Halifax: Unspektakulär schön

BLICK AUS DEM HOTELFENSTER: Downtown Halifax.

Halifax ist, sagen wir mal, nicht ganz das, was man sich unter der Hauptstadt einer wichtigen kanadischen Provinz wie Nova Scotia vorstellt. Die Stadt mit ihren gut 400.000 Einwohnern strahlt eine unspektakuläre Schönheit aus, wie man sie auch in Manitoba, Saksatchewan oder New Brunswick vorfindet. Nur: Halifax liegt am Meer. Und das ist für eine Landratte wie mich schon mal etwas Besonderes.

Nicht Fisch und nicht Fleisch„, hätte Papa Bopp gesagt. Wobei schon eher Fisch, denn es gibt eine ganze Reihe von Seafood-Restaurants, in denen es sich einzukehren lohnt.

Trotzdem haben wir die zwei Tage hier sehr genossen. Halifax ist eine Stadt zum Durchatmen. Nicht hektisch genug für eine Großstadt, nicht cool genug für einen Ferienort. Es ist eine Stadt, die lebt – ob mit oder ohne Touristen. Das gilt besonders für die Kneipenszene. Kaum eine Straßenecke, an der nicht ein Pub zum Verweilen und Auftanken einlädt.

Die Zahl der Touristen hielt sich in Grenzen. Keine Menschenschlangen vor den Lokalen, keine Wartezeiten an der Fähre zwischen der gegenüberliegenden Stadt Dartmouth und Halifax. Alles schön entspannt.

Auch die Überquerung der 102 Meter hohen und 1.3 Kilometer breiten MacDonald Bridge zu Fuß sorgte für Urlaubsfeeling.

Die Innenstadt von Halifax ist mit seiner Mischung aus Glaspalästen und schlichten Holzhäusern architektonisch zwar nicht uninteressant. Aber charmant ist anders. Dass Halifax der wohl bedeutendste Marinehafen Kanadas ist, mag man abends in den Kneipen der Stadt spüren. Tagesbesucher wie wir bekommen allenfalls ein bisschen von der Optik mit, die sich von der Brücke aus bietet.

Vielleicht liegt der mangelnde Charme der Stadt daran, dass Halifax eine äußerst tragische Vergangenheit hat. Vor 104 Jahren, am 6. Dezember 1917, hatte es bei einer Explosion zwischen zwei Schiffen mehr als 2000 Tote gegeben, 9000 weitere Menschen wurden verletzt. Viele Bewohner von Halifax verloren durch die Katastrophe ihr Hab und Gut.

Ein französisches Frachtschiff, voll mit hochexplosiven Materialien, war in der Bucht von Halifax mit einem norwegischen Frachter kollidiert. Die Wucht der Detonation wird häufig mit der Explosion einer Atombombe verglichen.

Die Geschichte von Halifax und der atlantischen Region drumherum ist sehr anschaulich im Maritime Museum of the Atlantic dargestellt. Besonders sympathisch: Das überaus reichhaltig bestückte Museum erhebt keinen Eintrittspreis.