Darf man etwas aufgeben, das man vor nicht einmal zwei Wochen angefangen hat? Ja, darf man. Facebook zum Beispiel. Facebook ist nichts für mich, sorry. Ich brauche keine neuen Freunde, pflege einen wunderbaren Austausch mit interessanten Menschen aus der ganzen Welt. Die schicken mir Mails mit Fotos, Videos und Babytönen ihrer Kleinen. Sie rufen mich an, wenn ihnen danach ist, oder wir skypen.
Vor allem aber nerven mich meine richtigen Freunde nicht mit Einpeitschparolen, wie: „Personen, die Du vielleicht kennst …“ Oder: „A lot has happened on Facebook since you last logged in. Here are some notifications you’ve missed from your friends.” Danke fürs Mitdenken, aber bei mir nicht mehr nötig.
Nein, ich bin kein Generalverweigerer, dem alles suspekt ist, was nach Woodstock kam. Im Gegenteil: Ich liebe die Medien, besonders die digitalen. Ich weiss, was bei Facebook funktioniert und was nicht. Und Menschen, die ihre Zeit gerne mit und in Facebook verbringen, sind mir genau so lieb wie alle anderen. Nur: Facebook ist nichts für mich.
Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon: Ich möchte mich nicht dafür rechtfertigen müssen, dass ich auf Kontaktanfragen nicht antworte. Ein anderer: Meine Spammail-Flut hat eindeutig zugenommen, seitdem ich bei Facebook angemeldet bin. Soziale Medien keine Datenkraken? Very funny.
Noch ein Punkt, warum ich mich von Facebook verabschiedet habe: Ich hatte den Zeitaufwand unterschätzt, der mit so einer Mitgliedschaft verbunden ist. Ein Account bei einem sozialen Netzwerk darf keine Einbahnstraße sein. Entweder du bist voll dabei und gehst auf deine „Freunde“ ein, postest, likest, kommentierst. Oder aber du lässt es. Zur vollen Hingabe fehlen mir Lust und Zeit. Also lasse ich es. Freunde, Kollegen und Bekannte, die mir etwas Interessantes mitzuteilen haben, wissen auch so, wie sie mich erreichen, Familie ohnehin.
Vielleicht war mein Anspruch an Facebook einfach zu verquer. Oder aber ich habe das Konzept nicht richtig verstanden, das dahinter steht. So oder so: Ich vermisse bei virtuellen Freundschaften die Herzenswärme und irgendwo auch die Authentizität. Frei nach Harald Schmidt: „Ich habe 10 000 Facebook-Freunde. Nur beim Umzug hilft mir keiner.“
Webjunkie, der ich bin, hänge ich ohnehin schon viel zu viel am digitalen Tropf. Und weil ich neben Mails, Blogs, Webseiten, Newslettern und Mediatheken nicht auch noch ständig Facebook-Nachrichten checken will, sage ich jetzt einfach Tschüss.
Ganz ohne Groll und mit großem Respekt für die Erfinder.
PS: Danke für die „Likes“

Man kann über Autorennen denken, wie man will: Die Formel Eins tut Montréal gut. Nicht nur pumpen die mehr als 300.000 Besucher um die 90 Millionen Dollar in die Wirtschaft. Die Woche vor dem „Großen Preis von Kanada“ am kommenden Sonntag zaubert meiner Stadt endlich mal wieder jenes Lächeln ins Gesicht, das ich in letzter Zeit häufig vermisst habe.
Bei mindestens 20 Formel-Eins-Rennen war ich als Reporter dabei, übrigens schon viele Jahre vor meiner späteren Akkreditierung für die ARD. Es waren Termine, die ich nicht missen möchte, auch wenn mir der Automobilsport selbst nicht viel bedeutet. Ein Auto muss mich von A nach B bringen. Fertig. Dass ich beim Anblick eines Silberpfeils Erotik empfinde, könnte ich nun wirklich nicht behaupten. Und trotzdem verleiht mir die wunderbare Ästhetik dieser Boliden so etwas wie ein Glücksgefühl.
Irgendwo habe ich die Geschichte eines Mannes gelesen, der ein Anwesen mit sehr vielen Zimmern besitzt. Jeden Tag wechselt er seinen Wohn- und Schlafraum. Irgendwann schließt sich der Kreis und er kommt wieder am Anfang seiner Reise an. Dadurch verlängert sich in seiner Wahrnehmung sein Leben auf fast wundersame Weise.