Wie tickt eigentlich der Kanadier?

Der Kanadier, das unbekannte Wesen: Mehr als 30 Jahre lebe ich nun schon in diesem Land. Und noch immer stehe ich manchmal ratlos vor der Frage: Wie tickt er eigentlich, der Kanadier? Dabei ist die Antwort relativ simpel: Er tickt wie wir. Nur anders. Ein Quickscan der Psyche eines sympathischen Volkes.

Kanadier sind freundlich, höflich, brav, hilfsbereit, familienorientiert und packen gerne selbst mit an, damit sie es nett haben. Baumärkte sind hier so überlaufen wie anderswo Fußball-Arenen. Dabei ist die Do-it-yourself-Kultur nicht immer nur Hobby. Oft ist es auch ein Ausweg aus der prekären Finanzlage, in der sich vor allem junge Familien befinden.

Die Bezahlung ist in manchen Firmen miserabel. Die Arbeitsbedingungen sind, im Vergleich zu Deutschland, suboptimal. Zwei Wochen Jahresurlaub sind für Anfänger die Regel. Wer vier Wochen bezahlten Urlaub hat, muss lange, sehr lange im Geschäft sein. Alles in allem hat das soziale Netz hier mehr Löcher als die Straße vor unserem Haus. Und das will etwas heißen.

Klimarestistent

Der geduldige Kanadier: Politisch und klimatisch leidensfähig bis zur Selbstaufgabe. Konfliktscheu. Abwägend. Ja nicht auffallen. Und wenn, dann nur positiv. Gegen Atomkraft demonstrieren? Nein Danke. Ein Jahr auf eine Krebsbehandlung warten? Schlimm. Aber der Staat tut sein Bestes. Gerade dieses „Er tut sein Bestes“ habe ich hassen gelernt. In diesem Fall, wenn es um die Vorsorge für Kranke und Alte geht, tut der Staat eben nicht sein Bestes. So einfach ist das.

Der freundliche Kanadier: Man kommt schnell mit ihm in Kontakt. Aber dabei bleibt es dann auch meistens. Tiefe Freundschaften entstehen nun mal nicht zwischen Fingerfood und Eishockey. Eine gepflegte Streitkultur erlebe ich hier nur selten. Politischen Diskussionen mit Nachbarn und Bekannten mangelt es an Biss. Man könnte auch sagen: an Offenheit. Wer tritt denn dem anderen schon gerne auf die Zehen?

Der übereifrige Kanadier: Gestern Abend im Französisch. Eine aus der Gruppe erzählt, sie sei total geschafft. Habe das ganze Wochenende über den Weihnachtsbaum geschmückt, Geschenke verpackt und Fudge-Bonbons gerührt. Damit sei sie um einiges schneller als ihre Schwägerin. Hallo? Weihnachten ist in sechseinhalb Wochen. Kann Santa Claus nicht warten?

Der konservative Kanadier: Du bist fest entschlossen, dein Haus im Nobelvorort zu verkaufen und in ein Fabrikloft im Szenenviertel zu ziehen. Typische Reaktion der meisten Kanadier, die ich kenne: Schulterzucken. Rätselraten. Besorgter Blick. Ihr habt doch alles, was ihr braucht. Warum denn um Gottes Willen nach St. Henri?

Der Do-it-yourself-Kanadier

Charakterisierungen eines ganzen Volkes sind eine gefährliche Sache. Deshalb soll ihnen an dieser Stelle auch nicht allzu viel Bedeutung zugemessen werden. Aber ein Gradmesser dafür, wie die Menge hier tickt, sind sie schon. Unfair wäre es allerdings, Frankokanadier und den Rest der Bevölkerung über einen Kamm zu scheren. Hier in Québec ticken nicht nur die Uhren anders. Auch die Menschen. Zu vielen Tugenden, die auch auf englischsprachige Kanadier passen, kommt in diesem Teil des Landes eine hinzu, ohne die ich nicht hier wäre: Lebensfreude. Die meisten Frankokanadier, die ich kenne, kochen gut, essen gern, trinken viel, feiern oft und ausgiebig.

Passt doch: Das französische Joie de vivre und der American Way of Life als Lebenskonzept. Eine Mischung, die schwer zu toppen ist.

Interessant, übrigens, wie Kanadier uns Deutsche sehen: Arbeitsam. Reinlich. Gebildet. Eingebildet. Besserwisserisch. Besserwissend. Griesgrämig. Humorlos. Stylisch. Zuverlässig. Rührig. Erfolgreich. Schnell.

Vor allem auf der Autobahn, auf der jeder Deutsche in Lederhosen mit dem Porsche nach dem Rammstein-Konzert beim Oktoberfest mit Bierkrug und Bratwurst in der Hand via Heidelberg direkt nach Neuschwanstein fährt.

Privatfernsehen für die Welt

Telefonieren Sie noch, oder skypen Sie schon? Ich finde, Skype ist ein Segen für alle, die weit weg wohnen. Man sieht sich, hört sich und nimmt auch mal den Hund auf den Schoß oder das Baby. Dass das Baby meistens zum falschen Moment kräht und der Hund ausgerechnet Gassi gehen will, wenn Showtime ist, liegt in der Natur der Sendung. Skype ist wie Live-TV, nur schöner. Dein ganz privater Fernsehkanal mit den Hauptdarstellern deiner Wahl.

Vor gut 20 Jahren war ich zu Besuch bei RTL. Auf einem Chef-Schreibtisch stand ein Videotelefon. So einen Apparat hatte ich bis dahin nur bei CNN-Korrespondenten gesehen. Auf meine Frage, was das Gerät denn so alles könne, meinte der Kollege: „Vor allem Geld schlucken und schlechte Bilder liefern“.

Erst Netmeeting, dann Skype: Text, Bild, Ton – und alles für lau

Bill Gates muss unser Gespräch mitgehört haben. Denn bald kam Netmeeting auf den Markt. Ein schreckliches Programm. Aber immerhin konnte man damit theoretisch per Video chatten. Es dauerte eine Zeitlang, bis die richtig coole Lösung kam. Und die hieß Skype. Ein geschmeidiges Chat-Tool, das Bild und Ton liefert. Und keinen Cent kostet.

Damit fing alles an: Videotelefon

Es gibt genau fünf Freunde, mit denen ich regelmäßig skype. Meistens klappt die Verbindung wie am Schnürchen. Hin und wieder schwächelt sie. Dann verbringt man die meiste Zeit damit, darüber zu rätseln, warum das Skypen diesmal nicht funktioniert.

Miese Qualität? Schuld sind immer die andern

Und weil Skype aus dem richtigen Leben kommt, sucht man die Fehler natürlich immer zuerst beim andern. „Du musst die Kamera-Konfiguration überprüfen!“ Oder: „Du solltest endlich mal den Ton richtig aussteuern!“ Oder, etwas energischer: „Hast du mir eigentlich zugehört, als ich dir neulich sagte, du sollst verdammt noch mal endlich einen neuen Treiber runterladen?!!!!!“

Seitdem mein Freund Peter seinen neuen Tablet-PC benützt, verbringen wir wieder mehr Zeit am Telefon. Oder aber Skype wird zur Einbahnstraße. Gut, dass Peter eine schöne Stimme hat. Der höre ich zwar gerne zu. Aber das Gesicht zur Stimme wäre auch nicht schlecht. Schließlich hat der liebe Gott Skype erfinden lassen, damit wir Stimmen UND Gesichter gleichzeitig auf dem Bildschirm hören und sehen können.

Nervig: Bildstörung

Einige meiner Freunde verdienen ihr Geld beim Fernsehen. Da müsste man eigentlich denken, alles verlaufe hochprofessionell. Von der Bildeinstellung über die richtige Ausleuchtung bis hin zur Windrichtung des Zimmer-Ventilators. Bei einem meiner TV-Kumpels klappt das auch ganz gut. Beim anderen sieht mein Monitor oft aus wie früher das Testbild im Schwarzweiß-Fernseher meiner Eltern. Und natürlich ist es alles meine Schuld. Ganz stressfrei ist skypen also nicht. Aber zum Glück gibt es ja noch Facetime. Das funktioniert allerdings nur, wenn beide Teilnehmer ein iPhone 4 haben. Kings of Gadgets unter sich.

Handy-TV: Kein Ruckeln und Zuckeln

Neulich warf Frank sein Handy an, als Mama bei ihm zu Besuch war. Das war Fernsehen vom Feinsten. Kein Ruckeln und Zuckeln und nicht die Spur einer Tonstörung. Bei ihrer ersten Live-Show bewegte sich die 82jährige Dame dermaßen souverän vor der Kamera, dass der Sohn vom Fernsehen später neidlos anerkennen musste: „Als hätte sie ihr Leben als ARD-Korrespondentin in Washington verbracht.“

So cool kann Herzschmerz sein

Ich liebe Musik. Und ich mag Menschen, die Musik mögen. Wenn Leute sich dann noch richtig ins Zeug legen, um eigene Musik machen, finde ich das einfach nur schön. Unser Freund Matt ist so ein Mensch. Am Samstagabend wagte sich Mathieu Holubowski mit seinen selbst geschriebenen Songs zum ersten Mal so richtig an die Öffentlichkeit. Und im Château du Lac tanzte der Bär.

Das Château du Lac liegt an der Hauptstraße von Hudson und war nicht immer eine Kneipe. Früher residierten dort betuchte Sommerfrischler, die ein Wochenende am Lac des deux Montagnes verbringen wollten. Irgendwann wurde eine Bierkneipe daraus. Einer der Besitzer war eine liebevoller alter Bär namens Phil. Als Phil noch Flugkapitän war, setzte er sich nach seinen Reisen oft an die Bar des Château du Lac und erzählte den Mädels und Jungs vom Dorf Geschichten aus der großen, weiten Welt.

Der Flugkapitän, der seine Stammkneipe aufkaufte

Vor etlichen Jahren ging Phil in Rente. Und war jetzt noch häufiger als früher im „Chat“ anzutreffen. Dann tat er etwas sehr Konsequentes: Er kaufte seine eigene Stammkneipe auf. Einfach so. Jetzt saß er nicht mehr im Cockpit seiner Air Canada-Maschine, sondern zapfte hinterm Tresen Bier für die Hudsoner. Er selbst war auch kein Kostverächter und somit ein guter Gast in seiner Kneipe. Aber als Flugkapitän hatte er auch gelernt, was Verantwortung heißt. Niemals würde der alte Phil sich ans Steuer seines Autos setzen, wenn er mal wieder ein paar Getränke seiner Wahl intus hatte. Also transportierte er stets ein Kanu auf dem Dach seines Hyundai. Hatte er dann tatsächlich mal einen leichten in der Krone, schleppte er das Boot kurzerhand zum nahe gelegenen See-Ufer und paddelte nach Hause. Phil wohnte nur ein paar Kilometer seeaufwärts. Motto: „Don’t drink and drive. Drink and paddle!“

Ich weiß nicht, ob Phil noch immer Besitzer seiner Stammkneipe ist, gesehen habe ich ihn schon länger nicht mehr. Aber ich weiß, dass er, zusammen mit seinem Sohn Rob, dem Château du Lac eine Leichtigkeit eingehaucht hat, von dem Leute wie unser Freund Matt jetzt profitieren.

Heute noch Vorspiel, morgen der Hauptakt: Matt geht seinen Weg

Mathieu Holubowski war am Samstag nicht der Hauptakt, er war quasi die Ein-Mann-Vorgruppe. Der Hauptakt war eine lokale Band, die sich „Happenstance“ nennt und am Samstag ihre erste CD vorgestellt hat. Nicht schlecht, die Musik, die sie gemacht haben. Aber ganz ehrlich? Ich fand Matts Show schöner.

Liebe und Schmerz können so cool sein

Vielleicht weil er unser Freund ist. Vielleicht aber auch, weil er mit seinen 24 Jahren den Mumm hatte, vor der versammelten Dorfjugend von Liebe und Schmerz zu singen, wo das doch eher als uncool gilt. Was Matt singt, klingt ein bisschen nach James Blunt, aber auch ein wenig nach Anthony and the Johnsons. Am meisten aber klingt es nach Mathieu Holubowski. Matts Stimme: Großartig. Sein Gitarrenspiel: Erste Sahne. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass er bei uns im Wintergarten saß und stundenlang seine ersten Akkorde übte.

Wiegesagt: Am Samstag war Matt noch das Vorspiel zum Hauptakt. Wetten, dass er schon bald seine eigene Vorgruppe hat? Als Mathieu vor vollem Haus seine Songs zum Besten gab, war auch seine eigene Version von „Leaving on a Jetplane“ dabei. Eher unwahrscheinlich, dass Matt dabei an den alten Flugkapitän dachte, als er den Song schrieb. Aber es passte irgendwie zusammen. Und erst recht der Schluss: „… leaving on a jetplane … and … I WILL BE BACK AGAIN“.

Bonne chance, Mathieu! Way to go!

Flug-Bekanntschaft mit Folgen

Bekanntschaften im Flugzeug sind eine heikle Sache. Besonders auf Fernflügen. Sprichst du den Passagier neben dir an, gibt es kein Zurück mehr. Unter Umständen sitzt dir dein Nebenmann acht Stunden auf der Pelle und du möchtest nur noch Hilfe schreien. Diesmal hatte ich Glück. Aber es gab auch schon andere Begegnungen.

Ein Paar aus dem Schwäbischen saß neben mir auf dem Rückflug von Frankfurt nach Montréal. Und noch ein Paar an der anderen Fensterfront. Geschwister mit ihren jeweiligen Partnern. Gut, dass ich sie angesprochen hatte. Es war die netteste Begegnung seit langem.

Man plappert schon mal gerne, wenn der Tag lang ist und der Flug langweilig. Manchmal erkennt man nach den ersten drei Sätzen, dass man sich vertan hat. Das Gegenüber ist ein aufgeblasener Pinkel. Oder ein Vielschwätzer. Oder beides. Mit so einem Mitflieger hatte ich es neulich auch mal zu tun.

Copyright: Yucatree

Als ich irgendwann eingenickt war und mich wohl versehentlich zwei Millimeter zu weit auf seine Seite gebeugt hatte, wurde er schroff: „Ich möchte Sie bitten“, sagte mein Nebensitzer allen Ernstes, „nicht mehr meinen Körper zu berühren“. Ganz genau so hat er es gesagt. Nur auf Englisch. Natürlich machte ich von jetzt an alle Anstrengungen der Welt, den Körper dieses Mannes nicht mehr zu berühren. Wobei ich ohnehin nicht der Typ bin, der gerne Männerkörper berührt. In einer Konservendose auf Körperberührungen achten zu müssen, kann anstrengend sein.

Dann war da noch der Mann, der beinahe ausgerastet ist, weil die Bordansage des Air Canada-Flugs nur auf Englisch und nicht in beiden kanadischen Landessprachen erfolgte, also auch auf Französisch. Dummerweise ließ ich mich mit ihm auf eine Diskussion über das Thema Separatismus in der frankokanadischen Provinz Québec ein. Eine der Todsünden, die man in diesem Teil Kanadas auf alle Fälle vermeiden sollte.

Der Wortwechsel drohte zu eskalieren. Irgendwann bat der Passagier die Stewardess, ob sie ihm bitte einen anderen Sitz im Flieger zuweisen konnte. Das konnte sie aber nicht, weil die Maschine ausgebucht war. Dem Biorhythmus zwischen meinem Nebensitzer und mir schadete allein schon dessen Drohung, von meiner Seite weichen zu wollen. Bis zur Ankunft in Montréal herrschte Eisesstille zwischen uns.

Und jetzt also zwei Pärchen aus dem Schwäbischen. Geschäftsleute. Klug, bodenständig, liebenswert. Viel zu erzählen. Interessiert und interessant. Ein Volltreffer in Sachen Passagier-Besetzung. So harmonisch verlief unser Flugtalk, dass wir uns gestern alle zusammen in Montréal beim Italiener trafen. Und über Fluggäste aller Art sprachen. Auch meine Nebensitzer aus Rottweil hatten da schon ihre Erfahrungen gemacht. Solche und solche. So saß neben einem meiner neuen Freunde ein jüdischer Herr im Flugzeug, der stundenlang „schockelte“. Dieses Vor- und Zurückwippen während des Gebets machte ihn total nervös. Dass dieses Schaukeln zum Ritual orthodoxer Juden gehört, erklärt zwar den Bewegungsablauf,. Aber das macht es auch nicht einfacher, bei so viel Unruhe die Contenance zu bewahren.

Bei dem gemeinsamen Flug mit den Schwaben neulich wurde weder geschockelt, noch politisiert. Nur erzählt und zugehört. Es war die beste Begegnung im Flieger seit langem. Darauf stießen wir jetzt an.

Prost, Rolf und Swetlana! Zum Wohl, Achim und Erika! Mit solchen Nebensitzern würde ich glatt um die Welt fliegen.

Peter Maffay: Danke, Du!

Mein 2CV, Wäschetrockner inklusive, auf dem Parkplatz der Kreiszeitung (ca. 1972).

Eben habe ich mir im Internet die letzte „hart aber fair”-Sendung angesehen. Klasse. Einer der Gäste war Peter Maffay. Ein großer, kleiner Mann. 168 Zentimeter Power. Ich habe Peter Maffay 1972 getroffen. Als Lokalreporter für die Waiblinger Kreiszeitung. In meiner Stammdisco hatte er eine Autogrammstunde gegeben. Anschließend fuhr ich ihn mit meinem 2CV zum Interview in die Redaktion. Während der Fahrt im Döschwo schrieb er mit einem Filzstift auf die Sonnenblende: „Danke, Du! Peter Maffay”.

„DU“ war eine Zeitlang ein Schimpfwort unter coolen Jungs. Oder solchen, die sich dafür hielten. Auf meiner Sonnenblende sahen diese zwei Buchstaben aus wie ein Ritterschlag. „DU“ war eine Schlagerschnulze, die eigentlich gar nicht ging. Und doch wurde in deutschen Diskotheken während der 60er und 70er-Jahre vermutlich nie inniger geknutscht als zu den Tönen von „DU“. Mehr als ein halber Millimeter Körperabstand war bei diesem Song einfach nicht möglich. Als Plasberg jetzt bei „hart aber fair“ von Peter Maffay wissen wollte, ob dieses Lied Fluch oder Segen für ihn wurde, antwortete der ganz cool: „Es wurde ein Hit“.

Klar, dass die Sonnenblende bis zum Verkauf meines 2CV nie wieder gewaschen wurde. Wer sie berührte, musste mit Glacé-Handschuhen ran. Da war ich eigen. Ich wollte nie wieder ohne mein ganz persönliches Peter-Maffay-DU sein. Die Autofahrt und das anschließende Interview mit Peter Maffay waren meine erste Begegnung mit einem berühmten Menschen. Ich kannte sonst keinen, über den man in „Bravo“ lesen konnte. Er war schon damals ein Großer. Ob er, wie er jetzt bei Frank Plasberg schalkte, damals hohe Absätze getragen hat, um größer zu erscheinen, weiß ich nicht. Menschliche Größe in Zentimeter zu messen, war nie mein Ding.

Peter der Große machte sich eher klein. Er wollte die Druckerei sehen. Und die Setzerei. Die Männer, die Rotationsrollen vom Laster ins Lager schoben, begrüßte er einzeln mit Handschlag. Als ich ihn zum Mittagessen in die Verlags-Kantine mitnahm, verstummte dort die komplette Belegschaft. Stille. Mehr an Huldigung geht nicht im Schwäbischen.

Ich weiß noch genau, was es an diesem Tag zu essen gab: Gaisburger Marsch. Kartoffel-Gemüse-Spätzle-Eintopf. Frau Haug, die Frau des Hausmeisters, siezte Herrn Maffay beim Servieren. Der sagte: „Sie können ruhig DU sagen. Das machen doch alle.“

Frank Plasberg machte es in der „hart aber fair“-Sendung nicht. Dass Frank den Peter, den doch alle duzen, siezte, hat vermutlich mit ARD-Gepflogenheiten zu tun. Sicher auch mit Respekt. Diesen Respekt hat Peter Maffay verdient, finde ich. Ein Junge aus Rumänien, der mit seiner Band als Vorgruppe bei einem Stones-Konzert mit Kürbissen, Kartoffeln und Tomaten beworfen wird und trotzdem weiter macht – bravo!

Du, Peter: Danke!