Feiern mit jüdischen Freunden

Es gibt viele Gründe, warum ich mich in Montreal verliebt habe. Einer davon hat mit den vielen Kulturen zu tun, die hier friedlich nebeneinander leben. Mehr als 150 verschiedene Sprachen werden in der Stadt gesprochen und 200 Religionen praktiziert. Wer hier einen internationalen Freundeskreis hat, kann sich glücklich schätzen.

So sieht gelebte Multikultur aus: Gestern noch haben wir ein traditionelles kanadisches Theaterstück besucht, anschließend in Chinatown General Tao-Chicken gegessen. Morgen kommt unsere vietnamesische Freundin Vivi zu Besuch. Und gerade erst kommen wir von unseren jüdischen Freunden zurück, mit denen wir Hanukkah feiern durften, das Lichterfest, das ein bisschen an Weihnachten erinnert.

Es wird viel gegessen und getrunken. Man verteilt kleine Geschenke, erzählt sich Anekdoten und singt fröhliche traditonelle Lieder. Wenn eine Familie einlädt, die gleich drei erfolgreiche professionelle Musiker (2 x Jazz, 1 x Bluegrass) hervorgebracht hat, dann muss sich keiner wegen mangelnder Unterhaltung grämen.

Am Tisch – oder wie heute auch auf dem Boden oder der Coach – sitzen Menschen, die hier geboren wurden, aber ihre jüdischen Traditionen pflegen.

Hanukkah ist eines von drei Festen, die besonders hochgehalten werden. Die anderen beiden sind Rosch-ha-Schana und Jom Kippur.

Am fröhlichsten geht es jedoch an Hanukkah zu, auch Chanukka genannt. Das Lichter- und Freudenfest der Juden erinnert an die Geschichte ihrer beiden Tempel in Jerusalem, an die Befreiung ihres Volkes von griechischen Herrschern und an ein Lichtwunder.

Das soll sich vor mehr als 2000 Jahren bei der Einweihung des zweiten Tempels ereignet haben. Daher hat das Fest auch seinen Namen: Das hebräische Wort Chanukka bedeutet „Einweihung“. 

Acht Tage dauert das Lichterfest. Kinder können sich besonders glücklich schätzen: Sie werden an jedem der acht Abende beschenkt.

Besonders beliebt zu Hanukkah: Latkes, eine Art jüdische Kartoffelpuffer.
Gefüllte jüdische Donuts im Schokomantel erfreuen sich an Hanukkah großer Beliebtheit.
Hanukkah, das Lichterfest: An acht Tagen wird jeden Tag eine Kerze angezündet.

Acht Stunden mit den Beatles

Man muss schon ein Hardcore-Fan der Beatles sein, um unbeschadet acht Stunden mit den Jungs aus Liverpool zu verbringen. Ich bin dieser Fan, war es schon immer und werde es wohl auch immer bleiben. Jetzt erst recht.

Als vor Monaten die Nachricht über den Internet-Ticker lief, dass demnächst eine achtstündige Doku über die Beatles erscheine, war mir klar: Ich muss das sehen. Egal wie, wo und wann.

Seit vorgestern ist die Doku da – und ich fiebere mit. Wen juckt’s, dass die dreiteilige Serie auf einem Kanal läuft, den ich bisher nur in Verbindung mit Mickey Mouse kannte. Für so viel Beatles ist mir auch ein Abo für den Disney-Channel nicht zu teuer.

Drei Stunden habe ich hinter mir, auf fünf weitere darf ich mich noch freuen. Auch wenn “The Beatles: Get Back” nicht vor Spannung strotzt, ist es trotzdem ein sehenswertes cineastisches Kunstwerk. 

Der Macher des Films ist der Herr der “Herr der Ringe”. Dem neuseeländischen Star-Regisseur Peter Jackson ist es gelungen, aus bisher unbekanntem Filmmaterial ein Œuvre zu schaffen, bei jedem Beatles-Fan das Wasser im Mund zusammenläuft.

Die Beatles, so kommt es mir manchmal vor, sind mir schon in die Wiege gelegt worden. Der einfachste Gitarrengriff der Welt ist der erste Akkord von „A Hard Day’s Night“. Es ist ein Griff, der eigentlich gar keiner ist: Einfach über alle sechs Saiten gleichzeitig strollen, ohne den Gitarrenhals auch nur mit einem einzigen Finger zu berühren. So einfach und doch so kunstvoll konnten nur die Beatles Musikstücke schmieden.

Bei den “Outlaws” spielten wir dann freilich auch einige der frühen Beatles-Songs. Einer davon wird bei uns bis heute bei Trink- oder sonstigen -Festen gesungen: “When I’m Sixty-Four” gehört zum Basis-Repertoire eines jeden Beatles-Coverers.

Obwohl ich mir einbilde, die Schuhgröße von John, Paul, George und Ringo zu kennen, hat die Disney-Doku mir in einigen Punkten dann doch noch die Augen für Neues geöffnet:

Das wahre Genie der Beatles war wohl nicht, wie ich immer dachte, John Lennon. Ich tippe heute auf Paul McCartney. Eine Meinung, die mein Rocker-Freund und Neffe Ralf in Wien mit mir teilt. Eben schreibt er:

“Ich denke schon lange, dass Paul McCartney stark unterschätzt wurde. Wenn ich an große Beatles-Songs denke, dann fallen mir Hey Jude, Let it be, Eleanor Rigby und das Medley auf der zweiten Seite des Abbey Road Albums ein. Alles Songs von McCartney. John Lennon war geistreich, schlagfertig und wunderbar zynisch. Aber, der Innovative in der Band war McCartney. Lennon war immer eher ein klassischer Rock’n Roller der irgendwann auf den Dada/Gaga-Zug von Yoko Ono aufgesprungen ist. Aus heutiger Sicht ist das, was die Beiden veranstaltet haben, meines Erachtens belanglos, zum Teil lächerlich und mehr von Narzissmus als von Idealismus motiviert. Aber Lennon/McCartney mit einer Prise Harrison sind eben unschlagbar”.

Besser kann man es nicht sagen, finde ich.

Dass ich mehr als einmal im Leben das große Glück hatte, den Beatles sehr nahe zu kommen, sei hier nur am Rande erwähnt. (Es war ja auch schon genug davon im Blog und im Buch die Rede). 

Zum erstenmal, als ich von einer Jugendherberge in Mailand aus einen unverbauten Blick ins nahegelegene San Siro-Stadion werfen und quasi als Trittbrettfahrer einem Beatles-Konzert beiwohnen konnte. Zum zweitenmal, als ich mit George Harrison am Rande eines Formel-Eins-Events in Montreal an einem Bistro-Tisch saß und nicht wusste, wie ich das Gespräch mit einem wahrhaftigen Beatle beginnen sollte. Den genialen, wenngleich überschaubar kreativen Tipp dazu gab mir dann ein befreundeter Kollege: “Sag’ ihm doch einfach, dass du auch Gitarre spielst!” Es hat geklappt.

Und ein bisschen Namedropping durfte jetzt auch mal sein.

„THE OUTLAWS“ oder: Die Beatles von Biberach (circa 1967) – Finde den Fan: (2. v. r.)

Augendrama: Es werde Licht …

Regelmäßige Leser und Leserinnen dieses Blogs wissen: Hier schreibt einer, der hat’s auf den Augen. Und weil sich viele in letzter Zeit wieder nach dem werten Befinden erkundigt haben, will ich’s per Postwurfsendung in digitaler Form beantworten: Danke! Geht eigentlich ganz gut.

Heute war ein wichtiger Tag im Leben des Augenleidenden. Es wurde gelasert. Allerdings nur auf dem rechten Auge. Das Linke ist nach mehreren chirurgischen Eingriffen leider noch nicht stabil genug, um eine sogenannte “Nachstar”-Behandlung über sich ergehen zu lassen.

Vom “Nachstar” spricht man, wenn nach der ursprünglichen Operation des Grauen Star (oder Katarakt) eine erneute Eintrübung der implantierten künstlichen Linse eingesetzt hat. Dies kommt, sagt mein Augenchirurg Dr. K., nicht selten vor. So ungefähr jeder Zehnte, der eine Graue-Star-Op hinter sich hat, muss erneut unters Messer, bzw. unter den Laserstrahl.

Denn bei der Operation des Grauen Stars wird normalerweise nur die Linse ausgetauscht und die Linsenkapsel im Auge gelassen. Dadurch bleibt die Kunstlinse besser in der richtigen Position. Im Laufe der Genesung kann es vorkommen, dass verbleibendes Linsenmaterial entlang der hinteren Linsenkapsel einwächst und trüb wird. Dies nennt sich dann Nachstar.

Genau das war mir passiert. Nicht auf einem Auge, sondern, wie es sich für eine richtige Drama-Queen gehört, gleich auf beiden.

Heute wurde nun das rechte Auge mit Laser nachbehandelt. Weil das linke Auge noch nicht stabil genug für einen weiteren Eingriff ist, wurde der Termin für die zweite “Nachstar”-Behandlung auf den April kommenden Jahres verlegt.

“Sicher ist sicher”, sagt Dr. K. Wer will schon eine erneute Netzhautablösung? Das ist eine der am häufigsten Komplikationen, die nach einer “Nachstar”-Behandlung drohen.

Der Eingriff selbst war harmlos. Vor der Behandlung erweitert der Chirurg die Pupillen mit diversen Tropfen, um gut in das Auge sehen zu können. So kann der Laserstrahl optimal positioniert werden. Das Auge wird lokal betäubt.

Der Laserstrahl öffnet die trübe, hintere Linsenkapsel, um wieder einen klaren Durchblick zu ermöglichen. 

Der Eingriff ist beinahe schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Es folgt allerdings eine monatelange Tropfenbehandlung, um weitere Komplikationen auszuschließen.

Schon kurze Zeit nach dem Eingriff fühlt sich die Welt heller, freundlicher, eben sehenswerter an. Weil das Auge selbst jedoch durch die vorhergehende Netzhautablösung schwer beschädigt worden war, wird sich ein richtig gutes Sehvermögen leider nie mehr einstellen.

Aber immerhin: Der Durchblick kommt langsam wieder zurück.

Das Leben – ein einziges Theater

ZWEI AUF EINER BANK: John Elliott (rechts) und Steve Walters.

Ein Leben wie aus dem Lehrbuch fürs Älterwerden: Nach einer beeindruckenden Karriere in der Wirtschaft, mit weltweiten Reisen und Kontakten, entscheidet sich John Elliott zu einem etwas anderen Rentnerdasein. Er wird Schauspieler. Heute durften wir ihn mal wieder auf der Bühne erleben.

Ich habe John vor gut acht Jahren bei einem Filmdreh in einem Landhaus in den Bergen nördlich von Montreal kennengelernt. Er spielte damals die Hauptrolle, ich eine kleine Nebenrolle.

Ein junger Nachwuchsregisseur drehte ein aufwühlendes Beziehungsdrama mit dem ursprünglichen Arbeitstitel „BELLE“, später “THIS IS AN ENDING”. 

Der Film hat es nie ihn die Kinos geschafft. Die Freundschaft zwischen John und mir ist geblieben. Hin und wieder, viel zu selten, treffen wir uns zum Plausch in irgendeinem Café und lassen unsere Leben Revue passieren.

Vor Menschen, die ihre Talente nicht nur erkennen, sondern auch an ihnen wachsen, hatte ich schon immer großen Respekt. John hat aus seinem Talent viel gemacht: 

Mehrere Fernsehserien, in denen er mitwirkte, eine ganze Reihe von Bühnentheater-Aufführungen. Dazu Filmproduktionen, von denen Sie gehört haben könnten, vielleicht aber auch nicht.

Heute Nachmittag ging es im “Hudson Village Theatre” um die Begegnung zweier Männer, die, jeder für sich, auf ihre ganz besondere Art Trauerarbeit leisten. Das Städtchen Hudson, wo wir 25 Jahre lang gelebt haben, liegt eine Autostunde außerhalb von Montreal. Der weitgehend stillgelegte Bahnhof wurde zum Theater umgebaut.

Der Reinerlös der Vorstellungen der vergangenen Woche sollen bei der Finanzierung des Projekts helfen. John, und auch alle anderen Beteiligten, arbeiteten ohne Gage. Bravo!

In dem Stück spielt eine Bank (“The Bench”) zwar die Titelrolle. Die wahren Helden des Stücks sind jedoch John Elliott und Steve Walters.

Im richtigen Leben sitzt John Elliott (74) nicht auf einer Parkbank, sondern auf gepackten Koffern. Das Haus in Québec ist verkauft, die Möbel sind eingelagert. Im März zieht er mit seiner Frau nach Ontario.

Die Schauspielerei sei anstrengend geworden, erzählte er mir heute nach der Vorführung. Oft wird man ihn wohl nicht mehr im Film, im Fernsehen oder auf der Bühne sehen.

Er wird mir fehlen.

Der Schauspieler und der Blogger nach der Theater-Vorführung.
Das „Hudson Village Theater“ von innen …

… und von außen.

Und hier der Trailer zum Film, bei dessen Dreharbeiten ich John kennengelernt habe. Bitte nicht blinzeln: Bei 01.50 Minuten kommt mein großer Auftritt.

Löwen hinter Leinwand-Gittern

Nur virtuell gefährlich: Der Leinwand-Löwe aus dem Museum.

Ein bisschen wird man ja noch träumen dürfen: Vom Zirkus, der auf dem Ummendorfer Sportplatz gastiert. Vom Zauberer, der beim Biberacher Schützenfest mit riesen Ringen sein Rad dreht. Und natürlich – Jahrzehnte später – vom Cirque du Soleil, der in Montreal daheim und in der Welt zuhause ist.

Und weil es Corona geschafft hat, uns auch noch die Freude am richtigen Zirkus zu vermiesen, muss eben ein Besuch im Museum genügen.

„CIRQUE“, heißt die Ausstellung, die zurzeit im Pointe-à-Callière-Museum iin der Montrealer Altstadt zu sehen ist. Ein multimedialer Spaziergang durch die Geschichte des nordamerikanischen Zirkus, mit Schwerpunkt auf die reiche Zirkustradition in Quebec.

Wie schön, wenn der Löwe nicht hinter Gittern, sondern von der Leinwand brüllt und der Schwertschlucker seine Kunst in der Glasvitrine vorführt!

Zauberhaft war nicht nur die Ausstellung selbst, sondern auch die Begleitung: Unsere langjährige Freundin Marjolaine war mit dabei. Als ehemalige Museumsführerin weiss sie genau, welche Knöpfe gedrückt werden müssen, um dem Besucher einen verregneten Novembernachmittag lang die schönsten zirzensischen Darbietungen zu präsentieren, die die Stadt meines Herzens derrzeit zu bieten hat.

Einfach durchklicken und träumen. Es muss ja nicht unbedingt vom Ummendorfer Sportplatz sein.