Podcast: Anfang und Ende

Mit Medienschaffenden ist es wie mit Köchen. Sie experimentieren gerne mal mit neuen Formaten, bzw. Rezepten. Da mal ein Blog, dort ein neues Chat-Tool, ein Video-Kanal, ein eBook. Oder auch ein Podcast. Dass ich mein Podcast-Experiment „DEINE STORY – MEINE STIMME“ nach nur sechs Episoden eingestellt habe, hat mehrere Gründe.

Die Idee, fand ich, war nicht schlecht: Anderer Leute Geschichten mundgerecht umtexten, sie dann aufnehmen und schließlich als Podcast-Episoden in die Welt hinaus blasen.

Ein überschaubarer Aufwand, könnte man meinen. War es aber nicht.

An guten Geschichten aus aller Welt fehlte es nicht. Ich habe jede einzelne von ihnen gelesen. Diese aber so umzutexten, dass sie nicht nur den eigenen Ansprüchen genügen, sondern auch denen der AutorInnen – das war der Spagat, den ich nicht mehr stemmen konnte.

Natürlich hat jeder, der eine Geschichte erlebt, konkrete Vorstellungen davon, wie so eine Story erzählt werden soll. Und da gingen die Meinungen manchmal auseinander. War ein Autor detailverliebt und meinte, auch das letzte Komma müsse noch grammatikalisch begründet werden, ging es mir eher um die Story und deren Unterhaltungsfaktor.

Mit guten Geschichten ist es wie mit einem Sandwich: Die untere Scheibe Brot ist die Grundlage, auf der die Story basiert. Dazwischen kommt leckeres Füllmaterial in Form von schmackhaften Fakten, szenischen Schilderungen und markigen Zitaten. Dann Deckel drauf, um die Geschichte zusammen zu halten, damit das Publikum beim Zuhören ja nicht den Appetit verliert.

Doch die Podcast-Praxis sah anders aus. Vor allem am Füllmaterial schieden sich oft die Geister. Ich wollte meine Hörerinnen nicht mit unnötigen Fakten langweilen, sie aber auch nicht mit narrativen Kunstformen überfordern.

Es wurde kompliziert.

Dazu kam: So einen Podcast zu produzieren, erfordert nicht nur ungemein viel Zeit, sondern auch technisches Knowhow und die dazugehörigen Tools.

Von allem habe ich ein bisschen, aber eben nicht mehr genug. Seit meiner aktiven Zeit als analog arbeitender Hörfunk-Reporter gab es eine digitale Revolution. Aufnahme-Software zu testen, sie zu kaufen und dann zu installieren, ist eine Sache. Sie dann aber auch zu verstehen und zielführend anzuwenden, eine andere.

Auch die Bürokratie, die mit so einem Podcast einhergeht, kann ganz schön nerven. Wo finde ich die passende lizenzfreie Musik? Wer macht mir einen griffigen Djingle, für den ich nicht bei jedem Abspielen bezahlen muss? Immerhin war das Logo-Design nicht nur hübsch, sondern auch kostenlos. Es stammt übrigens von Cassian. Danke!

Das Schöne in meiner Lebensphase ist: Man muss sich nichts mehr beweisen. Weder sich selbst, noch anderen. Also wollte ich mir bei allem Interesse für neue Internetformate den Frust nicht mehr antun, mehr Zeit mit Tutorials zu verbringen als mit der eigentlichen Produktion.

Dazu kam mein Augenleiden, das mich immer wieder ausgebremst hat. Dies alles führte schließlich dazu, dass ich irgendwann sagte: Tschüss, Podcast! War schön, dich kennenzulernen. Aber so richtige Freunde sind wir nie geworden.

Den Story-Gebern, die mir die ersten Episoden ermöglicht haben, möchte ich an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön sagen. Auch den unerwartet vielen Hörerinnen und Hörern, die mir auf Spotify, Anchor, Google, Apple und anderen Plattformen gefolgt sind, danke ich.

Ebenso den PodcasterInnen Louisa, Nora und Rüdiger, die mich anfangs unter ihre Fittiche genommen haben. Vor ihrer Arbeit habe ich jetzt noch mehr Respekt als zuvor. Podcaster verdienen unsere Unterstützung.

Die gute Nachricht ist: Während mein Podcast gerade mal sechs Monate überlebt hat, haben die BLOGHAUSGESCHICHTEN soeben ihren zehnten Geburtstag gefeiert.

Und wer weiss: Vielleicht gibt es ja auch künftig wieder „irgendetwas mit Medien“, das ich unbedingt wieder ausprobieren möchte.

Es bleibt also spannend.