Mehr Kuba. Mehr Strand. Mehr Meer.

Spaziergänge in Kuba enden fast immer irgendwo am Meer. So auch gestern wieder. Nach einem langen Marsch über den wunderbar feinen Sand der Strände von Varadero gab es noch ein paar Impressionen in dem kleinen Badeort, eineinhalb Autostunden von Havanna entfernt.

img_1598

Stadthaus in Varadero

img_1597

Zimmer zu vermieten

img_1546

Mojito mit frischer Minze

img_1538

Der Blogger am Strand

img_1516

Farbenpracht am Bau

img_1503

Bougainvillea

img_1502

Postamt von Varadero

img_1501

Hinterhof

img_1497

Restaurant mit Huhn und Katzen

img_1491

Der liebe Gott fährt mit

img_1493

Bungalow: Es leben die Fifties

img_1488

Die Revolution ist nie ganz vorbei

img_1484

Alte Prachtvilla

img_1486

Fidel lebt!

img_1489

Und immer wieder Meer …

Ein bisschen Cuba Libre

Wo fängt man an, wenn man über Kuba schreiben möchte? Bei den traumhaft schönen Stränden, die das fast unwirklich farbenintensive karibische Meer einfangen? Bei den vielen Oldtimern, die manches Museum der Welt mit Stolz erfüllen würden? Oder bei den tropisch heißen Wintern, die Eis und Schnee geplagte Snowbirds einfach nur in Verzückung geraten lassen?

Fangen wir bei den Menschen an. Der Kubaner an sich ist: meistens schön, selten missmutig und scheint mit sich und der Welt entweder wirklich im Reinen zu sein, oder er ist ein verdammt guter Schauspieler.

Die folgenden Beobachtungen stützen sich freilich weitgehend auf das Servicepersonal unseres Hotels und hier und da noch auf ein paar Smalltalks mit Kubanern auf der Straße. Zu mehr Kontakten reicht es in einer Touristen-Enklave wie Varadero leider nicht.

Es gibt diese natürlichen Berührungsängste zwischen uns, den einigermaßen verwöhnten Erstweltländlern, und Kubanern, die im Schnitt um die 20 $ im Monat verdienen. Ein paar Gastgeschenke wie Strumpfhosen, Kosmetika und auch ganz viel Trinkgeld wirken angesichts der Armut vieler Menschen hier geradezu lächerlich. Aber die Gesten sind willkommen und wirken, so mein Eindruck, alles andere als gönnerhaft.

Vieles hat sich seit unserem ersten Kuba-Besuch vor 33 Jahren verändert. War es Kubanern damals offiziell noch versagt, mit Touristen überhaupt Kontakt aufzunehmen, wirken die meist jungen Menschen, die mir hier begegnet sind, aufgeschlossen, offen und voller Stolz auf das, was sie bisher erreicht haben. Und das ist viel.

Dass sie es als sozialistisches Land zu einer führenden Tourismusnation in der Karibik gebracht haben, verdient Respekt.

An den schönen Stränden allein kann es nicht liegen. Schon eher am beeindruckenden Selbstbewusstsein einer oft geknechteten Gesellschaft, die sich, fallen gelassen von Moskau und anderen Verbündeten, nie an Amerikas Rockzipfel gehängt hat. Ohne Amis geht’s auch – eine Devise, die Weltverschlechterern wie Trump zum Nachdenken bringen müsste. Schade nur, dass Trumps Stärke nicht im Denken liegt. (Wo eigentlich?)

Die kubanische Psyche zu ergründen, ist eine Herausforderung, der ich mich in einem kurz mal ins iPhone getippten Blogpost nicht stellen möchte. Deshalb seien mir lediglich ein paar Beobachtungen gestattet:

Es gibt pflegeleichtere Tourismus-Destinationen als Kuba. Die schwierige Versorgungslage verlangt in erster Linie natürlich von den Kubanern selbst, aber auch vom Devisen bringenden Besucher einiges ab. Kompromisse sind deshalb unerlässlich. Die zaubern zwar auch keinen Kaffee aufs Zimmer oder einen Duschschlauch ins Bad. Vom zickigen Internet und nicht existenten Fernsehsignal ganz zu schweigen.

Fehlt uns deshalb etwas? Nicht wirklich. Erst recht nicht, wenn dich das Hotelpersonal mit dem entwaffnenden Charme des Karibik-Insulaners von sich aus auf die Missstände hinweist.

Das Essen, viel geschmäht unter Kuba-Touristen, ist besser geworden seit unserem ersten Besuch. Gab es damals noch die Wahl zwischen frittierten Bananen, verkochten Bohnen und halbgarem Reis, wird heute meist ordentliche Hausmannskost serviert.

Ein bisschen herrscht auch schon freie Marktwirtschaft. Cuba Libre auf Sparflamme. In dem Badeort Varadero sind jetzt vereinzelt Privatzimmer zu vermieten, es gibt Bars, Cafés und sogar einen Beatles Club“ – noch vor wenigen Jahren undenkbar.

Überhaupt Varadero: Was vor Jahren noch ein verschlafenes Kaff am Meer war, wird heute von Touristen überschwemmt. Die meisten von ihnen kommen aus Kanada, was nicht nur aus logistischen Gründen naheliegt. Auch ideologisch hat das Land bei den meisten Kubanern mächtig Eindruck gemacht. Kanada gehörte zu den ersten Ländern, die Kuba nach der Revolution helfend unter die Arme gegriffen haben. Das haben selbst junge Kubaner nicht vergessen

„Canada – best country in the world “ sagt der junge Dosensammler am staubigen Straßenrand. „Trump no good!“ Und natürlich sei er ein Fan von Justin Trudeau.

Wer kommt überhaupt nach Kuba, wo doch die Welt voll ist von wunderbaren Plätzen? Für Sozialromantiker hat Kuba als Urlaubsziel jedenfalls ausgedient.

Wer auf den Geist von Fidel Castro hofft, der Zigarren rauchend mit Ché Guevera diskutiert und von einem Daquiri trinkenden Hemingway unterbrochen  wird, darf weiter träumen.

Wer den morbiden Charme einer einst blühenden Karibikperle bestaunen möchte, hätte früher aufstehen müssen.

Wer Luxus pur sucht, ist in Kuba ebenso fehl am Platz wie der Tourist, dem es immer nur ums gute Essen geht.

Fakt ist: Kuba ist inzwischen im Massentourismus angekommen – ohne sich dabei gänzlich untreu geworden zu sein. Doch es gibt zwei Währungen im Land: Eine für die Kubaner, eine andere für Touristen. Real existierender Sozialismus sieht anders aus.

Alles in allem also eine Mischung, die es in dieser Art wohl nur noch selten in der Welt gibt.

Allein schon deshalb ist Kuba immer wieder einen Besuch wert.

Oldtimer-Paradies: Cars of Cuba

Wohl kaum etwas fasziniert Besucher in Kuba so sehr wie die legendären Oldtimer. Es sind Relikte aus vorrevolutionären Zeiten. Zwar waren Autos auch nach der Revolution noch gestattet. Aber nur, wenn sie vor 1959 gebaut wurden. Deshalb gehören Oldtimer auch heute noch zum Stadtbild der Zuckerinsel in der Karibik. Anbei eine kleine Auswahl von Fotos, die heute in Varadero entstanden sind. 

Ein Wiedersehen mit Kuba

Es ist gut zehn Jahre her, dass wir zum letzten Mal in Kuba waren. Seit gestern halten wir uns wieder in der Karibik auf. Vieles hat sich seither verändert, manches auch nicht. Die Liebenswürdigkeit der Menschen ist noch da. Ihr Improvisationstalent, mit dem sie den Alltag meistern, auch. Das Internet schwächelt. Deshalb hier nur wenige erste Impressionen:

8B79DDB9-9A40-4912-AF12-34919852B2FBEC0F4868-4EDE-4197-B717-4B445AD212D3B09BBFFE-6A8C-45B7-BAA4-F748B1CB9D17

Opernkino: Peter, Carmen und ich

IMG_1276Nein, es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Ganz im Gegenteil: Siebzig Jahre hat es gedauert, bis ich die erste Oper meines Lebens wirklich genossen habe – diesmal nicht im Konzertsaal, sondern im Kino: Live-Übertragung aus der Metropolitan Opera in New York. Auch wenn ich vor „Carmen“ schon ein paar andere Opern-Aufführungen besucht habe: Dies war ein Erlebnis der besonderen Art.

Es war mein Freund Peter, der mir seit 30 Jahren vorschwärmt, wie zauberhaft so ein Opernbesuch sein kann. Peter kennt die großen Opernhäuser der Welt und dirigiert auch mal eine Arie am Stehpult seines Wohnzimmer-Konzertsaals mit. Jetzt hat er es geschafft: Wir haben’s nicht nur getan. Wir waren begeistert.

Ich werde einen Teufel tun, mich zu einer Opernkritik aufzuschwingen. Deshalb einfach ein paar Impressionen:

Erster Eindruck: So viele Rollatoren und andere Gehhilfen wie bei „Carmen“ habe ich noch bei keiner anderen Kinovorstellung gesehen.

Zweiter Eindruck: Dass es im Kino auch ohne Chipstüten-Geraschel und Popcorn-Geknalle geht, war eine völlig neue Erfahrung.

Dritter Eindruck: Operndiven in Nahaufnahme auf einer Riesenleinwand beim Singen zuzusehen, ist nicht immer eine körperästhetische Delikatesse. Kein Mensch ist so schön, dass man seinen zehn Kubikmeter großen Rachen minutenlang in High Definition betrachten möchte.

Und dann noch eine Frage: Wie sieht es eigentlich mit #metoo in der Oper aus?

Während „Baby It’s Cold Outside“ von vielen Radiosendern plötzlich nicht mehr gespielt wird (der Gastgeber im Lied übt sanfte Gewalt aus, um die Dame am Gehen zu hindern), dürfen Frauen in der Oper noch immer nach Herzenslust begrabscht, geschüttelt, sexistisch betitelt und an Stellen berührt werden, die im richtigen Leben einen #aufschrei verursachen würden.

Ich finde, Klassiker sollten so präsentiert werden, wie sie geschrieben worden sind. Herrn Bizet kannte ich nicht, als er 1875 „Carmen“ komponierte. Aber ich denke mal, er war kein Frauenschänder.

Wenn wir schon beim Thema political correctness sind: „Carmen“ ist in der Oper nichtIMG_1279 etwa ein „Sinti-und-Roma“-Mädchen, wie es politisch korrekt heißen müsste, sondern eine „Zigeunerin“. Rassismus? Ganz und gar nicht. Man wird in einem Klassiker die Dinge doch wohl noch beim Namen nennen dürfen.

Die Welt der Oper ist mir alles andere als vertraut. Deshalb sei mir meine Verwunderung über manches, was mir dort präsentiert wurde, nachzusehen.

Zum Beispiel die Rollenbesetzung. Eine nicht mehr ganz junge, aber bestimmt wunderbare Mezzo-Sopranistin namens Clémentine Margaine spielte in der gestrigen Met-Aufführung die Titelrolle des sehr jungen, sehr wilden Zigeunermädchens. Doch sie war weder jung und wild kam sie mir auch nicht vor. Sie hat einfach nur gut gesungen. Reicht das?

Für einen passionierten Kinobesucher, der mehr Filmschauspieler beim Namen kennt als Operntitel, ist dies zumindest gewöhnungsbedürftig.

Mal so gefragt: Würde etwa die Rolle von James Bond von einem Teenager oder, um bei Extremen zu bleiben, einem Schauspieler im Greisenalter besetzt werden, nur weil er gut spielt? Undenkbar. Aber bei der Oper scheinen andere Gesetze zu gelten, stimmliche und auch andere. Wieder etwas dazu gelernt.

Menschen beim Ausleben ihrer Talente zusehen zu dürfen, ist ein Geschenk. Eine so wunderbare Aufführung wie „Carmen“ zusammen mit Hunderttausenden Menschen in aller Welt zeitgleich live auf einer Montrealer Kino-Leinwand zu erleben, war ein unvergessliches Erlebnis.

Danke, Peter! Merci, Monsieur Bizet! Graçias Carmen!