Plötzlich Rentner

rentnerDu wachst eines morgens auf, gehst ins Internet und checkst deinen Kontostand. Strom, Wasser und Kabelfernsehen wurden ordnungsgemäß abgebucht. Auch die vielen Restaurantbesuche haben nicht nur in Kilos und Pfund zu Buche geschlagen, sondern auch in Dollars und Cents. Und dann: Was ist das denn? Hat Donald Duck dir über Nacht etwa Kohle aufs Konto geschaufelt? Nein. Es ist die Rente. Die erste meines Lebens.

Genau genommen sind es sogar zwei Renten: eine aus Deutschland und eine aus Kanada. Viel ist es nicht, als Freiberufler ist es nie viel. Aber es ist ein Batzen, der jetzt dir gehört, ohne dafür auch nur einen Finger krumm machen zu müssen. Heute, morgen, übermorgen. Und hoffentlich auch noch in zehn, zwanzig Jahren. Denn, nicht wahr Herr Blüm, die Rente ist doch sicher?

Wobei: Ganz ohne einen Finger krumm zu machen, geht’s dann doch nicht. Kaum ist die erste Rentenzahlung da, flattert auch schon das Formular „Lebensbescheinigung“ ins Haus: „Sehr geehrter Herr, bitte teilen Sie uns mit, ob Sie noch leben. Widrigenfalls wir die Rentenzahlungen wieder einstellen müssen.“ Oder so ähnlich.

Das alles ist mir ziemlich fremd, das Rentnerfeeling geht mir völlig ab. Und ich denke nicht daran, dem deutschen Rentenamt den Gefallen zu tun, den Löffel abzugeben, der ja gerade erst durch monatliche Zahlungen ein kleines bisschen vergoldet wurde.

Die Kanadier sehen das übrigens lockerer: „Genießen Sie Ihren Ruhestand“ heißt es in der Broschüre von „Canada Pension“, die mit dem ersten Scheck im Postfach steckte. „Sie haben ihn sich verdient“.