Lunenburg, wo wir uns diese Woche aufhalten, ist reich an Geschichte. 1753 ließen sich hier die ersten Siedler nieder, die aus dem British Empire kamen. Später stießen größtenteils Einwanderer aus Deutschland, der Schweiz und dem protestantischen Frankreich dazu.
Die britischen Siedler gelten als Gründer des Dorfs. Sie waren von Lord Cornwallis nach Kanada geholt worden, indem er ihnen freie Religionsausübung versprach und die Überfahrt finanzierte.
Als später fast ausschließlich Deutsche nach Lunenburg kamen, erhielt die Siedlung ihren heutigen Namen.
Das Dorf selbst gilt als das wohl schönste in Kanada. 1995 erklärte die UNESCO Lunenburg zum Weltkulturerbe. Die Einzigartigkeit der britischen Architektur wurde hier besonders berücksichtigt.
Der Ort selbst hat weniger als 3000 Einwohner. Die kunstvoll gezimmerten Holzhäuser mit ihren Türmchen und Erkern, von denen die allermeisten in exzellentem Zustand sind, haben ihre Farbenpracht übrigens nicht, um bei Touristen als Postkartenidylle zu trumpfen. Die Häuser von Lunenburg waren schon immer bunt bemalt – etwas, das diese Siedlung auszeichnet.
In dem Dorf lebten bis zum Zusammenbruch des kommerziellen Fischfangs vorwiegend Seeleute und Fischer. Auch das Haus, das wir für unseren Aufenthalt an der Ostküste gemietet haben, war im Besitz zweier Brüder, die hier als Fischer ihrem Beruf nachgingen.
Auf die wechselhafte Geschichte dieser zauberhaften Gemeinde einzugehen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Deshalb soll es heute nur einen kleinen Rundgang durch das Dorf geben.
Ganz arm können sie nicht gewesen sein, die Brüder Bernard und Napier Smith, einst Fischer in Lunenburg/Nova Scotia. Das Haus, in dem wir zurzeit wohnen, hat vier großzûgige Sclafzimmer, eine geräumige Küche, ein paar Salons mit diversen Kaminen und einen kuscheligen Garten im Hinterhof.
Das Klavier und die beeindruckende Schallplattensammlung waren zu Fischers Zeiten bestimmt noch nicht da. Fest steht auch, dass der auf Retro gemachte, hochmoderne Küchenherd damals noch nicht auf dem Markt war.
Zur Dorfstraße hinaus und auch nach hinten verfügt das Gebäude über je einen Erker. Gebaut wurde das Holzhaus vor etwa 120 Jahren. Heute gehört es einem jungen Paar, das es über Airbnb an Touristen vermietet.
Ein kleiner Rundgang:
Mehr zur Geschichte unseres derzeitigen Domizils gibt’s >> HIER <<
Am Meer wandern, die Augustsonne auf der ausgehungerten Haut, die nackten Füße in den nassen Sand stecken, dem Abdruck dabei zugucken, wie er sanft vom Wasser weggespült wird – wie lange hatte ich mir das schon gewünscht! Manchmal dauern Wunder ein bisschen länger. Heute war es soweit.
Nach dem feuchten und gar nicht fröhlichen Empfang gestern zeigte sich Nova Scotia heute von seiner besten Seite. Perfektes Augustwetter wartete darauf, genutzt zu werden von uns drei sonnenhungrigen Montrealern, die den ganzen Weg von Quebec an die Atlantikküste gereist waren, um endlich wieder so etwas wie „beach feeling“ zu spüren.
Wir sind uns einig: Die 14 Stunden lange Reise hat sich schon jetzt gelohnt. Das wunderschöne Haus, in dem wir für eine Woche wohnen dürfen, konnten wir heute bei Tageslicht inspizieren – ein Traum.
Nach dem Frühstück im Diner haben wir uns mit dem Auto zum Hirtle’s Beach aufgemacht. Für uns Neuland. Cassian kannte den Strand bereits von einem früheren Besuch.
Kaum 20 Minuten von Lunenburg entfernt tut sich eine Welt auf, die wir alle so vermisst hatten: Sonne, Strand, Sand. Planschende Kinder und spielende Hunde, die nicht bereit waren, sich einen Gummiring zu teilen. Und mittendrin: Wir, eine kleine Familie, deren letzte gemeinsame Strandurlaube in Maine, der DomRep, Kalifornien, Italien, Kuba, Florida oder Mallorca schon Jahre zurückliegen.
War da nicht irgendwas mit Corona?
Wer hat schon das Glück, als Paar im Alter, zusammen mit dem fast 33jährigen Sohn, Ferien machen zu dürfen?
Lunenburg zählt zwar weniger Einwohner als Ummendorf. Aber die UNESCO hat den farbigen Fischerort am Atlantik zum Weltkulturerbe erhoben. Die bunten Holzhäuser, eines schöner als das andere, haben Jahrhunderte am Meer überlebt.
Der Stolz der Menschen, die hier leben, zeigt sich in den Gebäuden, die ihr Zuhause sind. Liebevoll gepflegte Vorgärten, Hinterhöfe wie geleckt. Eine pittoreske Szenerie inmitten einer Postkartenlandschaft, wie man sie nur am Meer findet.
Ich glaube, wir haben mal wieder das Glück gepachtet.
Hier ein paar optische Eindrücke von unserer ersten Nach-Covid-Wanderung am Meer:
Wer in Kanada lebt, hört irgendwann auf, sich über das Wetter zu beklagen. Arktische Temperaturen im Winter, tropisch-schwül im Sommer. Dazwischen mal so, mal so. Aber das, was wir heute erlebt haben, sprengt so ziemlich alle Dimensionen. Es regnete und regnete und wollte gar nicht aufhören zu regnen. So also sah unser zweiter Urlaubstag aus.
Schon der frühe Morgen im Motel in Woodstock verhieß nichts Gutes. Kaum waren wir wach, goss es in Strömen. Und es hörte nicht auf. Beim Frühstück in einem Diner am Highway goss es noch immer wie aus Kübeln. Danach ging es weiter. Gut 700 Kilometer lang vor uns die Sintflut.
Und dann, kurz vor dem Ziel, ging die Sonne auf. Aber nur für kurze Zeit. Dann zeigte uns Petrus erneut den Mittelfinger.
Aber jetzt ist alles gut. Der Regen hat nachgelassen und wir sitzen in einem Haus, das Lore eben als „schlicht ein Traum“ bezeichnete. Das 130 Jahre alte Holzhaus unweit vom Meer gehört einer Kanadierin und ihrem neuseeländischen Lebensgefährten. Die Geschichte der Beiden muss ich noch recherchieren.
In einem ehemaligen Fischerhaus unweit des Meeres sind wir also gelandet, das so schön ist, dass es, zusammen mit anderen Häusern in Lunenburg/Nova Scotia, zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Hier also werden wir die kommende Woche verbringen
Schlossführung folgt. Zuerst wird eine Runde geschlafen.
Die stundenlange Fahrt durch den sintflutartigen Regen von Woodstock/New Brunswick nach Lunenburg/Nova Scotia hatte etwas Zermürbendes.
Lore am Steuer, ich auf dem Beifahrersitz. Aquaplaning, Regenbedingte Unfälle, Staus. Entspannung geht anders.
Nova Scotia ist, so steht es auf den Nummernschilder,n „Canada’s Ocean Playground“. Der Spielplatz besteht aus der Hauptstadt Halifax, vielen Inseln und malerischen Buchten im Atlantik. Und einem pittoresken Dorf namens Lunenburg. Von hier also kommt dieser Blogpost.
Für uns ist es eine Art déjà-vu. Auch bei unserem letzten Besuch vor mehr als 30 Jahren hat es hier in Strömen gekübelt. Damals sind wir vor dem Regen in die USA geflüchtet, mit der Fähre nach Maine.
Diesmal wird das nicht passieren. Die USA haben ihre Grenzen zu Kanada aus Angst vor Covid noch immer geschlossen. Außerdem verspricht Nova Scotia schon jetzt so viel Schönheit, dass ich einen Teufel tun werde, noch einmal vor dem Regen zu flüchten.
Die liberale Regierung von Nova Scotia nimmt es Ernst mit Corona. Wer die Atlantikprovinz von außerhalb besucht, muss sich vorher online als „doppelt geimpft“ registrieren. Impfgegner haben hier schlechte Karten.
Tatsächlich stehen am Grenzübergang zu New Brunswick Kontrolleure, die den Impfnachweis sehen möchten.
Gut so! Von mir aus dürfen sie auch Körpertemperatur, Schuhgröße und Pulsfrequenz messen. Alles, was hilft, das Virus zu kontrollieren, soll mir Recht sein.
Gleich nach der Ankunft in Lunenburg dann ein Abendessen an der inzwischen regenfreien Bucht. Wo das Meer den Alltag bestimmt, isst man am besten Meeresfrüchte. Haben wir gemacht. Jakobsmuscheln mit Pasta, Fischfrikadellen mit viel frischem Salat, Ein Gedicht. Noch Fragen?
Ja, eine noch: Warum wird in einer Region so vorzüglicher Wein angebaut, wo doch das raue Klima alles andere als prima ist?
Keine Ahnung. Müsste ich mal googlen.
Was ich aber weiss, ist dies: Das Bier, das die Neuschottländer brauen, ist vom Feinsten. Morgen gibt’s mehr davon.
Mehr Nachrichten aus Nova Scotia. Und wahrscheinlich auch mehr Bier.
Wenn der Wind den Strom machtUnser home away from home für die kommende Woche.Downtown LunenburgRosé aus dem rauem Klima von NeuschottlandFrisch gezapft von der Hausbrauerei.Jakobsmuscheln mit PastaFischküchle mit Salat und RelishSaltshaker: Gute Wahl fürs erste Essen in Lunenburg
Der kürzeste Weg von Montreal ans Meer führt quer durch den US-Bundestaat Maine. Aber die Amerikaner wollen uns noch nicht, die Grenzen sind noch immer geschlossen. Also brachte uns jetzt die insgesamt 1400 Kilometer lange Reise durch die kanadische Provinz New-Brunswick.
Irgendwo in den Wäldern, hinter den sieben Bergen, liegt Woodstock. Dort sind wir eben nach genau sieben Stunden Autofahrt angekommen.
Virtuos hat Lore unser Sternchen auf Rädern bei hochsommerlichen Temperaturen über Highways und Landstraßen manövriert. Ein Pino Grigio und ein lokales „Alpine“-Bier, die wir eben bei „Walter’s Table“ in dem Örtchen Woodstock zu uns genommen haben, waren der Lohn für die lange Fahrt. Wie gerne hätte ich sie am Steuer abgelöst, aber die Augen …
Die Reise von Montréal/Québec nach Woodstock/New Brunswick verläuft unspektakulär, ist aber landschaftlich schön. New Brunswick lebt von der Forstwirtschaft. Hier werden jährlich Millionen und Bäume gefällt, damit Kanadiern niemals das Klopapier ausgeht und sie immer genug Bauholz zur Verfügung haben.
Links der St. Lorenz-Strom, rechts der St. John-River, manchmal auch umgekehrt, vorbei an First Nations-Reservaten und Dörfern mit lustigen Namen wie „Saint-Louis-du-Ha!Ha!“. Und immer wieder McDonald’s, Burger King, KFC, Pizza Hut und Tim Horton, die kanadischste aller kanadischen Kaffeeketten.
Wer braucht schon ein Montrealer Bistro, wenn er auf Reisen ist? Wir doch nicht! Obwohl …
Und dann war da noch diese mächtige Elchkuh, die friedlich am Straßenrand äste, als gäbe es weit und breit kein Fastfood.
Kurz vor Woodstock dann noch ein weiteres Highlight: Die längste überdachte Holzbrücke der Welt. (Thanks for the tip, Doug!) Ein 391 Meter langes Kunstwerk aus Holz, das über den Saint-John-River von Hartland nach Somerville führt.
Morgen früh geht unsere erste Reise nach eineinhalb Jahren weiter. Noch sieben Stunden sind es nach Lunenburg am Meer.
Unterwegs holen wir noch Cassian vom Flieger in Halifax ab. Famlienausflüge sind rar, wenn der Sohn sein eigenes Leben führt und voll im Job steht.
Allein schon deshalb lohnt sich die lange Reise.
Woodstock/New Brunswick: Hier dichtet der Blogger den Text, den Sie eben lesen.