Lachen mit (und über) Corona

Raus aus dem Alltag, rein in den Alltag. Und mittendrin mal wieder Corona. Doch diesmal gibt es einen Unterhaltungsabend mit vier älteren Herren. Lachen über eine Katastrophe, die so viel Leid über die Menschheit gebracht hat – darf man das eigentlich? 

Doch, darf man. Gestern Abend wurde gelacht, gesungen, gedichtet und gezeichnet – alles zum Thema Corona. Mit Maske, aber ohne schlechtes Gewissen.

„Tränen, die du lachst, brauchst du nicht zu weinen“, sagt der Rheinländer. Weinen habe ich an diesem milden Novemberabend in einer ehemaligen Kirche in Montreal niemanden gesehen, gelacht haben die meisten.

“FOUR ANGLOS SURVIVING THE COVID APOCALYPSE” heisst die Show, die jetzt schon seit Wochen durch Montreal und das benachbarte Umland geistert. Gestaltet wird sie von vier Künstlern, die in englischsprachigen Kreisen meiner Stadt seit Jahrzehnten zum Inventar gehören:

Josh Freed, der seit gefühlten 100 Jahren eine wöchentliche Kolumne für die “Montreal Gazette” schreibt.

Terry Mosher, der unter dem Pseudonym “Aislin” mindestens genau so lang mit spitzer Feder Karikaturen für die größte englischsprachige Tageszeitung der Stadt zu Papier bringt.

Das Gesangsduo “Bowser and Blue”, das bereits bei meiner Ankunft in Montreal vor gut 40 Jahren ein Haushaltsname war.

Es war der etwas andere Kabarettabend. Viele feine Gedanken zu einem rohen Thema. Ein Virus reist um die Welt und fühlt sich dort am wohlsten, wo es die meisten Impfgegner gibt. (Nicht in Quebec. Dort sind inzwischen 91 Prozent zumindest einmal geimpft, doppelt immerhin 87 Prozent).

Josh Freed lieferte neben Kalauern auch wunderbar tiefsinnige Betrachtungen zu einer Pandemie ab, die mit allen von uns etwas gemacht hat, das die meisten vermutlich nie so richtig benennen können.

Beeindruckend, wie zwei an die Achtzigjährige in so kurzer Zeit tagesaktuelle Songs geschrieben und komponiert haben. “Bowser and Blue” sangen von Toten und Überlebenden, von Impftrotteln und natürlich auch von einer Covid-Währung namens Klopapier.

Aislin projizierte den ganzen Abend über nicht nur seine eigenen Karikaturen zum Thema Corona auf die Leinwand. Er ließ KollegInnen aus aller Welt durch ihre Zeichnungen sprechen, die sie in Ländern wie dem Iran, Norwegen, Frankreich und auch Deutschland zu Papier brachten.

Es war ein Stück Freiheit, das uns an diesem Abend geschenkt wurde. Künstlerische Freiheit sowieso. Aber auch die Freiheit, einen Abend unter Menschen zu verbringen, denen man trotz Masken die Freude im Gesicht ansah, wieder am richtigen Leben teilnehmen zu dürfen.

Doof für die Ungeimpften: Die mussten mal wieder draußen bleiben.