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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Unpolitisch durch die Nacht

nacht

Für die meisten Kanadier gehören politische Gespräche nicht an den Küchentisch. Man redet über Eishockey, den letzten Winter und die Moskitoplage am See. Aber Politik? Nein Danke!

Warum eigentlich? Vielleicht, weil Kanada, mit Ausnahme der separatistischen Unruhen in der frankokanadischen Provinz Québec, kaum einmal mit echten politischen Krisen konfrontiert wurde. Schließlich fand noch nie in der Geschichte des Landes eine kriegerische Auseinandersetzung auf kanadischem Boden statt.

Vielleicht lässt sich auch so ein Phänomen erklären, über das ich eben auf der Internetseite der CBC gelesen habe. „Nicht einmal jeder zweite Kanadier führte in den vergangenen zwölf Monaten auch nur ein einziges Tischgespräch, bei dem ein politisches Thema im Mittelpunkt stand“. Zu diesem Schluss kam jetzt das Meinungsinstitut „Samara Canada“. Dies ist umso erstaunlicher, als in weniger als fünf Wochen Neuwahlen in Kanada stattfinden. Die drei Regierungsparteien – Konservative, Liberale, Sozialdemokraten – liefern sich zurzeit ein Kopf-an-Kopf Rennen.

Eine Nachtfahrt im Minivan, mit einer 21jährigen Filmstudentin am Steuer und einem 36jährigen Regisseur auf dem Rücksitz, scheint die Theorie der Meinungsforscher zu untermauern. Irgendwann wagte ich mich, das Thema Politik anzuschneiden.

„Politik?“, sagt die Studentin, „interessiert mich überhaupt nicht“.
„Aber du weisst, dass demnächst Wahlen sind“.
„Echt? Ach ja, stimmt. Mein Vater erwähnte neulich sowas Ähnliches“.
„Weisst du schon, wen du wählst“?
„Keinen. Wir können ja ohnehin nichts ändern“.
„Und deine Freunde – gehen die zur Wahl“?
„Nö. Ich kenne Keinen, der sich für Politik interessiert“.

Jetzt platzte dem mitfahrenden Regisseur auf dem Rücksitz der Kragen: „Wisst ihr eigentlich, was ihr mit eurer verdammten Ignoranz da anrichtet?!“, schnaubte er in Richtung unserer Fahrerin. „Genau wegen euch sind solche Flachpfeifen wie Stephen Harper noch immer im Amt“.

Die Studentin am Steuer fühlte sich jetzt sichtlich unbehaglich. Auf eine Diskussion über den kanadischen Preierminister wollte sie sich trotzdem nicht einlassen. Sie habe den ganzen Tag gejobbt und sei jetzt rechtschaffen müde.

Der mitreisende Regisseur ließ indessen nicht locker, hackte auf der kanadischen Regierung herum und auch auf der armen Fahrerin, die mir jetzt leid tat. Irgendwann hielt er in seiner mitternächtlichen Tirade inne. Als ich ihn fragte, warum er sich denn so aufrege, outete er sich als Serbe, der als Flüchtling nach Kanada gekommen war. „Wir hätten damals alles fuer die Möglichkeit gegeben, einen Stimmzettel ausfüllen zu dürfen“, sagte er noch. Dann schlief er auf dem Rücksitz ein und die Studentin sprach kein Wort mehr, bis wir am Ziel waren.

Die denkwürdigste Autofahrt seit langem.

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„The best argument against democracy is a five-minute conversation with the average voter.“ – „Das beste Argument gegen die Demokratie ist eine fünfminütige Konversation mit dem Durchschnitts-Wähler“. (Sir Winston Churchill).

„Das gibt sich bis 1970“

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Geschafft! Seit heute ist mein erster Roman online. „DAS GIBT SICH BIS 1970“ kann in Deutschland ab sofort als eBook bei amazon.de heruntergeladen werden. Für Bestellungen in Kanada verwenden Sie bitte  >> diesen Link <<.

Es ist ein vergnüglicher, manchmal nachdenklicher, aber immer unterhaltsamer und abenteuerlicher Roman. Im Mittelpunkt steht ein 15jähriger Junge vom Land, der so unsterblich verknallt ist, dass er keinen anderen Ausweg sieht, als seiner ersten großen Liebe per Anhalter durch halb Europa nachzureisen.

Der Download ist einfach. In Deutschland kommen Sie über  >> diesen Link << zum Buch.

ACHTUNG: Downloads in Kanada sind nur über  >> diesen Link <<  möglich.

Auch wenn Sie keinen Kindle-eBook-Reader von Amazon haben: Kein Problem. Auf dieser Seite können Sie auch ein kleines Programm herunterladen, das Ihnen das Lesen auf dem PC, Mac, Tablet und Handy erlaubt. Das Lesevergnügen kostet 4.50 Euro.

Ich würde mich freuen, wenn Sie den Link zum Buch weiterleiten könnten – über Facebook, Twitter und all die anderen sozialen Medien-Plattformen. EBooks leben von der Mund-zu-Mund-Werbung. Und auch davon, ob und wie sie im Internet bewertet werden.

Anklickbare Sternchen finden Sie unter dem Buchtitel. Wenn Sie sich dann auch noch die Zeit für eine kurze Kundenrezension nehmen würden, würde ich mich ganz besonders freuen.

Herzlichen Dank und viel Vergnügen beim Lesen!

Wahlkampf: Politik mit Posters

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Wenn am 19. Oktober in Kanada ein neues Parlament gewählt wird, möchte unsere Freundin Marjolaine Boutin-Sweet bitteschön wiedergewählt werden. Seit vier Jahren sitzt sie für die New Democratic Party im Bundestag. Die Chancen für eine Wiederwahl stehen gut. Bei den Meinungsumfragen belegen die Neuen Demokraten zurzeit Platz eins.

Die NDP liegt ziemlich weit links, ist für die Aufnahme von Flüchtlingen und, anders als die regierenden Konservativen, gegen jegliche militärische Intervention in Syrien oder sonstwo.

Da hilft man doch gerne mal Wahlplakate kleben.

Wer die Seele einer Großstadt erkunden möchte, muss nur einmal nachts um die Häuser ziehen – am besten mit einem Packen Posters unterm Arm. Bei positiver Betrachtung kann das Hupen der vorbeifahrenden Autofahrer als Zeichen der Solidarität gewertet werden. Könnte aber auch sein, dass das orangefarbene Plakat mit dem fetten NDP-Logo über Marjolaines Konterfei manchem ein Dorn im Auge ist, weil man vielleicht doch lieber den Kandidaten der nach Unabhängigkeit strebenden Separatistenpartei Bloc Québecois in Ottawa sehen würde.

Egal, in welche Richtung die Plakataktion läuft – es ist ein déjà-vu mit der Vergangenheit. Das letzte Mal, dass ich Plakate geklebt habe, war vor 50 Jahren. Damals spielte ich Gitarre bei „Sir Henry and his Outlaws“ – der vermutlich härtesten Rockband östlich von Liverpool.

Und jetzt also Posters im Namen der Politik. Marjolaine vertritt den Wahlbezirk Hochelaga, einen der ärmsten der Vier-Millionen-Stadt Montréal. Bierkneipen und Biillardstuben, Pfandleihhäuser und Tante-Emma-Läden, die auch morgens um eins noch Zigaretten und Groschenromane verkaufen. Daneben das eine oder andere Restaurant, das sich den großen Durchbruch in der anspruchsvollen Montréaler Gastronomie-Szene erhofft.

Auch eine wunderschöne Markthalle gibt es an der Rue Ontario, ganz in der Nähe des Olympiastadions. Wie konnte ich die vergangenen 35 Jahre nur so achtlos an diesem prachtvollen Gebäude vorbeifahren?

Auch der mächtige Brunnen mit seinen gusseisernen Schildkröten-Skulpturen war mir vorher noch nie aufgefallen. Aus einer Altbauwohnung ertönt Musik. Jede Menge Scheinwerfer und ein paar Kameras sind durch das offene Fenster zu sehen. Es wird ein Rockvideo gedreht, mit einem Künstler, den vermutlich nur die kennen, die in Hochelaga zuhause sind.

Marjolaine MUSS einfach gewinnen am 19. Oktober. Und sei es nur, damit ich einen Grund habe, öfter mal in ihrem Wahlbezirk vorbei zu schauen.

Hochelaga: Vorne die Markthalle, weit hinten das Olympiastadion. Fotos © Bopp

Hochelaga: Vorne die Markthalle, weit hinten das Olympiastadion. Fotos © Bopp

Ein Buch voller Geschichten

blog_ankuendigungSchreib doch mal ein Buch“. Ich weiss nicht, wie oft ich diesen Satz in den letzten Jahren gehört habe. Von Freunden und Kollegen, von Teilnehmern meiner Seminare, von Blog-Lesern und natürlich von der eigenen Familie. Jetzt ist es soweit: In wenigen Tagen erscheint mein erster Roman bei Amazon.

Ausreden, kein Buch zu schreiben, gab es immer schon genug: Keine Zeit. Keine Lust. Keine Gelegenheit. Das alles stimmte irgendwann, irgendwie. Nur eine Entschuldigung ließ ich nie gelten: Keine Themen.

Geschichten aus meinem Leben gibt es jede Menge. Fröhliche, traurige, skurrile, runde, bunte. Jetzt habe ich die schönsten von ihnen zu einem Roman zusammengefasst.

Der Sommer 2015 war ideal zum Schreiben, das Blockhaus am Lac Dufresne der perfekte Ort, um aus einer Idee ein Buch werden zu lassen.

Das gibt sich bis 1970“ ist ein Roman mit 52 Kapiteln: Die erste große Liebe. Die erste lange Reise. Die ersten Abenteuer. Zentrale Handlung ist ein Roadtrip, der mich als Fünfzehnjähriger per Anhalter zu einem Mädchen nach Spanien führt.

Dass ich meinen ersten Roman in Form eines eBooks veröffentliche, war eine logische Überlegung. Als Onlinejournalist ist das Internet seit seiner Einführung zu meiner medialen Heimat geworden. Ebooks können weltweit heruntergeladen werden. Die Möglichkeit, orts- und zeitunabhängig arbeiten zu können, sehe ich als ein Geschenk für jemanden, der seit Jahren zwischen Kanada, Deutschland und Spanien pendelt.

Mein Roman erscheint demnächst bei Amazon. Der Download ist kinderleicht. Der Text kann am PC, am Laptop, am Tablet oder auf dem Handy gelesen werden. Und natürlich im „Kindle“-eBook-Reader, den Amazon seinen Lesern anbietet.

Geschrieben habe ich meinen Roman für alle, die an die Liebe glauben und das Leben als Abenteuer sehen. Also für Sie.

Prinzenrolle für eine Nacht

Vorhang auf: Der Mann mit dem Radiogesicht spielt wieder in einem Film mit. Titel und Regisseur müssen geheim bleiben. Szenenfotos dürfen genauso wenig veröffentlicht werden wie der Name des Hauptdarstellers. Woran mich jedoch keiner hindern kann: Die Atmosphäre am Set zu beschreiben.

Gedreht wird der Film zurzeit hinter dicken Klostermauern in der Nähe von Montreal. So viel sei verraten: Es ist eine große Produktion mit einer hochprofessionellen Filmcrew. Selbst für das „Making of“, also den Film über die Herstellung des Films, gibt’s einen eigenen Regisseur. Mein Charakter: Ein bekannter Wissenschaftler, der um seine wichtigste Entdeckung bangen muss.

Eine Rolle in einem Kinofilm ist wie ein Non-Stop-Verwöhnprogramm: Die Maskenbildnerin massiert dir die Falten weg. Die Friseuse macht aus lichtem Haar dichtes. Die Kostümbildnerin zupft dir Hemd und Jacke zurecht, legt Manschettenknöpfe an und bringt den Hut in die richtige Position. Und so ganz nebenbei bindet sie dir noch den perfekten Krawattenknoten.

Es ist eine Prinzenrolle: Weil es heiss ist am Set, wirst du auf Schritt und Tritt von zwei Assistentinnen betüttelt, die dich mit kaltem Wasser und Frischluft aus kühlenden Ventilatoren versorgen. Selbst in den Drehpausen verfolgen sie dich wie ein Schatten, nehmen dir Mantel und Jacket ab, während der Requisiteur den Brief, den du deiner Filmpartnerin eben noch vor der Kamera überreicht hast, wieder fein säuberlich zusammenfaltet und in die Innentasche zurücksteckt. Ein bisschen Diskretion muss sein: Höflich warten deine persönlichen Assistentinnen – zwei jobbende Filmstudentinnen – vor dem Waschraum.

Gefilmt wird die ganze Nacht. Zum „Mittagessen“ um 19 Uhr gibt’s Catering vom Feinsten. Die Privat-Chauffeurin holt dich ab und liefert dich nach dem Dreh wieder sicher vor deiner Haustür ab – in meinem Fall morgens um halb zwei.

Wenn mehr als 50 Leute dir und deiner Filmpartnerin vor laufenden Kameras unter dem grellen Licht von Dutzenden von Scheinwerfern auf die Hände schauen und ein Team von Spezialisten jedes gesprochene Wort auf seine linguistische Vollkommenheit testet, kann das für einen Nicht-Profi-Schauspieler wie mich ganz schön überwältigend sein.

Selbst der Kuss auf die Stirn der Partnerin will geübt sein. „Etwas zärtlicher“, ruft der Regisseur aus dem Off. „Und etwas weiter links“, sekundiert die Regieassistentin. Nach gut zwei Dutzend verschiedenen Einstellungen sind die Küsse im Kasten.

Filmen ist anstrengend, vergnüglich, aufregend und immer spannend. Allerdings birgt so eine Rolle auch Überraschungen, von denen nichts im Vertrag steht. Damit musst dann nicht nur du leben, sondern auch die Frau an deiner Seite: Der Bart ist ab. Glattrasiert. Zum erstenmal seit 45 Jahren.

Seither hat SIE nur einen Wunsch: „Bitte lass ihn wieder wachsen, sonst muss ich dich leider siezen“.