Traumjob auf den Weltmeeren

hafenIn Palma habe ich neulich einen Mann mit einem ungewöhnlichen Job kennen gelernt. Er ist Bootsbauingenieur und spielt Feuerwehr auf den Weltmeeren. Wenn auf irgend einer Luxusjacht ein technisches Problem auftritt, lässt er sich vom Bootsbesitzer einfliegen. Dann wird ihm ein Privatjet bereitgestellt, der ihn, sagen wir mal, zu einem Stützpunkt auf die Fidschi-Inseln bringt. Von dort aus geht es per Helikopter zur Jacht.

Hat das Schiff, das es zu reparieren gilt, einen Heli-Pad, landet der Hubschrauber direkt auf der Jacht. Gibt es keinen, lässt sich der Bootsbauer schon mal vom Helikopter aus der Luft abseilen, um an Bord zu kommen.

Der Mann ist selbständig und arbeitet von Berlin aus. Seit Jahren bereist er die ganze Welt. An die ganz großen Jachten, wie die von Abramovich oder Steve Jobbs, kommt er nicht. Denen stehen eigene Bordingenieure zur Verfügung. Aber abgesehen von diesen Hingucker-Jachten, die ja inzwischen auch durch die Medien gegangen sind, war der Mann schon auf ziemlich vielen Booten. Auch auf solchen, die unsereins allenfalls aus der Zeitung kennt, oder vielleicht mal vor Anker liegend in Palma oder irgendeinem anderen Urlauberhafen gesehen hat.

Es sei sein Traumjob, erzählte mir der Ingenieur. Er reise gerne, spreche mehrere Sprachen und habe auch einen ausgeprägten Helferinstinkt. Über Geld haben wir nicht gesprochen. Darüber gäbe es bestimmt auch einiges zu erzählen.

Traumjobs gibt es also immer noch. Mein Kumpel Jörg hat sogar zwei davon. Auch ich zähle mich zu denen, die ihr Leben nicht träumen, sondern ihren Traum leben. Journalist ist für viele noch immer ein Traumberuf. Ich bekomme das zurzeit in Köln mit. In meinen Seminaren habe ich es ausschließlich mit jungen Journalisten zu tun. Fernsehen, Radio, Internet.

Manchmal sehe ich einen Seminarteilnehmer Jahre später im Fernsehen als Korrespondent vor dem Weißen Haus oder in einem Dokumentarfilm über Extremsportarten.

Es ist schön, anderen Menschen bei der Erfüllung ihrer Träume zuzusehen. Noch schöner ist es, seinen eigenen Traum zu leben.

Viel Regen, wenig Manieren

regenKöln ist eine schöne Stadt und Deutschland ein tolles Land. Aber es ist Mitte April und der Himmel ist grau und die Bäume sind noch kahl. Außerdem wird es gleich wieder regnen und ich frage mich, wie es jetzt wohl in meinem geliebten Palma aussieht. Oder in meiner kanadischen Heimat Montreal.

Die Antwort aus Mallorca liefert die Frau, die gewöhnlich an meiner Seite ist: Herrlicher Sonnenschein, strahlend blauer Himmel. Und richtig warm. „Ich war heute am Meer spazieren und vermisse dich“. Danke, ich dich auch.

Die Leserin aus Montréal schreibt, sie vermisse in den letzten Tagen neue Blogposts und verabschiedet sich dann mit „lieben Grüßen aus dem Winterwonderland“.

Hallo? Spinnt Petrus jetzt wirklich? Vor drei Wochen war Frühlingsbeginn und es schneit noch immer! Das ist selbst für Kanada ungewöhnlich. Der Klick auf die Live-Webcam in Montreal bestätigt die Wetter-Info schwarz auf weiss. Oder vielmehr weiss auf schwarz: Auf dem Plateau-Montreal liegt Schnee.

Das mit den fehlenden Blogeinträgen in den letzten Tagen hat viel mit Arbeit zu tun, aber auch ein bisschen mit Stimmung. Die ist seit meiner Ankunft in Köln vor vier Tagen ein wenig wie das Wetter. Die Sonne hat sich nur einmal kurz gezeigt. Ausgerechnet in dem Moment, als ich sie nicht brauchen konnte und der Projektor im Seminarsaal Überstunden machen musste, um trotzdem einigermaßen klare Bilder auf die Leinwand zu werfen.

Nicht viel Neues also. Das heißt doch: In meinem Stamm-Hotel wohnen zurzeit jede Menge Menschen, die Lebensmittel nicht zu schätzen wissen. Das tut weh und es ärgert mich auch richtig. Am Frühstücksbuffet schaufeln sie sich die Teller voll, bis der Speck über den Tellerrand hängt und Würstchen zu Boden fallen. Dann lassen sie auf den Tischen angebissene Brötchen, Erdbeeren und Käsebrocken zurück, aber kein Trinkgeld. Gute Manieren gehen anders.

Die Frühstückskellnerin, die aus einem der ärmeren Länder der Welt kommt, meinte heute: Sie habe langsam keine Lust mehr, Gäste zu bedienen, die so achtlos mit Essen umgehen, während sie jeden Monat einen Teil ihres Gehalts nach Hause schicke, damit ihre Familie nicht hungern muss.

Bei so viel Trübsinn wird es wirklich höchste Zeit, dass wieder die Sonne scheint.

Lichtblicke aus Ottawa

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Hier gibt es”, meldet die Freundin aus Ottawa, “ganz kleine Lichtblicke in Bezug auf Frühlingserwachen. Heute morgen habe ich direkt neben dem großen Schneehaufen im Vorgarten kleine grüne Blättchen entdeckt. Das ist seeeehr erfreulich!” Und dann schreibt sie noch: “Mein Gott, was sind wir anspruchslos geworden!

Stimmt. Wer den Härtetest in Sachen Wetter machen will, muss nach Kanada. Nicht im Sommer. “Da ist es auch in Wladiwostok schön”, sagte mein Freund Bernie immer. Nein, im Winter. Oder jetzt, im sogenannten Frühjahr. Fünf Monate Eis und Schnee, manchmal auch sechs. Und weit und breit keine “grünen Blättchen im Vorgarten”.

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Madonna mit Mandelblüten

Wie lieblich ist das Klima auf Mallorca dagegen. Bei unserer Ankunft am 1. Februar waren die Mandelbäume schon fast verblüht. Aber dann blühte eben irgend etwas anderes. In Mallorca blüht immer irgend etwas. Vor Alfonsons Bar sprießen seit einigen Tagen violette Zierblüten aus einem Baum, der mir jeden Morgen den Tag verzaubert. “Grüß Gott, ich bin der Neue!” So lange, bis wieder ein Neuer kommt.

Es ist nicht fair, das Klima am Mittelmeer mit dem Wetter in Montréal zu vergleichen. Aber manchmal frage ich mich schon, wie ich fast 30 Jahre lang unbeschadet kanadische Winter durchgestanden habe.

Und während ich bei offener Balkontür über die Plaza de la Reina blicke, auf den Park mit den Alpenveilchen, die sich bestens unter den Palmen aufgehoben fühlen, werfe ich noch kurz einen Blick nach rechts, sehe wilde Rosenbüsche vor den üppig behangenen Orangenbäumen. Und denke mir: So stellt man sich das Paradies vor.

Frohe Ostern!

Der Weiße Elefant von Palma

Koloss in bester Meereslage: Das unvollendete Kongresszentrum in Palma.

Koloss in bester Meereslage: Das unvollendete Kongresszentrum in Palma. Foto: Bopp

Die „Mallorca Zeitung“ will zurzeit von ihren Lesern wissen: „Was tun mit Palmas Kongress-Palast?“ Der Koloss in Meeresnähe ist die mit Abstand teuerste Bauruine der Insel. An eine Fertigstellung ist aus Kostengründen nicht zu denken, an einen Abriss auch nicht. Lösungsvorschläge gibt es viele. Lösungen nicht eine einzige.

Das alles kommt mir bekannt vor. Auch in Montreal steht so ein Weißer Elefant. Das 1976 erbaute Olympiastadion bibbert seit Jahren vor sich hin.

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„Big Owe“ in Montreal. Foto: Bopp

Das Stadion, wegen seiner Donut-förmigen Architektur ursprünglich „Big O“ genannt, heißt bei den Montrealern nur noch „Big Owe“ – der große Schuldenberg. Das Dach, eine Kevlar-Konstruktion, die auf das Konto des einstigen Star-Architekten Roger Tallibert geht, wurde schon so oft abgebaut, aufgebaut, repariert und wieder eingerissen, dass aus dem ursprünglich mit 134 Millionen Dollar angesetzten Bau ein Monstrum für 1.2 Milliarden Dollar wurde. Kanadier frotzeln gerne über die „teuerste Kopfbedeckung der Welt“.

Das Olympiadach war schon vor der Installation verschlissen

Ein Jahrzehnte dauernder Rechtsstreit war der Installation des Dachs vorausgegangen. Weil sich die Parteien nicht auf die Zahlungen einigen konnten, bröselte die innovative Konstruktion in einem französischen Lagerschuppen so lange vor sich hin, bis das Dach den Handwerkern buchstäblich in den Händen zerrann.

Doch auch das neue Dach erwies sich als Schrott. Die „Expos“, ein professionelles Baseballteam, das einst die Massen ins Stadion zog, wanderte frustriert in die USA ab. Auch die American Football-Mannschaft „Montreal Alouettes“ warf das Handtuch und verschwand von der Bildfläche. Spätestens als das Stadiondach während einer Autoshow mal wieder unter den Schneemassen einknickte, war das Vertrauen vollends hin.

Big-Bang-Theorie: Ein Omnibus-großes Stück Beton kracht auf die Erde

Heute verirrt sich noch gelegentlich eine Fertighausmesse ins überdachte Stadion. Auch die Veranstalter einer Monster-Truck-Veranstaltung sind waghalsig genug, unter dem brüchigen Dach ihre Stunts zu zeigen. Inzwischen leckt nicht nur die Kopfbedeckung, sondern auch das Gestell wurde Opfer der Big-Bang-Theorie: Ein Omnibus-großes Stück Beton löste sich vor nicht allzu langer Zeit aus dem Fundament und krachte auf die Erde.

Ein echter Verwendungszweck für das architektonisch durchaus ansprechende Gebäude fehlt. Auch in Montreal fragten Zeitungen und Radiosender einst ihre Leser: „Was soll aus dem Olympiastadion werden?“ Und auch hier, wie in Palma: Viele Vorschläge, keine Lösungen. Ein Abriss wäre zu teuer, an einen Umbau wagte sich bisher kein Konsortium.

Sparbüchse mit Riesenloch: Bis heute nicht abbezahlt

In Vergessenheit geraten wird das Olympiastadion bei den Montrealern trotzdem nicht. Bis vor kurzem flossen von jeder gekauften Packung Zigaretten 25 Cents in die Schuldenkasse. Abbezahlt ist der Koloss auch heute noch nicht.

Palma: Kunst an fremden Wänden

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Wenn wildfremde Menschen wahllos die Wände anderer Leute bepinseln, heißt das in unserer Gesellschaft nicht Sachbeschädigung, sondern Graffiti. Graffitikunst gibt es in jeder Stadt der Welt: Politische, erotische, schöne, hässliche. Und viel unnütze. Mal wird mit „Tags“ gearbeitet, mit denen sich die „Künstler“ eine Art Copyright sichern. Oder es werden Plakate geklebt und nach Gusto wieder entfernt. Oder auch nicht.

In der Stadt, in der ich gewöhnlich lebe, geht man gegen Graffitikünstler rigoros vor. Im Haushaltsplan von Montréal werden jährlich mehr als 10 Millionen Dollar allein für die Beseitigung von Graffiti bereitgestellt. Ich finde das übertrieben.

Ich weiss nicht, welchen Stellenwert Graffiti bei der Stadtverwaltung von Palma hat. Vermutlich geht man gnädiger mit denen um, die Graffiti als Kunst betrachten. Viele der Objekte, die ich gestern und heute bei einem Gang durch Palma fotografiert habe, waren schon vor vier, fünf Jahren da. Das wäe in Montréal nur schwer vorstellbar.

Vielleicht liegt die längere Haltbarkeitsdauer der „Graffs“ aber auch nur am milden Klima auf Mallorca. So oder so: Bei manchen lohnt es sich, hinzuschauen. Viel Spass!