Avatar von Unbekannt

Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Sasquatch: Wilder Mann im Wald

Zwei-Meter-siebzig hoch, fünf Zentner schwer, Schuhgröße 18 –  so soll er aussehen, der „Sasquatch“, das kanadische Gegenstück zum schottischen „Loch Ness“. Doch anders als das britische Monster versteckt sich das kanadische Ungeheuer nicht im Wasser, sondern im Wald. Daher hat das Kuriosum auch seinen Namen: „Sasquatch“ ist das indianische Wort für „Wilder Mann im Wald“.

Jetzt wollen ihn zwei Frauen beim Beerenpflücken in Nunavik gesehen haben. So jedenfalls berichtet es der Radio- und Fernsehsender CBC auf seiner Webseite. „Er kam uns nicht bösartig vor“, beschreibt Maggie Cruikshank Qingalik die Begegnung mit dem haarigen Riesen im Norden von Québec. Trotzdem sei sie sofort ins Dorf zurück gefahren, um die Bevölkerung vor dem Ungeheuer zu warnen.

Gut fünfzigmal soll der behaarte Riese in den letzten hundert Jahren gesichtet worden sein. Einmal ist er, wenn er es ist, sogar im Schnappschuss festgehalten worden. Aber damit hat es sich dann auch schon. Dreihundert Sasquatch-Forscher wollten es vor einigen Jahren genau wissen: In Vancouver trafen sie sich zum Internationalen Sasquatch-Symposium. Einziges Thema: das Monster – „das Ding“, wie es der Ölbohrer Miles Jacks nennt – einer von denen, die Bein und Stein schwören, dem „Sasquatch“ begegnet zu sein.

Ernsthafter als der Augenzeuge aus dem kanadischen Busch haben sich Wissenschaftler wie David Markotic mit dem Mysterium beschäftigt. Der Archäologie-Professor aus Calgary ist dem Waldmenschen schon seit Jahren auf der Spur. Fazit des Forschers: „Der Sasquatch ist eine undefinierbare Spezies nach Art des Neandertalers – ein Vegetarier, der menschliche Lebewesen meidet, sie aber nicht fürchtet.“Ein ungefährlicher Zeitgenosse“, resümiert Professor Markotic.

Eine Reporterin der Tageszeitung „Vancouver Province“, hatte sich vorgenommen, durch gründliche Recherche dem „Sasquatch-Spuk“ ein Ende zu bereiten. Gründlich recherchiert habe sie in der Tat, hörten die Kongress-Teilnehmer in Vancouver, nur: Die Zweifel ausräumen konnte auch die Journalistin nicht. Im Gegenteil: Genau an der Stelle, wo auch zwei Waldarbeiter den langhaarigen Riesen gesichtet haben wollen, fand die Reporterin Fuß-Spuren vor: Sechzig Zentimeter lang, Größe 18 – genau so hatte auch Professor Markotic den Waldmenschen beschrieben.

Kein Ende der Legende also – das Monster lebt – und sei es nur beim Sasquatch-Kongress.

Kanada – Ein Länderportät

Es kommt ganz selten vor, dass ich ein Kanada-Buch guten Gewissens empfehlen kann. Das Buch, das vor einigen Tagen druckfrisch aus Berlin angeflattert kam, bildet da eine rühmliche Ausnahme. „Kanada – Ein Länderporträt“ ist ein kleines Juwel. Der Autor Marcus Funck versteht es, mit Charme und Esprit die Befindlichkeiten dieses Landes zu beschreiben. Dabei wartet er sachkundig mit Details auf, die Respekt verdienen.

Bücher über Kanada zu lesen, gehört zum Alltag des Korrespondenten. Nicht immer ist es eine Freude, aus anderer Leute Feder lesen zu müssen, in was für ein grottiges Land es mich da verschlagen hat. Oder wie „unendlich“ die Wälder seien, die „das zweitgrößte Land der Erde“ von „Küste zu Küste“ zu bieten hat.

Dr. Marcus Funck, der hier sieben Jahre gelebt und gearbeitet hat, beschreibt diese Klischees zwar alle auch. Aber er tut das auf eine sympathisch-authentische Art, der man beim Lesen anmerkt, dass er für die Fakten-Recherche nicht Wikipedia zum Glühen gebracht, sondern diese Fakten weitgehend selbst eruiert und zusammengetragen hat.

Mit dem „Porträt“ hat sich der Autor eine journalistische Stilform ausgesucht, die ihm literarisch alle Freiräume der Welt lässt. So gesehen passt diese Stilform hervorragend zu Kanada. Endlich ein Länderporträt, das mehr ist als ein Reiseführer. Es ist ein farbig geschriebenes, lesefreundliches Faktenbuch, randvoll mit Informationen über Kanada, bei dessen Lektüre es endlich mal nicht staubt wie bei einem Ritt durch die Prärie.

Kanada – Ein Länderporträt

Marcus Funck

Ch. Links Verlag, Berlin

ISBN 978-3-86153-690-1

Das Blut des „Großen Bären“

“Wenn der himmlische Jäger den Großen Bären erlegt hat, bedeckt sein Blut die Wälder“. So erklären die Indianer das Naturschauspiel, das sich zurzeit wieder in Québec und anderen Teilen Kanadas bietet.

Hier oben am Lac Dufresne, eineinhalb Autostunden nördlich von Montréal, hat der Indian Summer an diesem langen Thanksgiving-Wochenende seinen Höhepunkt erreicht. Sie, die Besucher meines Blogs, sollen auch dieses Jahr wieder einen Logenplatz bekommen. Klicken Sie sich einfach durch die Bildergalerie oben.

Wenn Sie vom „Wald in Flammen“ gar nicht genug bekommen können, besuchen Sie doch die Fotoserie vom letzten Jahr. Übrigens: Das Panoramafoto am Kopf der Seite wird Sie von jetzt an bis in den Winter begleiten. Cassian hat es vor einer Woche aufgenommen. Es zeigt den Blick von unserem Blockhaus auf den Lac Dufresne.

Oktoberfest mit Bier im Becher

Es gehört schon ein wenig Chuzpe dazu, mit einem umgehängten Oktoberfestherz in den Airport-Shuttle von Dorval nach Downtown Montreal zu steigen – und das in nüchternem Zustand. Aber was tut man nicht alles aus Freude über ein Gastgeschenk, das die Frau an deiner Seite aus München mitgebracht hat. Zum ersten Mal in ihrem Leben war Lore mit Freunden über die Wiesn geschlendert. Das Herz als Mitbringsel musste sein.

Ochsen am Grill und Bierkrüge so groß wie Gießkannen sind nicht jedermanns Sache. Man muss das Oktoberfest auch nicht mögen, aber man sollte es einmal erlebt haben. Als Kinder waren wir häufig auf der Wiesn. Aber das letzte Mal, dass ich ein Herz-am-Bandl um den Hals hängen hatte, ist fast 50 Jahre her. Und jetzt kommt also Lore aus Deutschland angereist und bringt mir wieder eins. Wie schön!

In Kitchener tanzt der Bär

Oktoberfeste gibt es auch in Kanada, das größte davon in Kitchener/Ontario, nicht weit von Toronto. Ich war, um ehrlich zu sein, nie dort, habe mir aber sagen lassen, dass dort der Bär tanzt. Was immer das in Kanada heißen mag. Früher hieß Kitchener übrigens wegen seiner stark vertretenen deutschen Bevölkerung „Berlin“. Es gab jedoch, wie wir wissen, in der Geschichte eine Phase, als deutsche Bezeichnungen keine so richtig gute Idee mehr waren. Also einigte man sich wieder auf Kitchener.

Auch zu meiner Zeit in Winnipeg/Manitoba wurde jedes Jahr Oktoberfest gefeiert. Ich glaube mich erinnern zu können, dass aus Marburg jahrelang ein freundlicher Herr in Sepplhosen eingeflogen wurde. Der zog dann eine Woche lang als „Mister Oktoberfest“ ein Bühnenprogramm ab und fiel vor allem durch seinen drolligen deutschen Akzent auf. Irgendwann verschwand der Pseudo-Bayer dann wieder und lebte ein vermutlich beschauliches Leben an der Lahn.

Statt Bierzelt eine Eishockey-Arena

So richtig erwärmen konnte ich mich für diese Festivitäten nie. Vielleicht liegt es daran, dass das Oktoberfest nicht in Zelten stattgefunden hat wie in München, sondern in einer überdachten Eishockeyarena. Ein anderer Grund für meine Abneigung gegen Volksfest-Kopien dieser Art sind die Plastikbecher, aus denen Bier, Schnapps und Wein getrunken werden.

Dass es für die Veranstalter durchaus Sinn macht, Plastik statt Glas- oder Steinkrüge zu servieren, leuchtet ein. Keine Schlägereien, bei denen das Opfer einen Bierkrug aufs Haupt kriegt und auch sonst keine Scherben. Trotzdem: Bier gehört nicht in den Plastikbecher und Wein noch weniger. Andererseits erinnere ich mit Schrecken an eine Szene während des Kölner Karnevals. Nach einer der närrischen Nächte verwandelte sich der „Alte Markt“ in eine Müllkippe mit Tausenden von zerdepperten Bier- und Weinflaschen. Lustig ist anders.

Das mit den Festivitäten ist in Kanada so eine Sache. Klar, es ist schön, wenn man  ohne Scherben im Kopf auch nach einer feuchtfröhlichen Nacht noch den Heimweg antreten kann. Aber muss es denn immer gleich sooo gesittet zugehen? Bei den meisten Open-Air-Festivals, die ich hier besucht habe, war es streng verboten, Alkohol hinter die Eingangsschranken zu schmuggeln. Das Sicherheitspersonal durchsucht Taschen und Rucksäcke nach Bier und Schnapps – kein einladender Auftakt für ein fröhliches Fest.

Dabei können auch Kanadier ganz gut feiern. Vor allem die Frankokanadier hier in Québec sind für ihre Parties bekannt. Aber so richtig in Stimmung kommt man nur schwer, wenn die Verbotsschilder („No Smoking!“ „No alcohol, No drugs!“) prominenter sind als die Bühnendekoration.

Kanadagänse? Alles Kacke!

Überhaupt mag der Kanadier seine „Don’t-do-list„.  An einem Teich habe ich neulich Schilder gesehen, auf denen vor dem Füttern von Kanadagänsen gewarnt wird. Dass Tiere in der freien Wildbahn nicht gefüttert werden sollen, liest man ja auch in Deutschland öfter. Bizarr fand ich jedoch die Begründung für das kanadische Fütterungsverbot: Jede Gans hinterlässt angeblich pro Sitzung 100 Gramm Kacke. Diese Menge, so hieß es auf den Verbotsschildern, sei völlig unakzeptabel und stelle einen Verstoß gegen die Umweltbestimmungen dar. Ganz ehrlich? Ich finde eher, so ein Fütterungsverbot ist ein Verstoß gegen den Tierschutz.

Wobei wir zwar nicht wieder beim Oktoberfest wären, aber trotzdem: Prost!

Grenzwertiges vom Zoll

In einem Blog, den ich abonniert habe, fand ich heute eine bizarre Geschichte. Zwei junge Deutsche, die zurzeit in Vancouver leben, wollten mit dem Auto von Kanada in die USA übersetzen. An der Grenze wurden sie von einem amerikanischen Zöllner wieder zurückgeschickt. Ihr Verbrechen? Sie hatten Feuerholz im Kofferraum, das sie für ihren Campingtrip benötigten.

Ich fasse es nicht! Diese Spaßbremsen am Zoll brachten es also tatsächlich fertig, zwei jungen Leuten ihren Campingtrip zu vermiesen. Am besten ich zitiere mal eben aus dem Blogpost:

„Das Zelt ist gerade erst von unserem letzten Trip getrocknet, da wird es auch schon wieder zusammengepackt. Da wir auch noch etwas Feuerholz haben, wird dieses ebenfalls eingepackt und los geht’s Richtung USA.

An der Grenze warten wir ca. eine halbe Stunde. Als wir dann endlich dran sind und die Frage nach den Aktivitäten, die wir machen möchten, mit “Camping” beantworten, müssen wir auch schon den ersten Dämpfer hinnehmen.

Frage: Darf man in Kanada gekauftes Feuerholz in die USA einführen? Antwort: Nein. Grund: Feuerholz aus Kanada, welches nicht nach bestimmten Richtlinien behandelt wurde, darf nicht mitgenommen werden. Also raus aus dem Auto, rein zu den Grenzbeamten.

Nach einer Autodurchsuchung, die ohne unsere Anwesenheit stattfand (!) mussten wir wieder zurück nach Kanada, das Holz dort irgendwo loswerden (haben es in einer Nebenstraße abgelegt) und dann die ganze Prozedur noch einmal von vorne. Hierbei sei jedoch erwähnt, dass sich der sehr freundliche Grenzbeamte ausdrücklich bei uns entschuldigt hat, weil ihm das Ganze peinlich war. War ja unser Fehler… Passiert bestimmt nicht nochmal.“

Fast jeder, der im kanadisch-amerikanischen Grenzgebiet lebt, kann eine Begebenheit wie diese erzählen. Lore wurde einmal stundenlang in einem fensterlosen Raum festgehalten, weil sie dem Grenzbeamten auf seine Frage nach ihrem Beruf wahrheitsgemäß gestanden hatte, dass sie malt.

Er: „Dann sind Sie also Künstlerin?“ Sie: „Ja.“. Er: „Und was passiert mit den Bildern?“ Sie: „Die hängen bei uns in der Wohnung. Manchmal verschenke ich eins“. Er: „Sie verschenken doch keine Bilder, Sie verkaufen sie doch bestimmt!“ Sie: „Früher ja, da hatte ich Ausstellungen, zurzeit aber nicht mehr“. Er: „Versteuern Sie die Einnahmen aus Ihrem Kunstgewerbe?“ Sie: „Ich betreibe im Moment kein Kunstgewerbe. Wie gesagt: manchmal verschenke ich Bilder, die ich gemalt habe“.

Der Beamte blieb hartnäckig, machte einen Vermerk in ihre Einwanderungspapiere, behauptete steif und fest, sie betreibe ein Gewerbe und machte ihr von da an ganz schön das Leben schwer. Jede Einreise in die USA wurde künftig zum Spießrutenlauf. Erst als sie kanadische Staatsbürgerin wurde, hörte die Schikane an der Grenze auf.

Das Härteste, das ich in dieser Hinsicht erlebt habe, spielte sich an einem kleinen Grenzposten zwischen dem Yukon und Alaska ab. Ich war auf dem Weg nach Valdez, um eine Reportage über die Nachwirkungen der bis dato größten Umweltkatastrophe der amerikanischen Geschichte (Exxon Valdez) zu machen.

Grenzbeamter: “Wohin?” Ich: “Valdez”. Er: “Wozu?” Ich: “Reportage über “Exxon Valdez”. Er: “Was ist eigentlich aus dem besoffenen Kapitän des Tankers geworden?” Ich: “Der lebt in den USA und hat keinen Job mehr”. Er zieht jetzt seine Knarre aus dem Halfter und macht tatsächlich Bummbummbumm-Schießbewegungen. Und dann: „Ich hätte den Bastard erschossen“.

Danach wieder zu mir: “Tragen Sie Schusswaffen mit sich?” Ich: “Nein, sollte ich?“

Noch Fragen?

Aber es gibt auch andere Episoden am Zoll: Das skurrilste Erlebnis liegt schon einige Jahre zurück. Ein Freund aus Waiblingen hatte mir diverse Schnupftabaksorten in hübschen Dosen geschickt. Dazu muss man wissen, dass ich in meinem früheren Leben stolzer oberschwäbischer Vizemeister im Wettschnupfen war.

Das ging so: Innerhalb einer Minute mussten die Kandidaten möglichst viel Schnupftabak in die Nase befördern und dabei ein sauberes Gesicht bewahren. Und weil es in Winnipeg den Schnupftabak meines Herzens nicht gab, erbarmte sich der Kumpel in Deutschland und schickte mir etwas Auserlesenes fürs Näschen.

Eigentlich eine hübsche Idee. Nur: Die kanadischen Zollbeamten rochen Schlimmes. Die diversen Pülverchen sahen ja auch verdammt verdächtig aus. Also: Vorladung ins Zollamt. Unter den kritischen Augen der Zöllner musste ich eine Prise nach der anderen probieren. Und weil man dem “German sniffer” trotz heftigen Niesens keinen Drogenrausch nachweisen konnte, war das Schmalzler-Schnupfpaket meins.

Einige der Beamte waren so von meinem Hobby fasziniert, dass sie sich auf mein Geheiß hin jetzt auch an der Schnupftabakdose bedienten. Wohl selten wurde  in einem kanadischen Zollamt mehr geniest, ohne dass auch nur ein einziger Beamter Schnupfen hatte.