Wie „Ippi“ Dassel die Welt sieht

IM VW-BUS immer dem Jakobsweg entlang: Christian Dassel auf Tour (2019) Foto: WDR

Dass Radioleute Fernsehmenschen kennen, liegt in der Natur des Genres. Mit einigen von ihnen bin ich seit Jahrzehnten eng befreundet. Einer davon ist Christian Dassel, den seine Freunde “Ippi” nennen dürfen. Ippi und sein Team haben soeben eine neue Roadtrip-Serie durch Griechenland abgedreht, die im Deutschen Fernsehen als “Bustour” bekannt ist. Die Filme der “WDR-Bustour” sind inzwischen weit über NRW hinaus Kult.

Christian Dassel und ich kennen uns seit gut 45 Jahren. Damals war er noch ein Knirps aus dem Allgäu und ich der „gewaltige Onkel aus Kanada“, wie Ippis Papa Bernd mich nannte. „Börnie“ Dassel ist vor ein paar Jahren leider viel zu früh gestorben. Auch er war ein begnadeter Geschichten-Erzähler.

Aus dem “gewaltigen Onkel aus Kanada” ist ein nicht mehr ganz so gewaltiger Rentner in Montreal geworden. Und Ippi ist heute, zumindest in meinen Augen, auf seine Art ein TV-Star – einer, der es mit unvergleichlich klugen, unterhaltsamen und in ihrer Machart einmalig originellen Art zu einem hoch angesehenen Fernseh-Macher gebracht hat.

Einmal im Jahr gehen Christian und sein Team auf große Reise. Im VW-Bus, 50 Jahre alt und damit nur drei Jahre jünger als sein Fahrer, geht es dann durch den Balkan, nach Schottland, Italien, Frankreich, durch die Baltik-Staaten oder nach Spanien.

Die Tour durch Griechenland, einschließlich Insel-Hopping, war ein Jubiläum. Es war die 25. Bustour überhaupt.

Mir ist niemand bekannt, der Europa besser kennt als Christian Dassel. Auch durch die USA sind er und seine KollegInnen schon gereist. Entlang des Jakobswegs waren sie 2019 wochenlang mal weg.

Zu jedem Land gibt es Geschichten. Von deutschen Abenteurern, die irgendwo draußen in der Welt sesshaft geworden sind, von einem Influencer-Pärchen, das sich vor der WDR-Kamera nackig macht. Und auch von drei betagten Nonnen, die als letzte Überlebende in einem einsamen griechischen Kloster auf ihr göttliches Ende warten.

Die einfühlsame Art, mit der Christian seine Geschichten erzählt, ist skurril, herzerwärmend, manchmal aufwühlend, aber immer unterhaltsam. Mit der oft schrägen Dramaturgie seines Storytellings bringt Ippi frischen Wind in das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Geht es um ausgesetzte Straßenhunde, verdrückt er schon mal ein paar Tränchen. Jagd auf Delfine würde er nie machen – es sei denn mit Kamera und Mikrofon. Trotz seiner TV-Erfolge ist Ippi im richtigen Leben uneitel geblieben, fast scheu.

Ippis grandioses Talent zum Storytelling hat ihm im Laufe der Jahre eine riesige Fan-Gemeinde beschert. Das zeigt sich auch jetzt wieder, nach der eben zu Ende gegangenen “Bustour 2022” durch Griechenland. Auf Facebook überschlagen sich ZuschauerInnen mit Komplimenten für die Arbeit des Teams.

In seinem eigenen Facebook-Post lässt Christian Dassel noch einmal die letzte Bustour Revue passieren. Der Nachschlag im Wortlaut:

Die Bustour 2022 – für uns war das ein fantastisches Erlebnis. Das lag an den Menschen, die wir getroffen haben. Es lag an den Landschaften, durch die wir gereist sind. Es lag aber auch – an uns. Denn die Bustour ist ein Teamevent.

Wir sind als Team wie der Bus: altgedient und unkaputtbar. Und was der Sprit für den Bus ist, ist der Spirit für das Team. Der Spirit bestimmt, ob es läuft oder holpert. Und der Spirit war in diesem Jahr Super plus! 

Wir machen das seit Jahrzehnten. Wir kennen uns ewig. Es gibt nichts, was wir uns unterwegs nicht schon gesagt hätten. 

Wir haben schon viel miteinander erlebt. Wir wissen, was wir aneinander haben. Wir wissen: Auf der Bustour und gemeinsam sind wir jedem Scheiss gewachsen. 

Auch in diesem Jahr sind wir uns wieder auf die Nerven gegangen. Wochenlang, von frühmorgens bis spätabends: Vollkontakt. Wir waren erschöpft, glücklich, traurig, verzweifelt, zufrieden, gestresst, beseelt, krank, verletzt, müde, verschwitzt und fleißig. Und immer waren wir zusammen. Und zusammen waren wir fest entschlossen, bis zum letzten Schlussbild alles zu geben. Ein Zitat aus Film 9 wurde zum Mantra dieser Tour: „There is always hope!“  

Wenn uns jetzt jemand fragt, wie es denn so war, dann müssen wir lügen. Dann sagen wir „Schön“ oder „stressig“. Was diese Bustour 2022 für uns aber wirklich so besonders macht, das kann man nicht erklären. Das wissen nur die, die mit dabei waren: Barbara, Michi, Christel, Mario, Marco und Ralf. Und Nina aus der Ferne. Wir sind das Bustour-Team des Jahres!

Einziger Wermutstropfen für mich: Christians Bruder Markus Dassel, einer der besten Kameramänner, die ich kenne, war diesmal zum erstenmal nicht mehr dabei. Er hat inzwischen seine eigene Firma gegrüendet und ist auch damit weltweit unterwegs.

Übrigens sind die beiden Dassel-Brüder nicht nur im Fernsehen eine Wucht. Sie machen auch, wenn man’s mag, geniale Musik. Mit der Band „Rockwerk Orange“ haben sie jenseits der Kamera eine fast filmreife Karriere hingelegt.

>> Hier gibt’s die gebündelten Filme der „Bustour 2022“ durch Griechenland <<