Und alles, alles Gute … für 2013

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WordPress ist die Firma, die den technischen Teil meines Blogs abwickelt. Kostenlos! Und am Jahresende gibt’s sogar noch eine ganz individuelle Blog-Statistik dazu.

Mit Einzelheiten möchte ich Sie nicht langweilen. Deshalb nur so viel: Sie, liebe Leserinnen und Leser, befinden sich nicht nur in guter, sondern auch großer und vor allem internationaler Gesellschaft.

Blogbesucher aus insgesamt 98 Ländern haben im abgelaufenen Jahr angeklickt. Die meisten kamen aus Deutschland, Kanada und Österreich. Aber auch Besucher aus Japan, Burma, Australien, Ghana, Tahiti und Hawaii waren dabei. Viele davon – auch das geht aus der Blog-Statistik hervor – liessen sich per Google-Translater die Beiträge in ihre jeweilige Sprachen übersetzen.

Meine guten Wünsche zum Jahreswechsel verbinde ich mit der Hoffnung, dass es im neuen Jahr noch mehr werden. Blogleser und Länder.

Kleine Neuerung für 2013: Ab sofort ist nun auch die Kommentarfunktion geöffnet. Sie sind herzlich eingeladen, davon Gebrauch zu machen.

Frohes Neues Jahr!  Happy New Year!  Bonne Année!

Weihnachten im Wartezimmer

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Da sitzt du nun mit deiner Bronchitis und wartest und wartest. Und wartest. Es könnte saugemütlich sein, denn draußen tobt ein Schneesturm und überhaupt: Es ist Weihnachten. Doch der Gesundheits-Gott schert sich einen Teufel um deine sentimentalen Befindlichkeiten und lässt dich im Fieber schmoren. Zur Strafe – wofür eigentlich? – hängt er dir noch einen Schnupfen an den entzündeten Hals. Kopfweh gibt’s gratis dazu und auch Husten gehört zum All-inclusive-Package.

Wer den Puls einer Großstadt fühlen möchte, sollte sich an Weihnachten in das Wartezimmer einer Walk-in-Clinic setzen. Das sind jene Arztpraxen, die Patienten aufnehmen, die noch nicht ganz mit dem Kopf unterm Arm daherkommen, sondern lediglich ein Rezept benötigen oder auch nur einen guten Rat. Und manchmal, gerade an Weihnachten, sind bestimmt Menschen darunter, die unter der Ich-will-nicht-allein-sein-Krankheit leiden.

Warten bis der Arzt kommt

Die Métro Médic Clinique in Downtown Montreal ist eine dieser Einrichtungen. Behandelt wird hier Jeder. Er muss nur seine staatliche Medicare-Card mitbringen, vor allem aber Zeit. Viel Zeit. Aber fünf, sechs Stunden sind ein Klacks gegen die Wartezeiten in den Montrealer Krankenhäusern. Da kann es um diese Jahreszeit auch mal 20 Stunden dauern, bis der Arzt dich sieht. Falls er dich sieht.

Nicht so in der Métro Médic Clinique. Da warten freundliche Sprechstundenhilfen auf Kranke, darunter auch solche, denen mit dem Wohlbefinden auch die guten Manieren abhanden gekommen sind. „Drei Stunden Wartezeit?“, rotzt einer im Nadelgestreiften die junge Frau im weißen Kittel an, „sind wir hier etwa in der Dritten Welt?“

In Momenten wie diesen wünscht man sich, dass jede Krankenschwester, jede Sprechstundenhilfe, jede Laborhelferin, nicht einen Cent weniger verdient als der Chefarzt persönlich.

Dass für 50 wartende Patienten zwei Sprechstundenhilfen da sind, aber nur eine Ärztin, will mir zwar auch nicht so richtig in den Kopf. Aber logisches Denken ist beim kanadischen Gesundheitssystem ohnehin aus der Mode gekommen, seitdem Politiker mit brachialer Gewalt den Rotstift angesetzt haben.

Der Tanzbär kommt in die Warteschleife

Drei Jungs mit wenig Manieren aber viel Bling, spielen den beiden Sprechstundenhilfen eine herzzerreißende Szene vor. Rührend führen sie den Kranken aus dem Trio vor wie einen lahmen Tanzbären, nur dass dem Armen so gar nicht zum Tanzen zumute ist. Es scheint ihm wirklich schlecht zu gehen. Aber auch er kommt in die Warteschleife.

Vor dem Patientengericht ist jeder gleich

Dass vor dem höchsten Patientengericht jeder gleich ist, weiss inzwischen auch der Mann im Nadelstreifenanzug. Er hat sich etwas von der Masse abgesetzt und wartet draußen im Flur. Nur einmal steckt er seinen Kopf durch die Tür und moniert in einem gepflegten Hochfranzösisch, das so gar nicht in das „Joual“ der Quebecer passen will, dass die Toilette verstopft sei. Auch das ist nicht weiter schlimm, denn in jeder Quebecer Gemeinschaft gibt es mindestens einen Handyman, der alles blickt, alles kann, alles macht. Ohne einen Moment zu zögern steht ein kerniger Bursche auf und übernimmt den Scheißjob. Frohe Weihnachten.

Klein, mollig und einfach nur fröhlich

Irgendwann ist Schluss mit Warten. Meine Göttin in Weiß ist klein, asiatisch, mollig und so fröhlich, als gäbe es weder 50 Kranke, die schon seit Stunden auf sie warten, noch einen Nadelgestreiften, der jetzt immer ungeduldiger auf die Uhr blickt. Und auch die drei Jungs mit Baggypants und Baseballcaps rückwärts bringen die junge Ärztin nicht aus dem Konzept. Mit ihrer Fröhlichkeit zaubert sie doch glatt dem lahmen Tanzbär noch ein Lächeln ins Gesicht.

Frohe Weihnachten – und danke!

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Rechtzeitig zu Weihnachten hat uns Petrus noch einmal das volle Programm gegeben. In den Bergdörfern der Laurentians, zwei Autostunden nördlich von hier, sind noch immer Zigtausende ohne Strom. Ein Schneesturm hatte vor drei Tagen die Versorgung zum Erliegen gebracht.

Wir, die wir Weihnachten zum ersten Mal seit 25 Jahren nicht auf dem Land, sondern in der Großstadt feiern, haben Glück gehabt. Neuschnee und blauer Himmel, das Ganze bei Temperaturen, die sich aushalten lassen. Minus 12 Grad zeigt das Thermometer im Moment. Es könnte schlimmer sein.

Ihnen, den Leserinnen und Lesern meines Blogs, wünsche ich frohe Feiertage. Danke, dass Sie vorbeigekommen sind. Sie sind der Grund, dass mir mein kleines digitales Tagebuch auch nach 292 Posts noch immer Spaß macht.

Merry Christmas – Frohe Weihnachten – Joyeuses fêtes

Bunter die Lämpchen nie blinken

Weihnachten in der Stadt ist so ganz anders als Weihnachten auf dem Land. Nüchterner, kommerz-orientierter, auch kälter. Und auch ein bisschen uncharmanter als auf den kanadischen Dörfern, wo Menschen leben, denen keine Mühe zu viel, kein Preis zu hoch ist, um ihr Heim festlich zu schmücken. Vor knapp einem halben Jahr sind wir vom Land in die Dreieinhalb-Millionenstadt Montreal gezogen. Eigentlich sollte es auch dieses Jahr wieder eine Bildergalerie mit Aufnahmen von weihnachtlich geschmückten Häusern geben. Aber in Montreal hat mich das Fotografenglück verlassen. Es ließen sich einfach nicht genügend neue Blogbilder auftreiben. Deshalb gibt’s heute mal eine Wiederholung vom 25. Dezember 2011. Viel Spass!

Avatar von Herbert BoppBLOGHAUSGESCHICHTEN

Kitschig, grässlich, geschmacklos? Man muss die Weihnachtsbeleuchtung der Kanadier nicht lieben. Aber es führt kein Weg an ihr vorbei. Mindestens jedes zweite Haus in unserer Nachbarschaft ist auf Lightshow getrimmt. Die Fotos der Bildergalerie sind fast alle in unserer unmittelbaren Umgebung entstanden.

Ein Haus in unserer Nachbarschaft schlägt alle Rekorde: 25 000 Leuchtbirnen bewegen sich als Girlanden, Kreise und Tannenzapfen im Rhythmus zur Musik. Wer mag, kann vor dem Haus anhalten und die volle Pracht in Ruhe bewundern. Die Musik dazu kommt aus dem Autoradio. Der Häuslesbesitzer hat eigens für diesen Zweck eine Rundfunkfrequenz freigeschaltet. Alles nicht ganz billig. Deshalb nimmt der Lichtermann gerne Spenden entgegen – in einer eigens dafür aufgebauten Schatulle. Beleuchtet, versteht sich. Nicht alle teilen die Begeisterung für das Lichtermeer. Deshalb ist die Light and Sound Show während der Woche nur bis 20 Uhr erlaubt. Am Wochenende dürfen die Lämpchen bis 22 Uhr blinken.

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Der Adler war eine Ente

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Erst krallte sich ein Adler in einem Montrealer Stadtpark ein kleines Kind. Danach stürzten sich Millionen Menschen auf ein Video, das den Raubvogel mit dem Kind im Schnabel zeigt. Innerhalb weniger Stunden klickten allein fast 3 Millionen YouTube-User auf das 60 Sekunden lange Filmchen. Inzwischen bewegt sich die Klickzahl im 27-Millionen-Bereich.

Doch jetzt ist es raus: Der Adler war eine Ente. In Wirklichkeit waren es Studenten einer Montrealer Filmschule, die das Schock-Video als Teil ihrer 3-D-Klasse produziert und ins Netz gestellt hatten.

Kompliment: Keine schlechte Werbung für das Centre NAD. Der Server der angesehenen Filmfachschule ging wohl vorübergehend in die Knie, nachdem des Rätsels Lösung durch die Welt gegangen war. Die Homepage war jedenfalls zeitweise nicht mehr anklickbar.

Kaum ein Internetportal, das sich die Geschichte vom Greifvogel und dem Kleinkind entgehen lassen wollte. Der stern berichtete darüber, Spiegel-Online auch, BILD ohnehin. Manche, wie der Spiegel, meldeten von Anfang an Skepsis an. Andere wiederum übernahmen die fantastisch echt aufbereitete Story eins-zu-eins.

Bis die Studenten Normand Archambault, Loïc Mireault and Félix Marquis-Pouli endlich mit der Wahrheit herausrückten, war das YouTube-Video längst „viral“ gegangen, wie die massenweise Verbreitung von Bewegtbildern auf Netzdeutsch heißt.

Falls Sie den Clip noch nicht gesehen haben: Hier ist er.