Frohe Weihnachten – und danke!

xmas

Rechtzeitig zu Weihnachten hat uns Petrus noch einmal das volle Programm gegeben. In den Bergdörfern der Laurentians, zwei Autostunden nördlich von hier, sind noch immer Zigtausende ohne Strom. Ein Schneesturm hatte vor drei Tagen die Versorgung zum Erliegen gebracht.

Wir, die wir Weihnachten zum ersten Mal seit 25 Jahren nicht auf dem Land, sondern in der Großstadt feiern, haben Glück gehabt. Neuschnee und blauer Himmel, das Ganze bei Temperaturen, die sich aushalten lassen. Minus 12 Grad zeigt das Thermometer im Moment. Es könnte schlimmer sein.

Ihnen, den Leserinnen und Lesern meines Blogs, wünsche ich frohe Feiertage. Danke, dass Sie vorbeigekommen sind. Sie sind der Grund, dass mir mein kleines digitales Tagebuch auch nach 292 Posts noch immer Spaß macht.

Merry Christmas – Frohe Weihnachten – Joyeuses fêtes

Bunter die Lämpchen nie blinken

Weihnachten in der Stadt ist so ganz anders als Weihnachten auf dem Land. Nüchterner, kommerz-orientierter, auch kälter. Und auch ein bisschen uncharmanter als auf den kanadischen Dörfern, wo Menschen leben, denen keine Mühe zu viel, kein Preis zu hoch ist, um ihr Heim festlich zu schmücken. Vor knapp einem halben Jahr sind wir vom Land in die Dreieinhalb-Millionenstadt Montreal gezogen. Eigentlich sollte es auch dieses Jahr wieder eine Bildergalerie mit Aufnahmen von weihnachtlich geschmückten Häusern geben. Aber in Montreal hat mich das Fotografenglück verlassen. Es ließen sich einfach nicht genügend neue Blogbilder auftreiben. Deshalb gibt’s heute mal eine Wiederholung vom 25. Dezember 2011. Viel Spass!

Avatar von Herbert BoppBLOGHAUSGESCHICHTEN

Kitschig, grässlich, geschmacklos? Man muss die Weihnachtsbeleuchtung der Kanadier nicht lieben. Aber es führt kein Weg an ihr vorbei. Mindestens jedes zweite Haus in unserer Nachbarschaft ist auf Lightshow getrimmt. Die Fotos der Bildergalerie sind fast alle in unserer unmittelbaren Umgebung entstanden.

Ein Haus in unserer Nachbarschaft schlägt alle Rekorde: 25 000 Leuchtbirnen bewegen sich als Girlanden, Kreise und Tannenzapfen im Rhythmus zur Musik. Wer mag, kann vor dem Haus anhalten und die volle Pracht in Ruhe bewundern. Die Musik dazu kommt aus dem Autoradio. Der Häuslesbesitzer hat eigens für diesen Zweck eine Rundfunkfrequenz freigeschaltet. Alles nicht ganz billig. Deshalb nimmt der Lichtermann gerne Spenden entgegen – in einer eigens dafür aufgebauten Schatulle. Beleuchtet, versteht sich. Nicht alle teilen die Begeisterung für das Lichtermeer. Deshalb ist die Light and Sound Show während der Woche nur bis 20 Uhr erlaubt. Am Wochenende dürfen die Lämpchen bis 22 Uhr blinken.

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Der Adler war eine Ente

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Erst krallte sich ein Adler in einem Montrealer Stadtpark ein kleines Kind. Danach stürzten sich Millionen Menschen auf ein Video, das den Raubvogel mit dem Kind im Schnabel zeigt. Innerhalb weniger Stunden klickten allein fast 3 Millionen YouTube-User auf das 60 Sekunden lange Filmchen. Inzwischen bewegt sich die Klickzahl im 27-Millionen-Bereich.

Doch jetzt ist es raus: Der Adler war eine Ente. In Wirklichkeit waren es Studenten einer Montrealer Filmschule, die das Schock-Video als Teil ihrer 3-D-Klasse produziert und ins Netz gestellt hatten.

Kompliment: Keine schlechte Werbung für das Centre NAD. Der Server der angesehenen Filmfachschule ging wohl vorübergehend in die Knie, nachdem des Rätsels Lösung durch die Welt gegangen war. Die Homepage war jedenfalls zeitweise nicht mehr anklickbar.

Kaum ein Internetportal, das sich die Geschichte vom Greifvogel und dem Kleinkind entgehen lassen wollte. Der stern berichtete darüber, Spiegel-Online auch, BILD ohnehin. Manche, wie der Spiegel, meldeten von Anfang an Skepsis an. Andere wiederum übernahmen die fantastisch echt aufbereitete Story eins-zu-eins.

Bis die Studenten Normand Archambault, Loïc Mireault and Félix Marquis-Pouli endlich mit der Wahrheit herausrückten, war das YouTube-Video längst „viral“ gegangen, wie die massenweise Verbreitung von Bewegtbildern auf Netzdeutsch heißt.

Falls Sie den Clip noch nicht gesehen haben: Hier ist er.

Keine Angst: Ich lebe noch!

Screen Shot 2012-12-17 at 3.13.07 PM

Schock am Morgen: Ich bin tot. “Beate und Lena” haben eine Kerze für mich angezündet. Im Internet. Das virtuelle Licht zu Ehren von “Herbert Bopp” wurde am 09.12.2012 um 18:06 Uhr per Mausklick angeknipst und seither 38 mal besucht. Traurig, aber wohl wahr: “Es wurde bisher 0 mal Mitgefühl ausgedrückt”.

Wer im Internet lebt, darf auch im Internet sterben. Nur: Ein bisschen länger hätte der Spaß schon dauern dürfen. Seinen Namen zufällig und ohne Vorwarnung in einer Todesanzeige zu finden, ist nicht gerade das, was man sich in der Woche vor Weihnachten wünscht. Aber ich habe den Schock überlebt. Die virtuelle Kerze auf www.kerze-anzuenden.de ist für einen Namensvetter gedacht, von dem ich nur weiss, dass er in Bonn gestorben ist.

Weitere Recherchen habe ich mir erspart.

Das virtuelle Trauern funktioniert so: Man registriert sich auf einer entsprechenden Seite im Netz. Danach widmet man der verstorbenen Person ein paar Zeilen und zündet per Mausklick eine Kerze an. Aber nicht einfach so: Zünden Sie Ihre persönliche Kerze langsam und mit Bedacht an“, heißt es im Erklärtext,  „und denken Sie beim Anzünden an den geliebten oder geschätzten Menschen und schaffen Sie so eine wunderbare und bleibende Erinnerung“.

Kerze und Trauerbezeugung stehen dann zwei Wochen lang online. Bis hierher ist der Service kostenlos. Will man die Kerze “aufwerten”, wie es auf der kerze-anzünden-Seite heißt, werden 4.99 Euro fällig. Dafür „wandeln Sie diese Kerze in eine goldene Kerze um“. Goldene Kerzen haben den Vorteil, dass sie „zu 100% werbefrei“ sind und sich „deutlich von kostenlosen Kerzen abheben“.

Bisher hat sich allerdings keiner gefunden, der meinem Namensvetter im Internetfriedhof eine goldene Kerze gewidmet hätte. Dafür haben „Beate und Lena“ dem verblichenen Herbert Bopp einen herzerwärmenden Spruch hinterlassen: „Du wirst in unserem Herzen weiterleben. Wir haben dich ganz doll lieb. Gute Reise!“

Danke.

Zweisprachige Hunde in Québec

 Screen Shot 2012-12-15 at 4.01.23 PMWer in Québec lebt, hat es nicht leicht: Eltern werden per Gesetz gezwungen, ihre Kinder in französischsprachige Schulen zu schicken. Auf Stoppschildern steht „Arrêt“ statt „Stop“. Und wer in meiner geliebten Provinz einen Laden aufmacht, riskiert den Besuch der Sprachenpolizei, wenn er seinem Shop einen rein englischen Namen gibt. Und jetzt sollen auch noch Hunde zweisprachig bellen.

Wirklich? Nein, natürlich nicht.

Kate ist zwei australischen D-Jays aufgesessen. Zigtausend Montrealer ließen sich von einem kanadischen Rundfunkmoderator verarschen. Pat Kelly hatte in seiner Sendung „This is that“ („Das isses“) die Québecer Regierung durch den Kakao gezogen und dabei einen fiktiven Montrealer Stadtrat namens Benoit LaDouce interviewt. Der berichtete sehr glaubwürdig und fundiert von einem Gesetz, das vorschreibt, dass Hunde in Québec künftig Kommandos in beiden Landessprachen verstehen müssen.

Es könne nicht angehen, sagte Monsieur LaDouce im staatlichen kanadischen Rundfunk CBC, dass in den Stadtparks Hunde rumlaufen, die ausschließlich auf Englisch oder Französisch reagieren. In einer zweisprachigen Metropole wie Montréal sei Bilingualität eine Voraussetzung für ein harmonisches Zusammenleben zwischen Tier und Mensch.

Montreal bylaw requires dogs understand commands in both official languages  This is That with Pat Kelly and Peter Oldring  CBC Radio

Und wie das so ist im Netz: Die Welt hört mit. Plötzlich tauchte die Schlagzeile mit den zweisprachigen Hunden in Blogs und Nachrichtenportalen zwischen San Francisco und Singapur auf. Und, anders als beim verhängnisvollen Telefonat mit Kates Krankenschwester, hatte das Fake-Interview keine tragischen Folgen. Es landete wieder dort, wo es angefangen hatte: Beim Radiosender CBC. Der stellte spontan eine Online-Umfrage ins Netz: „Sind Sie der Meinung, dass Hunde in Québec zweisprachig sein sollten?“

85.4 Prozent sagten: NON!