Happy Birthday, Kanada-Blog!

Fast hätte ich’s vergessen: Der Kanada-Blog feiert heute seinen ersten Geburtstag. Genau vor einem Jahr war hier der erste Blog-Eintrag zu lesen. Bilanz nach 257 Blogposts? Spaßfaktor hundert. Tendenz steigend.

Dabei war der Anfang alles andere als spaßig. Es war der Frust über das kanadische Gesundheitswesen, der mich am 8. August 2011 zum Schreiben dieses Internet-Tagebuchs animiert hatte.

Erst der Frust, dann der Spaß

Leider hat sich die Situation in den Krankenhäusern seither nicht verbessert, sondern eher noch verschlimmert. Wer in diesem Land einen Hausarzt hat, darf sich glücklich schätzen. Ein Termin beim Facharzt ist wie ein Sechser im Lotto. Beispiele von Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung, die sich in lebensbedrohlichen Situationen befinden und seit Monaten auf fachärztliche Behandlung warten, gibt es viel zu viele.

Aber lassen wir das. Das Einjährige soll schließlich gefeiert und nicht bejammert werden.

Spaß hat vor allem das Schreiben der kleinen Geschichten gemacht, die das Leben dem Blogger in den digitalen Block diktiert hat. Geschichten aus Deutschland und Mallorca. Und immer wieder Geschichten aus meiner Wahlheimat Kanada. Hier lebe ich seit mehr als 30 Jahren. Ein Ende der Liebe zu diesem herrlichen Land und seinen wunderbaren Menschen ist nicht in Sicht.

Vielen von Ihnen scheint mein Blog genau so viel Spaß zu machen wie mir. Das zeigen die zahlreichen Kommentare, die regelmäßig eingehen. Herzlichen Dank dafür.

Und das haben Sie am häufigsten angeklickt:

Der am häufigsten aufgerufene Beitrag des vergangenen Jahres war übrigens … tataaahh:

Was ich mir zum Jubiläum wünsche? Weiterhin gute Geschichten. Und: Dass Sie mich auch in Zukunft auf meinen Reisen in die Untiefen des kanadischen Alltags begleiten.

Like a Rolling Stone …

Seit ein paar Wochen gibt es an unserem See eine bedrohliche Situation. Das heißt, eigentlich sind es zwei. Die eine hat damit zu tun, dass ein Bär gesichtet worden ist und keiner weiss, wo er sich wann gerade aufhält. Damit kann ich gerade noch leben. Ich weiss ja selber oft nicht so richtig, wo ich gerade bin. Echt bedrohlich finde ich aber einen Felsbrocken, der etwa 20 Meter oberhalb unserer Blockhütte zu einem Haifischkopf mutiert ist.

Die Sache mit dem Bär beunruhigt die Leute am See nur bedingt. Bären gehören zu Kanada wie Dopingsünder zur Tour de France. Man weiss, dass es sie gibt. Manchmal ertappt man einen, meistens aber auch nicht. Kanadiern wird der richtige Umgang mit Bären schon im Kindergarten beigebracht. Nur: Was ist der richtige Umgang? „Beim Anblick totstellen“, hat mir einmal ein Wildbiologe in Alaska verraten. Leicht gesagt. Stellen Sie sich mal tot, wenn ein fünf Zentner schwerer Braunbär in Ihre Richtung torkelt.

Tot stellen oder Krach machen: So schlägt man Bären in die Flucht

„Krach machen“, hat mir ein anderer Bärontologe verraten. Am besten immer singen, laut reden oder eine Blechdose hinter sich herziehen. Auch nicht so praktikabel. Sind Sie schon mal mit einer leeren Suppenbüchse im Schlepptau über einen Campingplatz marschiert? Auch das mit dem Reden ist so eine Sache, wenn keiner da ist, der zuhört. Zu viele laute Selbstgespräche und du landest schnell in der Klappsmühle.

Vergessen wir also den Bären. Irgendwann wird er schon wieder verschwinden. In der Zwischenzeit muss sich unser Seenachbar Monsieur Bertrand vielleicht noch ein paar Mal ärgern. Dem hat der Bär jetzt schon wiederholt das Vogelhaus aus der Verankerung gerissen, um an Nahrung zu kommen. Denn daran mangelt es den Bären ja wohl, sonst würden sie sich bestimmt nicht in besiedelte Gegenden wagen. Die Hitzewelle der letzten Wochen und Monate hat den Blaubeerbestand dezimiert. Und da Bären nichts lieber fressen als Beeren, tun sie sich mit der Nahrungssuche schwer. Armer Bär.

Seit zwei Milliarden Jahren in Schräglage – und jetzt das!

Kommen wir also zur eigentlichen Gefahr, die zurzeit am Lac Dufresne lauert. Zum Felsen. Dieser Gesteinsbrocken ist so groß wie ein VW-Golf und steht direkt oberhalb unserer Cottage in Schräglage. Seit etwa zwei Milliarden Jahren. Der Fels gehört zum Canadian Shield und ist damit Teil der weltweit ältesten Gesteinsformation. Vermutlich hat er schon Indianderschlachten und Eiszeiten hinter sich, Geröll-Lawinen, Vulkanausbrüche und auch den einen oder anderen Tsunami – keine Ahnung. Jedenfalls hat sich jetzt eine fette Scheibe vom Fels gelöst, einfach so. Abgesplittert ohne Fremdeinwirkung. Blechschaden am Stein.

Das allein wäre nicht weiter schlimm. Nur: Der Felsen hat jetzt keinen natürlichen Halt mehr und sieht aus, als könnte er sich jeden Moment selbstständig machen. Und da der Golf on the Rock unmittelbar auf unser Häuschen losrasen würde, ist die Katastrophe programmiert. Es kann sich nur noch um ein paar Millionen Jahre handeln.

Wir sind hier nicht bei Hinkelsteins

Was also tun? Sprengen, damit sich die Gefahr in Luft auflöst? Kommt nicht infrage. So was überlassen wir den Taliban. Abstützen? Ja, aber womit? Wer oder was würde einen tonnenschweren Felsbrocken auf Jahre hinaus vom Weiterrollen abhalten können? Wir sind hier schließlich nicht bei Hinkelsteins.

Lassen wir also alles wie’s ist, Und singen lauthals gegen Bären an. Like a Rolling Stone.

Ein Handyman für alle Fälle

Auf der Hitparade der Berufe kommt bei mir der Handyman gleich hinter dem Gehirnchirurgen, dem Rettungssanitäter und dem Feuerwehrmann. Handymen sind Menschen, die alles reparieren, alles bauen, alles wissen und oft auch alles nehmen, was sie kriegen können.

Ein Handyman ist eine Allzweckwaffe, die den Baumarkt im Westernschritt durchschreitet und alles blickt. Er ist an seinem breiten Ledergürtel zu erkennen, an dem Schraubenzieher, Zangen und Hämmer hängen wie Colts oder Trophäen aus gewonnenen Häuserschlachten. Gute Handymänner können fast jeden Preis verlangen, denn sie sind selten. Schlechte Handymänner gibt es an jeder Ecke. Wir hatten innerhalb weniger Wochen von jeder Sorte einen.

Alan: Star-Handyman mit Allüren

Alan ist ein virtuoser Schrauber, aber auch eine Primadonna, die zuweilen wie Rumpelstilzchen tanzt, wenn ihr etwas nicht passt. Alan baute für uns eine traumhafte Holztreppe, ein innenarchitektonisches Gesamtkunstwerk, das vom Loft in eine Zwischenetage führt. Seine Hammerschläge sind dramaturgisch so perfekt gesetzt, dass man für sein nächstes Klopfkonzert Tickets vorbestellen möchte. Aber wahrscheinlich sind die Darbietungen des Maestro auf Jahre hinaus ausgebucht. Und weil es sich Starschrauber wie Alan leisten können, nicht jedes Lala-Engagement anzunehmen, musste für die lächerliche Installation einer Vorhangstange in mickrigen fünfeinhalb Metern Höhe eben ein neuer Handyman her.

Pierre: Schrauber mit Ansage

Der heisst Pierre und ist das genaue Gegenteil von Alan. Er schnallt ausser seinem imposanten Gürtel gar nichts und kann einen Dübel gerade mal von einer Schraube unterscheiden. Schon der Anblick seiner Toolbox hätte bei mir tausend Lämpchen aufblinken lassen müssen. Sie erinnerte mich in ihrer Schlichtheit an Werkzeugkästen, wie man sie kleinen Buben zur Erstkommunion schenkt.

Um die fünf Meter lange Metallstange vom Baumarkt ins Loft zu transportieren, braucht Pierre Hilfe. Meine Hilfe. Sein Kleinstwagen müsste eigentlich schon im Leerzustand wegen Überfüllung geschlossen werden. Es ist wegen mangelnder Sitzgelegenheiten allenfalls noch Platz für eine Tageszeitung, sofern es sich nicht um die Wochenendausgabe handelt. Aber es hilft alles nichts, Pierre braucht mich als den Mann, der ihm die Stange hält.

Im Kleinstkleinwagen durch St. Henri

Auf dem Dach von Pierres Kleinstkleinwagen gibt es keinen Gepäckträger. Wozu denn auch, schließlich bin ich ja da. Pierre befiehlt mir, auf dem Rücksitz hinter dem Fahrersitz Platz zu nehmen. Ich schaufle mir meinen Weg also durch Schraubenschachteln, Vesperbrotpapiere, abgenagte Hühnerknochen aus Kentucky und Kaffeebecher von MacDoof bis Burgerking frei und nehme den mir zugewiesenen Sitzplatz ein. Den linken Arm strecke ich auf Pierres Geheiß durchs Fenster und greife mir die Eisenstange auf dem Dach. Pierre macht es mir vom Fahrersitz aus vor. Zwei Männer, eine Stange, kein Dachständer. Und zwei Kilometer Fahrt vor uns.

Auf geraden Strecken ist das Festhalten einer Metallstange auf einem Autodach zwar eine ungewöhnliche, aber alles in allem doch überschaubare Herausforderung. Nicht so in scharfen Kurven. Von denen gibt es im Stadtteil St. Henri viele und Pierre kennt sie alle. Als einer, der nur hin und wieder einen gültigen Führerschein besitzt, kennt er auch alle Schleichwege. Vor allem die, die ihm die Polizei vom Halse halten.

Der Boss und sein Helfer

Ich bin zwar derjenige, der Pierre bezahlt. Aber er ist jetzt der Boss und ich sein Helfer. In Linkskurven heißt Pierres Parole: „Dagegendrücken, fester!“ In Rechtskurven: „Ziehen, jetzt ja nicht loslassen!“ Das Ganze in einem Quebec-Französisch, das eher wie Polnisch rückwärts klingt. Das Festhalten einer fünf Meter langen Eisenstange, die vorne und hinten je einen Meter über die Autolänge hinausragt, liesse manchen Muckibuden-Besucher alt aussehen. Und mich uralt bis scheintot.

Transport geschafft! Das Festmachen der Stange in luftiger Lofthöhe wäre für einen Starhandyman wie Alan glatte Routine, ein Job zwischen zwölf und Mittag. Nicht aber für Pierre. Der kommt schon bald an seine handwerklichen Grenzen, droht an der Aufgabe geradezu zu zerbrechen. Es tut weh, diesem Mann zuzusehen, der so willig, so liebenswürdig und dabei so untalentiert ist. Jeder Handgriff wird wortgewaltig anmoderiert. Lore beklatscht jeden Dübel, der Schrauber verneigt sich jedes Mal in Dankbarkeit für so viel Anerkennung. Warum dieser Mensch Handyman und nicht Anchorman geworden ist, bleibt sein Geheimnis.

Wenn die Stange durchhängt wie eine Banane

Irgendwann ist der Auftrag erledigt. Oder so ähnlich. Pierre wischt sich den Schweiß von der Stirn. Ich mir auch. Lore klatscht. Danke, lieber Loftgott! Wir haben jetzt eine Vorhangstange und es gab weder Tote noch Verletzte. Schade nur, dass die Eisenstange schon nach einer Woche in die Knie geht und durchhängt wie eine Banane in fünfeinhalb Meter Höhe. Es hätte geholfen, wenn Pierre den richtigen Dübel zur richtigen Schraube im richtigen Abstand gesetzt hätte.

Lore macht das. Ohne Pierre. Ohne Anmoderation. Und keine Banane weit und breit.

Ab heute: New Kid on the Blog

Es gibt sie noch, die guten Seiten. Eine davon kommt aus Paris und heißt www.easyvoyage.de/kanada Einen Link dazu finden Sie ab sofort auf der rechten Navigationsleiste der Startseite unten.

Warum iausgerechnet diese Seite? Weil sie, im Gegensatz zu Dutzenden anderer Länderseiten, gute Tipps und wertvolle Informationen bietet.

Hanna Werner von easyvoyage.de hat mir eine nette Mail geschickt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

„Wir sind nach einiger Recherche im World Wide Web auf Ihren Kanada Blog gestoßen und waren begeistert, denn er macht auf eine humorvolle Art und Weise Lust zu verreisen. Der Inhalt Ihres Blogs ist qualitativ hochwertig und beruht auf gut recherchierten Informationen, das kann man leider nicht von jedem Blog behaupten.“

Danke für die Blumen. Und damit mich eine elegante Gelegenheit, meinen Blog einem neuen Leserkreis vorzustellen, ohne dafür Anzeigen auf meiner Seite platzieren zu müssen. Nach wie vor gilt natürlich: Das Abo für den Kanada-Blog ist kostenlos und ich verdiene damit keinen Cent.

Warum dann der Aufwand? Weil es Spaß macht, möglichst viele Facetten meiner zweiten Heimat Kanada zu bedienen und sie in Form eines digitalen Tagebuchs mit Freunden, Familie und Bekannten, aber auch mit mir völlig fremden Menschen zu teilen.

Deshalb: Weiterhin viel Spaß beim Lesen. Und: Herzlich willkommen, Easyvoyagisten!

Ein bisschen wie Disneyworld

Wildnis und Kommerz sind in Kanada manchmal nahe beieinander. Nehmen wir den heutigen Tag: Du frühstückst noch gemütlich an deinem See, keine Menschenseele weit und breit. Zwei Kolibris liefern sich am Zuckerwasserhäuschen die tägliche Schlacht am kalten Büffet, Eichhörnchen und Chipmunks stehen zur Begrüßung vor der Blockhütte stramm, in der Hoffnung, einen der Kirschkerne vom Vorabend zu ergattern. Ein Loon, der kanadischste Seevogel aller Seevögel, spielt das tägliche Versteckspiel mit sich selbst, taucht ab und auf und ab und wieder auf, so lange, bis er den Spiegeltanz satt hat und mit einem Fisch im Schnabel davon fliegt.

Morgens am Lac Dufresne

Das knallrote Kanu in der Bucht vor deiner Hütte wippt wichtig im Takt der Wellen. Du ignorierst es, schnallst stattdessen den Rucksack um und wanderst vom Tal auf dem steilen Waldweg dem Gipfel entgegen. Dort wohnt dein Auto, schlummert eingestaubt vor sich hin. Und freut sich, Herrn und Frau Blockhäuslesbesitzer aus der Wildnis in die Zivilisation kutschieren zu dürfen. Und sei es nur für einen wolkenverhangenen Tag.

Die Wildnis heißt Lac Dufresne und liegt zwei Autostunden nördlich von Montréal. Die Zivilisation taucht eine weitere Autostunde Richtung Norden am Horizont auf und nennt sich Mont Tremblant. Ein bisschen Disneyworld im kanadischen Nirgendwo. Spielwiese für Cityslickers.

Mittags am Spa de Mont Tremblant

Mont Tremblant ist eine schrille Ansammlung von exquisiten Ferienhäusern, handverlesenen Hotels, feinen Boutiquen und Restaurants mit bunten Blechdächern und falschen Erkern. Man isst dort Bratwurst mit Sauerkraut, Steak frites, Fajitas oder auch Crêpes mit Blaubeermarmelade. Wer die Taler locker sitzen hat, darf sich auch sternemässig bekochen lassen. Der Liquor Store führt Veuve Clicquot und edle Weinsorten aus Frankreich, Italien und Chile. Tommy Hilfiger ist hier und all die anderen, deren Namen jeder kennt wie Coca Cola und McDoof. Ein viel zu grosser Grußaugust auf einem viel zu kleinen Fahrrad bringt kleine Kinder manchmal zum Lachen.

Ein bisschen St. Moritz, ein wenig Disneyworld

Mont Tremblant ist ein Ferienort, in dem sich im Winter vor allem Japaner, Südamerikaner und auch Erholungssuchende aus Europa zum Skifahren, Snowboarden und Eissurfen treffen. Ein bisschen Sankt Moritz für nicht ganz Arme. Nicht gar so mondän, aber fast so teuer. Im Sommer wimmelt es in den Resorts von Kurzeitreisenden, die sich im Spa verwöhnen lassen, nachdem sie den Golfschläger verstaut haben. Aber auch von wulligen Wanderern, die tagsüber ihre Kletterkünste an den steilen Felsen der Umgebung üben und sich abends bei Bier und Chips in der micro brewery treffen, wo der Saft, der oben aus dem Zapfhahn kommt, unten im Keller gebraut wird.

Schrill und laut und gar nicht kanadisch

Wer schlecht zu Fuß ist oder schlicht keinen Bock auf Bewegung hat, kann sich kostenlos in der Stehgondel von einem Ende bis zum anderen schippern lassen – immer in Sichtweite über den roten, grünen und senfgelben Blechdächern von Mont Tremblant. Wer danach immer noch nicht genug hat, zahlt von jetzt an ziemlich viel für ziemlich wenig Höhenmeter. Eine Seilbahn bringt dich jetzt auch noch auf den letzten Gipfel. Von hier aus blickst du ins Tal, über die bizarre Stadt, die wie Disneyworld anmutet und auf den See, der dich daran erinnert, dass du dich doch noch irgendwo in der kanadischen Natur befindest und nicht im vergnügungssüchtigen Amerika.

Ein Haus, nicht teurer als ein Gebrauchtwagen

Nach ein paar Stunden ist dann aber auch gut und du freust dich wieder auf deinen See, fährst vorbei an Häusern und Hütten, in denen Menschen wohnen, von deren Leben du keine Ahnung hast. Du fragst dich, wie Leute eigentlich ticken, die alle vier Jahreszeiten in einem Trailer verbringen, der nicht mehr kostet als ein schlecht gepflegter Gebrauchtwagen.

Keine Fabrik weit und breit, nur Wälder und Seen, ein paar Tankstellen, ein Videostore und ein Tante-Emma-Laden, der hier Dépanneur heißt und tatsächlich, wie der Name sagt, Pannenhilfe-Funktion hat. Hier bekommst du Glühbirnen und Bananen, Kondome und Nachttischlämpchen – nichts ist dem Kanadier fremd, der es sich, jeder auf seine Façon, nett machen möchte.

Ein Traum für 18 000 Dollar

Und dann, als sich der Tagesausflug von deiner Blockhütte in die Zivilisation und wieder zurück schon fast dem Ende zuneigt, stehst du fassungslos vor einem Retro-Reisebus aus den 50er-Jahren, den ein Mensch in dieser herrlichen, aber gottverlassenen Gegend zwischen Busch und Ballaballa zu seinem Heim umgebaut hat. Violett ist er, der Bus. Und zu verkaufen. Für 18 000 Dollar.

Die Fata Morgana hat einen Namen: „Just A Dream“, steht auf dem Schild über der Windschutzscheibe. Und plötzlich hast du das Gefühl, der Bus habe in dem Film „Priscilla, Queen of the Desert“ Fahrerflucht begangen und gehöre in Wirklichkeit nach Australien und nicht in die kanadische Wildnis.

Dir ist, als lebe nicht der Bus gerade seinen Traum, sondern du.