So schön kann Liebe sein!

Nach diesem Video geraten Millionen Männer in aller Welt in Zugzwang. Wie ist so ein Heiratsantrag noch zu toppen? Isaak Lamb aus Portland/Oregon hat auf eine wohl einmalige Art um die Hand seiner Freundin Amy angehalten.

Vor ein paar Tagen hatte Isaak die Frau seiner Träume zum Haus seiner Eltern gebeten. Dort setzte Isaaks Bruder der ahnungslosen Freundin im offenen Kofferraum eines SUVs einen Kopfhörer auf. Zu dem Song „Marry You“ von Bruno Mars fährt das Auto langsam durch die Straße, während nach und nach Dutzende Freunde und Verwandte tanzend und singend zu der Straßenparade stoßen.

Es wurde ein Feelgood-Event der besonderen Art daraus. Sehen Sie selbst. Es lohnt sich. Mehr als zehn Millionen YouTube-User waren auch dieser Meinung.

Pot-Power auf Montréals Straßen

Dieses Video ist ein Kunstwerk. Beim Betrachten könnte man fast vergessen, dass es einen ernsten und manchmal gewalttätigen Hintergrund hat: Seit drei Monaten gehen Tausende von Montréalern Abend für Abend auf die Straße, um gegen die geplante Erhöhung der Studiengebühren in der Provinz Québec zu demonstrieren.

Zunächst waren es ausschließlich Studenten, die ihrem Unmut Luft machten. Hunderte von ihnen sind festgenommen worden. Inzwischen gibt es in vielen Teilen der Stadt jeden Abend Punkt 20 Uhr lautstarke Gegendemonstrationen. Junge, Alte, Frauen, Männer, Kinder sammeln sich und trommeln mit Kochlöffeln auf Töpfen und Bratpfannen. Sie stehen auf Balkonen und an der Straße, marschieren durch Parks und Wohngebiete. Und machen einen Höllenlärm.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Erhöhung der Studiengebühren. Mit der Pot-Power-Bewegung machen die Montréaler vor allem ihrem Unmut gegen den Québecer Ministerpräsidenten Jean Charest Luft. Er hatte, als die Demonstrationen außer Rand und Band gerieten, ein umstrittenes Gesetzes zur Eindämmung der Studentenproteste verkündet und zusätzlich noch Öl auf das Feuer der Unzufriedenen gegossen. Warum machen Politiker eigentlich so oft so vieles falsch?

Die „Casserole“-Demos verliefen bisher immer friedlich. Ihren Ursprung haben die lautstarken Proteste übrigens in Chile. Anfang der 70er-Jahre demonstrierten Hunderttausende gegen die Militärdiktatur von Augusto Pinochet.

Das knapp unter vier Minuten lange Video wurde von einem jungen Montréaler namens Jeremie Battaglia zusammengeschnitten und mit Musik unterlegt. Es zeigt eindrucksvoll, wie die Bratpfannen-Demos inzwischen allabendlich das sommerliche Stadtbild dieser Dreieinhalb-Millionenstadt prägen.

Vom eigentlichen „Pot Banging“ ist auf dem Kunstvideo übrigens nicht viel zu hören. Wer sich den Krach im O-Ton antun möchte: Hier geht’s zu einem CBC-News-Video.

Die alten Männer und das Floß

Fünf Buchstaben nur und wir bekommen die Krise: Umzug. Kein großes Ding, eigentlich. Nur vom Land in die Stadt, gerade mal 45 Kilometer. Doch genau diese 45 Kilometer sind es, die jetzt schon seit Wochen unser Leben bestimmen. Was bleibt? Was geht? Was landet bei der Heilsarmee, was wird versilbert? Dabei hängt die Entscheidung meistens nicht vom monetären Wert des jeweiligen Gegenstands ab, sondern von seiner Geschichte.

Reden wir übers Klavier. Es bleibt bei den künftigen Besitzern unseres Hauses. Aber der dazu gehörige Hocker kommt mit uns. Alles hat seinen Grund. Das Kneipenklavier, auf eine Zeitungsanzeige hin gekauft, hat wenig Geschichte. Sieht man einmal davon ab, wie drei stämmige Quebecer und ein deutscher Lehrer das Ding in unser damals fast noch jungfräuliches Wohnzimmer gewuchtet haben.

Piano geht, Hocker bleibt.

Der Hocker dagegen kann viele Geschichten erzählen. Eine davon ist, wie ausgerechnet Doug, ein sonst eher nüchterner Freund, den Hocker ums Haar zerquetscht hätte, weil er meinte, in Partylaune Twist auf ihm tanzen zu müssen. Die andere Geschichte hat mit Bob zu tun, wieder ein Freund, dessen Aufgabe als Physikprofessor es jetzt nicht unbedingt war, Bewegungsabläufe auf Klavierhockern zu studieren und notfalls zu korrigieren. Aber er hat aus einem fast zertrümmerten Hocker in mühsamer Kleinarbeit ein wunderbares Kleinod geschaffen, das uns seit Bobs Tod vor einem Jahr noch mehr ans Herz gewachsen ist. Keine Frage: Der Hocker bleibt.

Biedermann auf Reisen: Von Waiblingen über Winnipeg nach Montréal

Reden wir über den Biedermeierschrank. Wuchtig und alt und schwer wie Hund. Aber ein Erbstück, weit über 150 Jahre alt. Vater hatte es mir mit auf den Weg gegeben, als ich damals in Waiblingen meine erste Bude möblieren musste. Als dann der Reporterjob in Winnipeg rief, füllte der Schrank fast die Hälfte des Umzugscontainers aus. Und natürlich musste er auch die anschließende Reise von Manitoba nach Montréal über sich ergehen lassen. Jetzt stellt er uns, als wäre er um die halbe Welt geschickt worden, um uns zu ärgern, wieder vor eine fast unlösbare Aufgabe. Eigentlich ist er viel zu klobig für die Wohnung in der Stadt. Aber er darf mit. Eiche eben. In Treue fest.

Nicht so das Apotheker-Schränkchen, die hölzerne Reisetruhe vom Flohmarkt und der TripTrap, der wohl berühmteste Kinderhochsitz der Welt. Nur: Es wird keine Kinder mehr in unserem Haushalt geben. Und doch will sich keiner vom TripTrap trennen. Auch nicht vom Apotheker-Schränkchen, von der hölzernen Koffertruhe und von der Spiegelkommode, die es bei Finnegan’s Flea Market einmal für gutes Geld gab. Und damit es all die lieb gewordenen Möbelstücke kuenftig besonders schoen haben, wurden sie jetzt auf eine abenteuerliche Reise zum Blockhaus am See geschickt.

Mit Sack und Pack über den Lac Dufresne

Dazu muss man wissen, dass unser Häuschen am Lac Dufresne tatsächlich an einem schwer zugänglichen Seeufer liegt und nicht mit dem Auto zu erreichen ist. Also musste ein kleines Transportfloß her, um Truhe, Schränkchen, TripTrap und tausend Kleinigkeiten unversehrt übers Wasser zu schippern. Zwei Männer in den Siebzigern, der eine ein ausgestiegener Richter, der andere ein ehemaliger Sonderschullehrer, der auf einer Insel im Lac Dufresne wohnt, packten mit an. Besser gesagt: Sie packten an, wir halfen mit. Huckleberry Finn lässt grüßen: Drei nicht mehr ganz junge Männer und (m)eine etwas jüngere Frau, umgeben von alten Möbelstücken und tausenden von Moskitos, treiben an einem schwülen Frühsommertag auf einem flachen Lastkahn über einen kanadischen Bergsee. Nach getaner Arbeit dann Pizza, Prosecco und auch etwas Pathos. Bis bald, Möbel!

Allein schon wegen dieser Geschichte musste dieser Umzug sein. Und ich habe das Gefühl, es werden noch weitere folgen. Umzüge. Und Geschichten.

Fünf Richtige im Lotto!

Man hat ja, auch wenn es einem gut geht, schon hin und wieder Wünsche im Leben, die man sich gerne erfüllen möchte. Kleines Lustschlösschen an der Loire, feine Finca auf Mallorca vielleicht. Oder auch nur den guten, alten Maserati vor der Garageneinfahrt.

Aber weil die einzige Droge, mit der ich handle, Prosecco aus dem Liquor Store ist, bleibt als Einkommensquelle nur redliche Arbeit. Oder Lotto spielen. Genau das habe ich jetzt getan. Und wäre um ein Haar Multimillionär geworden. Fünf von sieben Richtigen. Zwei mehr – und die 50 Millionen wären mein gewesen. Aber so sind es eben $ 122.50. Nicht ganz so viel wie neulich das Ehepaar aus dem Nachbardorf gewonnen hat. Trotzdem: Danke, LottoMax!

Dinner beim Sternekoch? Denkste!

Was geht einem nicht alles durch den Kopf, wenn man den Tippzettel in der linken und die Tageszeitung mit den Lottozahlen in der rechten Hand hält: 13, 15, 21, 29, 48. Bei drei Richtigen setzt das wohlige Gefühl ein, wenigstens den Einsatz zurück gewonnen zu haben. Beim vierten Kreuzchen blitzt schon mal kurz die Vision vom Dinner mit Freunden beim Sternekoch auf. Und bei fünf?

Schnappatmung! Stiller Jubel („Yesssss!!!“). Falsche Bescheidenheit („Bitte keine Presse!“) Und auch ein bisschen Größenwahn. („Nie wieder Holzklasse fliegen! Von jetzt an beim Einsteigen immer nach links in die Erste“). Und dann die Ernüchterung: Einhundertzweiundzwanzig Dollar und fünfzig Cent.

Für kleine Träume: Fiat-„Neckar“

Ein wenig Träumen musste erlaubt sein. Immerhin haben sich Lores Eltern, als sie noch ein Kind im Ruhrgebiet war, mit fünf Richtigen einen nagelneuen Fiat-„Neckar“ gekauft und dazuhin ans Eigenheim noch einen Wintergarten anbauen lassen. Aber auch ein Lottogewinn ist nicht mehr das, was es einmal war. Die $ 122.50 für fünf Richtige reichen heute gerade mal für ein Essen zu zweit. Mit Wein und Tipp.

Einen Kinobesuch haben wir uns nach dem Lotto-Schreck auch noch geleistet. „The Best Exotic Marigold Hotel“ erzählt mit charmanter Leichtigkeit von einer Gruppe britischer Rentner mit vielen Wünschen, aber wenig Geld. Sie mieten sich schließlich, weil sie es sich im teuren England niemals leisten könnten, in einem indischen Billig-Hotel zur Langzeitmiete ein. Und lassen es nochmal so richtig krachen. Auch ohne Lottogewinn.

Wir sind (nicht) die Besten!

Mit Superlativen kennt sich die kanadische Regierung aus: Wir haben das beste Gesundheitssystem der Welt, das beste Bildungswesen, die freundlichsten Menschen und die gesündeste Luft, die ein Mensch überhaupt irgendwo auf der Welt nur atmen kann. Und natürlich geht es uns allen bestens und wir ernähren uns so gut wie kein anderes Land der Welt. Bis auf die Sache mit der Freundlichkeit: Alles Humbug!

Zu Beginn meiner Kanada-Zeit konnte ich über diesen Superlativismus noch schmunzeln. Inzwischen ärgert mich diese lächerliche Hitparade nur noch. Weil sie meistens meilenweit von der Wirklichkeit entfernt ist und dazuhin zur Verdummung von Menschen beiträgt, die sich nicht die Mühe machen, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Ein Griff in die Glücksschatulle.

Wenn doch alles palletti ist:

  • Warum gehen dann seit 13 Wochen Tag für Tag und Nacht für Nacht Tausende von Montrealer Studenten auf die Straße? Blockieren Brücken und Durchfahrtsstraßen? Stören Vorlesungen und hindern studierwillige KommilitonInnen daran, ihre Prüfungen zu schreiben?

ANTWORT: Weil sie gegen eine Erhöhung der Studiengebühren eintreten. In einem Land mit dem „besten Bildungssystem der Welt“ gibt es keinen Grund, auf die Straße zu gehen.

  • Warum sind die Notaufnahmestationen vieler Krankenhäuser hoffnungslos überfüllt, warten Krebspatienten oft monatelang bis zur ersten Chemotherapie und beträgt die Wartezeit für eine Darmspiegelung bis zu zwei Jahre?

ANTWORT: Weil das Gesundheitssystem krankt, weil Ärzte und Fachkräfte fehlen und Equipment und Krankenhäuser oft hoffnungslos veraltet sind.

  • Warum werden in der westkanadischen Provinz Alberta Millionen Tonnen Emissionen in die Luft geblasen, ohne dass jemand diesen Wahnsinn stoppt?

ANTWORT: Weil die kanadische Regierung die Exploration der dreckigen Ölsandfelder nicht etwa unterbindet, sondern alles tut, um sie in der Welt als die Rettung aller Energieprobleme schlechthin anzupreisen.

  • Warum sterben noch immer Menschen an den Spätfolgen des Asbest-Abbaus in der Provinz Quebec? Wo doch seit Jahrzehnten bekannt ist, dass Asbest ein Teufelszeug ist, das Menschen tötet?

ANTWORT: Weil die Provinzregierung von Quebec und die kanadische Bundesregierung Hand in Hand die Augen vor den Gefahren verschließen. Und, angeblich um ein paar hundert Arbeitsplätze zu erhalten, den Asbestabbau nicht etwa verbieten, sondern mit Millionenspritzen aus dem Staatshaushalt subventionieren.

Jetzt redet endlich mal einer Klartext: Der UN-Gesandte Olivier de Schutter, zuständig für das „Recht auf Lebensmittel“, ist gerade elf Tage durch Kanada gereist. Und kommt (laut Postmedia News) zu einem vernichtenden Urteil:

Kanada solle endlich aufhören, so selbstgerecht zu sein. Dafür, dass es so ein wohlhabendes Land sei, wüssten verdammt viele Menschen nicht, wie sie mit ihrem mageren Einkommen über die Runden kommen. Vor allem in den ärmeren Suburbs der Großstädte habe er Armut gesehen, die in einem Land wie Kanada nicht vorkommen dürfe. Besonders schlimm seien die Zustände in vielen Indianerreservaten. Deshalb müsse sich Kanada, eines der reichsten Länder der Welt, den Vorwurf gefallen lassen, viel zu wenig für seine nicht so betuchten Einwohner zu tun.

Starker Tobak. Nicht einfach so dahingeplappert. Die Vorwürfe des UN-Gesandten sollen durch nachgereichte Dokumente unterfüttert werden.

Wenn eine Regierung mit Vorwürfen dieser Größenordnung konfrontiert wird, hat sie drei Möglichkeiten:

  1. Sie taucht vor Scham ab („Wir sind dann mal Kanu fahren.“)
  2. Sie beweist Kritikern das Gegenteil („Alles Lug und Betrug, korrigiert das sofort, oder es gibt keinen Ahornsyrup mehr für euch Banausen!“)
  3. Sie gibt sich zerknirscht und gelobt Besserung. („Tschuldigung, Problem erkannt, Problem gebannt. Sobald wir von der Cottage zurück sind arbeiten wir daran.“)

Ottawa hat sich für die vierte Variante entschlossen. Und hört sich die Kritik des UN-Gesandten gleich gar nicht mal an. Man verbittet sich die Einmischung der Vereinten Nationen und sagt vorgeschlagene Meetings einfach ab. Kanada-Kritiker Olivier de Schutter bezeichnete die Reaktion der Bundesregierung laut Postmedia News „in meiner Laufbahn“ als „highly unusual“.

Na bitte! Wieder ein Rekord.