Wo der Spanier baden geht

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Manchmal lohnt es sich, einen zweiten Blick auf etwas zu werfen. Illetas, zum Beispiel. Nur ein paar Busminuten von Palma entfernt, musste der Küstenort vor genau einem Monat für eine Bloghausgeschichte herhalten. Hinterher war die Aufregung groß. Ich hätte den schönsten Teil verpasst, hieß es. Wie konnte ich nur? Hier geht’s zu Illetas, 2. Teil:

Eure Besichtigung war nicht komplett„, mahnte Blogleser Helmut aus Hannover damals. „Der schönere Teil von Illetas wäre von der Endstation des Busses nach rechts gewesen. Herrlicher Blick zur kleinen, vorgelagerten Insel und bis nach Portals Nous!“ Gesagt, getan!

Nice location„, kommentierte Blogfan Rudolfo von der Costa de la Calma, „aber eventuell habt Ihr das schönste Stück Strand verpasst? Rechts gelegen von der Endhaltestelle, neben dem Anchorage Club„. Si, Commandante. Befehl ist Befehl!

Also ging’s heute Nachmittag von der Endstation des 3er-Busses aus nach rechts statt nach links. Helmut und Rudolfo hatten recht: Dort tut sich wirklich eine tolle Ecke von Illetas auf. Mit einer wunderschönen Sandbucht, die dem Strand von Es Trenc glatt den Rang ablaufen könnte.

Wobei: Man sollte Orangen nicht mit Oliven vergleichen. Es Trenc ist naturbelassen. Die Strände von Illetas sind umgeben von Villen, Hochhäusern und Luxushotels. Und einem „Beach Club„, der das beste Clubsandwich EVER serviert. Und auch einen feinen, aber kleinen Thai-Salat.

Auch mal nett: In der Bucht unterhalb des „Anchorage Club“ tummeln sich an diesem heissen Sonntagnachmittag weit mehr Spanier als Touristen. Familien, Teenies, Kussikussipärchen. Angler und Kajakfahrer, Tretbootkapitäne, Rücken- und Rettungsschwimmer, Schnorchler, Camper, Solomusiker und Höhlenbewohner.

Und dann sind da noch die ganz Waghalsigen, die – nein: nicht von einem Hotelbalkon zum anderen – sondern von einer Klippe ins Meer springen. Schade: Das Actionfoto in der Bildergalerie gibt die eigentliche Dramatik dieses Spektakels nicht annähernd realistisch wieder.

So ist das nun mal mit Mallorca. Auch noch so tolle Fotos können dieser Insel einfach nicht gerecht werden.

Es Trenc: Salz, Sonne und Strand

salzbannerWer an Mallorcas wohl schönstem Naturstrand den süßen Alltag genießen möchte, muss erst einmal an Bergen von Salz vorbei. Und an blühenden Sommerwiesen, Feldern und Wäldern. Wer dann noch Flamingos zur Landung ansetzen sieht und dabei den Ruf des Kuckucks hört, muss im Schnulzenkino gelandet sein. Falsch. Wir wandern mal wieder über die Insel.

Mit dem Bus geht’s von Palma aus über Arenal, Llucmajor und Campos bis zur Haltestelle Banys de Sant Joan. Dort sind schon die Römer baden gegangen. Hinweise darauf gibt es nicht nur in der Literatur, sondern auch in Form eines feinen Spa-Hotels, an dem unsere Wanderung beginnt.

Auf der Hauptstraße in Richtung Colónia Sant Jordi herrscht viel zu viel Verkehr für zwei Fußgänger On Tour. Also nichts wie ab in die Salzwüste. Die findet man auf dem Gelände der Salines d’es Trenc, der größten noch in Betrieb befindlichen Salzfabrik der Insel.

Der erste Eindruck: Der kanadische Winter hat uns eingeholt! Doch bei den weißen Riesen handelt es sich nicht um Eisberge. Es sind Salzhügel, die in der flimmernden Mittagshitze besonders bizarr aussehen.

Vorbei an den Aufbereitungsanlagen der Salinen geht es in Richtung Strand. Mit einer Vogelpracht, die jeden Ornithologen schwärmen liesse: Seidenreiher, Albatrosse, Sabelschnäbler, Flamingos. Und auch ganz gemeine Enten, die ganz brav daherkommen, wenn sie auf dem salzhaltigen Wasser zur Landung ansetzen.

Nach einer Stunde Wanderzeit dann: THE BEACH.

„Es Trenc“ heißt er, ein weitgehend naturbelassener Sandstrand mit Dünen, die an die eben gesehen Salzberge erinnern, nur diesmal nicht in Weiß. Dafür mit ein paar richtig hübschen Strandbars und einem netten Restaurant.

Das Meerwasser hat sich hier besonders fein gemacht. Es tänzelt in türkis, blau, grün und manchmal auch in zischend-weiß am Ufer entlang – zur Freude der Sonnenanbeter, von denen sich viele auch nicht vor noch so nackten Tatsachen fürchten.

Aus dem Strandspaziergang wird eine Dünenwanderung. Aus der Dünenwanderung wieder ein Spaziergang – diesmal leider auf der asphaltierten Hauptstraße. Bis der Bus kommt, vergeht noch eine gute Stunde in der Abendhitze. Kein Problem: Wofür gibt es schließlich schattige Palmen?

Wieder zurück in Palma, noch ein göttlicher Spaziergang entlang der Stadtmauer. Mit einem letzten Stopp bei Pizza, Salat und viel zu viel Vino. Und interessanten Menschen aus Basel und Köln, die einem plötzlich ins Leben gespült werden. Einfach so.

Und dann noch die dramaturgische Glanzleistung des Tages: Du sitzt an der Stadtmauer von Palma und lässt noch einmal den Tag Revue passieren, der nie mehr schöner werden kann als dieser. Und gerade als du denkst: besser geht nicht, biegt ein schneeweißer Luxusliner unmittelbar vor deinen Augen in den Hafen ein.

Bei Sonnenuntergang. Am Mittelmeer. Auf der schönsten Insel der Welt. Wahnsinn.

Alcudia: Museum hinter Mauern

alcu_bannerDas alte Lied: Wo es schön ist, ist man selten allein. Führt einen der Weg dann auch noch in die älteste Stadt Mallorcas, verstärkt sich der Eindruck: Wohnt hier eigentlich noch einer? Oder sind dort nur noch Kulissenschieber am Werk? Ein Lokaltermin am bisher heißesten Tag des Jahres.

Schon klar: Die Stadtmauer, die den Ort wie eine steinerne Festung umklammert, ist in ihrer (Fast-)Vollständigkeit sicher einmalig auf der Insel. So alt. So schön. So wuchtig.

Der Blick durch die Schießscharten. Die fantastische Sicht nach Port de Pollença hinüber, Richtung Berge und Meer. Der Spaziergang auf Steinen, die womöglich schon gehämmert wurden, als Christus noch Sternchen putzen war – das alles ist schon sehr beeindruckend.

Doch das Leben spielt sich nicht auf Stadtmauern ab, sondern dahinter. Hatte man eben noch den Eindruck: Ist hier einer?, tobt im touristischen Zentrum von Alcudia der Bär.

Eine Boutique reiht sich an die andere. Ein Restaurant tischt mit dem nächsten um die Wette auf. Dass dabei kulinarisch Gutes herauskommt, ist unbestritten. Selten hat eine Paēlla besser geschmeckt, wurde sie liebevoller serviert, als hinter den Stadtmauern von Alcudia.

Darüber, ob Alcudia eine der schönsten Städte Mallorcas sei, könnte man diskutieren. Eine historische, städtebauliche Perle ist es allemal.

Wen’s nicht stört, dass Millionen Tausende anderer Touristen dies auch so empfinden: Das „Museum Alcudia“ ist rund um die Uhr geöffnet.

Deià: Paradiesisch trotz Wolken

buchtbannerEs war nicht der allerbeste Tag, den wir uns für unsere heutige Wanderung ausgesucht hatten: Etwas zu heiß und auch zu viele Wolken für brillante Fotos. Man wird wählerisch, wenn man zu lange im Paradies lebt. Und doch hat auch diese Wanderung wieder sämtliche Sinne beflügelt.

Angefangen hatte die heutige Wanderung in dem als „Künstlerdorf“ bekannten Ort Deià. Es liegt an der mallorquinischen Nordwestküste zwischen Sóller und Valdemossa und war Vielen bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ein Begriff. Damals ließ sich der englische Poet Robert Graves hier nieder. Ein befreundeter Milliardär errichtete Mallorcas seinerzeit exklusivstes Sternehotel, „La Residencia“.

Auch für Kulturbanausen absolut sehenswert: Die fenstlerlose Kirche, die in ihrer Bescheidenheit besticht. Daneben der wunderschöne Friedhof von Deià. Nur so eine Idee: Wenn schon sterben müssen, dann bitte hier begraben werden! Mit Blick über Olivenhaine und Orangenplantagen. Und am Horizont Berge und Meer.

Von Deià aus ging es zunächst zur gleichnamigen Badebucht ans Meer. Der erste Eindruck: Ein felsiger Strand, wie es ihn an Dutzenden Orten der Insel nicht weniger spektakulär gibt. Die Tatsache, dass unweit davon Mallorcas derzeit teuerste Immobilie für 50 Millionen Euro zum Verkauf steht, ändert auch nichts an diesem sehr subjektiven Empfinden. Der Verkäufer der Finca heisst übrigens Michael Douglas. Ob es sein 2 Millionen Euro teurer Ferrari 599XX war, der auf dem Parkplatz stand, lässt sich nicht mehr nachverfolgen.

Die Wanderwege, die danach zu begehen sind, bieten alles an Straßenbelag, was einem gerade in den Kopf kommt: Pflaster, Teer, Schotter, Grasnarben, Kies, Sand. Und dann eben diese Bucht, die in Reiseführern gerne als die Schönste der Insel angepriesen wird.

Die Frage, die sich der Wanderer oft stellt: Wie komme ich zum Ausgangspunkt zurück, ohne ein und dieselbe Strecke zweimal gehen zu müssen? Auf fast wundersame Weise sind wir zufällig auf einem idyllischen Weg gelandet, der uns nach einigen Stunden Wanderzeit wieder ins malerische Künstlerdorf Deià zurück geführt hat.

Grandios die Kulisse, die das Tramuntanagebirge auch hier wieder bietet. Betörend all die Gerüche: Von Zitronen über Orangen- Aprikosen- und Feigenbäumen – hier wurde mal wieder nichts ausgelassen.

Und dann diese phantasische Vogelwelt! Wer noch nie Zeuge eines Amselkonzerts war, hat einen akustischen Hochgenuss versäumt.

Ich glaube, ich war heute im Paradies„, sagt SIE später im Bus nach Palma, noch immer betört von dieser Sinnesorgie der vergangenen fünf Stunden.

Recht hat SIE. Was sonst?

Und hier noch eine Herzensangelegenheit, die ich endlich loswerden möchte:

Fast ein Dutzend Wanderungen haben wir jetzt hinter uns. Alle – ohne Ausnahme – waren sie so zauberhaft, so spektakulär, so beeindruckend, dass es einem die Sprache verschlägt bei so viel geballter Schönheit auf so kleinem Raum. Und dann diese hässlichen, unappetitlichen >> Pinkeltaschentücher << Überall. Hunderte. Tausende. Kein Wanderweg, auf dem sie nicht verstreut sind. pinkelKein Pfad, der nicht von ihnen zugemüllt worden wäre. Unfassbar, wie Menschen gebrauchte Papiertaschentücher vor dieser grandiosen Kulisse einfach liegen lassen können. Mitten auf dem Pfad. Zwischen Meer und Bergen. Unter Orangen- und Zitronenbäumen. Vor Rosen und Lilien. Bitte, bitte, liebe MitwanderINNEN: Wenn es schon nicht ohne diese Pinkeltücher geht, dann entsorgt sie wenigstens nach Gebrauch. Danke! 🌴

Auf den Spuren von Sissi

neuIrgendwo zwischen dem Künstlerdorf Deià und dem Gebirgsort Valdemossa liegt das Landgut Son Marroig. Es gehörte einst dem Erzherzog Ludwig Salvator und beherbergt heute ein Museum. Von dort aus führt ein angelegter Schotterweg zu der spektakulär gelegenen Halbinsel „Sa Foradada“. Dorthin sind wir heute gewandert.

Nicht etwa, weil Sissi, die Cousine des österreichischen Erzherzogs, dort auch schon von ihren kaiserlichen Pflichten ausspannte. Sondern weil es in dieser Ecke Mallorcas einfach unvergleichlich schön ist.

Zum Landgut „Son Marroig“ und seinem berühmten Garten kommt man von Palma aus bequem mit dem Überlandbus. Schon von der Küstenstraße aus ist die malerisch gelegene Halbinsel am Fuß des riesigen Finca-Areals zu sehen.

Warum die Landzunge „La Foradada“ („Die Durchlöcherte“) heißt, ist unschwer zu erkennen. Die wuchtigen Felsen gleichen oft Riesenstücken Schweizer Käse.

Unten angekommen, bietet sich dem Wanderer ein weiteres Mal dieser spektakuläre Anblick, von dem man auf Mallorca so oft den Eindruck hat, dass er nicht zu toppen sei: Riesige Felswände bilden eine Bucht, die von derart intensiv-türkisfarbenem Wasser umspült werden, wie man es nur in der Karibik vermutet.

Mallorca ist eben immer wieder für eine Überraschung gut.