Nach der Buße kommt das Wachs

bannEs quietscht und pfeift und rauscht und summt. Jeder Schritt auf den gepflasterten Gassen der Altstadt von Palma hinterlässt eine Tonspur, jede Kurve ein Geräusch. Schuld sind Tausende und Abertausende von Wachskerzen, die während der Büßerprozessionen auf die Straße tropfen.

Dabei könnte es viel schlimmer sein: Jede Bruderschaft setzt während der Prozessionen „Kerzenkinder“ ein, die mit Holzstäbchen das heiße Wachs der Kerzen abzufangen versuchen.

IMG_3782Die Palmesanos kennen das schon: Während der „Semana Santa“, der Karwoche, wächst der Lärmpegel mit jedem Tag um ein paar Dezibel. Wo am Abend noch in friedlicher Eintracht Hunderte von Büßern durch die Stadt prozessieren – viele in Kapuzen, manche barfuß und mit Ketten im Schlepptau – ist am Morgen danach ein Pfeif- und Schleifkonzert zu hören. Ein fahrendes Auto hört sich übrigens um ein Vielfaches dramatischer an.

Den Höhepunkt erreicht das Quietschen dann an Ostern. Bis dahin haben sich mehrere Schichten von Wachsspuren gebildet, die sich vor allem dann lautstark melden, wenn sie vom Reifengummi der Autos traktiert werden.

Wahrend der Lärm zwar lästig sein kann, stellt das Wachs offensichtlich auch eine Gefahr für Leib, Leben und Karosserie dar. Nach Angaben der Stadtverwaltung von Palma kommt es jedes Jahr während der Karwoche zu vermehrten Unfällen, bei denen rutschende Autos beteiligt sind.

Auch bei Fußgängern, die auf dem Wachs ausrutschen, soll es zu Verletzungen kommen. IMG_3783So gefährlich sei die „Semana Santa“, behaupten einige Stadträte, dass sich Versicherungen geweigert hätten, die Stadt für die Folgeschäden der Wachsspuren zu versichern.

Schon war von einem Prozessionsverbot die Rede. Die Stadtverwaltung hatte von den Bruderschaften gefordert, in diesem Jahr eine Haftpflichtversicherung nicht nur für die Dauer der Prozessionen, sondern auch für die darauffolgenden drei Wochen abzuschließen.

Ob das Ganze doch nur ein Sturm im Wasserglas ist? Am frühen Ostermontag-Morgen rückten zumindest in der zentralen Einkaufsstraße Calle San Miguel die Reinigungstrupps der Stadt mit ihren Heißwasserkompressoren an. Ganz verschwunden ist das Quietschen zwar nicht, aber es hält sich in Grenzen.

Jetzt hilft nur noch beten.

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