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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Trapperbrot mit Indianergemüse

Bannock hatten wir schon mal im Blog: Trapperbrot aus Mehl, Wasser, Backpulver und Salz. Heute gibt’s was Neues aus der kanadischen Ureinwohner-Küche: Bannock aus Haselnüssen und Süßkartoffeln. Rein vegetarisch. Bekannt geworden ist das Gericht neulich durch den Fernsehauftritt einer Salish-Indianerin von der kanadischen Westküste.

Die Frau heißt Melaney Gleeson-Lyall und hatte den Mut, ihre Eigenkreation im Nischenkanal „Food Network“ vorzukochen. Das Konzept der Sendung ist nicht weniger genial als das Gericht selbst. „Recipe to Riches“ heißt die Serie, etwa: „Rezept zum Reichwerden“. Wer’s vergessen hat: Wir sind hier in Nordamerika.

Melaney Gleeson-Lyall

Das TV-Konzept geht so: Jede Woche treten mehrere Hobbyköche gegeneinander an. Mit eigenen Rezepten. Eine Jury bewertet die fertigen Speisen. Ein Marketingmensch überlegt derweil, wie und ob sich das Gekochte zum Verkauf als Fertiggericht in einer der größten kanadischen Supermarktketten eignen würde. Siegerin einer der ersten Staffeln wurde die Salish-Indianerin Melaney. Sie erhielt 25 000 Dollar.

Zum Abschluss der Serie gibt’s dann eine Endausscheidung. Preisgeld: eine Viertelmillion Dollar. Der „savoury pie with a hazelnut stew and sweet potato bannock crust“ von Frau Gleeson-Lyall ist jetzt für eine begrenzte Zeit im Supermarkt erhältlich. Für 7 Dollar werden zwei hungrige Kanadier satt.

Wer’s gerne vegetarisch hat, wird den Bannock-Gemüsekuchen lieben. Alles in allem war mir die Gemüse- Haselnuss-Mischung zu süß. Mit ein paar Jalapeño-Flocken oder einem Spritzer Puki-Sauce könnte die Füllung aufgepeppt werden. Das erdige, fast rauchige Aroma des Bannock-Deckels aus Kartoffelteig in Verbindung mit dem Gemüse-Mix hat mich an Besuche bei kanadischen Ureinwohnern erinnert. Dort wird gerne überm offenen Feuer gekocht. Das Gemüse-Bannock schmeckt irgendwie stimmig. Die Zutaten kommen alle aus der Region.

Wir haben die fertige Kochmischung probiert. Beim nächstenmal werden wir das Gericht selber kochen. Und zwar so:

Gemüse-Eintopf („Stew“)

3 Esslöffel Butter

1 Tasse Backkürbis („butternut squash“), geschält und in kleine Würfel geschnitten

1 Tasse klein geschnittene Karotten

1/2 Tasse klein geschnittene Zwiebel

1/2 Tasse klein geschnittene Sellerie

2 Tassen geriebene Süßkartoffel

2 zerquetschte Knoblauchzehen

1 Teelöffel fein geschnittener Rosmarin

1/2 Teelöffel Salz

3 Esslöffel Mehl

2 1/4 Tassen Gemüsebrühe

1 1/4 Tassen geschälte, gehackte und geröstete Haselnüsse

3 Esslöffel gehackte Petersilie.

Zutaten nach und nach in einem Topf aufkochen. Hitze zurücknehmen und 3 Minuten köcheln lassen. Anschließend den Gemüsemix in eine backfeste Form gießen. Leicht abkühlen lassen.

Bannock:

1 1/2 Tassen Mehl

1/3 Tasse Butter

2 1/2 Teelöffel Backpulver

1/4 Teelöffel Salz

3/4 Tasse gekochte und pürierte Süßkartoffeln (oder einfach normale)

1/3 Tasse Eiswasser

3 Esslöffel geschälte, geröstete und kleingehackte Haselnüsse.

Zubereitung:

Backofen auf 180 Grad C. vorheizen. Zutaten mischen. (Eiswasser nach und nach hinzufügen). Eine 20 Quadratzentimeter große Teigfläche formen und mit Haselnuss-Splitter besprenkeln. Über die Gemüsemischung legen und ca. 50 Minuten backen. Oder so lange, bis das Bannock oben goldgelb ist und unten nicht mehr klebrig.

Wem die deutsche Übersetzung zu holprig ist: Hier das Original-Rezept (Englisch)

Bildergalerie von der Herstellung


Heiratsantrag per Strichsalat

Sie haben es bestimmt längst entdeckt, das Labyrinth-Logo auf meiner Startseite. Jeder Produktanbieter, der etwas auf sich hält, verwendet inzwischen diese QR-Codes. Aber was steckt eigentlich hinter diesem Strichsalat?

Die kurze Antwort: Nachdem das Logo mit dem Smartphone abgescannt worden ist, werden Sie zu einer Website, einer Adresse oder auch einer persönlichen Nachricht im Internet weitergeleitet. QR ist übrigens die Abkürzung von Quick Response. Schnelle Antwort.

Hip aussehen tun sie zwar, diese QR-Codes. Aber sie sind alles andere als neu. In Japan kennt man sie schon seit 1994. In Nordamerika drifteten sie etwas später an Land. Der erste QR-Code in Deutschland wurde 2007 von einem Pop-Magazin auf der Titelseite verwendet. So richtig durchgesetzt haben sie sich aber in Europa bisher nicht. Dabei machen sie für Leute mit Smartphones echt Sinn.

Die Bedienung ist einfach. Zunächst lädt man sich eine Strichcodeleser-App auf sein Smartphone. Davon gibt es im Internet jede Menge. Sieht man dann irgendwann so einen QR-Code in einer Zeitungsanzeige, auf einer Plakatwand oder auch auf einem hübschen T-Shirt, das da an einem vorbeirauscht, hält man einfach den Handy-Scanner drauf – so, als würde man das Logo abfotografieren. Tut man ja genau genommen auch. Nur nicht mit der eingebauten Handy-Kamera, sondern mit dem Barcode-Leser.

Ist der Strichcode dann eingescannt, zeigt das Handy den Inhalt an, der sich hinter dem Streichkonzert versteckt. Direkt. Ohne einen einzigen Mausklick. Das kann eine Werbeseite aus dem Internet sein. Oder ein YouTube-Video. Neulich bin ich über einen QR-Code auf der Speisekarte eines Montréaler Restaurants gelandet. Gelegentlich verbergen sich auch sehr persönliche Nachrichten hinter den Strichen. „Ich bin single“. Oder „Marry Me!“ Oder auch Telefonnummern und Email-Adressen. Jeder mit Internetanschluss kann heute ganz einfach seinen eigenen QR-Code kreieren.

Das dürften die japanischen Erfinder allerdings so nicht im Sinn gehabt haben, als sie den ersten QRC entwickelten. Ursprünglich wurden die Codes bei Toyota zur Markierung von einzelnen Auto-Teilen eingesetzt.

Endlich: Winter in Kanada!

Schluss mit Sommer. Der erste Schneefall kam diesmal ungewöhnlich spät. Es gab Jahre, da war Anfang Oktober schon alles weiß. Von mir aus hätte der Neverending Summer of 0/11 gerne noch bleiben dürfen. Aber Winter in Kanada hat auch was. Was nun? Mit etwas mehr Zeichentalent hätte ich dem Smiley im Schnee ein lachendes und ein weinendes Auge verpasst.

Draußen röhren schon seit Stunden die Schneepflüge um die Wette. Allein in unserem kleinen Wohngebiet sind es drei verschiedene. Den größten davon schickt die Stadt. Er ist für die Durchgangsstraßen zuständig. Die beiden anderen gehören privaten Unternehmern. Ihre Traktoren kümmern sich um die Grundstückseinfahrten bis hin zu den Garagen. Tag und Nacht.

Winter in Kanada: Romantisch. Teuer. Und manchmal auch tödlich

Winter in Kanada ist ein teures Vergnügen. 145 Millionen Dollar beträgt das Budget für den Winterräumdienst einer Stadt wie Montréal, so groß wie Berlin. Aber auch Privatleute greifen tief in die Tasche, um über den Winter zu kommen: Winterreifen, Schneeräumer, Dachrinnenheizung (damit das Schmelzwasser ungestört ablaufen kann und kein Eis-Rückstau entsteht), Feuerholz für den Ofen. Wer sich auf Elektrizität, Öl oder Gas verlässt, kann Pech haben. Beim katastrophalen Eissturm vor 13 Jahren gab es wochenlang Stromausfall. Und mehrere Tote. Die meisten der Opfer sind erfroren.

Winter in Kanada kann romantisch sein: Kaminfeuer, Glühwein, netter Besuch. Einfach einen Gang zurückschalten. Winter in Kanada kann aber auch grausam sein: Temperaturen von bis zu minus 30 Grad sind keine Seltenheit. Meterhohe Schneewehen gehören zum Alltag. Ist erst einmal alles mit Schnee bedeckt, dauert es bis Mai, bis sich die ersten grünen Blätter zeigen.

Kanadier sind die absoluten Winterprofis

Wie ein Land bei diesen klimatischen Verhältnissen überhaupt funktionieren kann, war mir schon immer ein Rätsel. Schule, Kitas, Arbeit, Verkehr. Irgendwie klappt in Kanada immer alles. Mal mehr, mal weniger. Die Schneeräumung hat er jedenfalls im Griff, der Kanadier. Und da er auch mit Streusalz nicht zimperlich umgeht, sind meistens auch die Straßen eisfrei. Entsprechend verratzt sehen die Autos aus. Umweltschutz? Nein, danke. Berge von Schnee, Blizzards und ein zugefrorener See, auf dem monatelang Autos verkehren als wären es Landstraßen – das alles ist schon sehr beeindruckend.

Auto auf zugefrorenem See

Und die Temperaturen? Die Inuit schmieren ihren Kleinkindern angeblich Waltran ins Gesicht, um sie vor Erfrierungen zu schützen. Typische Kanadier kleiden sich im Winter nach dem Prinzip der Zwiebelschale. Mehrere Schichten übereinander geben wärmer als ein dicker Daunenparka. Schlechtes Wetter gibt es nicht. Nur schlechte Kleidung.

Von Freunden und „Friends“

Ein Leben im Ausland ist ein Leben voller Kompromisse. Das gilt auch für Freundschaften. Wenn einer geht und der andere bleibt, kannst du Freundschaften nur bedingt in dein neues Leben hinüber retten. „Friends“ habe ich in Kanada jede Menge gefunden. Aber was ist schon ein „Friend“ im Vergleich zu einem Freund!

Es gibt sie noch, die „Freunde fürs Leben”. Drei, vier davon sind mir in Deutschland nach meiner Auswanderung geblieben. Dabei hatte ich mir damals fest vorgenommen, mit allen Menschen, die mir etwas bedeuten, für immer und ewig Kontakt zu halten. Doch dann schlüpfen sie dir irgendwann durch das Fischnetz des Lebens. Nicht, weil sie dir nichts mehr bedeutet hätten. Sondern, weil Freundschaften zu verwalten irgendwann zu einem Job wird. Und das kann es ja nicht gewesen sein.

Richtig dicke Freundschaften sind organisch mit dir gewachsen

Mit den richtig guten Freunden ist das anders. Wir mailen uns und skypen und telefonieren und freuen uns, wenn wir uns sehen. An solchen Freundschaften musst du arbeiten, sonst entgleiten sie dir. Richtig dicke Freundschaften sind organisch mit dir gewachsen. Manche Menschen, von denen du als Freund gegangen bist, werden im Laufe der Jahre zu Bekannten. Oder bleiben dir einfach als nette Kollegen im Gedächtnis. Auch sehr schön. Aber Freunde?

Wohl kaum ein anderes Wort der englischen Sprache ist in der direkten Übersetzung so irreführend wie „Friends“. „Friends“ habe ich in Kanada jede Menge. Und auch ein paar richtig gute Freunde. Ein Freund ist einer, dem ich nicht nur die Höhe meines Blutdrucks anvertrauen möchte. Er ist vor allem einer, der sich auch dafür interessiert. Einem „Friend“ erzähle ich gerade noch vom neuesten eBook, das ich zurzeit lese.

Mitleid kriegst du umsonst. Neid musst du dir verdienen.

Ein „Freund“ meldet sich bei mir nicht nur, wenn er gerade eine Telefonnummer braucht. Oder plant, demnächst ein paar nette Tage in Montréal zu verbringen. Er ist immer an deinem Leben interessiert. Und du an seinem. Umgekehrt zuckt ein „Friend“ schon mal innerlich zusammen, wenn ich ihm oder ihr erzähle, dass wir den kanadischen Winter dick haben und deshalb zeitweise nach Mallorca ziehen. So ist das halt mal: Mitleid kriegst du umsonst. Neid musst du dir verdienen.

Jeder meiner kanadischen „Friends“ hat viele andere „Friends“. Meine deutschen Freunde haben dagegen, ähnlich wie ich, nur zwei, drei Freunde. In Kanada hast du einen „Friend“ für den Sport, einen für die Musik, einen weiteren fürs Kino. Und wenn’s hoch kommt noch einen, mit dem du gerne essen gehst, weil er den Unterschied zwischen Ingwer und Zitronengras kennt. Und natürlich kenne ich jede Menge „Friends“, die sich gegenseitig bei Facebook adden.

Und sich irgendwann wundern, dass sie beim Umzug alleine vor gepackten Kisten stehen.

Sprach-Killer unter uns!

Jetzt weiß man also, wer die „Döner-Morde“ auf dem Kerbholz hat. Und der „Pizza-Killer“ von Aschaffenburg hat auch lebenslänglich bekommen. Auch der „Mafia-Mörder“ von Duisburg sitzt hinter Schloss und Riegel. Fragt sich nur, wann endlich der „Sauerkraut-Killer“ geschnappt wird.

Etikette wie diese müssen Menschen mit Migrationshintergrund wehtun. Im kanadischen Journalismus sind solche Diskriminierungen undenkbar. Gut so!

So ein Titel? Undenkbar in Kanada!

Eine Kollegin, die an einem meiner Seminare teilgenommen hat, verfasste neulich einen treffenden Kommentar: Warum eigentlich Döner-Morde?“, schreibt Pinar Abut in der „Welt“-Kompakt. „Nur zwei der zehn  Opfer wurden in ihren Döner-Buden niedergeschossen. Das reicht dennoch nicht aus, diese Morde mit der Bezeichnung Döner-Morde ins Lächerliche zu ziehen.“

Dass die Autorin selbst türkischer Herkunft ist, tut hier nichts zur Sache. Oder sollte nichts zur Sache tun.

Bezeichnungen, die dazu dienen, ein ganzes Volk zu diskriminieren, oder zumindest durch den Kakao zu ziehen, gibt es natürlich auch in Kanada. Aber nur umgangssprachlich und so gut wie nie in der Presse. So wird ein Deutscher in geselliger Runde schon mal als „Kraut“ bezeichnet, oder ein Ukrainer als „Borscht“. Als „Paki“ gilt im Proll-Englisch ein Kanadier pakistanischer Herkunft. Als „Frogs“ werden in Kanada noch immer Franzosen tituliert, weil sie angeblich ihre Froschschenkel so lieben.

Pepsi-Werbung in Québec

Umgekehrt müssen sich meine frankokanadischen Freunde öfter mal anhören, sie seien alle „Pepsis“. Die Schimpfe kommt vor allem aus englischsprachigem Mund – Folge einer Marketing-Kampagne in den 60er-Jahren. Die richtete sich speziell an die als knausrig geltenden Québecer. Der Slogan: „Pepsi-Cola hits the spot. Twelve full ounces, that’s a lot“ (Anm.: Coke-Flaschen beinhalteten nicht 12, sondern nur 7 Unzen) „Twice as much for a nickel, too. Pepsi is the drink for you“. Manche behaupten, Französisch-Kanada habe den „Pepsi“-Titel auch abgekriegt, weil die Québecer lediglich eine Kopie des „real thing“ (in diesem Fall Frankreich) seien.

Afghanen = Kümmel-Mörder? Nicht in Kanada.

In Kingston (Ontario) wird zurzeit gegen eine kanadische Familie verhandelt, die vier Frauen ertränkt haben soll. Immer mal wieder weist die Presse darauf hin, dass die Angeklagten aus Afghanistan stammen. Das ist auch richtig so, vor allem wegen eines möglichen Tatmotivs, das auf „Ehrenmorde“ hinauslaufen könnte. Aber damit ist dann auch schon gut.

Ein Journalist, der die Angeklagten als Kümmel-Mörder bezeichnen würde, hätte seine berufliche Zukunft vermutlich hinter sich.

Schön, als Kraut in so einem Land zu leben.