Schwäbisches am Mittelmeer

spaetzleRouladen mit Spätzle. Schwäbische Maultaschen. Leberkäs mit Kartoffelsalat. Das alles mit Meerblick unter der mallorquinischen Sonne – ach, das Leben kann ja so schön sein!

Für einen emigrierten Schwabo-Kanadier, der fast sein ganzes Erwachsenenleben im spätzlesfreien Montréal verbracht hat, ist das „Ballermännle“ in C’an Pastilla die kulinarische Entdeckung schlechthin.

Wer am Strand entlang von Palma in Richtung Arenal spaziert, kann es nicht verpassen: Noch lange vor dem Ballermann liegt in der ersten Meeresreihe das „Ballermännle“. Marion, die gute Seele des Hauses, hat ihre Wurzeln in Oberhausen. Das restliche Personal setzt sich aus Deutschen und Spaniern zusammen.

Die Kässpätzle schmecken wie „dohoim“ und das, was der ordentliche Deutsche als Preisleistungsverhältnis bezeichnet, stimmt auch. Und wie! Wer im „Ballermännle“ speist, fragt sich schon mal: Wie schaffen die diese Qualität bei solchen Preisen?

Zugegeben: Ein bisschen schräg ist es schon, am Mittelmeer vor einem Teller Spätzle zu sitzen und dabei von Melodien eingelullt zu werden, die ein rumänischer Tausendsassa aus seiner Quetschkommode zaubert. Aber was soll’s? Warum soll die europäische Idee ausgerechnet beim Leberkäs aufhören?

Und überhaupt: Warum soll Hausmannskost im Ausland eigentlich off limits sein? Zumal im Ballermännle neben schwäbischen Speisen vorzügliche spanische und sogar italienische Küche serviert wird.

Wem das Ballermännle zu sehr happy-la-rustica ist, kann sich seine Tapas ja vom Sternekoch servieren lassen. Davon gibt’s auf der schönsten Insel der Welt schließlich einige. Aber garantiert nicht zu Preisen wie beim Ballermännle.

Und auch nicht mit einer geschäftsführenden Kellnerin namens Marion, die zeigt, wie guter Service auch dann noch mit einem Lächeln im Gesicht geht, wenn der Laden mal wieder rappelvoll ist.

Restaurante Ballermännle

Avenida Bartolomé, Riutort No 91,

07610 Ca’n Pastilla – Playa de Palma

Freundlichblau statt kanadakalt

blau

„Der Himmel ist heute mal wieder stahlblau“, frohlocke ich. „Nein“, sagt sie, „stahlblau wäre ja kalt“. Stimmt. Was also? „Der Himmel ist freundlichblau und warm“, sagt sie dann. Genau. Das ist es: Freundlich und warm. Mallorca eben.

Nicht immer war die Luft warm und der Himmel freundlichblau in den letzten Tagen. Allzu oft war er grau und wolkenverhangen. Da fällt dann irgendwann auch ein Satz wie: „Und dafür sind wir um die halbe Welt geflogen“? Unfair, schon klar. Aber Empfindungen wie diese zeigen, wie sehnsüchtig sich der vom kanadischen Winter entwöhnte Körper nach Licht und Wärme sehnt.

Das war nicht immer so. Es gab Zeiten, da konnte es mir in Kanada nicht kalt genug sein. Minus 30 Grad? Pah! T-Shirtwetter. Minus 40? Knackig kalt, aber irgendwie exotisch. Bei minus 50 Grad Celsius, was in Manitoba schon mal vorkommt, reicht es dann aber auch dem radikalsten Kälte-Extremisten. Aber wenigstens hat er beim nächsten Besuch im Allgäu etwas zu erzählen.

Wieder etwas gelernt: Mit zunehmendem Alter nimmt die Kältetoleranz ab. Wenn das so weiter geht, verbringe ich mit 75 meine Tage nur noch in der Sauna.

Und jetzt also Mallorca. Kälter als zwölf Grad war es seit unserer Ankunft vor einem Monat selten. Anfangs herrschten gerade hochsommerliche Temperaturen. 25 Grad in der Sonne fühlen sich hier schnell an wie 30. Man konnte sich daran gewöhnen.

Kässpätzle in der Schinkenstraße

schinkenbanner

Ich hab’s getan – und schuld daran ist Günther Jauch. Er hatte in seiner letzten Millionärs-Sendung einen Kandidaten gefragt, wo er denn seine Frau kennen gelernt habe. Der antwortete: „Am Ballermann. Danach sind wir in die Schinkenstraße gegangen“. Ein Ortstermin.

Die Schinkenstraße ist eigentlich eine Gasse. Sie führt am „Ballermann 6“ vom Meer weg in Richtung Norden. Im Sommer soll dort die Post abgehen. Horden von Touristen vergnügen sich dort angeblich rund um die Uhr mit Komasaufen und Schlimmerem. Zu erkennen sind sie an Sangria-Eimern, aus denen meterlange Strohhalme ragen. So viel zum Klischee.

Die Wahrheit sieht anders aus: Es ist Winter auf Mallorca und der Sangria bleibt im Schrank. Kaum mehr als ein Dutzend Touristen haben sich während meiner Stippvisite hierher verirrt. Die Straße selbst ist von allem ein bisschen: Ein bisschen heruntergekommen, ein bisschen interessant, ein bisschen langweilig. Und auch ein kleines bisschen schön.

Es wachsen Palmen entlang der Schinkenstraße. Und hört man genau hin, kann man sogar das Rauschen des Meeres vernehmen. Vor allem aber hört man Schlager wie „Schöne Maid“ oder „Ein Bett im Kornfeld“. Auch heute. Die wenigen Läden, die geöffnet haben, heißen Bierkönig, Grillmeister oder Donnerbalken.

Der Schilderwald ist unübersichtlich und auch ziemlich daneben. Da zeigt ein Pfeil zum deutschen Arzt und ein anderer, unmittelbar darunter, zur „Grand Prix Fahrschule“. Und dann ist da noch der Hinweis auf eine Wechselstube. Dem Schild zufolge können dort immer noch DM umgetauscht werden. Wer’s glaubt, wird (bier)selig.

Die Erotikschuppen sind geschlossen. Keine rothaarige Lola läuft mir über den Weg und auch keine Blondine, die eigentlich ein Blonder ist. Nichts von alledem. Dafür gibt’s Würste in allen Variationen und Frühstück den ganzen Tag. Nur: Was macht man um diese Jahreszeit in der Schinkenstraße, wenn nicht gerade Frühstückszeit ist?

Zum Beispiel Kässpätzle essen. Die hatte ich schon weitaus schlechter. Allein dafür hat sich der Weg zur Schinkengasse gelohnt.

Peinlich? Nur ein bisschen. Aber keiner wird gezwungen, die Schinkengasse aufzusuchen. Wer’s trotzdem tut, mag entsetzt sein, vielleicht aber auch begeistert.

Mir fiel beim Anblick der Partymeile am Ballermann ein Graffito ein, das ich vor Jahren im Deutschen Klub von Winnipeg/Manitoba gesehen hatte: „Gott schütze mich vor Sturm und Wind und Deutschen, die im Ausland sind“.

Die Schinkengasse gehört nun mal zu Mallorca. Und Mallorca zu den schönsten Flecken der Welt.

>>> Hier gibt’s ein paar Eindrücke von der Schinkenstraße <<<

Forum für Mallorca-Liebhaber

Screen Shot 2014-01-27 at 5.30.58 PM

Na bitte, geht doch: Anders als viele andere Foren und Chatrooms, die ich kenne, gibt es auf Mallorca eine Internetplattform, die wirklich Sinn macht. Das Mallorca Forum wird von den Usern ganz offensichtlich nicht nur angenommen, sondern auch für seinen hohen Informationswert geschätzt.

Hier werden Tipps und Termine ausgetauscht, Reisevorschläge gemacht, Fotos und Blogs eingestellt, das Ganze unter den wachen Augen einer kleinen Riege von wohlwollenden Moderatoren. Alles scheint gut eingespielt. Schließlich gibt es die Community seit zehn Jahren. Inzwischen zählt sie Tausende von Nutzern.

Damit der User von Anfang an weiß, von wem der Tipp kommt, werden die Foristenlogo eingeteilt in „Newcomer“, „Insel-Freunde“, „Insel-Kenner“ und „Insel-Veteranen“. Eine Anmeldung im Forum ist erwünscht, aber nicht zwingend erforderlich. Wer die Registrierung scheut, kommt allerdings nicht in den vollen Genuss der Plattform. Nicht-Registrierte können dann zwar mitlesen, das Posten bleibt allerdings denen vorbehalten, die sich mit Nickname und Email-Adresse angemeldet haben.

In einigen der Foren, in denen ich mich bewege, werden nicht selten Unsinn und wirres Gedankengut verbreitet. Nicht so im Mallorca Forum. Wer hier postet, will weiter. Weiter kommen oder weiter geben. Auf jeden Fall weiter helfen.

Da wird nach Sprachkursen für Neu-Insulaner gefragt und nach Rezepten für Orangenmarmelade. Da werden Kniffe ausgetauscht, wie man wo am besten und kostengünstigsten seinen aus Deutschland mitgebrachten Wagen ummelden lassen kann.

Auch Ladenöffnungszeiten werden gepostet und Termine für regionale Feste. Kleinanzeigen, sofern sie nicht gewerblicher Natur sind, dürfen hier ebenso geschaltet werden wie Erlebnisberichte – alles kostenlos und ohne Zeichenbegrenzung. Selbst die besten Locations für Hobbyfotografen werden gelistet.

Wer sich auf dem Mallorca Forum umsehen möchte, oder vielleicht sogar registrieren – hier ist der Link zur Startseite: http://www.mallorca-forum.com

Mandelblüte auf Mallorca

Mandelbanner

Wer um diese Jahreszeit nach Mallorca kommt, darf ein kleines Wunder erleben. Mitten im Winter blühen die Mandelbäume. Vor allem im Osten und Südwesten der Insel, aber auch in der Küstengegend um Sóller, stehen Tausende der Bäume  in voller Blüte.

Für mich begann die Mandelblüten-Saison gestern in der Gegend von Paguera und Santa Ponça, entlang der Costa de la Calma. Dort sind auch die meisten der Fotos entstanden.

Es gab Zeiten, da war der Mandelanbau für die Bewohner der Balearen (über)lebenswichtig. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Mallorca von einer Reblausplage heimgesucht, die den Weinanbau praktisch zum Stillstand brachte. Und weil die Mallorquiner nie um eine Lösung verlegen sind, wurden eben Mandelbäume angebaut.

Heute gibt es rund 7 Millionen von ihnen. Sie wachsen teilweise wild, werden aber auch auf großen Mandel-Plantagen gezüchtet. cakeDie Ernte der Früchte erfolgt im Hochsommer. Sie ist mühsam und langwierig. Unter den Bäumen werden Netze ausgebreitet. Dann werden die Bäume geschüttelt. Die locker sitzenden Früchte werden mit Stöcken abgeschlagen.

Rund 7000 Tonnen Mandeln werden jedes Jahr auf Mallorca geerntet. Die besten von ihnen werden zu Mandelöl verarbeitet, aber auch zu Mandelschokolade und Mandellikör.

Besonders beliebt ist der Mandelkuchen, der in keiner Bar, keinem Café fehlen darf. Die Krönung: Mit Mandeleis.