
Dass ich 1983 meinen ersten Computer hatte, liegt nicht an Steve Jobs. Ein Belgier namens Georges ist schuld. Er nahm mich mit in einen „Radio Shack“-Laden und zeigte mir, was ein Notebook ist. Wenig später konnte ich meine erste Email schreiben. Doof, dass ich nur noch einen anderen Menschen mit einer Email-Adresse kannte.
Dieser Mann hieß Armin und war Amerika-Korrespondent für die ARD mit Sitz in Los Angeles. Mein Notebook war ein TRS-80 Model 100 und hatte 32 Kilobyte RAM. Der 8-Bit-Intel-Prozessor schlug mit 2.4 Megahertz alle Rekorde. Dass der Radio Shack-Rechner nur mit einem 300-Baud-Modem kam, störte mich nicht im geringsten. Zum Mailverkehr mit Armin reichte es allemal. Andere Email-Empfänger kannte ich nicht.
Blinkende Kugelschreiber, Radiowecker mit Bärengebrüll …
Der Mann, der mich in die Welt der Computer einführte, war Georges, ein liebenswerter Bonvivant aus Belgien. Als Programmchef bei Radio Canada International in Montréal war er für alle Sendungen verantwortlich, die via Kurzwelle nach Westeuropa übertragen wurden. Georges und ich hatten etwas gemeinsam: Wir liebten Gadgets. Kugelschreiber mit Blinklichtern, Radiowecker mit Bärengebrüll, Weihnachtskugeln, die auf sanften Druck hin Jingle Bells von sich gaben. Und Computer, mit denen man eine Email an Armin schreiben konnte.
Das WorldWideWeb im heutigen Sinne gab es noch nicht. Zumindest nicht für Normalsterbliche, die nicht an irgendwelchen subversiven US-Militärleitungen hingen. Aber es gab die Möglichkeit, über ein Schneckenmodem ASCII-Codes zu versenden und zu entziffern. Damit konnte ich nicht nur Armins Emails lesen. Mit Georges Hilfe gelang es mir auch, mich von zu Hause aus in das Datennetz der Canadian Broadcasting Corporation einzuloggen. Damit hatte ich Zugang zu Nachrichtenagenturen – und damit zu dem, was später „Internet“ hieß.
Der Computer-Zugang zu Agence France Presse, Reuters und Canadian Press war kompliziert. Erst wenn man einen Rattenschwanz von Codes eingetippt hatte, meldete sich das CBC-Netzwerk und verlangte einen „Handshake„. Das war ein schrilles Geräusch, das einige Sekunden lang durch Mark und Bein ging. In meinen Ohren klang es wie Musik.
Plötzlich standen mir die größten Agenturen zur Verfügung. Für meine Arbeit als Korrespondent war dies von unermesslicher Bedeutung. Hatte ich bis dahin noch morgens um fünf am Zeitungskiosk gebibbert, bis die ersten Printausgaben zur Ausschlachtung angeliefert wurden, genügte jetzt ein Tastendruck. Der elektronische Handshake war zwar umständlich und, wie ich heute weiss, auch ein wenig illegal. Aber wen störte das damals schon? Mir gehörte jetzt die Welt und ich konnte sie sogar mit auf Reisen nehmen. In einem 1.4 Kilo schweren Plastikgehäuse.
Danke, Geroges! Danke, Armin! Danke, Steve!

Ahhhh – Deutschland! Demnächst werde ich wieder für zehn Tage dort sein. Es gab Zeiten, da bin ich jeden zweiten Monat nach Köln, Hamburg oder Berlin gereist. Heute sind es vielleicht noch zwei bis drei Deutschland-Besuche pro Jahr. Und noch immer beschleicht mich diese Achterbahn der Gefühle.



Wenn unser Freundeskreis zusammentrifft, wird das Wohnzimmer zur UNO-Vollversammlung. Und die Küche zum internationalen 5-Sterne-Restaurant. Dolmetscher? Nicht nötig. Irgendwie verstehen sich alle. Außer Deutsch, Englisch und Französisch gibt es ja noch die Sprache, die durch den Magen geht.
Ute stammt aus Mainz. Den Truthahn bereitet sie typisch kanadisch zu. Mit einer Cranberry Sauce die hier bei keinem Turkey-Dinner fehlen darf. Diana bringt Süßigkeiten aus dem Libanon. Wenn sie von Beirut erzählt, schwingt auch heute noch ein Hauch von Wehmut mit. Linda aus Newcastle bringt die schräge Liebenswürdigkeit der Briten mit an den Tisch. Ihr Mann Claude den herben Charme des Québecker Bonvivant. Dann wäre da noch Sue aus Santa Barbara. Als kalifornisches Beach Girl verbringt sie manchmal viele Wochen am Stück bei den Inuit in der kanadischen Arktis. Liegt ja auch nahe, dass man sich zu den Eskimos hingezogen fühlt, wenn man am Pazfikstrand aufgewachsen ist.
