Lazy Palma Afternoon

bannerfotoEINEN NACHMITTAG LANG BUMMELN. Unter der mallorquinischen Sonne.. Einfach so. Ohne Ziel. Zwischendurch die kleine Canon-Powershot laden, draufhalten, abdrücken. Fertig. Ein Spaziergang am Yachthafen entlang. Die Seele baumeln lassen. Einen warmen Wintertag in Palma genießen. Sich belohnen mit einem Drink in der Bar Bosch. Besser geht’s nicht.                                                                                            Alle Fotos © Bopp

Palma: Tschüß, Weihnachten!

xmaspalmaSo, das war’s dann wohl mit Weihnachten. Am 28. November war in Palma die Weihnachtsbeleuchtung eingeschaltet worden. Jetzt gehen die Lichter aus.

95 Straßen und 85 Plätze erstrahlten seither allabendlich zwischen 17:30 und 22 Uhr im Lichterglanz. Seit gestern wird nun abgebaut. Schade eigentlich. So viel Mühe, wie sich die Stadtverwaltung mit der Dekoration gemacht hat, habe ich selten irgendwo gesehen.

Aber jetzt ist auch gut. Wenn das Thermometer tagsüber auf 20 Grad klettert, haben auch die schönsten Lampen ihre Schuldigkeit getan – wie hier am Prachtboulevard von Palma, dem Paseo Borne.

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Ein weißer Riese zum Frühstück

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Guten Morgen, Mallorca! Die „Costa Diadema“ zieht lautlos an Palma vorbei.

Palma zieht mal wieder sämtliche Register, um uns willkommen zu heißen. Gestern Abend waren es die Heiligen Drei Könige, die vom Meer kommend durch die Innenstadt promenierten. Heute im Morgengrauen tauchte dann ganz unvermittelt die „Costa Diadema“ am Horizont auf. Ein Schiff zum Frühstück? Besser geht’s nicht.

Was für ein gewaltiger Anblick von der Dachterrasse aus: In der Baulücke zwischen Kathedrale und Königspalast schwimmt am nächtlichen Palma fast lautlos eines der größten Cruisehips vorbei, die Mallorca anlaufen. Das ganze Schiff ist hell beleuchtet, so, als gelte es die noch schlaftrunkenen Palmesanos aus dem Feiertagsschlummer zu wecken. (Übrigens: So wie es Flightradar24 zur Ortung von Flugzeugen gibt, kann der Schiffsverkehr über Marinetraffic.com abgerufen werden.)

Auch am Morgen nach unserer Ankunft in Palma fällt es noch immer schwer zu glauben, dass es sich bei dem Schotter auf unserer Terrasse wirklich um weiße Steine handelt und nicht um Schnee. Der Eissturm, den Montréal für uns noch zum Abschied hingelegt hatte, sitzt immer noch tief in den Knochen.

Und dann die Luft! Nicht sommerlich schwül, eher milde wie an einem Frühlingstag. Dabei ist es auch am Mittelmeer tiefer Winter – zumindest auf dem Kalender. Witzig, wie sich Palmesaos bei 15 Grad Celsius wattierte Parkamützen ins Gesicht ziehen. Die Dachterassen rund um uns herum: wie ausgestorben. In Kanada wäre das T-Shirt-Wetter.

Noch etwas fällt an diesem Morgen auf: Die Globalisierung zieht inzwischen auch in die Ferienwohnungen ein. IKEA macht’s möglich: Nicht nur Tische, Sofa und Betten sehen wie fast überall in der Welt aus. Selbst Tassen, Teller und Servietten kommen vom schwedischen Alleskönner.

Und auch in Palma darf, ganz wie daheim, eine Nespresso-Maschine mit knallbunten Alukapseln ein bisschen die Umwelt versauen. Nur dass der Kaffee am Mittelmeer noch ein bisschen besser schmeckt als zwischen Eis und Schnee.

Königlicher Empfang auf Mallorca

bannerneuAm Ende ging doch wieder einmal alles gut: Die Verspätung, die uns der Eissturm beim Abflug in Montréal beschert hatte, war zwar ärgerlich, die Ankunft in Frankfurt siebeneinhalb Stunden später immer noch zeitig genug, um den Weiterflug nach Palma nicht zu verpassen.

So herb sich Montréeal mit Eis und Schnee von uns verabschiedet hatte, so lieblich war der Empfang auf Mallorca. Um die 20 Grad mit Sonnenschein. Und natürlich Palma-Himmel vom Feinsten. Frühlingsdüfte und blühende Weihnachtssterne – unser kleines Paradies am Mittelmeer hat sich in Schale geschmissen.

Und dann zum Auftakt gleich ein Fest: Die Heiligen Drei Könige kommen in diesen Minuten per Schiff im Hafen an, um anschließend durch die Stadt zu promenieren. Tausende stehen bereits am Straßenrand Spalier, winken Caspar, Melchior und Balthasar zu. Dutzende von Marktbuden laden zwischen Hafen und Blumenmarkt zum Essen, Trinken und Genießen ein. Alles in allem also ein wahrhaft königlicher Empfang.

Aber es gibt auch Trauriges zu berichten: Unsere Lieblings-Bäckerei hat zugemacht. Dort, wo wir jahrelang unser täglich Brot einkauften, ist jetzt ein hipper Schuhladen. Das Stammcafé dagegen gibt es noch. Nicht einmal einen Kellnerwechsel hat es in der Bar Bosch gegeben. Und auch die Preise sind seit unserem vorigen Palma-Aufenthalt unverändert geblieben. Zwei Euro für ein Glas Wein im Straßencafé am Paseo Borne, Palmas Prachtstraße – da wollen wir nicht meckern.

Mehr über unser Winterquartier gibt es an dieser Stelle in den nächsten fünf Monaten zu lesen. Für heute gilt erst einmal: Hallo Mallorca! Tschüss Jetlag! Wie schön, wieder hier zu sein.

Bis demnächst in diesem Blogtheater.

Warten und Bangen im Eissturm

cbcDie Koffer sind gepackt, die Plätze im Flieger reserviert. Alles prima – nur das Wetter nicht. Ein Eissturm hat die Stadt meines Herzens heimgesucht. Ausgerechnet am Tag unserer Abreise nach Mallorca herrschen auf dem Montrealer Airport chaotische Zustände. Praktisch jeder Flug hat Verspätung, mehr als die Hälfte aller Abflüge wurden seit dem frühen Morgen ganz gestrichen.

Mallorca oder doch noch Montreal? Das wird sich im Laufe der nächsten Stunden entscheiden. Bis kurz nach 17 Uhr EST hat Petrus Zeit, sich noch einmal zu berappeln. Sollte der Air Canada-Flieger nach Frankfurt nicht rechtzeitig den Aéroport Pierre Trudeau verlassen, wäre unser Weiterflug nach Palma in Gefahr.

Ach ja, Kanada und das Wetter. Müsste ich nach mehr als 30 Jahren Bilanz ziehen über die Pros und Kontras des Lebens hier, stünde ganz oben das Wetter. Sowohl auf der Pro- als auch auf der Kontra-Seite. Beständige, heiße Sommer mit atemberaubend schönen Herbsttagen am Seeufer würden die FÜR-Chronik schmücken. Schmuddelige Frühlingstage mit schmutzigen Eisplacken und Schmelzwasserseen auf den Straßenkreuzungen stünden auf der GEGEN-Seite.

Und immer wieder Eisregen im Winter. Vor allem in den letzten Jahren hat die Zahl derbannertrip Tage, die nicht Fisch sind und auch nicht Fleisch, drastisch zugenommen. War es zu Beginn meiner Kanada-Zeit beschlossene Sache, dass der Winter klirrend kalt und der Sommer glühend heiß ist, schlägt das Klimapendel inzwischen aus, wie es will. In diesem Teil Kanadas ist Eisregen mehr als nur ein lästiges Wetterphänomen. Der Strom kommt aus dem Norden, die Fernleitungen verlaufen über der Erde. Bilden sich auf den Kabeln dicke Eisschichten, reissen die Leitungen. Die Folge: Die riesigen Masten knicken um wie beim Mikado.

So schlimm ist es im Augenblick noch nicht. Gut 150.000 Menschen sind derzeit ohne Strom. Anders als vor 17 Jahren. Damals saßen eine halbe Million Haushalte bis zu drei Wochen in der Kälte und im Dunkeln. 28 Menschen starben.

Also doch ein Luxusproblem, der Eisregen von heute? Schon. Und doch muss man sich mit ihm auseinandersetzen. Fast kommt es mir vor, als würde uns Petrus noch einmal den Mittelfinger zeigen, ehe wir dem kanadischen Winter in Richtung Spanien entfliehen.