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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Im Schneckenbus über die Insel

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Es ist nicht weit von Palma nach Portocolom, gerade mal 65 Kilometer mit dem Auto. Wem jedoch der Sinn nach öffentlichen Verkehrsmitteln steht, braucht Zeit. Eineinhalb Stunden hin, eineinhalb Stunden zurück. Aber die Fahrt mit dem Schneckenbus lohnt sich. Vor allem dann, wenn das Ziel Portocolom heisst.

Der Ort mit gerade mal 4000 Einwohnern kann für sich in Anspruch nehmen, einen der wichtigsten Fischereihäfen Mallorcas zu beherbergen – gleichzeitig den größten Naturhafen der Insel. Wer das Glück hat, Portocolom um diese Jahreszeit zu sehen, vergisst leicht, dass der Touristenrummel in den Sommermonaten erdrückend sein kann.

Fast menschenleere Gassen, Restaurants, Bars und Cafés sind nicht jedermanns Sache. Wir haben diesen zauberhaften Ort an der Südostküste Mallorcas an diesem frischen Februartag mehr genossen als bei früheren Besuchen bei sommerlichen Temperaturen.

Wem der Sinn ausnahmsweise mal nicht nach Tapas steht, sondern nach einem dreigängigen Mittagessen, sollte im Restaurant „Vora Mar“ das Tagesmenü bestellen. Für 8.50 Euro gibt es drei Gänge frisch zubereitete Hausmannskost.

Ob in Portocolom tatsächlich, wie Einheimische gerne behaupten, Christopher Columbus an Land gegangen ist, sei dahingestellt. Der Name deutet jedenfalls darauf hin. Andererseits: Wie viele Orte es in der Welt gibt, die den großen Entdecker für sich adoptiert haben, ist schwer zu sagen. Ein Menschenleben hätte wohl kaum ausgereicht, um den  armen Kerl überall dort anlegen zu lassen, wo es die Bewohner gerne gehabt hätten.

Wer Portocolom einen Besuch abstattet, sollte nicht den Fehler machen, sich nur in der Hafengegend aufzuhalten, wo es die meisten Restaurants gibt und den besten Blick auf den Leuchtturm.

Der eigentliche Charme des Ortes liegt im alten Dorfkern, der über einen Fußweg entlang der Hafenmohle leicht zu erreichen ist. Hier scheinen die meisten Einheimischen zu wohnen: Fischer, die ihre Netze zum Trocknen auch mal vor der Haustür ablegen. Schiffsbauer, die sich beim Schreinern der Planken zuschauen lassen. Bootseigner, die ihren Kahn dort überwintern lassen, wo gewöhnlich Autos parken.

Ein unaufgeregter Nachmittag in Portocolom geht mit einer entspannten Busfahrt durch den Südosten der Insel zu Ende. Wer dann noch das Glück hat, die Rückreise nach Palma bei einem spektakulären Sonnenuntergang antreten zu können, könnte Christopher Columbus gut verstehen, sollte er dann tatsächlich in dieser wunderschönen Ecke Halt gemacht haben.

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Von Deià nach Port de Sóller

bannImmer wieder ein Erlebnis: Eine Mallorca-Wanderung durch das Tramuntana-Gebirge von Deià zu dem Hafenstädtchen Port de Sollér. Dies war bereits das dritte Mal, dass wir dieses begnadete Stück Natur abgewandert sind. Die Auswahl der Fotos hält sich deshalb in Grenzen. Einen Link zu einer der früheren Wanderungen gibt’ts  >> hier <<

Drei Männer am Meer

threeDie Geschichte von Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“ geht so: Der Millionär Tobler will die Menschen studieren. Er beteiligt sich unter dem Namen Schulze an einem Preisausschreiben seiner eigenen Firma und gewinnt einen zehntägigen Aufenthalt im Grand Hotel. Dorthin fährt Tobler, um zu erleben, wie die Menschen auf einen armen Schlucker reagieren.

Hier geht es nicht um drei Männer im Schnee, sondern um drei Männer am Meer.

Der eine ist groß und schlank und geht auf die 80 zu. Der andere ist auch groß, aber nicht schlank und geht auf die 70 zu. Der Dritte im Bunde ist weder groß noch schlank und hat die 70  gerade hinter sich. Die drei Männer am Meer haben eines gemeinsam: Sie wissen, wie Mann das Leben genießt.

Man trifft sich also zum Mittagessen in einem Strandlokal. Nomen est Omen: „La Vida“ heißt das hinreißend nette Restaurant am Strand von Paguera. „La Vida“ ist „das Leben“. Und das Leben ist für die drei Männer am Strand schön. Nicht nur im „La Vida“.

Der große Schlanke hat den Großteil seines schönen Lebens in New York verbracht, den Rest in Afrika und Asien. Gerade ist er von einer monatelangen Segel-Tramper-Bus- und Fußmarschtour durch halb Europa zurückgekehrt. Der Mann ist in drei Jahren 80 und verbringt seine nicht knapp bemessene Freizeit am liebsten auf seiner Harley-Davidson. Wenn er nicht gerade im „La Vida“ sitzt und dort Meeresfrüchte und das Leben genießt. Oder wandert. Oder Zitronen pflückt und damit Freunde beglückt. Oder mit der Angelrute vom Wind verwehte Wäschestücke von mallorquinischen Dächern fischt.

Auch der nicht so schlanke Große hat die meiste Zeit seines schönen Lebens im Ausland verbracht, hauptsächlich in Kanada. Er hat viel erlebt und sogar ein Buch darüber geschrieben. Hungrig ist er nicht nur nach mehr Leben, sondern auch nach mehr Essen. Am liebsten am Meer. Da bietet sich „La Vida“ an.

Der nicht Große und auch nicht Schlanke ist ein schlauer Kopf, der die Welt kennt und nicht etwa, wie viele andere Lehrer, nur die Schule. Er ist gerade einen Monat lang mit dem Rucksack auf dem Buckel durch Vietnam gezogen, musste sich ein andermal im südlichen Afrika ausrauben lassen. Dafür lässt er jetzt für ein paar Wochen den lieben Gott einen guten Mann sein. Auf Mallorca und im „La Vida“.

Keiner der drei Männer am Strand ist meines Wissens nach Millionär. Und keiner von ihnen hat je aufgehört, das Leben zu studieren. Wie der Fabrikant Tobler.

So ein Studier-Nachmittag am Strand macht hungrig. Nach mehr Leben und mehr Meeresfrüchten.

Nach mehr „La Vida“ eben.

Bitte sagt nie wieder „Malle“!

cropped-blumenbanner.jpgZwei Dinge sorgen in Mallorca-Foren immer wieder für Aufregung: Wenn User statt Mallorca „Malle“ schreiben. Und wenn sie statt „auf Mallorca“ „in Mallorca“ sagen. Schlimmer geht immer: Fehlt nur noch, dass jemand von seinen Erfahrungen „auf Palma“ berichtet.

Mallorca ist ein wunderschöner Name für eine traumhaft schöne Insel. Jedesmal, wenn jemand „Malle“ schreibt, sagt oder singt, stehen mir die Nackenhaare zu Berge. Was für eine abwertende Bezeichnung für ein geografisches Juwel! Sagt etwa jemand „Kanne“ statt „Kanada“? Oder „Sylle“ für Sylt? Nie gehört.

Abgeleitet wurde der Name Mallorca Wikipedia zufolge von dem lateinischen Namen „insula maior“, im Vergleich zur Nachbarinsel Menorca also „die größere Insel“.

Wann die hässliche Wandlung von Mallorca in Malle angefangen hat, ist schwer zu sagen. Vermutlich stammt die Begriffssünde aus den Urzeiten des Neckermann-Tourismus, als „Malle“ noch „die Putzfraueninsel“ genannt wurde.

Schrecklich, mit welcher Überheblichkeit manche Menschen sich an die Verballhornung von Namen und Schauplätzen machen, an denen sie womöglich noch nie waren und sie allenfalls besuchen werden, sollten sie einmal im Preisausschreiben gewinnen.

In einem der Foren, die ich regelmäßig besuche, haben es Stamm-User aufgegeben, Neulingen die „Malleritis“ auszutreiben. Stattdessen wird gerne ein Wikipedia-Link gepostet. „Malle“, heißt es dort, „ist eine Gemeinde in der belgischen Provinz Antwerpen mit 15.013 Einwohnern“.

Malle in Belgien passt also. Malle im Mittelmeer geht gar nicht. Deshalb eine Bitte an alle, denen die Schönheit meiner Lieblingsinsel am Herzen liegt: Bitte sagt nie wieder Malle!

Sommerfeeling im Januar

finca„25 Grad“, sagt der Sohn in Kanada, „das hatten wir auch. Minus!“ In Kanada kleidet man sich im Winter nach dem Prinzip der Zwiebelschale. Viele Schichten übereinander geben wärmer als ein dicker Parka. Auch bei der heutigen Wanderung von Inca bis zum Kloster Magdalena und zurück war das Zwiebelschalen-Prinzip angesagt. Nur umgekehrt.

Es wurde heiss und heisser und irgendwann knallte die Sonne auf den Kopf und ein Sommerfeeling machte sich breit wie seit letztem August nicht mehr. Winterwanderung im Januar? Von wegen. Sommerwanderung im mallorquinischen Winter.

Die Strecke von Inca zum Kloster Santuari de Santa Magdalena gibt imposante Ausblicke frei. Zwar liegt das ehemalige Nonnenkloster nur weniger als 300 Meter über dem Meeresspiegel. Aber der Anstieg ist streckenweise steil und teilweise auch steinig. Alles in allem aber nicht sonderlich schwierig und somit gerade richtig für die erste Wandertour der Saison.

Die Fernsicht vom Puig de Santa Magdalena ist spektakulär. Im Norden sind die wilden Küstengebirge Serra del Cavall Bernat und Serra d’ Albercutx zu sehen. Zwischen den Buchten von Pollença und Alcúdia erhebt sich die Halbinsel Sa Victòria aus dem Meer.

Das wahre Naturwunder spielt sich jedoch nicht erst auf dem Gipfel des Berges ab, sondern links und rechts des Wanderweges, der am Ortsausgang von Inca beginnt. Traumhaft gelegene Fincas wechseln sich ab mit bescheidenen Bauernhäusern. Hier hat die Natur mal wieder voll zugelangt: Orangen, Zitronen, Feigen, Bougainville und Weinreben. Und dann natürlich Tausende von blühenden Mandelbäumen, die ihren süßen Duft verstreuen, als wollten sie den Wanderer damit bezirzen.

Ein herrlicher Tag also, der mit einer Busfahrt von Palma nach Inca begonnen hatte und in einer Bahnfahrt in umgekehrter Richtung seinen Abschluss fand.

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