Glück gehabt: Maike war hier!

© Maike van den Boom

© Maike van den Boom

Wie ein Wirbelwind reist sie um die halbe Welt: Costa Rica, Dänemark, Island, die Schweiz, Finnland, Mexiko, Norwegen, Kanada, Panama, Schweden, Australien, Kolumbien und Luxemburg. Immer auf der Suche nach dem Glück. Nicht nach ihrem eigenen, denn das scheint Maike van den Boom längst gefunden zu haben. Sie befragt Menschen in 13 Ländern, was sie glücklich macht. – Eine spannende Begegnung mit einer Frau, die sich dem Glück verschrieben hat.

Auf der Skala der glücklichsten Länder rangiert Kanada fast immer unter den ersten zehn. Deutschland liegt im Moment weit abgeschlagen auf dem 26. Platz der World Database of Happiness. Das hat viele Gründe. Wohlstand, sagt Maike van den Boom, ist keiner davon.

Den Beweis, dass Geld allein nicht glücklich macht, erbringt auch der Mann, der die Happiness-Hitparade zusammengetragen hat. Prof. Ruut Veenhoven von der Erasmus-Universität Rotterdam gilt als einer der Pioniere der Glücksforschung. Und natürlich hat die Wahl-Bonnerin van den Boom auch ihren Fast-Landsmann in den Niederlanden interviewt.

Maikes Mutter ist Holländerin, ihr Vater Hamburger. Sie selbst hat einen Teil ihres Lebens in den Niederlanden verbracht und dort auch studiert. Ihren Abschluss in Kunsttherapie machte sie mit einer Examensarbeit über Burn-out bei Männern. Titel: “Die müden Helden”.

In Kanada war die Autorin und Filmemacherin, Anfang 40 und alleinerziehende Mutter, weniger als eine Woche unterwegs, die längste Zeit davon in Montréal. Anschließend reiste sie weiter nach Winnipeg und Brandon in der Prärieprovinz Manitoba. Die kleine Tochter ist derweil bestens aufgehoben bei Oma und Opa.

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In allen Medien unterwegs: Maike am Mikro

Auf ihren Reisen interviewt Maike van den Boom nicht nur Glücksforscher und Einheimische auf der Straße, sondern auch ausländische Journalisten vor Ort.

DER BLICK VON AUSSEN

Korrespondenten haben den Luxus, ihr Gastland in allen Facetten von außen betrachten zu können – in meinem Fall schon seit mehr als 30 Jahren. Entsprechend bunt verlief unser Gespräch. Mehr als einmal musste die Kamera während des Interviews angehalten werden. Der Korrespondent kommt schon mal ins Plappern, wenn er es ist, der interviewt wird.

Das Ergebnis ihrer Recherchen wird voraussichtlich in Buchform erscheinen, eventuell auch als Dokumentarfilm. Mit Sicherheit wird Maike van den Boom ihre weltweiten Erfahrungen aber in ihre Arbeit als gefragte Motivations-Rednerin einbringen.

Schließlich geht es auch bei ihren Vorträgen immer nur um das Eine: Glück.

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Tschüss, Sommer!

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Indian Summer in Québec: Druckfrisch aus dem Bloghaus gibt’s ein neues Herbstfoto. So sieht es in diesem Moment, am 3. Oktober 2013, um genau 14:50 Uhr Ortszeit, an unserer Hütte am Lac Dufresne aus. Kitsch-as-Kitsch-Can made in Canada. Mehr Natur geht nicht.

Die Indianer haben ihre eigene Erklärung für dieses Naturschauspiel: “Wenn der himmlische Jäger den Großen Bären erlegt hat, bedeckt das Blut die Wälder“. Die Erklärung der Biologen ist weniger romantisch als der Mythos der Ureinwohner: Mit Beginn der kühleren Jahreszeit wird die Zuckerproduktion in den Bäumen gedrosselt. Nach den ersten kalten Nächten zerfällt der grüne Farbstoff Chlorophyll. Danach dominieren knallbunte Farben.

Draußen hat es sonnige 17 Grad, drinnen knistert der Holzofen vor sich hin. Auf dem See herrscht absolute Stille. Der nächste Laden ist viele Kilometer entfernt. Lediglich ein paar Loons drehen noch ihre Runden im eiskalten Wasser. Bald werden auch sie in Richtung Süden ziehen. Tschüss, Sommer!

>>>  Indian Summer: Wald in Flammen  <<<

 >>>  Blockhüttenzauber am Lac Dufresne  <<<

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Loons („Kanadische Seetaucher“) auf dem Lac Dufresne.

Toleranz à la Québec

Was geht, was nicht? © Gouvernement du Québec

Was geht, was nicht? © Gouvernement du Québec

Mit das Beste an Kanada war für mich von Anfang an die Offenheit, mit der man hier ethnischen Minderheiten begegnet. Möglich, dass ich diesen Grund demnächst aus meiner Best-Of-Liste streichen muss.

Die Regierung von Québec hat nämlich einen Gesetzentwurf vorgelegt, der gefährlich nah an Rassismus vorbeischrammt: Angestellte des öffentlichen Dienstes sollen während der Arbeitszeit keine Kopfbedeckungen mehr tragen dürfen, die Rückschlüsse auf ihre Religionszugehörigkeit zulassen. Dazu gehören neben Burka und Schleier auch Kippas und Turbane. Auch christliche Kreuze stehen auf dem Index, allerdings erst ab einer bestimmten Größe.

Das mit der Größe kennen wir schon: Warenauszeichnungen in Geschäften sind nur dann auf Englisch gestattet, wenn die französische Version zweimal so groß ist wie die englische. Darüber wacht eine Behörde, die gemeinhin als “Sprachenpolizei” bekannt ist.

Irgendwo muss die viel gepriesene kanadische Freiheit auf ihrem Weg nach Québec im St. Lorenz-Strom untergegangen sein. In Montréal herrschen andere Gesetze als im Rest von Kanada. Manche davon sind wunderbar, weil sie mit Lebensfreude zu tun haben.

Andere sind menschenverachtend, bevormundend und intolerant.

Dazu gehört, dass Bürgern meiner schönen Wahlheimat vorgeschrieben wird, in welche Schulen sie ihre Kinder zu schicken haben. Ob Englisch oder Französisch hängt davon ab, woher die Eltern stammen und in welcher Sprache sie ihre Schulzeit absolviert haben. Und jetzt also die Ausgrenzung ethnischer und religiöser Minderheiten.

Beim Schleierverbot bin ich, speziell wenn es um Lehrerinnen geht, noch dabei. Ich finde, jedes Kind soll die Möglichkeit haben, der Person, die wesentlich für seine Erziehung verantwortlich ist, ins Gesicht schauen zu können. Diese Selbstverständlichkeit ist bei einer verschleierten Frau aber nicht mehr gewährleistet.

Anders beim Kopftuch, dem Turban oder bei der jüdischen Kopfbedeckung, der Kippa. Auch ein Kruzifix stört mich nicht im Geringsten, wenn es von der Ärztin meines Vertrauens oder dem Mann getragen wird, der für meine Steuerrückzahlung zuständig ist.

Warum die Québecer Regierung mit dem Kopftuchgesetz überhaupt eine neue Baustelle aufmacht, ist mir ein Rätsel. Es besteht nämlich überhaupt keine Notwendigkeit. Es drohten weder ein Musterprozess noch Klagen, etwa der Eltern.

Ich denke, es hat damit zu tun, dass die nationalistisch ausgerichtete Parti Québecois unter Pauline Marois bei den nächsten Wahlen am rechten Ufer punkten will. Gut möglich, dass ihre Rechnung in die Hose geht. Die unerwartet hohe Beteiligung bei diversen Demonstrationen gegen das neue Gesetz lässt die Freiheitsliebenden unter uns hoffen.

Umgekehrt sprechen Meinungsumfragen eine weniger deutliche Sprache: So richtig fies finden die Québecer den angestrebten Kopftuchbann offenbar nicht: 45 Prozent sind dafür, 49 dagegen.

Dem Rest ist es offenbar wurscht, wenn aus dem ehemals so freiheitsliebenden Québec eine Gesellschaft wird, in der es wichtiger ist, was auf dem Kopf ist als das, was drinnen abgeht.

Plötzlich verteufeln Politiker die Geister, die sie riefen. Schließlich wurde in der kinderarmen Provinz Québec jahrelang geradezu händeringend um Neueinwanderer geworben. Sie sind gekommen, die Immigranten. Und haben mit ihren Kindern auch ihre Religionen und Werte mitgebracht.

Und auch ihre Kopfbedeckungen.

Großes Kino an der Felseninsel

Costa

Präzisionsarbeit an der Felseninsel Giglio. – © tagesschau.de (Screenshot)

Die Bergung der „Costa Concordia“ im Internet mitzuerleben, ist etwa so, wie Farbe beim Trocknen zuzuschauen. Millimeter für Millimeter löst sich der vor 20 Monaten in Seenot geratene Luxusliner vom Felsen.

Und trotzdem ist der Livestream auf tagesschau.de und anderen Portalen großes Kino. Wer die Zeit und Muße hat, sich die Präzisionsarbeit an der Felseninsel Giglio mitanzusehen, sollte dies tun.

Der Livestrem ist inzwischen nicht mehr abrufbar. dafür gibt es jetzt bei wdr.de dieses Zetraffer-Video.

So ein Parbuckling-Manöver, heißt es, habe es in der Geschichte der Seefahrt noch nie gegeben. Und wird es hoffentlich nie wieder geben.

Menschen in der Muckibude

FitnesscenterDas mit dem Alter(n) ist so eine Sache: Den Berufsjugendlichen willst du nicht geben, weil Lifestyle und Lächerlichkeit dann oft nahe beieinander liegen. Umgekehrt leben wir in einer Gesellschaft, die ungnädig mit Falten, Hängebauch und Kurzatmigkeit umgeht. Da hilft nur eins: Fitnesscenter. Oder doch nicht?

Ich habe das Glück, in einer Wohnanlage zu leben, die über eine eigene Muckibude mit Basketballcourt, Yogaraum und Maschinenpark verfügt. Ein Jahr lang habe ich es geschafft, diesen wunderschönen Gebäudekomplex weitläufig zu umschiffen. Allenfalls Besuchern vom Land, vorwiegend vom Ausland, führe ich den kleinen Sportpalast gerne mal vor. Die Antwort auf die Frage: „Und wie oft trainierst du hier?“, habe ich bisher meist diskret verschluckt und stattdessen die Schlossbesichtigung fortgesetzt: „Und hier geht’s zum Pool“.

Das ist seit einer Woche anders. Ich habe mir einen Ruck gegeben und bin jetzt Stammgast im Fitnesscenter. Und treffe Menschen, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt.

Den Typ im knallroten Einteiler, zum Beispiel, der sich den Luxus eines Personal Trainers leistet. Ein Personal Trainer ist einer, der anderen gegen Geld sagt, wo sie Muskeln bekommen könnten, wenn sie ihm nur richtig zuhörten. Der mit dem Einteiler scheint kein so ein richtig guter Zuhörer zu sein. Das macht mir Mut.

Oder die Blonde, die sich auf der Matte räkelt. Ihr Arsenal an mitgebrachten Wasserflaschen deutet auf eine lange Durststrecke hin. Wohnt die hier? Nein, aber sie nuckelt gerne.

Und all die Menschen mit Knopf im Ohr! Die vielen Fernseher! Die Musik!

So ein Fitnesscenter ist nichts für Traumtänzer. Jeder Quadratzentimeter Wandspiegel erinnert dich auf Schritt und Tritt daran, wie hoffnungslos dein Unterfangen bleiben wird, mit fast 65 noch zu einem Traumbody zu kommen.

Deine eigene Wahrnehmung relativiert sich schnell, wenn du beim Strampeln in der Muckibude einen wahren Adonis vor dir hast, von dem mein gewichtiger Kumpel Doug sagen würde: „I hate him already!“ Ich dagegen gebe dem Laufband Saures und stampfe diskret meine Meilen ab.

Wobei: Diskretion ist gar nicht so einfach, wenn der anfängliche Kampfschrei zum Hecheln gerät und schließlich in einem kaum hörbaren Röcheln versiegt.

Ich sehe sie schon, die Traueranzeige: „Herbert. Beim Sport auf dem Laufband gestorben“.

Wetten? So ein Satz in der Zeitung würde meinen ungläubigen Kumpels ein freches Grinsen ins Gesicht zaubern.

Allein dafür hätte sich mein Besuch in der Muckibude schon gelohnt.