Nach Palma: Kölner Kopfkino

Das Leben kann grausam sein. Wo, bitte, geht’s zum Strand? Wo ist Alfonso mit seiner frisch pudergezuckerten Ensaimada? Wo haben sich all die freundlichen Kellner versteckt? Warum bezahlt man hier für ein Abendessen mit Kölsch 18 Euro, wo ich bis vorgestern – mit Vino – höchstens mal zehn auf den Tisch gelegt hätte? Und überhaupt: Wo ist mein Mallorca?

Weit, weit, weg. Von meinem Hotelfenster aus sehe ich jetzt nicht mehr auf die Kathedrale von Palma, aber immerhin auf den Kölner Dom. Und statt Strandspaziergang muss ein Bummel am Rheinufer herhalten. Es könnte schlimmer sein. Und trotzdem: Die Nachwehen von sechs Wochen Palma sind da. Und genau so soll es ja auch sein. Was wäre Urlaub ohne Heimkommen? Dabei bin ich noch gar nicht daheim.

Spaziergang am Rhein. Aber ich will mehr Meer!

Köln ist Zwischenstation, ehe es Ende der Woche wieder nach Montreal zurückgeht. Das wird richtig hart. Wenigstens habe ich auf der Bahnfahrt von Frankfurt hierher schon das eine oder andere grüne Blatt an den Bäumen gesehen. Und während auf der Breite Straße am verkaufsoffenen Sonntag der Bär tobte, schlummert er in Kanada noch immer vor sich hin. Auch wenn er kurzfristig aus dem Winterschlaf aufgewacht sein dürfte, als es vor einer Woche um die 20 Grad in Montreal hatte. Inzwischen, so meldet meine Canada-Connection, ist die Eiszeit wieder zurückgekehrt.

Der feine Unterschied zwischen Daheim und Zuhause

Auch wenn ich in Köln nicht „daheim“ bin, ist Deutschland für mich auch nach 30 Jahren im Ausland noch immer das, was man so „Heimat“ nennt. Kanada ist mein Zuhause. In Ummendorf steht das Heim, in dem ich groß geworden bin. In Kanada mein Haus, mit all den Dingen, die mir lieb sind.

In Montreal wird einem nichts geschenkt

Dabei ertappe ich mich in den letzten Tagen und Wochen immer wieder dabei, dass mir Mallorca im Moment näher am Herzen liegt als Montreal. Warum nur? Montreal ist eine coole Weltstadt mit europäischem Ambiente und nordamerikanischem Flair – eine Mischung, die schwer zu toppen ist. Aber es ist auch eine anstrengende Stadt, die einem nichts schenkt. Nicht einmal das schöne Wetter. Das wiederum gibt’s in Palma umsonst zu all den Annehmlichkeiten, die eine mediterrane Umgebung so mit sich bringt.

Die Realität – der kleine Feind vom Traum

Da sind sie wieder, die Herzen in meiner Brust. Inzwischen melden sich nicht nur zwei davon, sondern drei. Denn jetzt ist auch noch Palma im Rennen. „Warum zieht ihr dann nicht ganz nach Mallorca?“, fragt mich beim Mittagessen eine weise Freundin. „Weil ich dann nicht mehr davon träumen kann“. Ein bisschen ist es mit Mallorca wie mit dem Zaubern. Würde ich aus meinem Hobby einen Beruf machen, würde ich ein mir lieb gewordenes Hobby verlieren.

Jammern auf hohem Niveau? Nein, ganz sicher nicht. Nur ein turbulentes Kopfkino. Vielleicht hat die Frau an meiner Seite ja mal wieder recht, wenn sie sagt: Man sollte dort bleiben, wo man geboren wurde. Und von dort aus die Welt im Urlaub erkunden.

Best of Mallorca? Alles!

Sechs Wochen in Palma gehen zu Ende. Sechs Wochen Arbeit, Freizeit, Leben. Bilanz? Ein Traum. Ohne Einschränkungen. Mallorca macht so vieles richtig. Wir werden wiederkommen. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie. Es erwartet Sie eine fotografische Liebeserklärung an dieses Stück Paradies.

Post aus Møre og Romsdal

Wer braucht schon Google, wenn es den Blog gibt? „Hallo Norwegen, bitte melden!“ hieß es an dieser Stelle vor einer Woche. Es war ein Appell an die Person, die einmal täglich von Norwegen aus den Canada-Blog anklickt. Dass es den mysteriösen Klicker gibt, hat uns das schlaue Analytik-Programm von WordPress verraten. Nur: Wer dahinter steckte, das wussten wir bisher nicht. Jetzt ist das Rätsel gelöst.

Tief in den norwegischen Fjorden haben wir die Stecknadel im Heuhaufen gefunden. Die Blog-Leserin heißt Diana, stammt ursprünglich aus Berlin und lebt seit einiger Zeit in Møre og Romsdal. Hier ist die Mail, die sie uns auf den Aufruf hin geschickt hatte:

Diana wundert sich: „Bin ich hier die Einzige?“

Ja, ich verfolge regelmäßig Ihren Blog und freue mich immer darauf, da ich Ihre Art zu schreiben sehr mag. Ich war völlig überrascht heute die norwegische Flagge in Ihrem Blog zu entdecken und offenbar die Einzige zu sein, die aus Norwegen mitliest. Ein wenig erschreckt hat es mich dann doch auch, da ich mir natürlich nicht bewusst war, dass mein „Mitlesen“ registriert wird. Mein Schmunzeln ist jedoch nach wie vor auf meinem Gesicht erkennbar, da ich so eine Art Interaktion natürlich nie erwartet hätte.

Verwandtschaft in Montreal … und dem Rest der Welt

Um ganz kurz Ihre Neugier zu stillen, schreibe ich am besten kurz etwas zu meiner Person. Geboren und aufgewachsen bin ich in Berlin und nach einem Jahr Schüleraustausch in den USA (New Hampshire´95/´96), stand für mich fest, dass ich in Deutschland nicht alt werden möchte. Meine Familie mütterlicherseits war schon immer ziemlich „umtriebig“ und ist gut in der Welt verteilt (u.a. entfernte Verwandte in Montreal, denen ich auch einen Kurzbesuch damals abgestattet habe).

Norwegisch – ein bisschen wie Polnisch rückwärts

Vor 5 Jahren zog es mich dann gemeinsam mit meinen Mann nach Møre og Romsdal in Norwegen. Das Interesse für Kanada bzw. Nordamerika wurde nach dem „High-School“-Jahr geweckt, aber meine realistische Seite ließ es doch nicht zu, diesen Schritt zu wagen. Da die EU aus meinen Augen keine Alternative bietet, haben wir uns für Norwegen entschieden und als erstes musste ich feststellen, dass die norwegische Sprache nicht zu den leicht erlernbaren Sprachen zählt (in der Theorie schon, aber nicht in der Realität, da die vielen Dialekte einem das Leben schon arg schwer machen).

Sonntags bleibt der Schnappsladen geschlossen

Bei Ihrer Passage …“habe noch nie mit einem Norweger getrunken“ musste ich erneut lachen, da das hier ein interessantes Thema ist. Ich habe mich erst nach ein paar Jahren an dieses Thema herangetastet, da die Norweger einen Moment brauchen, bis man in der Nachbarschaft angenommen wird (leider ein großer Unterschied zu Nordamerika). Der Alkoholverkauf ist streng limitiert, d.h. das es in den Supermärkten nur Bier zu kaufen gibt (Mo-Fr 8.00-20.00 & Sa 8.00-18.00) und für die restliche Alkoholsorten ist das „Vinmonopol“ vorhanden (Mo-Fr 10.00-18.00). Der Preis ist selbstverständlich besonders stolz und bringt einen dazu den Besuch aus Deutschland jedes Mal zu „nötigen“, die maximal höchste Menge an Alkohol als Gastgeschenk mitzubringen.

Das soll`s erst mal gewesen sein aus dem noch nicht ganz so frühlingshaften Teil Norwegens und vielleicht lässt sich ja dieser Kontakt noch etwas länger aufrechterhalten! Gruß Diana.

Danke, liebe Diana! Das WorldWideWeb wie es leibt und lebt.

Hilfe, ich brauche Urlaub!

Irgendwann in der Mitte der 5. Woche war es da: Das Gefühl, dass aus dem Urlaub Alltag geworden ist. Die Glühbirne in der Küche ist ausgebrannt. Es muss eine neue her. Aber wo? Und welche? Und überhaupt: Ich bin doch im Urlaub, da darf doch keine Glühbirne ausbrennen? Natürlich war es eine Kleinigkeit, die schnell behoben war. Aber die Einschläge kommen jetzt immer näher. Alltag lauert überall. Auch in Palma.

Inzwischen häufen sich die Alltags-Signale. Die Lesebrille, erst vor zwei Tagen gekauft, ist defekt. Muss zurück in den Laden. Kommt mir bekannt vor. Wie in Quebec.

Horror am Morgen: Der Blick auf den Kontostand

Das Kartenhandy müsste unbedingt aufgeladen werden. Nicht ganz einfach, wenn der Bankautomat nicht mitmacht. Und der TAN-Token, den mir meine Bank kurz vor dem Abflug noch als neuestes Gadget fürs Onlinebanking mitgegeben hatte, tut auch nicht so, wie er soll. Und überhaupt: Den Blick aufs Bankkonto hätte ich mir ersparen sollen!

Was waren das noch für herrliche Zeiten, als der Kontoauszug per Post ins Haus kam und die Entscheidung lag an dir, ob du reinschaust oder nicht. Heute? Handy wird übers Internet aufgeladen. Bankgeschäfte werden im WWW abgewickelt. Da ist der Blick auf den Kontostand gar nicht zu umgehen.

Ohne Zitronenpresse geht gar nichts

„Wir brauchen eine Zitronenpresse“, sagt die Frau an meiner Seite. „Wir brauchen gar nichts. Wir sind im Urlaub“. „Ohne Zitronenpresse wird es schwierig“. Okay, dann eben eine Zitronenpresse. Wie daheim.

Mail vom Sender. „Ihr Seminar muss kurzfristig umgestrickt werden“. Wie bitte? Ich bin im Urlaub. Ja, schon. Aber das Seminar muss trotzdem umgestrickt werden. „Sonst kommen wir mit unserem Zeitfenster nicht hin“. Zeitfenster? Doch nicht im Urlaub! Alles klar. USB-Stick in den Rechner, Seminarmodule verschieben. Kontaktaufnahme mit den Co-Referentinnen. Die eine kann nicht, die andere meldet sich nicht. Alltag eben.

Hector, ein Handwerker aus Palma

Das Türschloss klemmt. Wir wohnen mitten in der Altstadt von Palma. Da muss ein ordentliches Türschloss her. „Hector macht das“, sagt die freundliche Frau, die vor Ort für unser Wohlbefinden zuständig ist. Hector kommt nicht. Und kommt nicht. Und kommt irgendwann doch. Und hat das falsche Teil dabei. Handwerker eben. Wie daheim.

„Wir haben kein warmes Wasser“, sagt die Frau an meiner Seite. „Ja, kommt halt mal vor“. Sie: „Schon. Aber eigentlich haben wir gar kein Wasser“. Hmm. Kommt auch vor. Aber ausgerechnet im Urlaub?

Es gibt für alles eine Lösung. Man braucht nur dies und jenes und alles kostet Geld. Und Nerven. Und Zeit. Und überhaupt: Ich bräuchte dringend mal Urlaub.

Hallo Norwegen, bitte melden!

So ein Blog ist wie eine Wundertüte. Man weiß nie so recht, was so ein Eintrag nach sich zieht, wer sich wofür interessiert und warum. Und überhaupt: Wer klickt denn da so alles?

Reaktionen auf Blogposts gibt es viele. Mal melden sich alte Bekannte, die wissen wollen, warum wir uns wochenlang in Palma aufhalten können, wo wir doch noch nicht einmal in Rente sind. (Die Arbeit im Internet macht’s möglich). Andere entdecken die Insel plötzlich als potenzielles Ziel für einen Kurzurlaub und wollen uns besuchen.

Was mich aber wirklich interessiert: Wer klickt denn da aus Norwegen?

Die guten Menschen von WordPress, die meinen Blog hosten, liefern jeden Tag eine Analyse, wie viele Nutzer aus welchem Land auf welche Geschichte geklickt haben. Das Ergebnis ist inzwischen ziemlich vorhersehbar: Die meisten User kommen aus Kanada und Deutschland, neuerdings auch aus Spanien. Aber seit einiger Zeit gibt es einen mysteriösen Klicker aus Norwegen. Treu und brav verfolgt diese eine Person Tag für Tag den Blog. Dabei weiss ich nicht einmal, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Ist er Kanada-Fan? Hat sie ein Faible für Mallorca? Ist im Grunde genommen auch egal. Aber die journalistische Neugier hat mich gepackt.

Ausgerechnet Norwegen! Da war ich noch nie, kenne keine Menschenseele dort, habe noch nie mit Norwegern getrunken, mich noch kein einziges Mal mit Norwegern gemailt und besitze nicht einmal einen Norweger-Pulli.

Ehe ich noch mehr schlaflose Nächte verbringe, in denen ich über den Mystery-Klicker aus Norwegen nachdenke, frage ich einfach mal in die Runde: Würde es Ihnen, liebe norwegische Leserin, lieber norwegischer Leser, etwas ausmachen, sich zu outen? Ich schwenke derweil heftig die Flagge Ihres Landes. Und sage:

TAKK! SE DEG SNART!