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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Bergwanderung mit Klosterblick

lluc_bannerGanz ohne Geschichte geht auf Mallorca nur wenig. So umkreist natürlich auch das Kloster Lluc im Nordwesten der Insel eine eigene Legende. Das Santuari de Santa Maria de Lluc gilt heute als das spirituelle Zentrum Mallorcas. Für uns war es Start und Ziel einer Berg- und Talwanderung mit fantastischen Ausblicken.

Die Gründungslegende des Klosters erzählt von einem maurischen Hirtenjungen namens Lluc, dessen Eltern zum Christentum konvertiert waren. Dieser soll im Jahr 1229 an einem Samstagnachmittag zwischen den Felsen am Ufer des Baches eine dunkle Marienstatue der Gottesmutter gefunden haben. Die Figur wurde noch am selben Tag in die Pfarrkirche des Dorfes Escorca gebracht.

Als sich die Gläubigen am nächsten Morgen trafen, um die Madonnenstatue zu verehren, war sie verschwunden. Man fand sie am ursprünglichen Fundort am Bachufer wieder. Der Pfarrer beauftragte daraufhin den Bau einer Kapelle. Heute ist diese Kapelle Teil des Kloster Lluc.

Eine hübsche Geschichte, die den Rahmen für eine wunderschöne Wanderung bildete. Fast 15 Kilometer beträgt die Strecke, zu der wir dank ausführlicher Foto-, Vesper- und Fußbadpausen knapp viereinhalb Stunden benötigten. So etwas nennt sich dann „Kleine Rundwanderung um das Kloster“.

Besonders aufregend war diesmal nicht der Fußweg selbst, der durch schattige Bergeichenwälder führt. Es waren vielmehr die fantastischen Ausblicke. Der 1365 Meter hohe Puig de Massanella, der Puig Tomir (1104 Meter) im Nordosten und der Puig Roig (1003 Meter) im Nordwesten.

Auf dem Rückweg ins Tal führt die Tour durch einen labyrinthartigen Steingarten, eine Ansammlung von bizarren Felsformationen, die der Fantasie des Wanderers freien Lauf lassen. Hatte man eben noch den Eindruck, hier habe ein überdimensionaler Schaufelbagger Aufräumarbeit geleistet, sieht der nächste Felsbrocken aus, als hätten sich fleißige Dinosaurierzähne daran zu schaffen gemacht.

Kurz vor Ende der Wanderung bekommt der Inselgast dann noch einen Einblick in die Seele des Mallorquiners. Er isst und feiert gern. Die hübsch angelegten Picknickplätze waren an diesem Samstag von Einheimischen frequentiert, die bei sommerlichen Temperaturen das Wochenende bei Grillwurst oder Paella und Gambas einläuteten – immer mit der Großfamilie im Schlepptau.

Die 75minütige Rückfahrt vom Kloster Lluc nach Palma ist nicht weniger abenteuerlich als die Wanderung selbst. Virtuos navigiert der Busfahrer seinen Gelben Riesen durch Haarnadelkurven, die dem müden Klosterwanderer einen Blick in die Abgründe einer grandiosen Berglandschaft ermöglichen.

Strandwanderung mit Hippie-End

bannerEs Trenc gilt als der schönste Strand Mallorcas. Klar, dass die Bucht im Südosten der Insel von Einheimischen und Touristen oft gnadenlos überrannt wird. Wir haben mit unserer heutigen Wanderung dort angefangen, wo die meisten aufhören. Von Colònia de Sant Jordi sind wir in knapp vier Stunden zum Cap de ses Salines marschiert, dem südlichsten Punkt Mallorcas. Eine grandiose Idee, wie sich herausstellen sollte.

Strandspaziergänge sind die kleinen Schwestern der Bergwanderungen. Gemächlichen Schrittes tappt man von Bucht zu Bucht, mal auf Sand, mal auf Kies, dann wieder auf Felsbrocken. Zwischendurch Wassertreten im tief-türkisfarbenen Meer in der sommerlichen Hitze.

Ständige Begleiterinnen waren von Anfang bis zum Schluss die südlich im Meer gelegenen Inseln, die zum Parc Nacional de Cabrera gehören – ein fantastischer Anblick. Am Ende der ca. 12 Kilometer langen Wanderung dann der Leuchtturm von Ses Salines. Weiß und stolz erhebt er sich hinter einem Wald von liebevoll gebauten Steinmännchen, die Wanderer wie wir als kleines Dankeschön an die gewaltige Natur hinterlassen haben.

Die eigentliche Herausforderung des Tages wartete jedoch am Ende der Strandtour auf uns. Mit dem Bus waren wir am Morgen die eineinhalb Stunden von Palma nach Colònia de Sant Jordi gereist. Soweit, so gut. Nur: Vom Endpunkt der Wanderung gibt es keine Verbindung in den etwa zweieinhalb Stunden Fußmarsch entfernten Ort Ses Salines, von wo aus uns ein Überlandbus wieder nach Palma zurück bringen soll. Zu Fuß wäre die Strecke über die Landstraße im vorgegeben zeitlichen Rahmen kaum zu schaffen gewesen. Was also tun?

Man streckt den Daumen raus, wie zuletzt anno 1967.

Wir hatten doppeltes Glück: Nicht nur nahm uns beim Trampen gleich das erste Auto mit. Fahrer und Beifahrerin waren Alt-68er mit Hippie- und Weltenbummler-Vergangenheit wie wir – dazuhin Landsleute aus dem Schwäbischen. So endete diese gnadenlos schöne Strandwanderung bei Vino und anderen Getränken gemeinsam mit neuen Bekannten in einer gemütlichen Bodega. Geschichten von Kuba, Uruguay und Alaska machten die Runde. Und natürlich auch von einer Strandwanderung zum südlichsten Punkt Mallorcas.

Später, im Bus, sagt SIE: „So stelle ich mir den absolut perfekten Tag vor“. Stimmt. Einer mit Hippie-Happy-End.

Ganz einfach am Meer lang

BlogbannerEigentlich sollte es nur ein Spaziergang am Samstagnachmittag werden. Mit dem Bus von Palma nach Banyalbufar. Danach zu Fuß zwei Stunden zu dem kleinen Fischerhafen Port des Canonge und wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Weil aber „hin und zurück“ so gar nicht unser Ding ist, bogen wir nach der Rast in Port des Canonge einfach in den Alten Fischerweg ein. Schließlich landeten wir in Esporles. Von dort aus brachte uns der Bus wieder zurück nach Palma. Macht zusammen um die 15 Kilometer zu Fuß. Das reicht für einen gemütlichen Samstagnachmittag.

Und wieder einmal drängte sich die Frage auf: Was hat diese Insel eigentlich noch alles an geballter Schönheit zu bieten?

Durch schattenspendenden Kiefernwald geht es vorbei an bizarren Felsformationen. Schließlich dann in der Tiefe ein Höhepunkt der Wanderung: Die weitgeschwungene Bucht von Port des Canonge mit ihren Kiesstränden bis hin zu einem idyllischen Hafen. Von dort aus lassen noch immer die Fischer ihre Boote ins Meer.

Der Anstieg von Port des Canonge in Richtung Esporles ist steil und wirft schon mal die Frage auf: Warum haben wir eigentlich nicht doch die bequemere Wanderung zurück nach Banyalbufar gewählt, statt das Landesinnere anzupeilen?

Ein paar Kilometer weit teilen wir uns die Landstraße mit Porsches, Motorrollern und pubertierenden Teenagern, die auf Motorrädern bei Tempo 120 atemlos eine doch so atemberaubend schöne Landschaft an sich vorbeifliegen lassen.

Irgendwann dann der gemäßigte Abstieg in Richtung Esporles. Ein letzter Blick über fruchtbare Täler, in denen Weintrauben, Aprikosen, Orangen, Feigen und Zitronen um die Wette wuchern. Das Ganze wieder einmal vor einer zauberhaften Bergkulisse.

Wer Mallorca kennenlernen will und einigermaßen gut zu Fuß ist, sollte sich diese Wanderung nicht entgehen lassen. (Danke für den Tipp, Wolli. Mehr davon!)

Noch mehr Meer gibt’s hier:

Auf dem Postweg ans Meer

Manche Erlebnisse sind so schön, man muss sie einfach zweimal posten. Die Wanderung von Esporles nach Banyalbufar hatten wir bereits vor einem Jahr gemacht. Warum ohne Not Texte neu erfinden, Bilder neu einstellen, wenn sich doch seither nichts verändert hat? Selbst das Wetter war gestern wieder wie vor einem Jahr: Blauer Himmel, sommerliche Temperaturen. Mallorca at its best eben. Deshalb auf ein Neues: „Auf dem Postweg ans Meer“

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bildbannerFit müssen sie gewesen sein, die Kerle, die vor vielen Jahren den Camí des Correu von Esporles über die Berge nach Banyalbufar zurückgelegt haben, um den Bewohnern der Fincas die Post zu bringen.

Um über die steinigen Trassen ans türkisfarbene Meer zu kommen, muss zuerst die bewaldete Passhöhe Coll des Píans überquert werden. Wir benötigten heute bei sommerlichen Temperaturen knapp fünf Stunden für diese atemberaubend schöne Strecke.

Der Postillion von damals dürfte den Weg in der Hälfte der Zeit geschafft haben. Schließlich hatte er einen Esel, der ihm die Trägerlast abnahm. Außerdem musste er nicht ständig die Kamera zücken.

Über sanfte Olivenhaine geht es zunächst an Sa Granja vorbei, einem Landgut aus dem 13. Jahrhundert. Durch Kiefer- und Steineichenwälder führt der felsige Pfad weiter in Richtung Banyalbufar.

Hier wird’s dann richtig romantisch: Das Dorf, das die Mauren vor gut 1000 Jahren auf 2000 Terrassen errichtet haben sollen, erinnert auf erfrischende…

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Nach der Buße kommt das Wachs

bannEs quietscht und pfeift und rauscht und summt. Jeder Schritt auf den gepflasterten Gassen der Altstadt von Palma hinterlässt eine Tonspur, jede Kurve ein Geräusch. Schuld sind Tausende und Abertausende von Wachskerzen, die während der Büßerprozessionen auf die Straße tropfen.

Dabei könnte es viel schlimmer sein: Jede Bruderschaft setzt während der Prozessionen „Kerzenkinder“ ein, die mit Holzstäbchen das heiße Wachs der Kerzen abzufangen versuchen.

IMG_3782Die Palmesanos kennen das schon: Während der „Semana Santa“, der Karwoche, wächst der Lärmpegel mit jedem Tag um ein paar Dezibel. Wo am Abend noch in friedlicher Eintracht Hunderte von Büßern durch die Stadt prozessieren – viele in Kapuzen, manche barfuß und mit Ketten im Schlepptau – ist am Morgen danach ein Pfeif- und Schleifkonzert zu hören. Ein fahrendes Auto hört sich übrigens um ein Vielfaches dramatischer an.

Den Höhepunkt erreicht das Quietschen dann an Ostern. Bis dahin haben sich mehrere Schichten von Wachsspuren gebildet, die sich vor allem dann lautstark melden, wenn sie vom Reifengummi der Autos traktiert werden.

Wahrend der Lärm zwar lästig sein kann, stellt das Wachs offensichtlich auch eine Gefahr für Leib, Leben und Karosserie dar. Nach Angaben der Stadtverwaltung von Palma kommt es jedes Jahr während der Karwoche zu vermehrten Unfällen, bei denen rutschende Autos beteiligt sind.

Auch bei Fußgängern, die auf dem Wachs ausrutschen, soll es zu Verletzungen kommen. IMG_3783So gefährlich sei die „Semana Santa“, behaupten einige Stadträte, dass sich Versicherungen geweigert hätten, die Stadt für die Folgeschäden der Wachsspuren zu versichern.

Schon war von einem Prozessionsverbot die Rede. Die Stadtverwaltung hatte von den Bruderschaften gefordert, in diesem Jahr eine Haftpflichtversicherung nicht nur für die Dauer der Prozessionen, sondern auch für die darauffolgenden drei Wochen abzuschließen.

Ob das Ganze doch nur ein Sturm im Wasserglas ist? Am frühen Ostermontag-Morgen rückten zumindest in der zentralen Einkaufsstraße Calle San Miguel die Reinigungstrupps der Stadt mit ihren Heißwasserkompressoren an. Ganz verschwunden ist das Quietschen zwar nicht, aber es hält sich in Grenzen.

Jetzt hilft nur noch beten.

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