Ganz ohne Geschichte geht auf Mallorca nur wenig. So umkreist natürlich auch das Kloster Lluc im Nordwesten der Insel eine eigene Legende. Das Santuari de Santa Maria de Lluc gilt heute als das spirituelle Zentrum Mallorcas. Für uns war es Start und Ziel einer Berg- und Talwanderung mit fantastischen Ausblicken.
Die Gründungslegende des Klosters erzählt von einem maurischen Hirtenjungen namens Lluc, dessen Eltern zum Christentum konvertiert waren. Dieser soll im Jahr 1229 an einem Samstagnachmittag zwischen den Felsen am Ufer des Baches eine dunkle Marienstatue der Gottesmutter gefunden haben. Die Figur wurde noch am selben Tag in die Pfarrkirche des Dorfes Escorca gebracht.
Als sich die Gläubigen am nächsten Morgen trafen, um die Madonnenstatue zu verehren, war sie verschwunden. Man fand sie am ursprünglichen Fundort am Bachufer wieder. Der Pfarrer beauftragte daraufhin den Bau einer Kapelle. Heute ist diese Kapelle Teil des Kloster Lluc.
Eine hübsche Geschichte, die den Rahmen für eine wunderschöne Wanderung bildete. Fast 15 Kilometer beträgt die Strecke, zu der wir dank ausführlicher Foto-, Vesper- und Fußbadpausen knapp viereinhalb Stunden benötigten. So etwas nennt sich dann „Kleine Rundwanderung um das Kloster“.
Besonders aufregend war diesmal nicht der Fußweg selbst, der durch schattige Bergeichenwälder führt. Es waren vielmehr die fantastischen Ausblicke. Der 1365 Meter hohe Puig de Massanella, der Puig Tomir (1104 Meter) im Nordosten und der Puig Roig (1003 Meter) im Nordwesten.
Auf dem Rückweg ins Tal führt die Tour durch einen labyrinthartigen Steingarten, eine Ansammlung von bizarren Felsformationen, die der Fantasie des Wanderers freien Lauf lassen. Hatte man eben noch den Eindruck, hier habe ein überdimensionaler Schaufelbagger Aufräumarbeit geleistet, sieht der nächste Felsbrocken aus, als hätten sich fleißige Dinosaurierzähne daran zu schaffen gemacht.
Kurz vor Ende der Wanderung bekommt der Inselgast dann noch einen Einblick in die Seele des Mallorquiners. Er isst und feiert gern. Die hübsch angelegten Picknickplätze waren an diesem Samstag von Einheimischen frequentiert, die bei sommerlichen Temperaturen das Wochenende bei Grillwurst oder Paella und Gambas einläuteten – immer mit der Großfamilie im Schlepptau.
Die 75minütige Rückfahrt vom Kloster Lluc nach Palma ist nicht weniger abenteuerlich als die Wanderung selbst. Virtuos navigiert der Busfahrer seinen Gelben Riesen durch Haarnadelkurven, die dem müden Klosterwanderer einen Blick in die Abgründe einer grandiosen Berglandschaft ermöglichen.



Es quietscht und pfeift und rauscht und summt. Jeder Schritt auf den gepflasterten Gassen der Altstadt von Palma hinterlässt eine Tonspur, jede Kurve ein Geräusch. Schuld sind Tausende und Abertausende von Wachskerzen, die während der Büßerprozessionen auf die Straße tropfen.
Die Palmesanos kennen das schon: Während der „Semana Santa“, der Karwoche, wächst der Lärmpegel mit jedem Tag um ein paar Dezibel. Wo am Abend noch in friedlicher Eintracht Hunderte von Büßern durch die Stadt prozessieren – viele in Kapuzen, manche barfuß und mit Ketten im Schlepptau – ist am Morgen danach ein Pfeif- und Schleifkonzert zu hören. Ein fahrendes Auto hört sich übrigens um ein Vielfaches dramatischer an.
So gefährlich sei die „Semana Santa“, behaupten einige Stadträte, dass sich Versicherungen geweigert hätten, die Stadt für die Folgeschäden der Wachsspuren zu versichern.