Abenteuer Online-Journalismus

Günther Jauch gehört nicht zu meinen Lieblings-Moderatoren. Trotzdem sehe ich mir seine Talkshow an. Als Livestream im Internet. So weiß ich, dass es am Sonntag im Gasometer um Schulkinder ging, die in Deutschland immer fetter werden. Herr Lauterbach, der Dauergast mit Fliege, ist mir inzwischen so vertraut, dass ich ihn gerne zum Kaffee einladen würde.

Wir könnten uns dann über all die anderen Talksendungen unterhalten, in denen er schon aufgetreten ist. Vielleicht würde er sich wundern, wie gut ich Bescheid weiß über sein Fernsehleben. Manchmal wundere ich mich selbst, warum ich mir all die deutschen Talkshows ansehe, wo wir doch seit 30 Jahren in Kanada leben. Ja, warum eigentlich? Ganz einfach: Weil ich’s kann. Das Internet macht’s möglich.

Damals: Zeitungsstapel vor dem Kiosk.

Wäre das schon vor 30 Jahren der Fall gewesen, hätte ich mir viel Mühe ersparen können. Vermutlich wäre mein Leben aber auch weniger bunt und abenteuerlich verlaufen.

Sperrig, mühsam und teuer

Die Suche nach täglich frischen Themen, die damit verbundene Recherche und schließlich die Übermittlung der fertigen Beiträge – das alles war damals sehr mühsam, teuer und aufwendig. Fernschreiber statt Fax und Email. Sperriges Aufnahmegerät statt digitales Flash-Mikrofon. Kamera statt Mausklicks.

Achtung, Opa erzählt aus dem Krieg: Als ich 1983 anfing, ARD-Sender mit Kanada-Themen zu beliefern, begann mein Tag oft schon um vier Uhr morgens. Mein Weg führte mich dann vor den Kiosk um die Ecke, wo die noch verschnürten Zeitungen jungfräulich darauf warteten, gelesen zu werden. Ich tat ihnen den Gefallen. Denn wo sonst sollte ich meine Themen herbekommen, die ich hinterher den Sendern anbieten würde?

Die Kanada-Exotik ist mit dem Internet abgeblättert

Internet gab es nicht und Kanada war damals noch weit weg in den Köpfen der meisten Deutschen. Wenn ich durch die Republik reiste, um in den Redaktions-Konferenzen Geschichten zu erzählen, die nach Abenteuer und Freiheit klangen, sah ich bei manchen Kollegen ein Leuchten in den Augen, das mir signalisierte: „Ich will auch!“ Heute eher: „Nicht schon wieder!“ Globalisierung auf Kosten der Exotik. Schuld daran ist das Internet. Was gestern noch wild, weit und fremd erschien, kann sich heute fast jeder mit einem Mausklick ins Haus holen.

fotohubpagesEs war ein tolles Leben, das ich als junger, freischaffender Kanada-Korrespondent für die ARD führte: Montréaler Altbauwohnung im angesagten Stadtteil Notre-Dame-de-Grâce. Meist freie Hand bei der Themenauswahl. Mein Chef war der Anrufbeantworter. Ob der Korrespondent den Tag lieber im Büro, auf Reisen oder gar am Strand verbringen sollte – darüber entschied nicht selten der Blick auf den Kontoauszug. Nur wenige freie Journalisten im Ausland hatten damals das Glück, nicht nur überleben, sondern gut leben zu können. Die anderen Glücklichen, die ich kannte, waren ein Kollege in New York, einer in Los Angeles und später noch einer in Washington.

Mit der deutschen Nabelschau nahm die Kanada-Exotik ab

Doch irgendwann änderten sich die Zeiten. Die Budgets der Sender wurden kleiner, die Sendeplätze weniger. Themen, die noch vor kurzem den Telefonhörer zum Glühen gebracht hätten, blieben immer häufiger als Vorschläge in der Schublade. Plötzlich war Deutschland mehr mit sich selbst beschäftigt: Mauerfall, Spendenskandal, Ost-West-Zusammenführung. Und Internet. Keiner der freien Korrespondenten blieb von den Folgen der deutschen Nabelschau verschont. Die Auftragslage forderte uns zum Umdenken auf. Zeit für Plan B. Der hieß bei mir: Onlinejournalismus.

Heute: Mausklick zur Recherche.

Weitsichtige und kluge Kollegen haben mir den Weg ins Internet als Geschäftsmodell geebnet. Jetzt waren Medienanalysen für Sender gefragt, Programm-Beobachtungen und multimediale Innovationen. Standen die Konzepte dann, wurden sie in Seminaren umgesetzt, die mich zu zahlreichen Hörfunk- und Fernsehsendern und Medienakademien führten. Viele KollegInnen, die es im Radio und Fernsehen bereits zu etwas gebracht hatten, mussten plötzlich umdenken. Tagesaktueller Journalismus im Internet ist eine neue Baustelle, die gelernt sein muss.

Ich hatte das Glück, von Anfang an dabei zu sein. Onlinejournalismus mag nicht ganz so aufregend sein wie Reporterreisen zu Cree-Indianern und nach Alaska. Aber es ist anders. Anders schön. Und auch anders aufregend. Für den Kick sorgt jetzt der Klick.

Danke, Stefan. Danke Frank. Danke Dorothee.

Erinnerungen an die Exxon Valdez

Die Bilder von der „Costa Concordia“ erinnern mich an Alaska. Am 24. März 1989 war die „Exxon Valdez“ auf ein Riff geprallt. Auch damals gab es heftige Vorwürfe gegen den Kapitän. Er lag betrunken in seiner Koje, als sein Öltanker die bis dahin schlimmste Umweltkatastrophe der amerikanischen Geschichte verursachte. Jahre später habe ich den Unglücksort an der Küste von Valdez erneut besucht. Hier ist mein Bericht:

Für die Inupiat-Indianer von Alaska ist der 24. März 1989 “der Tag, an dem das Wasser starb”. Für den Rest der Welt ist und bleibt es der “schwarze Karfreitag”. Eine Katastrophe mit bis dahin fast unermesslichen Ausmaßen hatte sich vor der Küste von Alaska ereignet: Kurz nach dem Verlassen des Hafens war der Suptertanker “Exxon Valdez” mit voller Kraft auf ein Riff geprallt. 42 Millionen Tonnen Rohöl flossen ins Wasser. Die Folge: 250-tausend Seevögel, rund dreitausend Seeotter, 300 Seehunde und 250 Adler verendeten nach der Umweltkatastrophe.

Tonnenweise ölhaltiger Fels musste abgetragen werden

Küste von Valdez – Foto: noaafisheries

Auf den ersten Blick könnte man glauben, der Schwarze Karfreitag vom März 1989 sei spurlos an der Küste von Alaska vorbeigegangen. Die Häuser rund um die Bucht von Valdez wurden frisch getüncht. Und auch an den felsigen Stränden erinnert kaum noch etwas an die Tankerkatastrophe. Da mal eine verklebte Vogelfeder, dort ein öl-verkrusteter Stein – die Säuberungstrupps haben gute Arbeit geleistet. Tausende von Menschen waren damit beschäftigt, die Spuren der Ölpest zu verwischen. Stein für Stein musste damals vom Boden aufgehoben und mit Putzlappen abgerieben werden. Tonnenweise ölhaltiger Felsen wurde von der Küste abgetragen. Der Exxon-Konzern hat sich die Säuberung damals mehr als zwei Milliarden Dollar kosten lassen.

Lachse mit Tumoren, so groß wie eine Zitrone

Bis heute steht nicht eindeutig fest, ob nicht die eigentlichen Aufräumarbeiten schwerere Langzeitschäden angerichtet haben als das ausgelaufene Rohöl. Heißwasser-Duschen zerstörten empfindliche Organismen in bis zu dreißig Meter Tiefe. Nach der Havarie waren 250-tausend Seevögel, dreitausend Seeottern, dreihundert Robben und 250 Adler verendet. Zwar hat sich der Tierbestand inzwischen rein zahlenmäßig wieder erholt. Aber, so behaupten Meeresbiologen, viele der Lachse, die im Prinz-William-Sund gefangen werden, weisen noch heute zitronengroße Tumore auf.

Exxon drückte sich jahrelang vor der Verantwortung

Mancher der Fischer, die nach der Katastrophe arbeitslos geworden waren, hat sich eine goldene Nase verdient. Es gibt Leute, die für ihre Boote damals 5000 Dollar Miete pro Tag verlangten – und der Exxon-Konzern, immer um gute Public-Relations bemüht, zahlte willig – aber nur wenn es um die kleinen Brocken ging. Als dann die Milliardenklagen kamen, drückten sich die Texaner vor der Verantwortung. Dabei machten sie immer noch Geld wie Heu. Nach der Katastrophe hatten Insider damit gerechnet, dass das Public-Relations-Desaster dem Konzern enorme Schäden zufügen könnte. Dem war aber nicht so, im Gegenteil: Bereits ein Jahr nach der Havarie in Alaska machte der Exxon-Konzern einen Reingewinn von mehr als fünf Milliarden Dollar.

Hazelwood in TIME

Ein US-Bundesgericht hatte den Konzern zu einem Bußgeld von fünf Milliarden Dollar verurteilt. Dieses Geld sollte an die 35-tausend Betroffenen der Katastrophe ausgezahlt werden – Fischer, Hotelbesitzer, Privatleute. Aber zur vollständigen Auszahlung ist es nie gekommen. Exxon argumentierte, die Höhe der Zahlung sei unangemessen. Schließlich habe man bereits 2.2 Milliarden Dollar für die Reinigungsarbeiten ausgegeben. Außerdem seien Zahlungen in Höhe von einer Milliarde für Gerichtskosten und 300 Millionen für Verdienstausfälle erfolgt. Das müsse reichen, sagt Exxon – und legte vor einem Gericht in Seattle Berufung ein. Auch dass verschiedene andere Versprechungen nicht eingehalten wurden, wurde dem Exxon-Konzern übel genommen. So sollte entlang des Prinz-William-Sund ein Naturpark angelegt werden. Doch der besteht bislang nur auf dem Reißbrett.

Ganz ohne Folgen ist die Katastrophe auch fuer die Schiffahrts-Industrie nicht geblieben: Seit 1992 duerfen Öl-Tanker nur noch mit doppelter Aussenhaut ausgeliefert werden. Fuer alte Tankschiffe gilt eine Schonfrist bis zum Jahre 2026.

Der Kapitän wurde zum Papierkorb leeren beordert

Der Mann, der eine der schlimmsten Umweltkatastrophen der Geschichte zu verantworten hat, musste die Kommandobruecke gegen einen Schreibtisch in eintauschen: Der zur Zeit der Havarie betrunkene Kapitaen Joseph Hazelwood verrichtet heute in New-York einen Buerojob. Ein Gericht hatte ihn – neben einer Geldstrafe von 5000 Dollar – dazu verurteilt, eintausend Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten. Hazelwoods Job: Entlang des Prinz-William-Sund sah man den ehemaligen Tankerkapitän Papierkörbe leeren.

Als „Playboy“-Reporter in Alaska

Hinter kleinen Meldungen stecken oft große Geschichten. Ein Trapper habe die Leiche eines jungen Mannes entdeckt, hieß es im Nachrichtenticker, irgendwo im Busch von Alaska. Bei dem Toten handle es sich um einen 24jährigen Aussteiger. Aus diesen dürren Worten ist die wohl spannendste Reportage meiner Korrespondenten-Zeit entstanden. Die Spurensuche für den „Playboy“ führte mich quer durch Amerika und endete in Alaska. Jahre später nahm sich Hollywood des Themas an. Daraus wurde „Into The Wild“ von Sean Penn.

Es war im Spätsommer 1992, als die Agenturmeldung über den Ticker kam. Tragisch zwar, wie viele guten Geschichten. Aber in der nachrichten-armen Zeit bestens geeignet für einen kurzen Radiobeitrag. Telefon-Recherche beim Sheriff in Fairbanks/Alaska – und fertig war das Stück. Am nächsten Tag berichtete ich für mehrere ARD-Sender über das tragische Schicksal des Christopher McCandless, der Tausende Kilometer von Zuhause tot aufgefunden worden war. Bis dahin: Reporter-Routine.

Abenteuer, Freiheit, Reisen, Frauen: Perfekt für eine „Playboy“-Reportage

Playboy-Ausgabe 11/1992

Dann passierte etwas Überraschendes: Ein Redakteur des Männermagazins „Playboy“ rief bei mir an. Er hatte den Beitrag auf (damals) SWF3 gehört. Der Kollege meinte, die Story enthalte sämtliche Elemente, die Playboy-Leser ansprechen: Abenteuer, Freiheit, Reisen. Und, wie sich später herausstellte, auch Frauen. Denn Christopher McCandless, der sich „Alex“ nannte, war ein Schwerenöter, den die Frauen liebten. Ob ich Lust hätte, fragte der Kollege aus München, für den Playboy zu recherchieren, wie aus dem Sohn einer wohlhabenden amerikanischen Familie ein Aussteiger geworden ist, der in Alaska, in the middle of nowhere, elendig zu Tode gekommen war.

Ein paar Tage später war ich on the road. Von Montréal aus führte mich die Reporterreise durch den amerikanischen Getreidegürtel nach South Dakota, Montana, Wyoming, später nach Seattle und von dort aus nach Alaska. In South Dakota verbrachte ich einige Tage mit dem Erntehelfer Wayne Westerberg, einem Navajo-Indianer, der von dänischen Eltern adoptiert worden war. Wayne war für Alex so etwas wie Vater-Ersatz. Alex, der kluge Kopf von der Ostküste. Wayne, der schlaue Fuchs aus South Dakota.

Mit Jack Daniels im Pickup-Truck durch die Prärie

Die Geschichte hinter der Geschichte habe ich den oft nächtelangen Gesprächen mit Wayne Westerberg zu verdanken. Zusammen fuhren wir in einem verbeulten Pickup-Truck durch die Prärie. In der linken Hand eine Flasche Jack Daniels, in der rechten das Lenkrad – so tuckerte ich mit diesem ungewöhnlichen Mann durch den mittleren Westen Amerikas.

Letzte Station meiner Reporter-Reise war Fairbanks/Alaska. Aufgrund der Tagebuch-Aufzeichnungen des jungen Aussteigers wusste ich, wer für mich als Zeitzeuge von Interesse sein könnte. Einer davon war Butch Killian, ein Fallensteller. Er war es, der den toten Alex in einem ausrangierten Stadtbus gefunden hatte – mitten im Busch.

Blockhüttenzauber beim Fallensteller in Alaska

Trapper Butch in Alaska

Fallensteller sind Nomaden ohne festen Wohnsitz. Den Trapper  Butch Killian in der Wildnis von Alaska zu finden, war eine der größten Herausforderungen meines Journalisten-Lebens. Eine zahnlose Indianerin hatte mir den Tipp in einem Coffee Shop am Highway #3 gegeben. Butch Killian lebte in einer Blockhütte im Wald.

Einsam, aber glücklich im Blockhaus

Als ich ihn antraf, tat er das, was Fallensteller so tun, wenn sie von der Trapline zurück kommen: Er häutete die Tiere, die er kurz zuvor gefangen hatte – kein schöner Anblick. Aber das stundenlange Gespräch mit diesem Naturburschen im Schein der Petroleumlampe machte mir einmal mehr deutlich: Es gibt mehr als eine Art zu leben. Butch Killian hatte ein einsames Leben gewählt. Aber, wie mir schien, ein glückliches.

Hier geht’s zur kompletten Playboy-Reportage:

Die komplette Playboy-Reportage finden Sie hier. Ich habe oft daran gedacht, die Erlebnisse meiner Reise zu einem Buch zu verarbeiten. Aber als freier Reporter kannst du dich nicht einfach monatelang vom tagesaktuellen Journalismus ausklinken. Und weil solche Geschichten einfach erzählt werden müssen, hat sich viel später erst ein weltbekannter Schriftsteller des Themas angenommen. Jon Krakauer schrieb den Abenteuerroman „Into The Wild“. Ich fand ihn mäßig gut recherchiert und alles in allem nicht sehr authentisch.

Großes Kino: Sean Penn verfilmte die Geschichte von Alex McCandless

Anders der Film, den viele Jahre später Sean Penn als Regisseur für Hollywood drehte. Eine filmisch brillante Umsetzung der Story. Eine Erzählung, die den Aussteiger Alex McCandless als das schilderte, was er war: Ein Abenteurer, der erst sein blitzgefährliches Schicksal heraufbeschworen hatte, um ihm anschließend in den Hintern zu treten.

Verschnaufpause im Bloghaus

Genau fünf Monate alt ist der Kanada-Blog heute – und es ist kein Tag ohne neuen Eintrag vergangen. Jetzt ist Zeit für eine Pause. Um den Akku aufzuladen, neue Ideen zu entwickeln, Erlebnisse aufzuarbeiten. Geschichten gibt es noch jede Menge. Viele davon liegen bereits in der Schublade, sie müssen nur noch erzählt und aufgeschrieben werden. Aber das hat Zeit. Ihnen gibt die Pause hoffentlich Gelegenheit, ein wenig im Blog zu stöbern und die eine oder andere Geschichte zu lesen, die Ihnen in der Hektik des Alltags vielleicht entgangen ist. Danke, dass Sie mich bis hierher begleitet haben. Bis bald!

Der Traum vom großen Abenteuer

Hand aufs Herz: Bestimmt haben Sie auch schon mal davon geträumt, alles stehen und liegen zu lassen und einen Neuanfang zu wagen: Neue Stadt. Neue Wohnung. Neuer Job. Neues Land. Träume sollte man sich erfüllen, ehe es zu spät ist. Genau das hat der Montréaler Jean Beliveau getan. In elf Jahren hat er 64 Länder durchwandert und dabei 75 000 Kilometer zurückgelegt.

Dass der Blogpost vom 18. Oktober 2011 von all meinen Geschichten bisher am häufigsten angeklickt wurde, ist kein Zufall. An diesem Tag war hier von Jean Beliveau die Rede. Von einem Mann, der sich einen Traum erfüllt hat.

Träume sind relativ. Ein befreundeter Kollege, dem ich von unserem Mallorca-im-Februar-Traum erzählt hatte, mailt mir eben zurück: „Palma klingt reizvoll … aber im Winter?“ Er  hat auch gleich die Antwort auf seine Frage: „Na gut, ich weiß nur zu genau, wie verschieden Interessen und Vorlieben sind!“ Der Kollege weiß es wirklich. Er stammt aus Nürnberg und lebt seit vielen Jahren auf Gomera. Diesen Traum hat er sich irgendwann erfüllt. Was er nicht weiß, ist, wie sich Kanada im Winter anfühlt. Dagegen ist Februar in Palma wie Hochsommer. Für uns ein Traum.

Auch in Honolulu gibt es Alltag

Der eine träumt davon, als 65-Jähriger mit Rockerbraut und Harley durchzustarten. Die andere wünscht sich nach einem hektischen Stadtleben endlich Ruhe und Geborgenheit auf dem Bauernhof. Mein eigener Traum war es schon immer, als Reporter im Ausland zu arbeiten, zu reisen und Abenteuer zu erleben. Diesen Traum habe ich mir vor 30 Jahren erfüllt. Und bin damit glücklich. Hätte ich den Sprung nicht gewagt, müsste ich womöglich das Schicksal Vieler teilen und einer verpassten Gelegenheit nachtrauern. Und trotzdem: Irgendwann holt einen der Alltag wieder ein. Auch in Honolulu, Timbuktu oder Montréal.

Der Steuerberater tingelt als Stepptänzer um die Welt

Vor Jahren habe ich in einer Kneipe in San Francisco einen nicht mehr ganz jungen Schweden kennengelernt. Er hatte sich auf seine Art einen Traum erfüllt. Er reiste gerne, mochte Musik und liebte es, unter Menschen zu sein. Also bastelte er sich ein Holzbrett, kaum großer als ein Quadratmeter, ließ seine Stiefel mit Schuheisen behämmern und zog als Stepptänzer von einer Kneipe zur anderen, von einem Land ins andere, von einem Kontinent zum nächsten. Ehe er vor vielen Jahren auf Tour ging, sagte er mir, sei er Steuerberater gewesen.

Menschen, die ein Leben lang ihren Träumen nachhängen, schieben als Entschuldigung oft familiäre Umstände vor. Zu Unrecht, wie ich finde. Bei entsprechender Planung ist vieles auch als Familie möglich.

Exotik mit Eigenheim und Kindern

Deutsche Freunde von uns leben in Alaska. Auf den ersten Blick ganz bürgerlich. Mann: Ingenieur. Frau: Uni-Professorin. Zwei Kinder, Eigenheim. Und doch kenne ich kaum Menschen, die – in meinen Augen – ein exotischeres Leben führen als Silke, Felix und die Kleinen. Sind sie nicht in Alaska, segeln sie um die halbe Welt. Oder wohnen monatelang bei kubanischen Familien und helfen in der Landwirtschaft mit. Oder bauen in der Tundra Blockhütten als erschwingliche Behausungen für Wohnungssuchende. Auf mich machen sie einen überaus glücklichen Eindruck. Ich bin fast sicher, sie leben ihren Traum.

Und Sie?