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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Ich liebe mein Baby!

Logo: BlogBlogBaby

So ein Blog ist eine feine Sache. Man kann damit sein Plapperbedürfnis stillen. Freunde und Familie darüber auf dem Laufenden halten, was hier so abgeht. Auch zum Dampf ablassen eignet sich so ein Blog wunderbar. Und überhaupt: Wer braucht heute noch einen Therapeuten? Blogpapier ist geduldig, umweltfreundlich und gratis.

Gerade mal sieben Wochen ist es jetzt alt, mein Baby. Und ich liebe es mit jedem Tag mehr. Es ist zwar ständig hungrig. Aber es schreit nicht, schläft durch und hat inzwischen viele Bewunderer. Ein richtiger Wonneproppen, dieses Blöggle. Manchmal bekommt mein Baby auch Geschenke. Die kommen dann ins Kommentar-Fach.

Doch wie jedes Baby braucht auch mein Blog viel Aufmerksamkeit. Das Füttern ist manchmal schwierig. Es passieren schließlich nicht jeden Tag weltbewegende Dinge. Aber oft sind es gerade die Erlebnisse auf den Nebenschauplätzen, die Menschen berühren, interessieren, unterhalten. Einen anderen Anspruch erhebe ich ja auch gar nicht.

Mir tut der Blog gut. Lore findet, ich sei viel ausgeglichener, seitdem ich wieder mehr schreibe. Genau: Dieses Schreiben hat mir in all den Jahren schon sehr gefehlt. Fürs Radio plappern ist toll und bringt sogar richtig Kohle. Seminare geben: Wunderbar. Aber nichts ist so schön wie eigene Texte zu verfassen und dabei Stimmungen, Informationen, ja sogar Gefühle zu transportieren. Und wenn es dann noch Menschen wie Sie gibt, denen meine Blog-Geschichten Freude machen, ist der Dichter glücklich und zufrieden. Wie ein Baby.

Aber ich merke schon jetzt: So ein Blog kann manchmal auch stressig sein. Habe ich niemanden vergessen, der eine Erwähnung verdient? Stimmen die Locations, die  Daten, die Fakten? Wer hat nun den Spruch kolportiert, wonach Gäste nach drei Tagen anfangen zu stinken wie Fische? War ich es, wie Michael aus München in einer Mail behauptet? Oder doch etwa er? Aussage gegen Aussage. Sagen wir einfach: Der Fischvergleich ist nicht ganz frisch. Benjamin Franklin (1706-1790) soll ihn auch schon herangezogen haben..

Noch so eine Blog-Falle: Trete ich der Frau an meiner Seite auf die Seele, wenn mit dem alten Leben auch alte Lieben zur Sprache kommen? Bisher ging alles gut. Keine Regressansprüche, keine Schadensersatzklagen, keine Scheidungsdrohungen. Nur Liebesbezeugungen.

Da freut sich mein Baby.

Besuch beim Onkel in Kanada

Besucher waren bei uns schon immer ein Thema für sich. Wer in einer Stadt wie Montréal lebt, muss sich über mangelnde Gäste nie beklagen. Manchmal wird es den Gastgebern zu viel. Es gab Zeiten, da musste das „Hotel Bopp“ wegen Überfüllung geschlossen werden. Jetzt hatten wir wieder einen Besucher. Den hätten wir gerne adoptiert.

„Besucher sind wie Fische“, sagte mein Freund Michael manchmal, als er noch in München wohnte. „Nach drei Tagen fangen sie an zu stinken“. Michael muss es wissen. Er ist Fischer. In seinem Haus in München türmten sich ständig die Gäste. Aber nach faulem Fisch hat es nie gerochen. Vermutlich ist keiner länger als drei Tage geblieben.

„Hotel Bopp“ bis auf weiteres geschlossen

Es gab ein Jahr, da hatten wir zwischen April und Oktober eine Woche lang KEINEN Besuch. Der Rest war belegt. Inzwischen bin ich vorsichtiger geworden, ehe ich Einladungen ausspreche. Schließlich leben wir nicht nur in diesem Haus. Wir arbeiten auch hier. Essen, trinken, arbeiten und Gäste bewirten – ein schwer verdaulicher Partymix.

Kleines Gepäck - große Freude

Seitdem wir mit Einladungen selektiver vorgehen, genießen wir Besucher wieder mehr. Eben war mein Neffe aus Wien für drei Tage hier. Auf dem Rückweg von einer Geschäftsbesprechung in Chikago machte er noch einen kleinen Abstecher beim Onkel in Kanada. Solche Besucher liebe ich: Er erwartet kein ausgedrucktes Besucherprogramm, besorgt sich die Biermarke seines Herzens selbst und ist ein aufmerksamer, liebevoller Gast. Interessant und interessiert. Er muss das Gute-Gäste-Einmaleins von der großen Schwester abgeschaut haben. Auch sie beherscht es aus dem Effeff und hatte, nebst Anhang, den Besucher-Sommer 2011 mit großem Erfolg eingeläutet.

Plözlich lernst du deine Stadt neu kennen

Das schönste an solchen Besuchern: Du lernst die Stadt, in der du lebst, aus einer völlig neuen Sichtweise kennen. Plötzlich findest du die Kellnerinnen nicht mehr ganz so unaufmerksam und die Montréaler Hinterhöfe nicht mehr gar so schmuddelig. Wenn du einen Gast hast, der viel in der Welt unterwegs ist, relativiert sich selbst der letzte Dreck.

Am schlimmsten sind die „been-there-done-that„-Besucher. Du zeigst ihnen die Stadt, die du liebst, schleifst sie in deine Stammkneipe und bist stolz wie Oskar, so eine Metropole wie Montréal vorführen zu dürfen. Wenn du dich dann aber bei jedem Spaziergang gegen Vergleiche mit anderen Urlaubszielen wappnen musst („Den Hafen von Barcelona, DEN solltest du mal sehen!“ – „Wolkenkratzer? Dubai! Ich sage nur Dubai!“), ist das nicht nur anstrengend, sondern auch richtig nervig. Und irgendwo auch ein bisschen traurig. Das hat meine Stadt nicht verdient.

Und wenn dein Besucher dann, Blick nach unten gerichtet, völlig unenthusiastisch hinter dir her trottet, nachdem du ihm gerade den höchsten Wolkenkratzer deiner Stadt vorgeführt hast, dann reicht’s irgendwann. Am härtesten brachte es ein Besucher vom Bodensee. Kurz vor dem Höhepunkt der mehrstündigen Bopp’schen Sightseeing-Tour durch Montréal meinte der Gast aus Schwaben: „Asphalt trätta kanne dohoim au.“ Bei so einem Kommentar würdest du ihm gerne die Visitenkarte des Hotels an der Ecke in die Hand drücken – und dann mal tschüss. Bei unserem jüngsten Besuch aus Wien war das alles andere. Er kennt die schönsten Metropolen der Welt, isst gerne fein und gut. Und findet Montréal immer noch klasse.

Danke, mein Neffe! Können wir dich adoptieren?

Die schönste Sache der Welt

Nein, nicht das. Und auch nicht Fußball. Radio. Ich liebe Radio! Das mag aus der Tastatur eines Internet-Junkies seltsam klingen. Aber es ist so. Keiner versteht es besser, den Duft der großen, weiten Welt appetitlicher zu verströmen als der gute, alte Rundfunk. Die schönsten 25 Jahre meines Journalisten-Lebens habe ich als Hörfunk-Korrespondent verbracht.

Reporter Zimmermann

Angefangen hatte alles am 4. Juli 1954. Vater, Mutter, Brüder, Schwester saßen um ein Stehlampen-Tischchen herum, das mit Schachbrett-Intarsien eingelegt war. Darauf ein Röhrenradio der Marke Loewe-Opta. Als der legendäre Sportreporter Herbert Zimmermann „Das Spiel ist aus!!“ schrie, war Deutschland Weltmeister, meine Familie aus dem Häuschen und ich ein Radiofan. Von diesem Moment an spielte der Rundfunk eine große Rolle in meinem kleinen Leben. Wer mit seiner Stimme so viel Stimmung erzeugen kann, muss entweder Magier oder Rundfunkreporter sein. Über das Zaubern reden wir später. Heute ist das Radio dran.

Mit vierzehn rief ich bei der Sendung „BeatClub“ an und bat den Moderator, einer Mitschülerin meine Liebeserklärung ins Mikrofon zu säuseln. Eigentlich eine überschaubare Herausforderung. Trotzdem machte er seine Sache nicht besonders gut. Eine Antwort kam nie. Schlimmer noch: Am nächsten Tag sah ich Carla händchenhaltend mit Otto im Biberacher Stadtgarten.

Eigentlich hätte mir der Rundfunk von da an gestohlen bleiben können.

Manchmal schwieg bei uns das Radio. Karfreitag war so ein Tag. Da blieb der Loewe-Opta stumm. Oder wenn mal ein Papst gestorben war. Da herrschte in unserem Haus Musikverbot.

Lichtjahre später dann mein erster Auftritt im Radio. Mein Freund Frank aus Köln war es, der mir eine Tür zum schönsten Medium der Welt geöffnet hatte. „Wer schreiben kann, der kann auch reden“, war Franks Devise. Als Moderator bei SWF3 hatte er gut reden. Ich hatte bisher nur für Zeitungen aus Kanada berichtet. Livebeiträge im Radio? Unvorstellbar. Aber es passte.

Beim ersten Mal noch scheu und mit nassen Händen. Beim zweiten Mal bereits mit beherzter Stimme. Beim dritten Live-Gespräch ging es dann auch schon richtig zur Sache. Sehr gut gefiel mir beim Radio immer die Absage des Moderators: „Live aus Kanada unser Korrespondent Herbert Bopp“. Hoffentlich hört Vater zu. Oder das Mädel vom Biberacher Stadtgarten. Am besten beide.

Dass die Arbeit beim Radio uneitel macht, behauptet keiner.

In der Zwischenzeit sind mehr als zehntausend Hörfunkbeiträge zusammen gekommen. Wenn ich demnächst für einige Zeit unterwegs sein werde und der Blogger Pause macht, darf meine Radiozeit noch einmal hochleben. Einige meiner Korrespondenten-Themen können Sie dann im Blog nachlesen. Zunächst gibt’s nur den Text. Irgendwann vielleicht auch die Audioversion. Und damit zurück ins Studio.

>>>   Das Spiel ist aus!!!  Die letzten 6 Minuten als Hörfunk-Reportage   <<<

>>>   Pausenzeichen aus aller Welt   <<<

>>>   Kanada macht tolles Radio   (CBC)   <<<

Wir leben hier gefährlich!

Foto: GazetteBrücken, die zerbröseln. Unterführungen, von denen tonnenschwere Betonbrocken auf die Autobahn fallen. Schlaglöcher, die einen Omnibus verschlucken können. Und dazu noch ein Verkehrsministerium, das angeblich von der Mafia geschmiert wird. Manchmal frage ich mich, warum ich es schon so lange in dieser lebensgefährlichen Stadt aushalte.

Dabei gehört  Montréal zu den sichersten Großstädten dieser Welt. Es gibt keine Straße, keine Ecke, keine Bar, in die ich meine besten Freunde auch morgens um drei noch bedenkenlos hinschicken würde. Was die Stadt meines Herzens so blitzgefährlich macht, sind nicht die Bars. Es sind die Brücken und Unterführungen.

Schöner Wohnen ist anders: Abgerissene Geländer, durchgerostete Eisengitter

Pont Champlain - Foto: Gazette

Wenn die größte Zeitung einer Dreieinhalb-Millionenstadt auf der Titelseite mit zwölf Fotos von verrotteten Brücken aufmacht, dann ist irgendetwas verkehrt. Aber genau das ist heute der Fall. Brücken mit abgerissenem Geländer. Unterführungen, von deren Decken Rostgitter aus dem brüchigen Beton herunter hängen – schöner wohnen ist anders. Insgesamt 35 Brücken und Unterführungen sind in derart kritischem Zustand, dass selbst die sonst eher betuliche Montreal Gazette Alarm schlägt: „Hier lebt sich’s gefährlich“.

Wenn schon als Held sterben, dann lieber bei einer Grizzly-Attacke

Foto: QMI

Einige der Brösel-Brücken kenne ich nur zu gut. Auf dem Weg vom Land in die Stadt befahre ich sie oft mehrmals in der Woche. Nicht erst seit heute beschleicht mich dabei ein mulmiges Gefühl. Wenn schon als Held sterben, dann bitte nicht unter einer zerbröckelten Unterführung. Eher schon als Unterlegener einer Grizzly-Attacke in den Rocky Mountains. Der Grund für das Brücken-Fiasko ist zum einen mangelnde Kohle. Seit heute wissen wir noch mehr: In einem bisher geheim gehaltenen Untersuchungsbericht, den Radio Canada jetzt aufgetan hat, werden Mafia und Hells Angels eng mit den politischen Entscheidungsträgern in Verbindung gebracht.

Foto: Safe Montreal

Dass viele der großen Bauunternehmen in Montréal von der Mafia betrieben werden, ist ein offenes Geheimnis. Selbst die Verzögerung beim Bau des Olympiastadion, das 1976 erst halbfertig war, als die Queen zur Eröffnung der Spiele durch den Matsch waten musste, ist inzwischen auf Erpressungs-Taktiken der Mafia zurückgeführt worden. Motto: Termineinhaltung nur gegen Extra-Kohle. „Kickbacks„, heißt diese Art von Schmieren auf Englisch. Kickbacks hatte es ganz offensichtlich auch bei der Ausschreibung von Projekten wie Brücken, Straßen und Unterführungen gegeben. Radio Canada behauptet: Die Unterwelt habe es verstanden, einige Verantwortliche in den zuständigen Ministerien zu schmieren, so dass der Auftrag organisierten Verbrecherbanden wie der Mafia zufiel. Und was sagt unsere Regierung dazu: „Faule Äpfel gibt es immer wieder“, meinte der Verkehrsminister. Außerdem bedauerte er „zutiefst“, dass der Report vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Wobei noch immer nicht die Frage beantwortet wäre, was die Mafia-Connection mit der lausigen Bauweise zu tun hat. Meine Meinung? Vielleicht ist einfach nicht immer genug geschmiert worden und die Baufirmen rächten sich für die Knausrigkeit mit mangelnder Qualität.

Fakt ist, dass wir heute mit den Sünden von damals leben müssen. Oder auch nicht.

Wir krempeln unser Leben um

Der Luxus des Alters: Kind aus dem Haus und gut versorgt. Wir haben die Wahl: Bleibt alles wie’s war? Satteln wir die Harley und lassen es noch einmal richtig krachen? Oder machen wir künftig einen auf klein, aber fein? Wir haben uns für diese Variante entschieden. Unser Haus im Grünen steht nach 24 Jahren zum Verkauf. Wir ziehen in die Stadt. Landleben gegen Loft. Nur: Wie erklären wir unseren Freunden, dass „downsizen“ nichts mit „verarmen“ zu tun hat?

„Brauchst du Geld?“ Diese Frage höre ich in letzter Zeit öfter. Gut gemeint, aber gewöhnungsbedürftig, wenn man als 62-Jähriger mit einem gelebten Leben gefragt wird, ob man ihm ein paar Taler zuschieben soll. Die Wahrheit ist: Danke, uns geht es gut. Die Entscheidung, unser Traumhaus nach 24 Jahren zu verkaufen und dafür in ein schickes Fabrikloft im Montréaler Stadtteil St. Henri zu ziehen, treffen wir nicht aus Geldnot. Wir wollen unser Leben verändern.

Gut gelebt und viel gefeiert: Wir haben uns den Traum vom eigenen Haus erfüllt

Margas 90. Geburtstag

Jeder Traum geht irgendwann zu Ende. Und ein Traum war es für uns damals, ein eigenes Haus mit einem großen Garten zu besitzen. Diesen Traum haben wir uns vor 24 Jahren erfüllt. Das Haus hat jede Menge Zimmer, eine Einliegerwohnung, einen Wintergarten, eine überdachte Frühstücksterrasse, vier Bäder und eine Sauna mit Whirlpool. Der Garten: 4000 qm mit Wald, Wiese und einem kleinen Teich. Hier haben wir gearbeitet, ein Kind großgezogen, dazu zwei Katzen und einen Hund. Wir haben Freunde empfangen, Zauber-Abende und Jam-Sessions veranstaltet. Und ein Gartenfest zum 90. Geburtstag unserer Freundin Marga ausgerichtet, vom dem noch heute das halbe Dorf spricht. Vor allem aber haben wir hier gelebt. Gut gelebt.

Palma, wir kommen!

Und weil wir auch künftig gerne gut leben möchten, ohne die Arbeit und Verantwortung, die so ein großes Haus mit sich bringt, verkleinern wir uns. Mit einer pflegeleichten Stadtwohnung – Tür zu, Schlüssel umdrehen und weg – können wir noch mehr reisen als bisher. Vielleicht auch mal für fünf, sechs Monate in einem anderen Land leben und trotzdem noch arbeiten. Das Internet macht’s möglich. Drei Generalproben verliefen wunderbar: In einer schnuckeligen Wohnung in der Altstadt von Palma de Mallorca haben wir uns jetzt schon mehrfach im Winter einquartiert. Von minus 20 Grad in Montréal ins plus 20 Grad warme Mallorca – ein Traum. Der Blick beim Frühstück auf die Plaza de la Reina, hinüber zur Kathedrale, hinunter zum Meer – Wahnsinn! Life is beautiful.

Das ist die Stunde der Schaulustigen: Mal kucken, wie die Nachbarn leben

Doch Veränderungen können anstrengend sein. Unser Haus wird seit zweieinhalb Monaten von einem Makler gelistet. Das Interesse ist groß. Aber, wie das so ist in Kanada: Es kommen viele Sehleute, die immer schon gerne gewusst hätten, wie der Korrespondent und seine Künstlergattin so leben. Das ist die Stunde der Schaulustigen. Und weil wir nicht gerne Zeuge dieser „showings“ sind und zu jedem Riss im Fensterkitt eine Erklärung abgeben möchten, verlassen wir eben unser Haus, wie es hier so üblich ist, wenn der Makler mal wieder mit Interessenten an der Tür steht. Aber: wohin nur? Meine Kreditkarte glüht. Im Kino reden Sie mich beim Vornamen an und unser Lieblings-Thailänder möchte uns gerne adoptieren. Das sind so die Dinge, mit denen wir uns in letzter Zeit herumschlagen.

Richtige Probleme sehen anders aus. Aber es gibt sie: Wohin mit den Möbeln aus einem Haus, wenn die künftige Bleibe aus einem großen Raum mit einem Badezimmer-Würfel in der Mitte besteht? Was nehmen wir mit, was geht zur Heilsarmee, was kommt in die Blockhütte? Und überhaupt: Was ist mit dem Klavier? Interessenten gibt es jede Menge dafür. Nur: Ich will nicht jedes Mal wehmütig an Musikabende denken müssen, wenn ich künftig Freunde besuche.

Raus aus dem Grünen, rein in die Stadt:  Eine Achterbahn der Gefühle

Neulich habe ich gelesen, dass Immobilienmakler jetzt immer häufiger Psychologiekurse belegen. Ich weiß jetzt warum. Offensichtlich sind wir nicht allein, wenn uns die Emotionen manchmal überwältigen. So ein Hausverkauf kann einem ganz schön die Seele durch den Fleischwolf drehen. Und trotzdem steht die Entscheidung fest: Raus aus dem Grünen, rein in die Großstadt. Das Laub, das sich im Herbst kniehoch auf unserem Grundstück stapelt, sollen künftig andere wegräumen. Und auch der Schneepflug, der die Einfahrt freischaufelt, geht schon bald nicht mehr auf unsere Rechnung. An Bewegung wird es mir hoffentlich trotzdem nicht mangeln: Mein Fitnessbedarf wird künftig im Pool der Dachterrasse abgedeckt, der zum Fabrikloft gehört, oder, wenn’s dann schon sein muss, auch in der Muckibude, gleich neben dem Yoga-Raum.

Und doch kommen sie jetzt immer öfter, die nostalgischen Momente, wenn mal wieder ein potenzieller Käufer vor unserer Haustür steht. „Es sind doch nur ein paar Wände mit einem Dach drüber“, tröstet mich Lore, wenn ich mal wieder wehmütig an den Verkauf denke. Stimmt. Aber genau diese Wände mit dem Dach drüber waren es, die aus unserem Haus ein Heim gemacht haben.