Schreiben Sie doch selbst!

Das bisschen, das ich lese, schreibe ich selber. Der Spruch könnte von mir sein, ist es aber nicht. Er stammt von meinem verstorbenen Freund Fritz Grasshoff. Fritz hat tatsächlich viel geschrieben und war erfolgreich damit. Damals war das Schreiben noch Autoren vorbehalten, die einen richtigen Verlag im Rücken hatten. Heute ist das anders. Jeder kann sein eigenes Buch verlegen. Als eBook.

Wenn es um Bücher geht, ist die Frau an meiner Seite ein absoluter Nimmersatt: Krimis, historische Romane, unbekannte Kulturen, bekannte Autoren – sie liebt sie alle. Aber wie das so ist mit den großen Lieben: Sie nehmen viel Platz ein. Im Leben oder auch im Bücherregal. Deshalb ist Lore jetzt auf den eReader umgestiegen.

Lesefreundlich. Individuell. ©cme.at

eReader sind wie Touchscreen-Computer, nur lesefreundlicher und kleiner. Schriftgröße, Schriftart und Zeilenabstand lassen sich individuell auf den Nutzer einstellen.

KoBo kommt aus Kanada

Lore hat den KoBo. Das ist ein kanadisches Modell und hat den Vorteil, dass sie damit den einheimischen Büchermarkt optimal ausschöpfen kann. Und weil der KoBo so ziemlich alle gängigen eBook-Formate liest, stehen ihr auch die Angebote aus dem deutschen Büchersortiment zur Verfügung. Tausende von Büchern haben im digitalen Datenspeicher eines einzigen eBook-Readers Platz.

Sich in die Welt der eBooks einzuarbeiten, ist ein bisschen wie Weihnachten. Man kuckt sich erst mal um, was der Onlineshop alles zu bieten hat. Besucht die Bestsellerliste der New York Times. Blättert ein bisschen im Vorschau-Modus und freut sich, wenn man fündig geworden ist. Noch größer wird die Freude, wenn man als Kunde feststellt: eBooks kosten im Schnitt 20 Prozent weniger als Papierbücher. Der in Deutschland sehr populäre Kindle-eReader kostet um die 100 Euro.

Polnisch rückwärts? Kein Problem mit dem Übersetzungsprogramm

Es dauert ein bisschen, bis man sich mit dem eReader angefreundet hat. Das digitale Umblättern auf dem Touchscreen ist gewöhnungsbedürftig. Sehr praktisch: Der KoBo-Reader kommt mit einer eingebauten Enzyklopädie. Und mit einem Übersetzungsprogramm. Enthält der Text ein Wort, das wie polnisch rückwärts klingt, markierst du es einfach mit dem Finger auf dem Bildschirm und schickst es ins Übersetzungsprogramm. Ergebnis: Besser als Google-Translation.

Amanda Hocking im ZDF

In Nordamerika sind eBooks auf dem besten Weg, den Büchermarkt zu revolutionieren. Kaum ein Autor, der nicht zeitgleich mit der Printausgabe in der Digitalversion zum Download bereit steht. Eine der zurzeit erfolgreichsten Schriftstellerinnen der Welt ist eine bis vor kurzem völlig unbekannte eBook-Autorin namens Amanda Hocking. Ihre Fantasy-Romane schreibt sie in der Küche, irgendwo im amerikanischen Middle of Nowhere. eBooks haben Frau Hocking inzwischen Millionen eingebracht.

Es ist übrigens ganz einfach, sein eigenes eBook hochzuladen und zu verlegen. Inzwischen bietet auch ein deutscher Verlag diese Möglichkeit. Trotzdem hängt Deutschland im eBook-Sektor noch etwas hinterher. Die Berührungsängste mit der digitalen Art des Lesens sind noch immer groß. Stimmt ja auch: Das Rascheln beim Umblättern des guten, alten Papierbuchs ist schwer zu ersetzen. Damit die Umgewöhnung nicht gar so schwer fällt, kommt der KoBo mit einem virtuellen Eselsohr als Lesezeichen.

Karrierewechsel: Sex statt Schule

Samantha Ardente: "Das Doppelleben einer Exhibitionistin" © Summumm

So ist das mit dem Internet: Da surft ein Schüler durch irgendwelche Pornoseiten und landet bei Samantha Ardente. „Die kenn ich doch“, denkt sich der Bub, „das ist doch die Nette vom Büro.“ Stimmt. Aber anstatt seinen vorlauten Schnabel zu halten, petzt der Pennäler. Samantha fliegt von der Schule. Und startet neu durch. Als Pornodarstellerin mit eigener Produktionsfirma.

Samantha Ardente Foto: CBC

Zehn Jahre lang führte Samantha Ardente ein ziemlich bürgerliches Dasein. Sie arbeitete als Sekretärin an einer Schule in der Nähe von Québec-City. Nach Feierabend machte sie es sich mit ihrem Freund schon mal vor der Videokamera nett. Und stellte die Filmchen ins Netz.

Irgendwann wurde sie „entdeckt“. Es floss ein bisschen Geld, in der Branche genoss sie schon bald einen ganz guten Ruf. Es kam wie es kommen musste: Wer sein Privatleben allzu öffentlich zelebriert, muss mit den Folgen leben. Samanthas Doppelleben flog auf. Ihren Schuljob hatte sie los.

Die Familie findet die neue Karriere „ziemlich cool“

Eigentlich ein Glücksfall für Samantha. Und für viele ihrer Fans. Denn jetzt legte die junge Frau so richtig los. Zusammen mit ihrem Freund gründete sie eine Produktionsfirma für Softpornos. Sie sei jetzt sehr glücklich, verriet Samantha dem Sender CTV. „Ich bin keinem böse.“ Im Gegenteil: „Ich bin aus dieser ganzen Geschichte als besserer Mensch hervorgegangen“. Das kleinste Problem sei dabei die Reaktion ihrer Familie gewesen, sagt sie. „Die finden meine neue Karriere ziemlich cool“. Angeblich auch ihre zwölfjährige Tochter.

© Barexxxotica Montréal

Irgendwie passt Samanthas Karriere zu Québec. Die frechen Frankokanadier haben vielleicht Berührungsängste mit Englisch. Nicht aber mit Erotik. Ganze Busladungen mit Amerikanern fallen am Wochenende nach Montréal ein, um einen der vielen Stripclubs zu frequentieren.

Danseuses nues“ gibt es nicht nur in der Großstadt. Auch in vielen Käffern in the middle of nowhere ziehen sich oft Hausfrauen und Studentinnen aus, damit sie sich später nett anziehen können. Und weil Erotik und Geschäftstüchtigkeit nahe beieinander liegen, plant die Ex-Schulsekretärin Samantha schon ihr Leben, 3. Teil. Demnächst kommt sie mit einer eigenen Linie mit Lingerie auf den Markt. Kostproben gibt’s bereits: In einem Erotik-Kalender führt die sexy Sekretärin ihre Wäschesammlung vor.

Die „Titanic“ sinkt bald in 3-D

Ich liebe das Leben in allen erdenklichen Dimensionen. Nur im Kino, da hätte ich es bitte gerne zweidimensional. Höhe und Breite. Tiefe brauche ich nicht. Die soll der Filmstoff liefern. Den 3-D-Hype, der hier zurzeit durch die Kinos fegt, kann ich nur schwer nachvollziehen. Vor ein paar Tagen habe ich „Tintin“ gesehen. Und wäre um ein Haar aus dem Kino marschiert.

Wenn ich schon diese Brillen sehe! Mir reicht es, wenn mich der Alltag mit einer Brille bestraft. Muss ich mir das wirklich antun und im Kino zusätzlich so ein Gestell auf die Nase klemmen? Ja, muss ich. Sonst bekomme ich den 3-D-Effekt nicht mit. Also: Brille auf, zurückgelehnt, Popcorn. Und los geht’s.

Kleine Sitzkorrektur. Die Brille hängt schief. Zu spät. Gleich zum Auftakt fährt mir Tintin voll fett mit seinem Filmradl auf den Kopf zu. Aha! Deshalb also die Schutzbrille. Damit das Fahrrad nicht dreidimensional ins Auge geht.

Das mit den Schmetterlingen ist ja ganz hübsch. Schön, wie sie so von der Leinwand wegfliegen. Aber wohin? Und vor allem: Was sagt der Produzent dazu? Das kostet doch einen Haufen Geld, solche Schmetterlinge zu bauen. Vor mir reihenweise Teenager, die ihre Hände in die Luft strecken. Jeder will den Schmetterling. Keiner kriegt ihn. Hilfe, 3-D ist Betrug!

Auch von der Ästhetik her finde ich 3-D-Kucken grenzwertig. Waren Sie schon mal umgeben von 200 Leuten mit dunklen Sonnenbrillen? Ich meine jetzt nicht am Strand. In einem stockdunklen Kinosaal? Lauter Fritzls um dich rum? Gruselig sieht das aus. „Titanic“ ist ein Lustspiel dagegen.

A propos: James Cameron hat schon länger keinen Kino-Rekord mehr gebrochen. Da wird es doch höchste Zeit für einen neuen Film. Am besten einen, den wir schon alle kennen. „Titanic“ heißt er. Haben Sie vielleicht schon gehört. Hat bisher leider nur zwei Milliarden Dollar eingespielt. Da geht doch noch was, sagt sich Herr Cameron. Und schickt seine Tricksertruppe wieder ins Studio. Ihr Job: Schiff bitte dreidimensional gegen Eisberg krachen lassen. Danke, geht doch.

Bald darf Herr Cameron seinen Geldsack wieder aufhalten. Diesmal in 3-D. Drei wie drei Milliarden. Am 6. April 2012 nimmt der alte Kahn wieder Kurs aufs Kino. Und steuert volles Rohr auf einen dreidimensionalen Eisberg zu.

Bunter die Lämpchen nie blinken

Kitschig, grässlich, geschmacklos? Man muss die Weihnachtsbeleuchtung der Kanadier nicht lieben. Aber es führt kein Weg an ihr vorbei. Mindestens jedes zweite Haus in unserer Nachbarschaft ist auf Lightshow getrimmt. Die Fotos der Bildergalerie sind fast alle in unserer unmittelbaren Umgebung entstanden.

Ein Haus in unserer Nachbarschaft schlägt alle Rekorde: 25 000 Leuchtbirnen bewegen sich als Girlanden, Kreise und Tannenzapfen im Rhythmus zur Musik. Wer mag, kann vor dem Haus anhalten und die volle Pracht in Ruhe bewundern. Die Musik dazu kommt aus dem Autoradio. Der Häuslesbesitzer hat eigens für diesen Zweck eine Rundfunkfrequenz freigeschaltet. Alles nicht ganz billig. Deshalb nimmt der Lichtermann gerne Spenden entgegen – in einer eigens dafür aufgebauten Schatulle. Beleuchtet, versteht sich. Nicht alle teilen die Begeisterung für das Lichtermeer. Deshalb ist die Light and Sound Show während der Woche nur bis 20 Uhr erlaubt. Am Wochenende dürfen die Lämpchen bis 22 Uhr blinken.

Heiligabend mit Hundeknochen

Manchmal lohnt es sich, zurückzublicken. Beim Durchblättern der BLOGHAUSGESCHICHTEN der letzten Jahre ist mir die Geschichte von Bella und dem Hundeknochen wieder eingefallen. Ich hatte sie hier vor genau zehn Jahren  schon einmal erzählt. Weil sie so schön zu Weihnachten passt und uns daran erinnert, dass auch damals nicht immer alles ganz nach Plan verlief – hier ist sie noch einmal. In Erinnerung an unser Lieblingspüppchen, wie es leibte und lebte.


Eines musste man unserer Bella lassen: Ihr Timing war immer perfekt. Entweder sie musste ausgerechnet dann pinkeln, wenn ich gerade live auf Sendung war und sie mit zusammengepressten Beinchen neben meinem Schreibtisch stand. Oder sie schleckte einem ausgemachten Hundehasser just dann die Hand ab, als der zu einer Rede über lästige Haustiere ansetzen wollte. Nie jedoch lag unsere schwarze Labradordame mit ihrem Timing mehr daneben als an Heiligabend vor vier Jahren.

Charles Dickens hätte seine Freude gehabt: Der Weihnachtsbaum strömt wohlige Düfte aus. Darunter liebevoll verpackte Geschenke. Aus dem Fonduetopf brodelt es im Rhythmus der Weihnachtsmusik. Man stößt an, freut sich, dass man sich hat. Beschert den Hund mit einem extra leckeren Knochen. Setzt sich zu Tisch. Guten Appetit und fröhliche Weihnachten.

Gefangen im Hundeparadies: Schnauze im Knochen

Plötzlich: Ein leichtes Keuchen aus der Hundeecke. Kein Jaulen, nur sanftes Jammern. Ein trauriger Cartoon tut sich vor uns auf: Unser Schlabrador hat sich mit der Schnauze im Weihnachtsknochen verheddert. Die Öffnung des ausgeleckten Markknochens ist zur Hundefalle geworden. Die Schnauze steckt fest. Da helfen kein Rütteln und kein Schütteln. Zange und Säge bringen nichts. Gefangen im Hundeparadies. Gefangen im Knochen. An Heiligabend.

Längst ist das Fondue-Essen kein Thema mehr. Die Brühe hat aufgehört zu brodeln. Fleisch und Gemüse ruhen wieder im Kühlschrank. Nur aus dem Radio tröpfeln noch immer Jinglebells. So, als wäre nichts geschehen. Dabei ist nichts mehr so, wie es noch vor einigen Minuten war. Wir brauchen Hilfe. Schnell. Nein: Sofort!

Ein Tierarzt darf auch mal Mensch sein

Es ist Heiligabend und sämtliche Tierärzte der Welt sitzen vermutlich in diesem Moment unterm Weihnachtsbaum. Und freuen sich, dass sie heute Mensch sein dürfen. Danke, Internet: Eine Tierklinik hat geöffnet. Die einzige in der Dreieinhalb-Millionenstadt Montréal. Mit mindestens doppelt so vielen Hunden wie Menschen.

Durch die Winternacht geht’s in Richtung Tierarzt. Dashing through the snow. Wartesaal zum Bersten voll. Zum Glück haben sich nicht alle Hunde gleichzeitig mit der Schnauze in der Öffnung eines Markknochens verheddert. Manche haben es schlimmer erwischt. Ein Mann erzählt, sein Hündchen kauernd im Arm, der arme Kerl habe die volle Ladung Mensch abgekriegt. Weihnachtsdinner in Little Italy. Hundi liegt auf dem Teppichboden im Esszimmer. Italienischer Papa setzt sich auf den Holzstuhl. Stuhl kracht berstend zusammen und begräbt den kleinen Pinscher unter sich. In dem Moment, als die Familie sich gerade zur Weihnachtsgans hinsetzen will. An Heiligabend.

Bella ist geduldig. Freut sich, weil sie plötzlich so viele andere Tiere sieht, riecht, hört. Einige jaulen vor Schmerzen, Bella kämpft mit ihrem Knochen. Und ich mit meiner Geduld. Außerdem habe ich Hunger.

Dank an die Patientin: Ein Hundeknochen

Kurz vor Mitternacht: Endlich ist unser Unglücksrabe dran. Spezialfräse und Zange machen kurzen Prozess mit dem Knochen. Bella strahlt wie einst unser Weihnachtsbaum. Zum Dank fürs Stillhalten belohnt der Tierarzt die Patientin. Mit einem Hundeknochen, was sonst?

Das Weihnachtsessen hat sich inzwischen erledigt. Ein Wurstbrot tut’s jetzt auch. Klar, man kann Heiligabend romantischer verbringen als beim Tierarzt. Aber gibt es ein schöneres Gefühl, als seinen Hund aus der Knochenfalle befreit zu haben?

Inzwischen ist unsere Bella über die Regenbogenbrücke gegangen. Sie wurde zwölf Jahre alt. Wir vermissen sie sehr. Nicht nur an Heiligabend.