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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Schmetterlinge und Schnitzel

IMG_7773.jpgSchon klar: Es gibt Aufregenderes als einen Sonntagsspaziergang im Park. Wenn dieser Park jedoch aus fünf Inseln besteht, die mitten im Sankt-Lorenz-Strom liegen, wird es schon spannender. Für mich gab es heute eine Premiere: Eine Inselwanderung im Nationalpark Boucherville, 20 Km außerhalb von Montreal.

Aufmerksame BlogleserInnen wissen es schon lange: Mein Herz schlägt für die Großstadt. Straßencafés statt einsame Wanderwege. Bierkneipen statt Blumenwiesen. Und immer wieder Menschen, Menschen, Menschen.

Heute dann das Kontrastprogramm: Raus aus der Stadt, die noch immer unter der hochsommerlichen Hitze stöhnt. Und rein ins Insel-Abenteuer.

In Kanada ist langes Wochenende: Labour Day beschließt offiziell den Kalender-Sommer. Warum dann also nicht noch mal kurz eintauchen ins Sommervergnügen?

Kommentare zu den Fotos erspare ich mir. Nur so viel: Dass es gerade mal 20 Minuten von Downtown Montreal so viel geballte Natur gibt, hat mich angesichts der zahllosen Schmetterlingen beflügelt, öfter mal den Wald zu genießen statt immer nur am Weinglas zu nippen.

Wobei: Eigentlich geht auch beides. Und wenn man hinterher noch kurz über den Straßenmarkt auf dem Boulevard-Saint-Laurent schlendert, kommt keiner der Sinne zu kurz, die das pralle Leben ausmachen. Schnitzel und Schmetterlinge mit Zuckerwatte.

Und endlich wieder Menschen!

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Bloghaus-Grüße vom Blockhaus

IMG_7503.jpgTagsüber herrscht noch Badewetter, aber die Nächte werden jetzt merklich kühler am Lac Dufresne. Herbstblumen mischen sich bereits ins nicht mehr ganz so satte Grün rund ums Blockhaus. Blaubeeren und Goldruten senden unmissverständliche Signale: Freunde, der Sommer neigt sich dem Ende zu! Genießen Sie die letzten Tage mit uns.

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Keine Gay-Parade ohne Justin

IMG_7453Wer traut sich, wer kneift? Kommt der Landesvater von Quebec dieses Jahr, wo er sich doch letztes Jahr wegen seines Fernbleibens vernichtende Schlagzeilen holte? Und was ist mit dem Parteivorsitzenden im Turban? Marschiert Jagmeet Singh mit, oder bleibt er doch lieber im kuscheligen Ottawa, wo Kopfbedeckungen nicht die brisante Rolle spielen wie in Quebec? Es ist kompliziert.

Die jährliche Gay Pride Parade ist auch im liberalen Kanada jedes Jahr aufs Neue ein politisches Spiel. Keiner versteht es besser zu spielen als Justin Trudeau.

Auf den auch noch mit 47 supercoolen Sunnyboy, der sich im Herbst zu Neuwahlen stellt, ist stets Verlass. Vermutlich würde er eher eine Audienz beim Papst platzen lassen als die jährliche Regenbogen-Parade.

Mit schöner Regelmäßigkeit marschiert Trudeau bei allen Gay Pride-Umzügen in Vancouver, Toronto und Montreal mit. Egal, wo er auftaucht, sorgen vor allem weibliche Justin-Fans für Trudeaumania.

Auch Jagmeet Singh, der Mann mit Turban, der den Sozialisten Im Bundesparlament vorsteht, ließ sich heute die Teilnahme nicht nehmen. Genau so wenig wie die Grünen-Vorsitzende Elizabeth May und die Oberbürgermeisterin von Montreal, Valérie Plante.

Geschlossen marschierten sie an diesem heiss-schwülen Sommernachmittag durch die Straßen von Kanadas zweitgrößter Stadt.

Auch der Quebecer Ministerpräsident François Legault war dieses Mal dabei – ein Mann, der sich bislang nicht gerade durch progressives Verhalten gegenüber ethnischen und religiösen Minderheiten hervorgetan hat, mischte in der ersten Reihe mit.

Nur einer fehlte: Andrew Scheer, der ultrakonservative Populist, der gute Chancen hat, im Herbst Justin Trudeau abzulösen. Traute er sich nicht, sich Seite an Seite mit schrill gekleideten Schwulen, Lesben und Transgendern zu zeigen?

Schon klar: Bei kernigen Weizenfarmern und Rinderzüchtern im wilden kanadischen Westen, wo sich Andrew Scheer im Herbst die entscheidenden Stimmen erhofft, die ihn ins höchste kanadische Amt befördern könnten, kann er bestimmt nicht punkten, indem er sich im Dunstkreis von Vertretern gleichgeschlechtlicher Liebe bewegt.

Schwer zu glauben, dass es diese Art von Berührungsängsten im sonst so fortschrittlichen Kanada noch gibt.

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Politisches Punktesammeln bei der „Gay Pride Parade“: Premierminister Justin Trudeau (rechts aussen im rosaroten Hemd). Quebecs Ministerpräsident François Legault (vordere Reihe im gestreiften Hemd) und die Montrealer Oberbürgermeisterin Valérie Plante (blaues Kleid). Alle Fotos: © Bopp

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Der „Magische Bus“ von Alaska

Es war wieder einmal mein kluger, aufmerksamer Freund Philipp, der mich auf das heutige Blog-Thema gebracht hat. Philipp hatte auf der Webseite von SWR3 gelesen, dass eine  24jährige Frau aus Weißrussland auf dem Weg zum „Magischen Bus“ in Alaska in den Fluten des Teklanika Rivers ertrunken ist. Beim Lesen erinnerte sich Philipp an eine Geschichte, die ich damals für den PLAYBOY geschrieben hatte.

Nach dem Tod eines jungen Abenteuers namens Alec McCandless bin ich seinerzeit quer durch Amerika bis hinauf nach Alaska gereist, um auf den Spuren dieses Aussteigers zu wandern. Später wurde die Geschichte von Sean Penn verfilmt. „Into the Wild“ wurde ein Hit im Kino. Und auch Jon Krakauer hat ein Buch darüber geschrieben.

Aus aktuellem Anlass also hier noch einmal das Making-Of meiner PLAYBOY-Reportage vom Spätsommer 1992:

Hinter kleinen Meldungen stecken oft große Geschichten. Ein Trapper habe die Leiche eines jungen Mannes entdeckt, hieß es im Nachrichtenticker, irgendwo im Busch von Alaska. Bei dem Toten handle es sich um einen 24jährigen Aussteiger. Aus diesen dürren Worten ist die wohl spannendste Reportage meiner Korrespondenten-Zeit entstanden. Die Spurensuche für den „Playboy“ führte mich quer durch Amerika und endete in Alaska. Jahre später nahm sich Hollywood des Themas an. Daraus wurde „Into The Wild“ von Sean Penn.

Es war im Spätsommer 1992, als die Agenturmeldung über den Ticker kam. Tragisch zwar, wie viele guten Geschichten. Aber in der nachrichten-armen Zeit bestens geeignet für einen kurzen Radiobeitrag. Telefon-Recherche beim Sheriff in Fairbanks/Alaska – und fertig war das Stück. Am nächsten Tag berichtete ich für mehrere ARD-Sender über das tragische Schicksal des Christopher McCandless, der Tausende Kilometer von Zuhause tot aufgefunden worden war. Bis dahin: Reporter-Routine.

Abenteuer, Freiheit, Reisen, Frauen: Perfekt für eine „Playboy“-Reportage

Playboy-Ausgabe 11/1992

Dann passierte etwas Überraschendes: Ein Redakteur des Männermagazins „Playboy“ rief bei mir an. Er hatte den Beitrag auf (damals) SWF3 gehört. Der Kollege meinte, die Story enthalte sämtliche Elemente, die Playboy-Leser ansprechen: Abenteuer, Freiheit, Reisen. Und, wie sich später herausstellte, auch Frauen. Denn Christopher McCandless, der sich „Alex“ nannte, war ein Schwerenöter, den die Frauen liebten. Ob ich Lust hätte, fragte der Kollege aus München, für den Playboy zu recherchieren, wie aus dem Sohn einer wohlhabenden amerikanischen Familie ein Aussteiger geworden ist, der in Alaska, in the middle of nowhere, elendig zu Tode gekommen war.

Ein paar Tage später war ich on the road. Von Montréal aus führte mich die Reporterreise durch den amerikanischen Getreidegürtel nach South Dakota, Montana, Wyoming, später nach Seattle und von dort aus nach Alaska. In South Dakota verbrachte ich einige Tage mit dem Erntehelfer Wayne Westerberg, einem Navajo-Indianer, der von dänischen Eltern adoptiert worden war. Wayne war für Alex so etwas wie Vater-Ersatz. Alex, der kluge Kopf von der Ostküste. Wayne, der schlaue Fuchs aus South Dakota.

Mit Jack Daniels im Pickup-Truck durch die Prärie

Die Geschichte hinter der Geschichte habe ich den oft nächtelangen Gesprächen mit Wayne Westerberg zu verdanken. Zusammen fuhren wir in einem verbeulten Pickup-Truck durch die Prärie. In der linken Hand eine Flasche Jack Daniels, in der rechten das Lenkrad – so tuckerte ich mit diesem ungewöhnlichen Mann durch den mittleren Westen Amerikas.

Letzte Station meiner Reporter-Reise war Fairbanks/Alaska. Aufgrund der Tagebuch-Aufzeichnungen des jungen Aussteigers wusste ich, wer für mich als Zeitzeuge von Interesse sein könnte. Einer davon war Butch Killian, ein Fallensteller. Er war es, der den toten Alex in einem ausrangierten Stadtbus gefunden hatte – mitten im Busch.

Blockhüttenzauber beim Fallensteller in Alaska

Trapper Butch in Alaska

Fallensteller sind Nomaden ohne festen Wohnsitz. Den Trapper  Butch Killian in der Wildnis von Alaska zu finden, war eine der größten Herausforderungen meines Journalisten-Lebens. Eine zahnlose Indianerin hatte mir den Tipp in einem Coffee Shop am Highway #3 gegeben. Butch Killian lebte in einer Blockhütte im Wald.

Einsam, aber glücklich im Blockhaus

Als ich ihn antraf, tat er das, was Fallensteller so tun, wenn sie von der Trapline zurück kommen: Er häutete die Tiere, die er kurz zuvor gefangen hatte – kein schöner Anblick. Aber das stundenlange Gespräch mit diesem Naturburschen im Schein der Petroleumlampe machte mir einmal mehr deutlich: Es gibt mehr als eine Art zu leben. Butch Killian hatte ein einsames Leben gewählt. Aber, wie mir schien, ein glückliches.

Ich habe oft daran gedacht, die Erlebnisse meiner Reise zu einem Buch zu verarbeiten. Aber als freier Reporter kannst du dich nicht einfach monatelang vom tagesaktuellen Journalismus ausklinken. Und weil solche Geschichten einfach erzählt werden müssen, hat sich viel später erst ein weltbekannter Schriftsteller des Themas angenommen. Jon Krakauer schrieb den Abenteuerroman „Into The Wild“. Ich fand ihn mäßig gut recherchiert und alles in allem nicht sehr authentisch.

Großes Kino: Sean Penn verfilmte die Geschichte von Alex McCandless

Anders der Film, den viele Jahre später Sean Penn als Regisseur für Hollywood drehte. Eine filmisch brillante Umsetzung der Story. Eine Erzählung, die den Aussteiger Alex McCandless als das schilderte, was er war: Ein Abenteurer, der erst sein blitzgefährliches Schicksal heraufbeschworen hatte, um ihm anschließend in den Hintern zu treten.

 

Wahre Helden tragen Helm

IMG_7004In diesem Blog ist immer mal wieder von „Helden“ die Rede. Meistens ist damit mein ganz persönlicher Held Leonard Cohen gemeint, so auch im letzten Blogpost. Dass diese Art von Heldenverehrung stets mit einem Augenzwinkern einhergeht, ist treuen BlogleserInnen sicher nicht entgangen. Aber es gibt auch richtige Helden in meinem Leben. Das sind die Männer und Frauen bei der Feuerwehr.

Was für ein Glück, dass ich im Privatleben noch nie auf die Hilfe der Feuerwehr angewiesen war! Sankt Florian hat also immer gut auf mich und meine Familie aufgepasst.

In meinem Reporterleben hatte ich dagegen häufig mit Feuerwehrleuten zu tun.

Darunter war auch ein jüngst im Alter von 86 Jahren verstorbener Feuerwehrhauptmann, der  hier aus gutem Grund namenlos bleiben soll. Der Mann fuhr mich einmal mit Blaulicht und Martinshorn von meiner Stammkneipe nach Hause. Ohne Not, einfach so. Ganz legal war das vermutlich nicht. Aber sehr cool.

Als Polizeireporter, zuerst im Stuttgarter Raum, später dann in Ulm, war ich bei zahlreichen Einsätzen vor Ort. Ich sah brennende Wohngebäude wie Kartenhäuser einstürzen und war dabei, als Feuerwehrleute aus einem Zementsilo vier Arbeiter bargen, in das sie hineingefallen waren. Für alle Vier kam die Rettung zu spät. Ich war jung und hatte Tränen in den Augen.

Im September 2001 dann mein Reportereinsatz bei 9/11. In New York konnte ich alles, was ich bisher über „die Feuerwehr“ gelesen, gehört und gesehen hatte, vergessen. Tag und Nacht heulten die Löschzüge an mir vorbei. Die Firetrucks hatten Leitern, so schien mir, die so hoch waren wie einst die Twin Towers. Der Lärmpegel in Manhattan war wegen der ständigen Feuerwehreinsätze 24 Stunden am Tag atemberaubend.

Die New Yorker Feuerwehr verlor bei ihren Einsätzen 343 ihrer „Heroes“.

>> Über die Heldenverehrung der New Yorker Feuerwehr hatte ich damals für den WDR auch in meinem „New Yorker Tagebuch“ berichtet <<

Warum mir das alles gerade jetzt wieder einfällt? Weil ich am Wochenende  Zeuge eines dramatischen Feuerwehreinsatzes geworden bin. Bei mir in der Nachbarschaft war im sechsten Stock eines Altenwohnheims ein Brand ausgebrochen.

Innerhalb weniger Minuten waren um die 15 Löschzüge vor Ort. Da wurden in Sekundenschnelle Schläuche gelegt und Leitern ausgefahren, es wurden Kommandos in den heissen Sommerabend hinaus gebrüllt und Menschen aufgefordert, die Ruhe zu bewahren.

Doch selbst in der Hektik schien alles höchst entspannt zuzugehen.

Es war wie im Film. Gut hundert dieser Männer und Frauen kämpften an diesem schwülen Sommerabend nicht1 nur um das Leben der Altenheim-Bewohner sondern auch um den Erhalt des Gebäudes.

Frauen gibt es bei der Montrealer Feuerwehr übrigens immer noch viel zu wenig: Von den 2360 Einsatzkräften sind gerade mal 29 weiblich.

Was mich besonders beendruckt hat, ist der stets hoch professionelle, dabei aber eher kumpelhafte Umgang der Feuerwehrmänner untereinander.

Mein Freund Jean lieferte mir später die Erklärung dafür. Die Montrealer Berufsfeuerwehr sucht ihre Mitglieder nicht nur nach Fitness, Erfahrung und technischem Knowhow aus. Es muss vor allem die Chemie untereinander stimmen. Nur wer im Ernstfall bereit ist, seinen Kollegen zu retten, als wäre er sein bester Freund, taugt für die Feuerwehr. Das scheint zumindest bei den Feuerwehrleuten zu sein, dir mir tagtäglich hier im Stadtteil St. Henri begegnet.

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Gleich bei mir um die Ecke gibt es eine „Fire Station“. Im Sommer sitzen die Männer oft neben den einsatzbereiten Trucks beim Grillen, trainieren auf ihren Fitness-Bikes oder sehen sich gemeinsam einen Film an. Manche spielen Tischtennis, Schach oder werfen auch ein paar Hoops Basketball.

Bis dann die Sirene aufheult, was täglich mindestens ein halbes Dutzend mal passiert. Oft ist es falscher Alarm. Aber ausgerückt wird, als gehe es um Leben und Tod. Oft geht es um Leben und Tod.

Dann zeigen die Männer und Frauen von der Feuerwehr, dass sie mehr drauf haben als Hühnerbeine auf den Grill zu legen. Sie retten Menschenleben und Häuser.

Das sind die Helden, die ich meine.