Zum 500. Blog ein neues Baby

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Es war, glaube ich, nach dem 10. oder 12. Blogpost, als ein besorgter Leser anfragte: „Wie lange willst du dieses Tempo eigentlich durchhalten?“ „Für immer!“, lautete etwas großspurig die Antwort. Immer ist ein großes Wort. Und 500 Blogposts sind eine hohe Zahl.

So viele sind es nämlich inzwischen. Die meisten sind innerhalb des ersten Jahres entstanden. Danach nahm die Taktfrequenz etwas ab. Aber aufgehört hat die Faszination für diesen Blog nie. Es ist ein digitales Tagebuch daraus geworden, das mir nicht nur Auskunft über das wo und wann meiner Aufenthalte gibt. Auch Befindlichkeiten lassen sich daraus lesen. Meine eigenen – und die der anderen.

Űber Klickzahlen schweigt sich der Bogger gerne aus. Nur so viel: Würde hinter jedem Seitenaufruf eine Person stehen, könnte das Montrealer Olympiastadion viele Male hintereinander gefüllt werden.

Am häufigsten geklickt wurde meine Dokumentation über die „Hutterer“, eine religiöse Minderheit, die sich entlang der kanadisch-amerikanischen Grenze in Manitoba niedergelassen hat.

An zweiter Stelle steht meine „Playboy“-Reportage über einen Aussteiger, der schließlich in der Wildnis von Alaska den Tod fand. Seine Geschichte wurde später von Sean Penn verfilmt. „Into The Wild“ wurde zum Hollywood-Blockbuster.

Und dann natürlich immer wieder Mallorca. Wandern auf Mallorca. Essen und genießen auf Mallorca. Leben auf Mallorca.

„Sex sells“ ist nicht nur im tagesaktuellen Journalismus ein Erfolgsrezept, das sich bewährt hat. Auch im Blog gehört eine Buchvorstellung über „Sex auf Mallorca und überhaupt“ zu den am meisten geklickten Posts.

Nichts interessiert Menschen mehr als das Leben anderer Menschen – auch das eine Binsenweisheit, die jedem Jungredakteur schon am ersten Tag seiner Ausbildung mit auf den Weg gegeben wird. Stimmt: Meine 5-Minuten-Geschichten sind der Beweis dafür.

Mein Dankeschön für 500 Blogposts? Ein neues Baby. Diesen Beitrag tippe ich gerade in einen funkelnagelneuen MacBookAir. Ganz wie der Alte, nur mit mehr Power, mehr Stauraum und einem jungfräulichen Touchpad, das von keinem einzigen Kratzer getrübt wird.

Bleiben Sie mir gewogen! Danke 😀

Bonjour aus dem „Green Spot“!

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Kaum in Montreal zurück und schon das volle Verwöhnprogramm: Frühstück in St. Henri. In einem Diner mit grünem Blechdach und burgundroten Kunstledersitzen. Und an jedem Tisch eine Jukebox, die so retro-hip ist, dass seit den Glanzzeiten der Fab Four „It’s been a Hard Days Night“ die Charts anführt.

„The Green Spot“ kennt man in Montreal seit gut 70 Jahren. Der Diner an der Ecke Green Avenue und Rue Notre Dame mag nicht in jedem Reiseführer stehen wie der Smoked-Meat-Tempel „Schwartz’s“. Aber Kult ist das „Greasy Spoon“-Restaurant allemal.

Morgens um sieben, wenn der Tag in Montreal noch taufrisch ist, herrscht im Green Spot schon Hochbetrieb. Taxifahrer und Limo-Chauffeure, Obst- und Gemüse-Lieferanten von den nahe gelegenen Markthallen. Und ein veritabler Baseballprofi, den alle beim Namen kennen nur ich nicht. Und überhaupt: Was macht eigentlich die Dame mit den Highheels und dem Miniröckchen schon so früh am Morgen? Etwa Feierabend?

Die Serviererin heisst Linda. Der Name steht handschriftlich auf einem kleinen Ansteckschild, das sie an der Bluse trägt. Linda bringt ungefragt Kaffee mit Milch – kein Cortado wie in Palma. Aber ähnlich schwungvoll serviert wie in der „Bar Bosch“. So schwungvoll, dass die Speisekarte, die eigentlich für den Tisch gedacht war, auf dem Boden landet. Egal. Linda hat es eilig. Wo kommen wir denn da hin, wenn jede Serviererin auch noch die eigene Speisekarte vom Boden aufhebt!

Lindas Wurftechnik könnte noch ein wenig Übung vertragen. Nicht so das Frühstück. Es ist schlicht perfekt:

Spiegeleier mit Würstchen, Bratkartoffeln und den in Quebec unverzichtbaren „beans“. Dazu ein Melonenschnitz und zwei Orangenscheiben. Toast („dark or white?“) und ein Plastikdöschen mit Erdbeermarmelade der Marke „Good Morning!“ Das Ganze für weniger als 9 Dollar.

Komisch: Alle ausser mir scheinen das Québecois der Kellnerin zu verstehen, das sich in meinen Ohren eher nach Polnisch-rückwärts anhört als nach Französisch.

So gesehen fühle ich mich fast wie in Palma, wo die Kellner meiner Stammbar untereinander in einem für mich unverständlichen Spanisch parlieren, das sich „Mallorquin“ nennt.

Willkommen zu Hause! Wo immer das auch gerade sein mag.

Ein bisschen Chaos in Montréal

dorvalDa sind wir wieder! Nach fünf Monaten Mallorca sind wir heil in Montréal gelandet. Und mit Montréal kam das Chaos. Weil unerwartet viele Maschinen gleichzeitig ankamen, mussten vor den Schaltern der Einreisebehörden Tausende stundenlang warten. Wir gehörten auch dazu.

Menschenmengen in einem Flughafen wie diese hatte ich seit meiner Ankunft in Montréal vor 30 Jahren nie gesehen. Eine nicht enden wollende Schlange zog sich von der Brücke aus, die vom Flieger in den Airport-Bereich führt, über sämtliche Flure und Rolltreppen bis hin in die riesige Empfangshalle, von wo aus die Passagiere bei der Einreise abgefertigt weden.

Wenn zwischen der Ankunft im Flughafen und dem Besteigen des Taxis mehr Zeit vergeht als der Flug von Palma nach Frankfurt benötigt, dann ist Gelassenheit gefragt. Die hatten wir. Fünf Monate Mittelmeer sind Balsam für deine Nerven.

Dass Warten zu diesem Tag gehören würde, hatte sich schon nach dem frühmorgendlichen Flug von Palma nach Frankfurt abgezeichnet.: Das Computersysten der Lufthansa war weltweit ausgefallen. Tausende von Passagieren mussten deshalb in Frankfurt zeitweise handschriftlich eingecheckt werden. Auch wir gehörten dazu.

Aber alles ist gut …

… sieht man einmal von der Textmessage der Gebäudeverwaltung ab, die uns unmittelbar nach der Ankunft in Montréal erwartet hat: „Sorry. In Ihrer Wohnung gibt es bis auf weiteres kein heisses Wasser„. Ein defekter Tank muss übers Wochenende ausgewechselt werden. Warmduschen war gestern.

Sagte ich schon, dass das Kabelfernsehen nicht mehr funktioniert? Und dass es regnet?

Ach was. Wir sind total froh, wieder hier zu sein.

Hmmm …

Sieben Winter auf Mallorca

soller,jpg copyWir sitzen mal wieder auf gepackten Koffern. Der Flieger nach Montréal kennt keine Gnade: Es geht wieder zurück nach Kanada. Fünf Monate haben wir in Palma verbracht. Es war schon unser siebter Winter auf Mallorca. Zeit für eine kleine Bilanz.

Was für eine Symbolik: Das letzte Foto vor der Abreise nach Mallorca im Januar zeigte unseren Flieger im Schneesturm auf dem Flughafen von Montréal. Das erste Bild nach der Ankunft in Palma: Ein weisses Kreuzfahrtschiff, das den Hafen verlässt. Mehr Kontrastprogramm geht nicht.

Auch jetzt suchte uns noch einmal ein Weisser Riese heim. An Pfingstmontag lag die „Allure of the Seas“, das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt, im Hafen von Palma. Als würde uns der Abschied von der Insel nicht so schon schwer genug fallen.

Der siebte Winter auf Mallorca war ein Winter der besonderen Art: Er hat uns zu Wanderern gemacht. Nicht zu Wanderern zwischen den Welten – das sind wir schon seit 30 Jahren. Aber zu Wald-, Wiesen- Tal- und Bergwanderern.

Mehr als ein Dutzend Mal haben wir den Rucksack gepackt und sind losgezogen: Nach Valdemossa und Sóller. Von Pollença auf den Puig de Maria. Oder auf den Spuren des Postboten von Esporles nach Banyalbufar. Sinnesorgien, die nur jemand nachvollziehen kann, der selbst schon einmal bei strahlend blauem Himmel zwischen Bergen und Meer eingebettet war und nicht wusste, in welche Richtung er zuerst schauen sollte: Bei so viel Schönheit. So viel Abwechslung. So viel geballter Natur.

Noch eine neue – freilich sehr subjektive – Erkenntnis: Der Winter auf Mallorca ist schöner als der beginnende Sommer. Im Januar, Februar und März geht es entspannter zu als im April und Mai. In den Wintermonaten verlieren sich ein paar Touristen in einer Handvoll Hotels, die entlang der Playa de Palma geöffnet sind. Ab Ostern ist alles anders. Mit der Semana Santa drohen die engen Gassen von Palma aus allen Nähten zu platzen.

Sommer ist, wenn du in deiner Stammbar vergeblich auf einen freien Platz wartest. Was wollen die eigentlich alle hier? Und überhaupt: Wo waren die denn alle im Januar und Februar, als der Wirt sich über jeden zusätzlichen Gast einen Ast gefreut hätte?

Klar: Wo es schön ist, bist du selten allein. Das trifft auf Mallorca ganz besondes zu. Kein Wunder, dass Dutzende von Freunden, Kollegen, Verwandten und Bekannten sich bei dir melden und dir Gesellschaft leisten. Schön? Schon. Aber solche Besuche bringen auch Veranwortung mit sich. Muss ich mich jetzt schon fürs Wetter entschuldigen? War der Restaurant-Tipp okay, oder ging was in die Hose? Und das Hotel, sollte ich das vielleicht in Zukunft nicht mehr weiter empfehlen?

Schlechte Erfahrungen? Fehlanzeige! Das heisst, doch: Ein Restaurantbesuch in Palma war zum Abgewöhnen. Statt einem Stück Fleisch mit Knochen gab’s einen Knochen ohne Fleisch. Lerneffekt: Vielleicht bestellt man in einem Straßencafé einfach kein Ossobuco. Abgesehen davon: Vorbildlicher Service, fast immer köstliches Essen. Und, mit wenigen Ausnahmen, ein Preisleistungsverhältnis, nach dem ich mich in Montréal wieder sehnen werde.

Auch wenn während einer längeren Regenperiode im Februar eine vorübergehende Entzauberung der Insel eingesetzt hatte, gibt es tausend Gründe, wieder nach Mallorca zu kommen. Im Januar 2016 sind wir wieder hier.

                        Hier gibt’s eine Best-of-Liste der >> Mallorca Memories  <<