Essen und Trinken mit Pedro

OB ASIATISCH ODER SCHWÄBISCH: Küchenkorrespondenz kennt keine Grenzen.

Liebe geht durch den Magen, sagt man. Freundschaften offensichtlich auch. Peter und ich kennen uns seit gut 35 Jahren. Mehrmals pro Woche tauscht der Berliner in Sherbrooke mit dem Schwaben in Montréal kulinarische Abenteuer aus. Und wenn es ein Geheimrezept für diese Dauerbeziehung gibt, dann sind es, naja, Kochrezepte eben.

Was tut man nicht alles als Rentner! Manchmal sind die Mails mit Fotos garniert, manchmal, nicht. Fast immer jedoch mit einer Signatur, die zum Text passt. Peter wird dann etwa zu „Pedro el Thailandayo”, ich zu “Herberto el Sauceniero” oder auch “Herberto el Gulaschkanoniere”. Man beachte den spanischen Einfluss unseres Mailverkehrs.

So weit, so lecker.

Dass unser Mailaustausch inzwischen Kochbuchniveau hat, möchte ich an dieser Stelle nicht verheimlichen. Arbeitstitel: “Essen und Trinken mit Pedro und Herberto”. Oder so ähnlich.

PEDRO UND DER BLOGGER: Das Foto ist zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber immerhin authentisch.

Neulich zum Beispiel gab es bei Peter Lammkeule. Dazu fiel ihm dies ein:

“Fleisch war gut und zart, aber kein Spring Lamb, eher ein Bock, der im Laufe der Jahre etwas nachlässig in der Körperhygiene geworden ist. Das ganze schwamm in einem als „gravy“ bezeichneten Kochsud, der leider eine grosse Portion Lamm-Fett enthielt und damit ungeniessbar war.”

Unterzeichnet war dieses Pamphlet dann mit “Pedro el lammfrommo”.

Oder auch:

“Bei uns gabs gestern ein schüchternes Fish & Chips ohne Foto. Das war übrigens auf unserer Englandreise das Beste, was die britische Küche zu bieten hatte”.

Bitte keine rassistischen Untertöne, Herr Doktor! Eleganter wäre gewesen: “In der britischen Küche ist durchaus noch Umluft nach oben”.

Mit welcher Hingabe Peter kocht, kredenzt und korrespondiert, zeigt folgendes Beispiel:

“Heute schicke ich dir unser seit langem fälliges Balkonmenü mit dem überlebensgrossen Kasslerkotelett und dem Kartoffelsalat nach dem Peter-Prinzip, nicht zu vergessen den obligaten Rosé TAVEL. Dabei fällt mir ein häufig gehörter Auspruch meines seligen Vaters ein, der zu sagen pflegte: Von allen Gemüsesorten ist mir Kotelett am liebsten!”

Noch einer:

“Bei uns gibts heute wahrscheinlich eine Lachsschnitte, und morgen den zweiten Akt eines vor längerer Zeit begonnenen Sauerkraut-Schauspiels mit vier Sorten Fleisch, für das ich als Autor verantwortlich zeichne. Problem: Was trinkt man dazu? Einen Riesling? Doch nicht etwa ein Bier? Meine Sorgen möchte ich haben!”

Ganz schadlos verlaufen Peters Kücheneskapaden nicht immer:

“Bei uns wären eigentlich heute Kartoffelsalat und Kassler-Kottletts dran, aber nun kommen mir Zweifel auf, zumal der kleine Gichtanfall noch nicht ganz überstanden ist. Pedro el frustrato”

Hin und wieder liefert mein kulinarischer Freund auch Poesie. Zum Beispiel als Antwort auf meine Mail über ein herrliches Paprikagericht, das ich lediglich als “ein Gedicht” bezeichnet hatte.

Peter, der schließlich als Doktor der Philologie zwei Buchstaben vor seinem Namen hat, belässt es nicht bei dem profanen Substantiv, sondern liefert gleich ein veritables Gedicht dazu:

Paprikaschnitzel

Bei mir gabs gestern Schnitzel,

und als besondrer Gaumenkitzel

war da eine scharfe Sauce;

die Zungenlust war eine große.

Gemüsebett in Grün und Rot

Und Gnocchi – Sonderangebot.

Ein Foto von dem Hochgenuss –

Davon kriegt Peter Speichelfluss.

Wer bei der Lektüre unserer Küchenkorrespondenz auf die Idee gekommen sein sollte, Peters (nach der Kochkunst) zweitgrößte Tugend sei seine Bescheidenheit, muss leider eines Schlechteren belehrt werden.

Hier ein Auszug aus seiner Einverständniserklärung zu diesem Blog:

“Du weisst, dass ich schon im Fernsehen Sauerkraut getestet habe, das darf in keiner Publikation fehlen. Auch nicht meine Erfolge als Tellerwäscher in Schweden, wo ich mit Ingrid Bergman auf Du und Du gestanden habe. (Ach nein, das war ja später in Montréal, beim Filmfestival, und genau genommen haben wir uns auch nicht geduzt.) Du kannst das ja etwas literarisch verbrämen, um mich ins rechte Licht zu rücken. Meinen Namen darfst du verwenden, aber bitte keine Details aus meinem Intimleben, das ja mit meiner kulinarischen Existenz eine Symbiose eingegangen ist”.

Ich glaube es reicht. Und das mit dem Kochbuch sollten wir uns vielleicht doch nochmal überlegen.

Herberto el Bloggerino

Urlaub – wie fühlt sich das an?

FLIEGEN? NEIN DANKE! Das überlassen wir den Kanada-Gänsen © Bopp

So richtig kann ich es immer noch nicht glauben: Wir machen Urlaub! Mit dem Auto geht’s nach Nova Scotia an die kanadische Atlantikküste, vierzehn Stunden ein Weg. Lore fährt, ich sitze daneben. Es sind die Augen, die mich auf unserer ersten Ferienreise seit fast eineinhalb Jahren zum Beifahrer degradieren.

Spanien und das Allgäu, wo wir jetzt auch gerne wären, müssen weiterhin auf uns warten, denn fliegen kommt nicht infrage. Wir wollen nicht mitschuld daran sein, dass die Covid-Zahlen wieder explodieren.

Also machen wir Urlaub daheim, im wunderschönen Kanada. Auch wenn „daheim“ vierzehn Autostunden von Montreal entfernt liegt.

Eine Berliner Bekannte besuchte uns neulich auf der Durchreise zu ihren Eltern nach Ottawa. Ihren Trip bezeichnete sie als „Horror“. Zweimal verpasste sie wegen einer verkorksten Covid-Logistik im Flughafen die Anschlussmaschine. Die Fragerei im Airport war nervenaufreibend und zeitraubend.

Covid macht Flugreisen zum Albtraum.

Will ich wirklich von Flughafen zu Flughafen mehr als 20 Stunden mit Maske unterwegs sein? Täglich mehrmals von den Gesundheitsbehörden angerufen und kontrolliert werden, ob ich die Corona-Bestimmungen auch wirklich einhalte?

Und dann das Ambiente im Flieger selbst: Dass den armen FlugbegleiterInnen das Lächeln hinterm Plexiglasschirm und im Schutzanzug schwerfällt, verstehe ich gut.

Also haben wir uns zu einer sehr langen, aber hoffentlich stressfreien Autofahrt entschlossen. Auch die ist freilich nicht ganz frei von Bürokratie. Wer von Quebec nach Nova Scotia reist, muss sich zuvor online anmelden – doppelter Impfnachweis inklusive.

Finde ich gut. Wenn schon keine Impfpflicht, dann eben mit sanftem Druck gegen Trittbrettfahrer, die sich ohne triftigen Grund den Pieks nicht verpassen lassen wollen.

Los, Leute, lasst euch impfen! Zur Belohnung gibt’s dann auch einen hübschen Reiseblog von unserem Roadtrip nach Nova Scotia.

VON MONTREAL/QUEBEC NACH LUNENBURG/NOVA SCOTIA in 14 Stunden. Wesentlich näher wäre es über den US-Bundesstaat Maine. Leider lassen die Covid-Bestimmungen keine Autofahrt durch die USA zu.

Wenn der Balkon zur Loge wird

UM FÜNF UHR MORGENS erwacht die Stadt.

Über den Wolken, sagt man, müsse die Freiheit grenzenlos sein. Ich behaupte, dass der Blick von meinem Balkon im 6. Stock mehr fürs Auge bietet als jedes Flugzeugcockpit. So hatte sich der kleine Herbert in Ummendorf immer „Wohnen in der Großstadt“ vorgestellt.

Die Wolkenkratzer der Montrealer City grüßen großspurig in Beton und Glas aus der Ferne. Der Fluss, der hier noch Kanal heißt, plätschert behäbig am Haus vorbei – so, als müsse er noch Kraft tanken, ehe er ein paar hundert Meter stadteinwärts vom mächtigen St.-Lorenz-Strom verschlungen wird. Hier darfst du noch ruhen, kleiner Bach. Der Heilige Lorenz weiter unten kennt keine Gnade für schlaftrunkene Wellen, wenn er sich dann in mehr als zwei Kilometern Breite vor dir aufbaut.

Direkt unterm Balkon, im Park ohne Namen, kommen um 5 Uhr morgens die ersten Dosensammler, wühlen in den Recycling-Containern und machen leider nur kleine Beute. Blech gehabt: Die letzten Aluminiumschürfer waren noch kurz vor Mitternacht da. Viel wird nicht recycelt zwischen Mitternacht und Morgengrauen.

Steht die Sonne am Himmel, kommen bald auch die ersten Kinder. Achja, die Kinder. Manche von ihnen könnte man verknuddeln und sofort adoptieren. Andere eher nicht. Gibt es eigentlich so etwas wie die angeborene Schreihalseritis, oder haben Eltern ihnen dieses überschaubare Talent beigebracht?

Und dann die Hundeparade! Schwarze, weisse, dünne, fette, süße, hässliche, laute, leise, stumme. Nichts scheint andere Menschen mehr zu bewegen als Hunde.

Babies und Hunde seien die beste Garantie dafür, neue Menschen kennen zu lernen, hatte Cassians Kinderärztin gesagt, als wir damals neu ins Dorf gezogen waren und keine Menschenseele kannten. Die Frau Doktor hatte Recht. Hunde und Babies sorgen immer für Gesprächsstoff. Wir lernten im Laufe der Jahre viele von ihnen kennen. Hunde und Babies.

Unsere Wohnung im 6. Stock erinnert mich an Ferienwohnungen, wie wir sie zwölf Winter auf Mallorca hatten. Freilichtkino rund um die Uhr.

Wir besitzen ein wunderbares Opernglas. Manchmal würde ich mich einfach gerne ans Balkongeländer stellen und Voyeur spielen. Halten sie Händchen oder tun sie nur so? Ja, er ist mit einer Frau unterwegs. Ob das wohl seine ist? Und da: Ein Umweltferkel, das einfach seine Chipstüte auf dem Gras liegen lässt. Hallo? Geht’s noch?

SCHULAUSFLUG mit anschließendem Bootfahren

Die Frau an meiner Seite sagt, das mit dem Fernglas sei unanständig und gehe gar nicht. An manche Regeln halte ich mich zähneknirschend, weil das Nichteinhalten derselben nur Ärger bringen würde. Also bleibt das Opernglas der Oper vorbehalten, die wir aber so gut wie nie besuchen.

Nur manchmal, wenn das Eichhörnchen in der alten Esche direkt vor unserem Balkon aus seinem Nest kriecht und Morgenluft wittert, lege ich den Feldstecher an und begegne dem flinken Winzling auf Augenhöhe. Was immer das bei meinem bescheidenen Sehvermögen heissen mag.

Direkt unter uns gibt es einen Bootsverleih. Tretboote, die aussehen wie putzige Schwäne. Weisse Boote mit Elektromotor, die vielleicht gerne erwachsen wären und als Yachten übers Mittelmeer segeln würden. Kajaks, Kanus, Familienboote – so ziemlich alles, was schwimmt, ist hier halbstundenweise zu mieten. Manche Leute tun sich schwer, ins Boot zu kommen. Andere wiederum haben Probleme beim Aussteigen. Geschmeidigkeit ist eine Körpertechnik, die manche mehr, manche weniger beherrschen.

Montrealer sind ein sportliches Volk. Jogger, und Radler. Radler, die neben Joggern herfahren, Jogger, die ihre radelnde Frau begleiten. Skateboarder und Inlineskater. Rollschuhe, deren Felgen nachts leuchten wie der Times Square.

Unfassbar, was die Bewegungsndustrie sich alles ausgedacht hat, seitdem wir auf der Ummendorfer Umlach mit angeschnallten Schlittschuhkufen unterwegs waren. Vorausgesetzt der Winter war gnädig genug, die Umlach zufrieren zu lassen.

Hinter dem Park, auf der anderen Kanalseite, tuckert dreimal am Tag ein schwerfälliger Zug über die Stadtkulisse. Zwei Dieselloks schleppen schwer an fünf, sechs Waggons. Ich weiss inzwischen, wohin die Reise geht: In die Getreidemühle, ein paar hundert Meter kanalaufwaerts. Von dort kommt unser täglich‘ Brot, das wir spater bei „Mamie Clafoutis“ oder in der Markthalle gegenüber von uns kaufen.

Morgens, immer zur selben Zeit, wackelt eine Gruppe junger Mütter mit Kinderwagen durch den Park. Sie machen auf Kommando eines verdammt gut gebauten (ich hasse ihn!!!) Kerls ihre täglichen Fitnessübungen. Am Ende des Parks kommt die Karawane zum Stehen. Jetzt werden Yogamatten ausgelegt. Die Mamas üben sich in Meditation. Adonis hat jetzt seinen ganz großen Auftritt.

Showtime!

DIE MAMA-PARADE (Adonis mit rotem Rucksack)
DAS BÄHNLE bringt uns unser täglich‘ Brot
BOOTSVERLEIH mit Kähnen und Schwänen. Im Hintergrund Montreals größte Markthalle.
HIER DARF DER KANAL noch Bach sein

Schlüsselerlebnisse

Es gibt Tage, da denkst du, Herr Alzheimer klopft bei dir an. Das ist einerseits erschreckend, andererseits aber auch ziemlich lehrreich. So werde ich vermutlich nie wieder den Toilettenschlüssel eines Cafés in die Hosentasche stecken und dafür meinen Schlüsselbund zur Rückgabe auf den Tresen legen. So geschehen heute Nachmittag.

Zufall oder nicht? Kurz vor dem Schlüsselerlebnis im Café Olympico kommt die Nachricht der Hausverwaltung aufs Handy, dass die angeforderte Kopie des Wohnungsschlüssels jetzt fertig und abholbereit sei.

Knapp eine halbe Stunde später, nach einem Latte mit Marmorkuchen im Café Olympico mit anschließender Pipipause, dann der Griff in die Hosentasche: Der Schlüssel gehört nicht mir, es ist der Kloschüssel vom „Olympico“. Wo ist meiner?

Im „Olympico“ natürlich. Auf dem Tresen neben der Kasse. Dorthin hatte ich ihn gelegt, in der Annahme, es handle sich um den Café-Schlüssel.

Wir kehren von unserem Spaziergang in Richtung Litte Italy um, machen uns zu Fuß wieder in Richtung „Olympico“ und bitten um Abbitte und um meinen Schlüsselbund.

„War dir das jetzt eigentlich peinlich?“, fragt die Frau an meiner Seite besorgt. „Nein“, sage ich, „peinlich nicht. Aber es macht mir Angst“.

Muss es nicht, sagt Markus Hofmann, Gedächtnistrainer aus München. Ich habe ihn im Internet gefunden, denn das Schlüsselerlebnis ging mir tatsächlich für einige Zeit nicht mehr aus dem Kopf.

Wenn die Merkfähigkeit im Alter nachlasse, sagt Herr Hofmann, sei das noch lange kein Grund zur Sorge. In den wenigsten Fällen sei es Herr Alzheimer, der anklopfe. Vielmehr gehöre eine Portion Vergesslichkeit durchaus zum Normalfall, wenn man auf die 80 zugehe. (Habe ich das wirklich geschrieben? Ich gehe auf die 80 zu? Unfassbar!)

Egal. Die Merkfähigkeit könne man sich auch im Alter wieder antrainieren, sagt Herr Hofmann in einem „Focus“-Interview und schlägt vor, eine Art mentalen Briefkasten einzurichten, in dem wir wichtige Informationen ablegen.

So helfe es beispielsweise im Alltag, sich von Gegenständen wie Schlüssel, Handy oder Geldbeutel aktiv zu verabschieden, bevor man sie ablegt. Zum Beispiel so: „Liebes Handy, ich stecke dich jetzt in die Außentasche meines Rollkoffers.“ So speichere man bewusst die Information beziehungsweise den Ort des Gegenstandes ab.

Danke, Herr Hofmann, für diese Tipps. Es ist nur so, dass ich vor nicht allzu langer Zeit schon einmal so ein Schlüsselerlebnis hatte. Damals ist es in einem Sandwichladen an der Rue St. Denis passiert. Ich hatte den fremden Kloschlüssel einfach in die Hosentasche gesteckt und das Versehen erst zuhause bemerkt.

Das war mir damals wirklich peinlich. So peinlich, dass ich den Schlüssel in einen frankierten Umschlag steckte und mit der Post an den Sandwichladen schickte. Ohne Kommentar und ohne Absender.

Nicht die feine Art, ich weiß. Aber immer noch besser, als ständig Herrn Alzheimer als Entschuldigungsgrund zu bemühen.

Und jetzt alle:

Lieber Schlüsselbund, ich werde dich nie wieder achtlos in einem Lokal zurücklassen, sondern immer in die rechte Hosentasche stecken. Danke!

Der Eishockey-Banause in mir

Montreal fiebert dem Stanley Cup entgegen – und mich lässt des Kanadiers liebste Sportart kalt. Dabei gibt es mehr als den Cup in den Eishockey-Arenen dieser Welt nicht zu gewinnen. Und Montreal ist ganz nah dran – und ich ganz weit weg. Wenn aber Italien gegen Spanien Fußball spielt, muss ich meine Stimmbänder schonen. Da kann ich für nichts garantieren.

Meine kanadischen Freunde finden Fußball langweilig. Es passiere ja nichts und die akrobatischen Übungen, „the dives“, wie mein Kumpel Doug sagt, gehen ihm auf den Wecker. Überhaupt seien viele Fußballer wie Ballerinas, die sich in Szene setzen, wenn gerade eine Kamera auf sie gerichtet ist.

Außerdem, so die vorherrschende Meinung in meinem kanadischen Freundeskreis, seien die meisten Fußballprofis schlicht „Sissies“, die schon bei einer blutigen Nase nach der Krankenbahre rufen, während der Eishockeycrack sich gerade mal kurz seinen offenen Schädelbasisbruch massiert und weiterspielt.

Gestern Abend, als das wohl wichtigste Spiel der Montreal Canadiens seit Jahren über den Bildschirm lief, bin ich eingeschlafen, als es gerade in die Verlängerung ging. Auf dem „Place des Spectacles“,nur ein paar U-Bahn-Stationen von uns, versammelten sich Tausende zum Public Viewing und Fähnchen schwingen. Ich schlief tief und fest.

Ganz ehrlich? Jeder Eckball von Kasatchschan löst bei mir mehr Begeisterung aus als das alles entscheidende Powerplay beim Eishockey.

Mein Freund Doug, der von Fußball ungefähr so viel versteht wie ich von Hallenhalma, dafür aber den Ruf eines veritablen Eishockeykenners hat, ist zurzeit missionarisch bei mir unterwegs. Er will mir eine Sportart nahebringen, die bei mir ungefähr so viel Gefühlsregungen auslöst wie wenn ich Ölfarbe beim Trocknen zuzusehe.

Hockey can be fast, fluid and beautiful“, schreibt er mir eben. Wie bitte? Das „beautiful“ im Zusammenhang mit Eishockey empfinde ich schon fast als Plasphemie und kann es deshalb unmöglich so stehen lassen. Ist nicht Fußball in der ganzen Welt als „the beautiful game“ bekannt?

Mit Sachverstand komme ich bei Doug nicht weiter, deshalb versuche ich es eben poetisch.

Mit Fußball und Eishockey, antworte ich ihm, sei es ungefähr so wie mit einem See und dem Ozean. Der See ist wunderschön, man kann wunderbar sein Auge darauf ruhen lassen und den Blick darauf genießen, auch wenn nicht viel passiert.

Der See ist der Fußball.

Das Meer dagegen ist wild, sage ich, laut und gewaltig,. Außerdem ist es bedrohlich und überwältigend, wenn es stürmt. Den Blick darauf ruhen zu lassen, ist schon wegen des Wellengangs nicht möglich.

Das ist Eishockey.

Doug findet den Vergleich gut und setzt ihn auf seine Facebook-Seite. Sollen sich doch seine Eishockey-Kumpels darüber die Haare raufen.

Für mich ist und bleibt Fußball „The beautiful game“.

Forza Azzurri!