Vom Premierminister zum Fanboy

Schlagzeile (übersetzt) im „Journal de Montréal“ Personenschutz auf Kosten des Steuerzahlers.

Ich bin ein großer Fan von Justin Trudeau. War ich schon immer und bin es auch heute noch. Als kanadischer Premierminister hat er zwar, wie die meisten Politiker, nicht alles richtig gemacht. Aber nach dem angestaubt-konservativen Stephen Harper hat der Liberale Trudeau frischen Wind in ein Land gebracht, das mir seit fast 50 Jahren Heimat ist.

Als Partner und Fanboy Number One seiner Freundin turtelt Justin Trudeau inzwischen mit Katy Perry um die Welt. Nur kein Neid! Ich finde, er kann mit seiner Freizeit machen, was er will. Doch die Aufregung unter manchen Kanadiern ist groß.

Nicht etwa, weil es ihnen missfällt, dass Justin Trudeau ein Video aus einem Montrealer Laden für Haushaltszubehör verbreitet, in dem er zur Musik seines Rapper-Sohnes „Xav“ eine Saugglocke zur Klo-Reinigung schwingt. So etwas mögen Kanadier eher.

Auch das Foto, das ihn auf einer Yacht zeigt, wie er seiner Liebsten fürsorglich Sonnencreme auf die Brust schmiert, kommt in den sozialen Netzwerken offenbar ganz gut an. Hat ja auch was, so ein bisschen Voyeurismus.

Was viele Kanadier allerdings nicht mögen – und da sind sie ein bisschen wie wir Schwaben – ist, wenn Geld für etwas ausgegeben wird, für das sie keinen unmittelbaren Gegenwert bekommen. Zum Beispiel, wenn Justin die Rockkonzerte seiner Freundin Katy Perry besucht und dabei ständig von kanadischen „Mounties“ begleitet wird, die ihn beschützen. Es ist von vielen Überstunden an allen Ecken der Welt die Rede.

Auf Personenschutz haben ehemalige Spitzenpolitiker in Kanada ein Recht. Dafür werden jährlich Beträge im zweistelligen Millionenbereich bereitgestellt  – egal, ob der Politiker noch im Amt ist oder, wie Justin, als Jetsetter durch die Welt tingelt.

Ist ja nicht so, dass Kanada als eine der zehn größten Volkswirtschaften der Welt am Hungertuch nagt.

Ob Justin Trudeau als Ex-Premier tatsächlich noch Gefahr läuft, von einem Irren attackiert zu werden, weiß keiner. Aber man will auf Nummer sicher gehen. Und das ist gut so.

Meine Meinung: Ein Mann, der acht Jahre lang sein Leben und seine Familie der Politik geopfert und dabei sein Land – mein Land – vor Unheil bewahrt hat, verdient es, auch im Ruhestand noch beschützt zu werden.

Fällt mir gerade ein: Was macht eigentlich Olaf Scholz so?