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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Bitte hören Sie mir jetzt gut zu!

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WARNUNG: Dieser Blogpost geht in die Privatsphäre und ist der persönlichste, den ich je geschrieben habe. Ich wähle diesen Weg nicht, weil ich Mitleid erwarte, sondern weil ich andere vor meinem Schicksal bewahren möchte.

Es ist im Grunde genommen ganz einfach: Fliegen Sie nie mit einer starken Erkältung oder gar einer Mittelohr-Entzündung! Sonst droht ihnen der Verlust des Hörvermögens. Genau das ist mir passiert.

Was riskiert man nicht alles, wenn nach fünf Monaten Mallorca der Rückflug nach Montreal ansteht! Ich hätte es besser wissen müssen. Die Bronchitis noch wenige Tage vor der Abreise, die Zahnwurzel-Behandlung am Tag vor dem Rückflug. Vor allem aber die extrem schmerzhafte Mittelohrentzündung 48 Stunden, ehe der Flieger ging.

Ich habe Hilfe gesucht – und sie auch gefunden. Not-Termin bei einem tollen kubanischen Zahnarzt. Besuch bei einem HNO-Spezialisten in Palma. Antibiotika, Cortison, Schmerzmittel. Und ab ging’s in den Flieger. Von Palma nach Frankfurt. Vier Stunden später weiter von Frankfurt nach Montreal.

Start und Landung waren nicht angenehm, aber auch nicht besonders schlimm. Den Druck auf den Ohren kennt jeder, der schon mal geflogen ist. Auch die Beeinträchtigung des Hörvermögens nach der Landung in Montreal war nicht ungewöhnlich. Alarmierend war allerdings, dass der Hörverlust auch Tage später nicht besser wurde, sondern schlimmer.

Bis heute warte ich vergeblich auf das erlösende PLOPP.

Unter dem Trommelfell beider Ohren hatte sich Flüssigkeit gebildet – deshalb die Schwerhörigkeit. Weil sich das Sekret auch nach weiteren Behandlungen mit Antibiotika nicht auflöste, folgte viereinhalb Wochen nach der Landung in Montreal ein chirurgischer Eingriff.

Es wurden ein „Paukenröhrchen“ eingesetzt und das Trommelfell mehrfach durchstochen. Damit sollte eine bessere „Belüftung“ der Gehörgänge erreicht werden. Doch der erwartete Erfolg blieb aus. Deshalb sah der HNO-Chirurg davon ab, auch ins andere Ohr ein Paukenröhrchen zu implantieren.

Mehr als eineinhalb Monate nach der Landung in Montreal und fast drei Wochen nach dem chirurgischen Eingriff ist mein Hörvermögen noch immer extrem stark eingeschränkt. Ob die Schwerhörigkeit von Dauer sein wird, ist im Moment unklar.

Sicher ist nur eins: Wäre ich an jenem schicksalhaften 29. Mai 2016 nicht ins Flugzeug gestiegen, könnte ich vermutlich auch heute noch das Gras wachsen hören.

Deshalb: Tun Sie’s nicht! Stornieren Sie ihren Flug! Quartieren Sie sich notfalls für ein paar Tage in einem Hotel ein. Irgendwann ist die Erkältung vorbei und Sie können getrost fliegen. Wenn Sie vorgesorgt haben, springt bei einer Umbuchung möglicherweise sogar die Versicherung ein.

Gute Reise! Ein „Halten Sie die Ohren steif“ verkneife ich mir lieber.

Mega-Party in „Little Portugal“

port

© Screenshot Montreal Gazette

Wenn in einer Stadt mit vier Millionen Einwohnern eine der Hauptstraßen stundenlang für den Autoverkehr gesperrt bleibt, dann muss das schon einen guten Grund haben. Hat es auch: Portugal ist Fußball-Europameister.

Die Straße, der Boulevard St. Laurent, verläuft geradewegs durch „Little Portugal“. Dort wimmelt es nur so von Hähnchenbratereien und portugiesischen Fisch- und Gemüseläden. Dazwischen bieten Sanitärzubehör-Geschäfte gebrannte Fliesen an, oft mit Heiligen-Motiven aus der Heimat, die an vielen der Wohnhäuser die Eingänge zieren.

Und natürlich fehlen auch nicht die Kneipen, vor denen sich schon in Allerherrgottsfrühe meist ältere Männer treffen, um beim Café über Gott und die Welt zu plaudern, vor allem aber über Fußball.

Ich weiß das so genau, weil ich während der Fußball-EM häufig durch „Little Portugal“ spaziert bin, stets in der Gewissheit, Menschen zu treffen, für die Fußball mehr ist als nur ein Sport. Es ist der Kitt, der diese kleine, aber bunte und herzerfrischend lautstarke ethnische Gruppe zusammenhält.

Besonders deutlich wurde dies gestern Abend nach dem gewonnenen Finale. Kaum waren Ronaldos Tränen getrocknet, rannten Tausende von Menschen auf die Straße. Sie kamen aus den Kneipen gestürmt und aus Privathäusern, aus den Grillstationen und den Straßencafés. Viele von ihnen eingewickelt in portugiesische Flaggen, auf Autodächern und in Cabrios.

Diejenigen, die sich eine Ronaldo-Gummimaske übers Gesicht gezogen hatten, taten das nicht, um sich zu verstecken. Im Gegenteil: Sie feierten einen Helden. Auch wenn dieser nur 25 Minuten im Endspiel dabei war, schaffte er es, nicht nur eine Nation im Südwesten Europas stolz gemacht zu haben. Sechstausend Kilometer weiter westlich, in Montreal, legten fünftausend Kanadier portugiesischer Abstammung den Boulevard St. Laurent lahm.

Fünftausend Menschen in Feierlaune sind im Verhältnis zu vier Millionen Einwohnern nicht viel. Dass die Montrealer Polizei für die portugiesischen Fußballfans noch bis in die späte Nacht hinein den Verkehr regelte, spricht nicht nur für die Sportbegeisterung, die in meiner Stadt herrscht, sondern auch für die Toleranz, die hier gegenüber ethnischen Minderheiten aufgebracht wird.

Davon können sich die von Storchs, Petrys und andere dumpfbackigen Kleingeister gefälligst eine Scheibe abschneiden.

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Liebeserklärung an Underdogs

Copyright: vg.no

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Sollte Island heute Frankreich schlagen, würde ich zwar keinen Sommernachtstanz vollführen, mich aber trotzdem tierisch freuen. Nicht, weil ich etwas gegen Franzosen hätte – ganz im Gegenteil! Ich liebe Land und Leute und bin allein schon durch meine Québecer Wahlheimat enger mit ihnen verbunden als mit den meisten Nationen. Warum dann Island? Weil ich ein Herz für Underdogs habe. Wie viele von Ihnen vermutlich auch.

Genaugenommen ist Kanada ja auch so ein Underdog. Wir leben im Schatten eines Riesen. USA: Mächtig. Dominant. Stolz. Geopolitische Championsliga. Kanada? Groß. Höflich. Bescheiden. In der Weltpolitik spielen wir allenfalls in der Kreisliga.

Schlimm? Gar nicht. Im Gegenteil: Ich finde die Konstellation sehr sympathisch. Es gibt Leute, die behaupten, Kanada sei das bessere Amerika.

Ähnlich verhält es sich mit Uruguay. Dort habe ich während einer Südamerika-Reise einige der liebenswertesten Menschen kennen gelernt. Auch in Montevideo lebt man im Schatten eines Riesen. Der heißt Argentinien, ist wunderschön, aber ein Macho wie er im Buche steht.

Von Island kann man das nicht behaupten. Kleines Land, großartige Leute. Einige davon habe ich in den 80er-Jahren getroffen, als die billigste Flugverbindung von Europa nach Kanada über Reykjavík ging. Ein paar Stoppover-Nächte in dieser sympathischen Stadt haben genügt, um mir die Menschen dieses tollen Inselstaates näher zu bringen.

Und heute also Island gegen Frankreich. Für mich sind die Isländer schon Meister, noch ehe sie den ersten Ball berühren. Die Meister der Herzen.

ÜBRIGENS: Wenn Sie auf Facebook sind, können Sie Ihren isländischen Namen hier selber generieren. – Und wenn Sie Island jetzt auch noch akustisch anfeuern wollen, können Sie das hier tun.

Endstand: Frankreich 5 Island 2 

Okay. Dann eben Zweitorson.

Stadt, Land, Fluss: Montréal

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Das „Village“ im Montrealer Osten.

Montréal einmal von einer ganz anderen Seite. Eigentlich von vielen Seiten. Vom Land aus. Vom Ufer des Lachine-Kanals aus. Von der gigantischen Jacques-Cartier-Brücke aus, die über den Sankt-Lorenz-Strom führt. Kommen Sie mit! 15 Kilometer Fußmarsch an einem heißen Sommertag sind ein kleiner Einsatz für so viel Vergnügen.   Alle Fotos © Bopp

Fußballfieber im Blockhaus

cottage_blogEs ruckelt und zuckelt und manchmal bleibt der Ball kurz vor dem Tor stehen. Aber wer Fußball mag und keinen Fernseher weit und breit hat, muss sich eben anderweitig behelfen.

Zum Beispiel mit dem Versuch einer Live-Übertragung per Laptop ins Blockhaus am Lac Dufresne. Sechzehn Kilometer vom nächsten Dorf entfernt. Fünfeinhalbtausend Kilometer von Lille.

Wer einen Teil des Sommers im Wlan-Niemandsland verbringt und keinen Satelliten-Fernseher um sich herum haben möchte, muss improvisieren. Ein Glück, dass wir hier inzwischen Handy-Signale empfangen können.

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Eins zu null für das Internet: EM per Handysignal live aus Lille.

Über Bluetooth wird der Laptop mit dem Smartphone verbunden. Per „Tethering“ ein Netzwerk zu schaffen ist kein Hexenwerk. Und schon geht’s los ins Fußballvergnügen.

Und weil der ZDF-Stream wegen „Geoblocking“ in Kanada gar nicht zu sehen sein dürfte, muss ein Programm her, das vorübergehend die Internetadresse verändert. Der IP-Cloner meines Herzens ist vollkommen legal, heißt „Tunnelbear“ und kommt zufällig aus Kanada.

So eine Handy-Übertragung ist nicht ganz störungsfrei und auch nicht ganz billig. Das Internet-Kontingent des Providers musste kurzfristig um ein paar Gigabytes erweitert werden. Doch der Datenfraß hat sich gelohnt: Das Spiel Frankreich gegen die Schweiz war eine passable Begegnung, auch wenn sie torlos endete.

Und jetzt? Kommt als nächstes etwa der sonntägliche Tatort ins Blockhaus? Oder die neueste Netflix-Serie?  Kochshows? Late-Night-TV und Frühstücksfernsehen? Bestimmt nicht. Es gibt Dinge, die gehören nicht in die Wildnis. Zum Beispiel „House of Cards“, CNN, Jimmy Fallon, Anne Will oder Bundesliga.

Aber für so eine Fußball-EM gelten eben andere Gesetze.