenes Uralt-Verfahren gegen einen ihrer Spitzenkandidaten wegen einer bis heute nicht nachgewiesenen sexuellen Verfehlung brachte die Kampagne kurzzeitig ins Stocken.

Doch an der Wahlurne wurden die Karten dann neu gemischt. Die progressive, Mieter-freundliche und auf Nachhaltigkeit gepolte Partei „Projet Montréal“ von Valérie Plante ließ die Grübler hinter sich und sorgte für einen glasklaren Überraschungserfolg. Fahrrad statt Finanzhaie. Lächeln statt drucksen. Mehr Frauen als alte, weisse Männer.

Ein geradezu sensationeles Stühlerücken gab es auch in einigen anderen Städten der Provinz Québec:

Vier der fünf größten Städte werden künftig von Frauen regiert. Der neue OB der zweitgößten Stadt Laval (430 000 Einwohner) ist gerade mal 33 Jahre alt. Die Bürgermeisterin der wichtigsten Südufer-Metropole Longeuil (247 000 Einwohner) sogar erst 29.

Frauenpower, Diversität, Jugend: Québec sieht vier munteren Jahren entgegen.