„Fernweh für Klugscheißer“

WO BIN ICH? Mit GeoGuessr spielend um die Welt.

Spiele im Internet waren nie mein Ding. Unnützer Zeitvertreib für Einsame, dachte ich. Bis mir mein Kumpel Jörg neulich GeoGuessr empfahl. Das Spiel basiert auf Google Street View: Du landest irgendwo auf der Welt und musst anhand von Schildern, Landschaften und Straßen erraten, wo du bist. Je präziser dein Tipp, desto mehr Punkte.

Dass ich für ein Spiel im Netz jemals auch nur einen Cent ausgeben würde, hätte ich mir bis vor Kurzem nicht träumen lassen. Jetzt habe ich mir die Bezahlversion von GeoGuessr besorgt – inklusive Suchtpotenzial.

Eine kostenlose Version gibt es auch. Die bietet täglich eine Runde mit fünf Zielorten. Mit der Bezahlversion kannst du so lange weiterraten, bis dir die Welt ausgeht – oder die Zeit.

Jörg hat gute Karten. Als Berufspilot ist er sein Leben lang um die Welt geflogen und kennt sich im Atlas aus. Das hilft ihm allerdings nur bedingt. Landet er mit einem Zufallsbild auf irgendeiner afrikanischen Wüstenstraße, muss auch er passen.

Wie du das Rätsel angehst, liegt ganz bei dir. Die einzige Spielregel lautet: Du hast drei Minuten Zeit, sonst gibt’s keine Punkte. Bis dahin darfst du raten: Straßenschilder, Ortsnamen, Schriftzeichen und Hausnummern.

Linksverkehr? Ummendorf können wir schon mal ausschließen. Südafrika vielleicht. Japan. Australien?

Landschaften, Pflanzen, Berge und Klima bringen dich der richtigen Stelle näher. Sibirien hat keine Palmen, und in Sierra Leone liegt bestimmt kein toter Elch auf der Straße. Genau das ist mir neulich nämlich in Finnland passiert. Google Street View kennt keine Gnade.

Meist helfen diverse Hinweise weiter. Manchmal setzt auch der große Frust ein und du mogelst ein bisschen: Ein Verkehrsschild bei ChatGPT hochladen oder einen kryptischen Schriftzug googeln? Muss ja keiner wissen. Nur schnell muss es gehen. Nach drei Minuten bist du raus.

Für mich ist GeoGuessr mehr als ein Zeitvertreib. Man klickt sich durch die Welt und lernt was dabei. Inzwischen kann ich anhand von Straßenschildern und Werbetafeln immerhin Kyrillisch von Arabisch und Thailändisch von Chinesisch unterscheiden. Und weiss, dass es auch im sonst so aufgeräumten Tokio Ecken gibt, wo’s aussieht wie bei Hempels unterm Sofo.

Mein Freund Stephan kennt Geo-Guessr schon lange. Zurzeit legt er allerdings eine Pause ein. Der Zeitdruck stresse ihn zu sehr.

Sinn und Zweck des Spiels? Stephan bringt es mal wieder auf den Punkt: „Eine schöne Mischung aus Fernweh und Klugscheißen.“