Links: Kennen Sie den schon?

Irgendwo im Südchinesischen Meer nimmt in diesem Moment der Frachter „Leguan“ Kurs auf Hongkong. Das Containerschiff segelt mit 17.1 Knoten dahin und hat einen Tiefgang von 10.9 Meter. Woher ich das weiß? Aus dem Internet. Den Link zur momentanen Position von Schiffen in aller Welt habe ich eben entdeckt. Ich liebe Links. Und ich sammle sie. Ein Blick in meine Linkschatztruhe:

Der Link zur Schiffspositon ist nur einer von vielen, die in meiner Favoritenliste schlummern. Unbezahlbar für alle Piraten dieser Welt. Analog dazu gibt es natürlich auch eine Seite, die alle Flugzeug-Positionen preisgibt.

Einer meiner Lieblings-Links führt zu Internetseiten, die früher mal im Netz waren, inzwischen aber gelöscht sind. Die Wayback-Machine hat seit 1996 mehr als 150 Milliarden Webseiten archiviert. Wenn Sie also sehen möchten, wie die WDR-Homepage am 13. Februar 1997 ausgesehen hat – kein Problem.

Gut finde ich auch eine Linkliste mit Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen aus aller Welt. Sehr eindrucksvoll auch die Seite mit allen Livestreams der ARD. Hier wird jeder Sender gelistet, den Sie im Internet als Webradio einschalten können.

Sie kennen Google, sagen Sie? Wirklich? Dann sehen Sie sich mal diese Seite an: Hier bekommen Sie mehr Suchtipps als Sie vermutlich jemals anwenden werden. Und überhaupt: Wussten Sie, dass es Suchmaschinen für Suchmaschinen gibt? Faszinierend, was man sich als Internetnutzer so alles vorsortieren lassen kann.

Und weil wir gerade dabei sind: Google ist zwar die bekannteste Suchmaschine. Die einzige ist es bei weitem nicht. Von der umweltfreundlichen Suchmaschine über die spaßorientierte Suchmaschine bis hin zur „etwas anderen Suchmaschine“ – im Netz finden Sie alles.

Die große, weite Welt vom Schreibtisch aus erkunden? Kein Problem. Hier ist ein Link zu Webcams. Dort gibt es richtige Live-Schalten, wie zum Beispiel zum Times Square in New-York City. Oder zum Marktplatz in Biberach.

Und hier noch ein Service für alle Newsjunkies: Welche Nachrichten werden in diesem Moment in welchem Land am häufigsten angeklickt? Hier gibt’s die Antwort.

Falls Sie nach all den Link-Besuchen ein wenig Schäfchen zählen möchten möchten: Zehntausend Leute haben Schafe gezeichnet, die ein Internetkünstler dann zu einer herrlich schrägen Seite zusammengebaut hat.

Falls auch Sie einen Link haben, den Sie gerne teilen möchten, schreiben Sie mir einfach: bloghausmail@herbertbopp.com Für den Fall, dass Sie die Mail vorher mit Microsoft Word verfassen möchten: Hier gibt’s ein paar zusätzliche Tricks zum Programm.

Achso: Meinen allerliebsten Link kennen Sie ja schon. Viel Vergnügen!

Keine Angst vor langen Strecken

Sind wir bald da? Nein, sind wir nicht. Von riesigen Entfernungen lässt sich der Kanadier nicht so leicht abschrecken. Wer in einem Land lebt, das 40 mal so groß ist wie Deutschland, tut gut daran, sein Verhältnis zu langen Strecken zu überdenken. Als wir uns jetzt mit sieben Nachbarn in einem Restaurant trafen, hatte jeder von uns einen Anfahrtsweg von zwei Stunden hinter sich.

Gewöhnlich sehe ich meine Nachbarn beim Rasenmähen oder auf dem Weg zum Briefkasten. Allenfalls noch bei einer Grillparty, wenn irgendwo im Viertel ein neuer Pool eingeweiht wird. Eigentlich schade. Einige unserer Nachbarn sind richtig nett. Doch besonders jetzt, im Spätherbst und im Winter, igelt sich jeder langsam ein. Die ohnehin schon spärlichen Begegnungen werden noch weniger.

Einer von uns hatte jetzt die Idee: Wir treffen uns beim Thailänder. Da saßen wir also gestern Abend an einem wunderbar gedeckten Tisch im „PayaThai“ an der Rue Laurier, im östlichen Teil von Montréal. Neun Nachbarn, die kaum einen Steinwurf voneinander entfernt wohnen. Ein schöner Abend. Aber auch ganz schön aufwendig. Und leider so gar nicht umweltfreundlich, zumal Carpooling nicht möglich war.

Als ich noch in Winnipeg (Manitoba) wohnte, hatte ich eine Freundin im 1300 Kilometer entfernten Calgary (Alberta). Das entspricht der Strecke von Stuttgart nach Neapel. Diesen Weg habe ich eine Zeitlang jedes Wochenende zurück gelegt. Mit dem Auto. Und wieder zurück. „Life is a Highway“, singt Tom Cochrane. Er ist Kanadier.

Da saßen wir als nun. Neun Nachbarn. Aßen Pad Thai und Ente in grünem Curry und erzählten uns von der Überwindung des Raumes. John war gerade aus Vancouver eingeflogen. 3700 Kilometer. Mit dabei: Seine Schwiegermutter. Sie ist 93 und kam gerade aus Budapest zurück. Entfernungen? Welche Entfernungen?

Bei solchen Distanzen verschlägt es manchen europäischen Besuchern den Atem. Die meisten Kanadier, die ich kenne, lassen sich davon nicht beirren.

Scott, ein anderer Nachbar, fährt übermorgen mal kurz nach Toronto. 600 Kilometer. Ein Weg.

Und John, der eben erst von Vancouver eingeflogen war? Ist heute früh kurz mal von Montréal nach New York City gefahren. 600 Kilometer. Zu einem Footballspiel. Mit dem Auto. Wollte unbedingt die New York Jets spielen sehen. John, by the way, wird nächstes Jahr 80.

„Entfernungen sind bedeutungslos“, sagt der Volksmund. „Sich nahe zu sein, ist eine Sache des Herzens“. Oder auch eine Sache des Football-Clubs.

Wie tickt eigentlich der Kanadier?

Der Kanadier, das unbekannte Wesen: Mehr als 30 Jahre lebe ich nun schon in diesem Land. Und noch immer stehe ich manchmal ratlos vor der Frage: Wie tickt er eigentlich, der Kanadier? Dabei ist die Antwort relativ simpel: Er tickt wie wir. Nur anders. Ein Quickscan der Psyche eines sympathischen Volkes.

Kanadier sind freundlich, höflich, brav, hilfsbereit, familienorientiert und packen gerne selbst mit an, damit sie es nett haben. Baumärkte sind hier so überlaufen wie anderswo Fußball-Arenen. Dabei ist die Do-it-yourself-Kultur nicht immer nur Hobby. Oft ist es auch ein Ausweg aus der prekären Finanzlage, in der sich vor allem junge Familien befinden.

Die Bezahlung ist in manchen Firmen miserabel. Die Arbeitsbedingungen sind, im Vergleich zu Deutschland, suboptimal. Zwei Wochen Jahresurlaub sind für Anfänger die Regel. Wer vier Wochen bezahlten Urlaub hat, muss lange, sehr lange im Geschäft sein. Alles in allem hat das soziale Netz hier mehr Löcher als die Straße vor unserem Haus. Und das will etwas heißen.

Klimarestistent

Der geduldige Kanadier: Politisch und klimatisch leidensfähig bis zur Selbstaufgabe. Konfliktscheu. Abwägend. Ja nicht auffallen. Und wenn, dann nur positiv. Gegen Atomkraft demonstrieren? Nein Danke. Ein Jahr auf eine Krebsbehandlung warten? Schlimm. Aber der Staat tut sein Bestes. Gerade dieses „Er tut sein Bestes“ habe ich hassen gelernt. In diesem Fall, wenn es um die Vorsorge für Kranke und Alte geht, tut der Staat eben nicht sein Bestes. So einfach ist das.

Der freundliche Kanadier: Man kommt schnell mit ihm in Kontakt. Aber dabei bleibt es dann auch meistens. Tiefe Freundschaften entstehen nun mal nicht zwischen Fingerfood und Eishockey. Eine gepflegte Streitkultur erlebe ich hier nur selten. Politischen Diskussionen mit Nachbarn und Bekannten mangelt es an Biss. Man könnte auch sagen: an Offenheit. Wer tritt denn dem anderen schon gerne auf die Zehen?

Der übereifrige Kanadier: Gestern Abend im Französisch. Eine aus der Gruppe erzählt, sie sei total geschafft. Habe das ganze Wochenende über den Weihnachtsbaum geschmückt, Geschenke verpackt und Fudge-Bonbons gerührt. Damit sei sie um einiges schneller als ihre Schwägerin. Hallo? Weihnachten ist in sechseinhalb Wochen. Kann Santa Claus nicht warten?

Der konservative Kanadier: Du bist fest entschlossen, dein Haus im Nobelvorort zu verkaufen und in ein Fabrikloft im Szenenviertel zu ziehen. Typische Reaktion der meisten Kanadier, die ich kenne: Schulterzucken. Rätselraten. Besorgter Blick. Ihr habt doch alles, was ihr braucht. Warum denn um Gottes Willen nach St. Henri?

Der Do-it-yourself-Kanadier

Charakterisierungen eines ganzen Volkes sind eine gefährliche Sache. Deshalb soll ihnen an dieser Stelle auch nicht allzu viel Bedeutung zugemessen werden. Aber ein Gradmesser dafür, wie die Menge hier tickt, sind sie schon. Unfair wäre es allerdings, Frankokanadier und den Rest der Bevölkerung über einen Kamm zu scheren. Hier in Québec ticken nicht nur die Uhren anders. Auch die Menschen. Zu vielen Tugenden, die auch auf englischsprachige Kanadier passen, kommt in diesem Teil des Landes eine hinzu, ohne die ich nicht hier wäre: Lebensfreude. Die meisten Frankokanadier, die ich kenne, kochen gut, essen gern, trinken viel, feiern oft und ausgiebig.

Passt doch: Das französische Joie de vivre und der American Way of Life als Lebenskonzept. Eine Mischung, die schwer zu toppen ist.

Interessant, übrigens, wie Kanadier uns Deutsche sehen: Arbeitsam. Reinlich. Gebildet. Eingebildet. Besserwisserisch. Besserwissend. Griesgrämig. Humorlos. Stylisch. Zuverlässig. Rührig. Erfolgreich. Schnell.

Vor allem auf der Autobahn, auf der jeder Deutsche in Lederhosen mit dem Porsche nach dem Rammstein-Konzert beim Oktoberfest mit Bierkrug und Bratwurst in der Hand via Heidelberg direkt nach Neuschwanstein fährt.

Liebeserklärung an mein Hotel

My Hotel is my Castle. Zumindest, wenn ich auf Geschäftsreise bin. Das Hotel, das mir mein Auftraggeber nun schon seit zehn Jahren immer dann bucht, wenn ich in Köln zu tun habe, ist nicht das erste Hotel am Platze. Aber es hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Der Empfangschef kennt meinen Namen. Und wenn mir die Nase läuft, stellt mir die Frühstückskellnerin einen Obstteller ins Zimmer.

In diesem Hotel habe ich schon viele Monate vebracht, rechnet man alle Aufenthalte zusammen. Dass die Wasserspülung gelegentlich hängt und der Heizkörper Klopfgeräusche von sich gibt, stört mich nur ein bisschen. Das Foyer meines Hotels ist vollbehängt mit Fotos aus vergangenen Zeiten. Peter Kraus und Conny Froböss waren schon hier. Auch Bill Ramsay und Peter Frankenfeld haben ihr handsigniertes Konterfei hinterlassen. Sogar der große Kulenkampff ist hier schon abgestiegen. Und selbst Roy Black muss sich irgendwann mal ins weisse Hotelbett gelegt haben. Aber das ist lange her. Schlafe ich heute Nacht in einem Bett, in dem sich schon Caterina Valente geräkelt hat?

Teller voll? Einer geht immer noch drauf!

Ich liebe also mein kleines Hotel. Was mich dagegen tierisch nervt, sind Gäste, die ihre Teller beim Frühstücksbüffet mit solchen Bergen Schinken und Rührei beladen, dass regelmäßig Wursträdchen auf den Teppich fallen. Wenn dann noch mehrere Scheiben Brot und eine halbe Gallone frisch gepresster Orangensaft auf dem Tisch zurück bleiben, macht mich das rasend und auch ein wenig traurig. Oft verhalten sich ja gerade solche Gäste so rücksichtslos, die aus Regionen kommen, wo nicht gerade die Reichsten leben.

Was mir dagegen gut gefällt an meinem Hotel, ist die Lage. Es liegt mitten im Zentrum von Köln, mittiger geht’s nicht. Rechts der Dom, links die Funk- und Fernsehstadt WDR. Dazwischen Köln, wie es leibt und lebt. Nur zweimal habe ich mein Hotel verflucht. Einmal während der Fußball-Europameisterschaft und dann noch während des Karnevals. „Kannst du bitte das Fenster zumachen, solange du mit mir telefonierst? Ich versteh ja kein Wort!“, hatte mich Lore während eines Telefonats aus Kanada gebeten. Ich musste meine Frau enttäuschen: Die Fenster meines Hotelzimmers waren zu. Und den Höllenlärm, der morgens um zwei noch draußen herrschte, konnte man nur schwer auszuhalten.

Berühmt – aber leider kennt sie niemand

Toll finde ich, dass ich in meinem Stammhotel andere Stammgäste treffe. Einen Dirigenten aus Wien, zum Beispiel, der gelegentlich das WDR-Symphonieorchester leitet. Oder einen „Tatort“-Pathologen, den jeder an seiner Vollglatze erkennt. Oder einen Fernsehmoderator, den jeder schon gesehen hat, aber dessen Namen sich keiner merken kann. Und dann die Sprecherin, die immer die Presseschau im Radio vorliest. Herrlich, wie sie ihre Stimmbänder morgens mit Lindenblütentee und Honig ölt. Sie zelebriert die Stimmpflege so unübersehbar öffentlich, dass Jeder weiß: Diese Frau ist stimmlich in wichtiger Mission unterwegs. Und bestimmt ist sie total berühmt.

Schon doof, wenn man als eitler Mensch beim Radio arbeitet, wo die Stimme kein Gesicht hat.

100 Mal Deutschland und zurück

Ich reise gern. Aber ich hasse fliegen. Der Weg ist längst nicht mehr mein Ziel. Seit meiner Auswanderung nach Kanada bin ich mehr als 100 Mal über den Atlantik geflogen. Und 100 Mal wieder zurück. Heute Abend werde ich wieder im Flieger sitzen. Bilanz nach gut 1.2 Millionen Flugkilometern: Die Sitze werden enger. Die Passagiere dicker. Das Essen schlechter.

75 Tage – zweieinhalb Monate meines Lebens habe ich allein in Flugzeugen zwischen Kanada und Deutschland vebracht. Dazu kommen Reisen nach Südamerika, Australien und andere Teile der Welt. Dabei herrschte nicht immer pure Langeweile.

Aufregung gab es auf einem Flug von Montréal nach Havanna. Die Broschüre mit den Sicherheitsbestimmungen der kubanischen Airline war von Hand geschrieben, der Text hektographiert. Wie die Einladungen, die mir mein Vater für Kindergeburtstage vervielfältigt hat. Alles nicht besonders vertrauenserweckend in einer Maschine, die aussah, als hätte sie schon Kampfeinsätze in Afghanistan hinter sich. Dafür waren die Cocktails umso schöner. Mojito mit Sonnenschirm. Irgendwann kam der Kapitän aus dem Cockpit und grüßte elegant ins Publikum. So sehen Sieger aus. Nachdem der Käpt’n mäßig stürmische Ovationen für gutes Fliegen entgegengenommen hatte, ließ sich auch noch der Co-Pilot von den Passagieren beklatschen. Zu diesem Zeitpunkt wäre ich gerne umgekehrt. Wer die Maschine eigentlich geflogen hat, weiß ich nicht. Ich vermute mal der Flugingenieur. Vielleicht auch der Autopilot. Oder der liebe Gott.

Auf dem Flug in den Norden: Wasser tropft von der Decke

Richtig ungemütlich wurde es auf einem Flug mit Air Creebec nach Waskaganish. Die Maschine war auf dem Weg zur Sub-Arktis fast ausschließlich mit Indianern und Inuit besetzt. Irgendwann verteilte die Stewardess – eine Cree-Indianerin – Küchenrollen. Dann bat sie alle Passagiere aufzustehen und mit den Papierhandtüchern das Wasser aufzufangen, das von der Flugzeugdecke tropfte. Es war weniger schlimm als es aussah: Die Feuchtigkeit war nicht durch die Flugzeugdecke gedrungen. Es handelte sich lediglich um Kondenswasser.

Und dann wäre da noch die Geschichte mit den Tauben: Auf dem Weg von Montréal nach Berlin legte ich einen neunstündigen Zwischenstopp in London ein. Alles passte: Ankunft Heathrow am Morgen. Weiterflug nach Berlin am soäten Abend. Dazwischen englische Freunde besuchen. Nach der Landung in Berlin erkannte ich meinen Koffer nicht wieder. Er war zubetoniert mit Vogelscheiße. Die Briten hatten mein Gepäckstück den ganzen Tag auf dem Rollfeld stehen lassen. Tauben und Möwen benützten meinen Koffer neun Stunden als ihr Privatklo. Noch in der Nacht gab’s eine geharnischte Mail an British Airways. Mit Fotos vom Kackkoffer. Die Airline ließ sich nicht lumpen: Rückflug Erster Klasse von Berlin über London nach Montréal. Lachs statt Tauben.

Zwei-Klassenausflug: Trüffel und Röschen aus der First Class

Richtig unangenehm finde ich es, wenn auf deinem Flieger noch jemand sitzt, den du kennst. Neulich entdeckte ich von der Holzklasse aus einen Bekannten in der First Class. Der Kollege fand den Zwei-Klassen-Ausflug ziemlich lustig und zeigte sich spendabel – auf Kosten der Airline. Er brachte mir Trüffel an meinen Platz, hinten in der Bronx. Lore bekam eine Rose.

In diesem Moment hätte ich dem Kollegen gerne das Fliegen beigebracht.