Schreibstarre im Bloghaus

cityDie gute Nachricht: Alles okay im Bloghaus. Die nicht so gute: Schreibstarre! Es gibt Tage und Wochen im Leben, da fällt auch dem Geschichtenerzähler nichts ein. Und weil sich immer mehr Leser immer größere Sorgen um den Bestand dieses Blogs machen, sei hiermit verkündet: Demnächst geht’s weiter. Versprochen!

In der Zwischenzeit genießen wir den Sommer in Montréal. Mit dem Großen Preis von Kanada am vorigen Wochenende wurde offiziell die Party-Saison eingeläutet. Kaum ist der Formel-Eins-Zirkus weitergezogen, machen sich die besten Musiker der Welt zum Jazzfestival auf den Weg hierher.

Dann kommt das Just for Laughs-Festival, danach das Weltfilmfestival. Und wem’s zwischendurch langweilig wird, hat immer noch die Möglichkeit, den Cirque du Soleil zu besuchen, der seit Wochen im Alten Hafen gastiert.

An Themen fehlt es also nicht. Lediglich an der Lust, über sie zu schreiben. Aber das kann sich von einem Tag auf den anderen wieder ändern.

Deshalb: Bis demnächst in alter Sommerfrische!

Eine Woche nach dem Aufprall

montrealGenau eine Woche ist es her, dass wir vom Paradies zurück sind. Der Aufprall in Montréal war so hart, dass er selbst noch in Deutschland und auf Mallorca zu hören sein musste. Aber jetzt ist gut. Eine Woche zur Wiedereingewöhnung muss man sich gönnen. Und doch: Vier Monate Mallorca haben ihre Spuren hinterlassen.

Verdammt, die Nespresso-Maschine – wie funktioniert die eigentlich? Die Makkaroni – wo haben wir die immer gekauft? Und den Philadelphiakäse mit Dill – wo gab’s den nochmal?

Es soll hier nicht kokettiert werden, aber vier Monate sind eine lange Zeit. Genug, um einiges zu vergessen. Jeden dritten Tag des Jahres haben wir auf Mallorca verbracht und nicht in Montréal, wo noch immer unser Lebensmittelpunkt ist.

Freunde melden sich und wollen wissen, ob wir nach vier Monaten Mittelmeer jetzt „bis zum Ende unserer Tage versaut“ sind. Nein, sind wir nicht. Palma war gestern und Montréal ist jetzt. Alles hat seine Sonnen- und Schattenseiten.

Magnolien im Westmount-Park

Magnolien im Westmount-Park

Auch wenn es in Montréal keine 25 Grad hat und keine Palmen, lässt es sich hier vorzüglich leben. Besonders jetzt, da auch hier die Magnolienbäume zu blühen anfangen und die ersten Maiglöckchen auf dem Markt zu haben sind.

Manchmal meldet sich der Erinnerungsoptimismus. Weißt du noch, die lauen Abende, als auf der Plaza de la Reina, direkt unter unserem Balkon, dieses Open-Air-Konzert stattgefunden hat? Ja, ich erinnere mich, schön war’s. Aber auch so gnadenlos laut, dass ich zum ersten mal seit dem Helikopterflug damals Ohrenstöpsel benützen musste, um nicht zu verblöden.

Ich bin gerne wieder hier und Palma ist nicht aus der Welt. Dürfte ich in die berühmte Wundertüte greifen, würde ich jetzt gerne eine Portion Montrealer Smoked Meat vom food truck unter mallorquinischen Palmen verspeisen, ohne dabei auf den Typ im Bannerfoto verzichten zu müssen, der am helllichten Nachmittag vor dem Dépanneur sitzt und seinem Hund beim Glücklichsein zuschaut.

Typisch Montréal. Welcome home.

Zurück in die Wirklichkeit

paradiesDas Paradies war warm und bunt und lieblich und leicht. Die Wirklichkeit ist grau in grau und regnerisch-kühl. Und kommt alles in allem noch etwas uncharmant daher. Nach vier Monaten Mallorca sind wir wieder in Kanada gelandet. So richtig stimmig fühlt es sich noch nicht an.

Der Frühling muss warten: Von Knospen keine Spur, die Blätter an den Bäumen lassen sich noch nicht einmal erahnen. Der Winter muss in diesem Teil Kanadas gnadenlos kalt und ungewöhnlich lang gewesen sein. Neben den Neuwahlen in Quebec und dem Einzug der Montréal Canadiens in die NHL-Payoffs, ist das Wetter der vergangenen Monate DAS Thema hier – nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Was den Wiedereinstieg in die kanadische Wirklichkeit auch nicht einfacher gemacht hat, war der vermurkste Rückflug. Air Canada hatte während des Winters den Flugplan geändert, ohne uns zu informieren. Erst beim Online-Check-in am Abend vor der Abreise war klar: Den Anschlussflug in Frankfurt schaffen wir nie. Also mussten wir an Flügen, Strecken und Sitzen nehmen, was übrig war. Und das war herzlich wenig.

Nonstop ging gar nichts mehr von Frankfurt nach Montreal. Deshalb musste, eingequetscht in eine Viererreihe, erst Toronto angeflogen werden, nur um eine Stunde später die 600 Kilometer wieder in die Gegenrichtung zurück zu legen. Machte zusammen sieben Stunden Verspätung.

Nervig zwar, aber alles in allem ein kleiner Preis für vier Monate Glück auf Mallorca.

Das Schönste an der Rückkehr in die Wirklichkeit: Ein freudiges Wiedersehen mit Menschen, die uns lieb und wichtig sind.

Liebe Blumen! Könnt Ihr jetzt bitte noch einen Zahn zulegen? Dann wird’s nämlich wieder richtig nett hier.

Mallorca: Abschied vom Paradies

„Wenn du das Paradies ertragen kannst, dann komm nach Mallorca.“    Gertrude Stein

Es ist ganz einfach, das Paradies zu ertragen. Viel schwerer fällt es, Abschied von Mallorca zu nehmen. Nach vier Monaten Mittelmeer geht es zurück nach Montréal. Es wird ein spannendes Wiedersehen mit der Stadt meines Herzens.

Viel hat sich getan seit unserer Abreise am 2. Januar. Das Wichtigste – und für mich Erfreulichste: Québec hat eine neue Regierung. Die Ära der frankophonen Separatisten ist vorbei. Eine liberale Regierung verspricht, Vernunft walten zu lassen. Tschüss, Sprachenpolizei!

Mallorca war, was es schon die vergangenen sechs Jahre für uns war: Ein kleines Paradies auf einer herrlichen Mittelmeerinsel. Ein Winterquartier so wunderbar, dass man nicht umhin kommt, sich immer wieder ungläubig die Augen zu reiben. So viel Schönheit. So viel Natur. So viel Zauber.

Achtung, Demokratie!

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Wer vorübergehend im Ausland lebt und seine Wahlrechte per Briefwahl ausüben möchte, tut gut daran, vorher noch einen Crashkurs in „Wie fülle ich meinen Stimmzettel aus?“ zu belegen.

In meiner Wahlheimat Montréal fallen am 7. April dieses Jahres wichtige Entscheidungen. Es wird ein neuer Landtag gewählt. Nicht so wichtig?, sagen Sie. Doch, sehr sogar. Nicht nur für die Provinz, in der ich lebe, sondern für ganz Kanada.

Sollten nämlich die Separatisten der Provinz Québec die absolute Mehrheit bekommen, wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis Québec versuchen würde, sich durch ein Referendum vom kanadischen Staatenbund loszulösen. Und das wäre, mit Verlaub, nicht in meinem Sinne.

Weil ich also auch in Zukunft in Kanada leben will und nicht in einem Staat namens Québec, gehe ich zur Wahl. Koste es was es wolle.

Und es kostet viel. Vor allem Zeit.

1.)  Webseite der Wahlleitung googeln.

2.)  Per Mail Wahlunterlagen anfordern. Dazu zwei Dokumente mit Fotos einscannen, die Auskunft über den ersten Wohnsitz geben. Nur so werden wir ins Wahlregister eingetragen.

3.)  In Palma auf die Ankunft der Wahlunterlagen warten.

4.) Wahlunterlagen auf dem Hauptpostamt in Palma abholen, gegen Vorlage des  Reisepasses.

5)  Kandidaten für meinen Wahlbezirk googeln

6.)  Namen des Kandidaten auf dem Stimmzettel eintragen

7.)  Stimmzettel in Umschlag 934.1 stecken

8.)  Zugeklebter Umschlag 934.1 in Umschlag 934.2 stecken, ebenfalls zukleben.

9)  Umschläge 934.1 und 934.2 in Umschlag 934.3 stecken.

10) Umschlag 934.3 frankieren und schnellstmöglichst zum Hauptpostamt in Palma bringen.

11)  Abschicken

12.  Abwarten und Vino trinken.

Noch Fragen?

Eine vielleicht: Wie stehen eigentlich die Chancen der Separatisten, Québec von Kanada loszureißen?

Antwort: Gut genug, um die oben aufgeführten zwölf Schritte in Kauf zu nehmen.