Sechs Wochen in Palma gehen zu Ende. Sechs Wochen Arbeit, Freizeit, Leben. Bilanz? Ein Traum. Ohne Einschränkungen. Mallorca macht so vieles richtig. Wir werden wiederkommen. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie. Es erwartet Sie eine fotografische Liebeserklärung an dieses Stück Paradies.
Archiv für den Monat März 2012
Post aus Møre og Romsdal

Wer braucht schon Google, wenn es den Blog gibt? „Hallo Norwegen, bitte melden!“ hieß es an dieser Stelle vor einer Woche. Es war ein Appell an die Person, die einmal täglich von Norwegen aus den Canada-Blog anklickt. Dass es den mysteriösen Klicker gibt, hat uns das schlaue Analytik-Programm von WordPress verraten. Nur: Wer dahinter steckte, das wussten wir bisher nicht. Jetzt ist das Rätsel gelöst.
Tief in den norwegischen Fjorden haben wir die Stecknadel im Heuhaufen gefunden. Die Blog-Leserin heißt Diana, stammt ursprünglich aus Berlin und lebt seit einiger Zeit in Møre og Romsdal. Hier ist die Mail, die sie uns auf den Aufruf hin geschickt hatte:
Diana wundert sich: „Bin ich hier die Einzige?“
Ja, ich verfolge regelmäßig Ihren Blog und freue mich immer darauf, da ich Ihre Art zu schreiben sehr mag. Ich war völlig überrascht heute die norwegische Flagge in Ihrem Blog zu entdecken und offenbar die Einzige zu sein, die aus Norwegen mitliest. Ein wenig erschreckt hat es mich dann doch auch, da ich mir natürlich nicht bewusst war, dass mein „Mitlesen“ registriert wird. Mein Schmunzeln ist jedoch nach wie vor auf meinem Gesicht erkennbar, da ich so eine Art Interaktion natürlich nie erwartet hätte.
Verwandtschaft in Montreal … und dem Rest der Welt
Um ganz kurz Ihre Neugier zu stillen, schreibe ich am besten kurz etwas zu meiner Person. Geboren und aufgewachsen bin ich in Berlin und nach einem Jahr Schüleraustausch in den USA (New Hampshire´95/´96), stand für mich fest, dass ich in Deutschland nicht alt werden möchte. Meine Familie mütterlicherseits war schon immer ziemlich „umtriebig“ und ist gut in der Welt verteilt (u.a. entfernte Verwandte in Montreal, denen ich auch einen Kurzbesuch damals abgestattet habe).
Norwegisch – ein bisschen wie Polnisch rückwärts
Vor 5 Jahren zog es mich dann gemeinsam mit meinen Mann nach Møre og Romsdal in Norwegen. Das Interesse für Kanada bzw. Nordamerika wurde nach dem „High-School“-Jahr geweckt, aber meine realistische Seite ließ es doch nicht zu, diesen Schritt zu wagen. Da die EU aus meinen Augen keine Alternative bietet, haben wir uns für Norwegen entschieden und als erstes musste ich feststellen, dass die norwegische Sprache nicht zu den leicht erlernbaren Sprachen zählt (in der Theorie schon, aber nicht in der Realität, da die vielen Dialekte einem das Leben schon arg schwer machen).
Sonntags bleibt der Schnappsladen geschlossen
Bei Ihrer Passage …“habe noch nie mit einem Norweger getrunken“ musste ich erneut lachen, da das hier ein interessantes Thema ist. Ich habe mich erst nach ein paar Jahren an dieses Thema herangetastet, da die Norweger einen Moment brauchen, bis man in der Nachbarschaft angenommen wird (leider ein großer Unterschied zu Nordamerika). Der Alkoholverkauf ist streng limitiert, d.h. das es in den Supermärkten nur Bier zu kaufen gibt (Mo-Fr 8.00-20.00 & Sa 8.00-18.00) und für die restliche Alkoholsorten ist das „Vinmonopol“ vorhanden (Mo-Fr 10.00-18.00). Der Preis ist selbstverständlich besonders stolz und bringt einen dazu den Besuch aus Deutschland jedes Mal zu „nötigen“, die maximal höchste Menge an Alkohol als Gastgeschenk mitzubringen.
Das soll`s erst mal gewesen sein aus dem noch nicht ganz so frühlingshaften Teil Norwegens und vielleicht lässt sich ja dieser Kontakt noch etwas länger aufrechterhalten! Gruß Diana.
Danke, liebe Diana! Das WorldWideWeb wie es leibt und lebt.
Hilfe, ich brauche Urlaub!

Irgendwann in der Mitte der 5. Woche war es da: Das Gefühl, dass aus dem Urlaub Alltag geworden ist. Die Glühbirne in der Küche ist ausgebrannt. Es muss eine neue her. Aber wo? Und welche? Und überhaupt: Ich bin doch im Urlaub, da darf doch keine Glühbirne ausbrennen? Natürlich war es eine Kleinigkeit, die schnell behoben war. Aber die Einschläge kommen jetzt immer näher. Alltag lauert überall. Auch in Palma.
Inzwischen häufen sich die Alltags-Signale. Die Lesebrille, erst vor zwei Tagen gekauft, ist defekt. Muss zurück in den Laden. Kommt mir bekannt vor. Wie in Quebec.
Horror am Morgen: Der Blick auf den Kontostand
Das Kartenhandy müsste unbedingt aufgeladen werden. Nicht ganz einfach, wenn der Bankautomat nicht mitmacht. Und der TAN-Token, den mir meine Bank kurz vor dem Abflug noch als neuestes Gadget fürs Onlinebanking mitgegeben hatte, tut auch nicht so, wie er soll. Und überhaupt: Den Blick aufs Bankkonto hätte ich mir ersparen sollen!
Was waren das noch für herrliche Zeiten, als der Kontoauszug per Post ins Haus kam und die Entscheidung lag an dir, ob du reinschaust oder nicht. Heute? Handy wird übers Internet aufgeladen. Bankgeschäfte werden im WWW abgewickelt. Da ist der Blick auf den Kontostand gar nicht zu umgehen.
Ohne Zitronenpresse geht gar nichts
„Wir brauchen eine Zitronenpresse“, sagt die Frau an meiner Seite. „Wir brauchen gar nichts. Wir sind im Urlaub“. „Ohne Zitronenpresse wird es schwierig“. Okay, dann eben eine Zitronenpresse. Wie daheim.
Mail vom Sender. „Ihr Seminar muss kurzfristig umgestrickt werden“. Wie bitte? Ich bin im Urlaub. Ja, schon. Aber das Seminar muss trotzdem umgestrickt werden. „Sonst kommen wir mit unserem Zeitfenster nicht hin“. Zeitfenster? Doch nicht im Urlaub! Alles klar. USB-Stick in den Rechner, Seminarmodule verschieben. Kontaktaufnahme mit den Co-Referentinnen. Die eine kann nicht, die andere meldet sich nicht. Alltag eben.
Hector, ein Handwerker aus Palma
Das Türschloss klemmt. Wir wohnen mitten in der Altstadt von Palma. Da muss ein ordentliches Türschloss her. „Hector macht das“, sagt die freundliche Frau, die vor Ort für unser Wohlbefinden zuständig ist. Hector kommt nicht. Und kommt nicht. Und kommt irgendwann doch. Und hat das falsche Teil dabei. Handwerker eben. Wie daheim.
„Wir haben kein warmes Wasser“, sagt die Frau an meiner Seite. „Ja, kommt halt mal vor“. Sie: „Schon. Aber eigentlich haben wir gar kein Wasser“. Hmm. Kommt auch vor. Aber ausgerechnet im Urlaub?
Es gibt für alles eine Lösung. Man braucht nur dies und jenes und alles kostet Geld. Und Nerven. Und Zeit. Und überhaupt: Ich bräuchte dringend mal Urlaub.
Hallo Norwegen, bitte melden!

So ein Blog ist wie eine Wundertüte. Man weiß nie so recht, was so ein Eintrag nach sich zieht, wer sich wofür interessiert und warum. Und überhaupt: Wer klickt denn da so alles?
Reaktionen auf Blogposts gibt es viele. Mal melden sich alte Bekannte, die wissen wollen, warum wir uns wochenlang in Palma aufhalten können, wo wir doch noch nicht einmal in Rente sind. (Die Arbeit im Internet macht’s möglich). Andere entdecken die Insel plötzlich als potenzielles Ziel für einen Kurzurlaub und wollen uns besuchen.
Was mich aber wirklich interessiert: Wer klickt denn da aus Norwegen?
Die guten Menschen von WordPress, die meinen Blog hosten, liefern jeden Tag eine Analyse, wie viele Nutzer aus welchem Land auf welche Geschichte geklickt haben. Das Ergebnis ist inzwischen ziemlich vorhersehbar: Die meisten User kommen aus Kanada und Deutschland, neuerdings auch aus Spanien. Aber seit einiger Zeit gibt es einen mysteriösen Klicker aus Norwegen. Treu und brav verfolgt diese eine Person Tag für Tag den Blog. Dabei weiss ich nicht einmal, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Ist er Kanada-Fan? Hat sie ein Faible für Mallorca? Ist im Grunde genommen auch egal. Aber die journalistische Neugier hat mich gepackt.
Ausgerechnet Norwegen! Da war ich noch nie, kenne keine Menschenseele dort, habe noch nie mit Norwegern getrunken, mich noch kein einziges Mal mit Norwegern gemailt und besitze nicht einmal einen Norweger-Pulli.
Ehe ich noch mehr schlaflose Nächte verbringe, in denen ich über den Mystery-Klicker aus Norwegen nachdenke, frage ich einfach mal in die Runde: Würde es Ihnen, liebe norwegische Leserin, lieber norwegischer Leser, etwas ausmachen, sich zu outen? Ich schwenke derweil heftig die Flagge Ihres Landes. Und sage:
Petrus spinnt … in Montréal
Entschuldigung, aber seitdem wir unterwegs sind, spinnt Petrus ein bisschen: Aus Deutschland meldet mir die Schwester meines Herzens zwar keine „sengende Hitze“, wie damals aus dem doch eher kühlen British Columbia. Dafür berichtet mein ganz persönlicher Wetterfrosch aus dem Allgäu von einem dramatischen Frühlingseinbruch.
In Palma, wo wir seit einem Monat leben und arbeiten, fühlte es sich heute wie Hochsommer an, so dass der frisch aus Kanada angereiste Sohn am ersten Tag auf Mallorca nicht nur mit Jetlag zu kämpfen hatte, sondern auch mit Sonnenbrand. Besonders kurios: Im heimischen Quebec, wo Schneeverwehungen um diese Jahreszeit keine Seltenheit sind, stieg das Thermometer an diesem Sonntag auf 24 Grad. So warm war es während der St. Patricks-Parade in Montreal seit 40 Jahren nicht mehr.
Global Warming oder Global Verarsche? So oder so: Ich freue mich für alle, die mit mir die Sonne teilen können. Auch wenn ich sie hin und wieder ganz gerne für mich alleine hätte. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Gnade der exklusiven Sonnenbestrahlung den Unterhaltungswert im Mailverkehr steigert. Dazu kommt der Neidfaktor, mit dem sich ja bekanntlich auch ganz gut leben lässt.
Mein viel zu früh verstorbener Freund Bernd aus Winnipeg hatte die Angewohnheit, jedes Telefonat zwischen uns mit dem Wetterbericht zu beginnen. Merkte er, dass der Temperaturenvergleich zwischen Winnipeg, wo er lebte, und Montreal, wo mein Zuhause ist, zu seinen Ungunsten ausfiel, wechselte er oft ganz schnell das Thema. Der Schlawiner in ihm sah es immer gerne, wenn er im Vergleich zu mir weniger Schnee, mildere Temperaturen und weniger Moskitos vermelden konnte. Es sei denn, es hatten sich in Manitoba Rekord-Schneemengen gebildet und die Tageshöchsttemperatur lag bei minus 45 Grad. Das galt dann als exotisch und hatte allein schon deshalb hohen Nachrichtenwert. Journalist eben, der liebe Bernd.
Manchmal stelle ich fest: Ein bisschen Bernd steckt in uns allen, jedenfalls auch in mir. Wäre ja gelacht, wenn ausgerechnet Palma klimamäßig schlechter dastünde als Montreal. Aber genau das wird dem Wetterbericht der kommenden Tage zufolge der Fall sein. Kühlere Temperaturen und etwas Regen sind angesagt. Ich vermute, mein Mailaustausch mit Freunden daheim wird entsprechend mager ausfallen. Auch wenn ich ihnen jeden einzelnen Sonnenstrahl gönne. Oder zumindest jeden zweiten.
