
- Guten Morgen, Mallorca! Die „Costa Diadema“ zieht lautlos an Palma vorbei.
Palma zieht mal wieder sämtliche Register, um uns willkommen zu heißen. Gestern Abend waren es die Heiligen Drei Könige, die vom Meer kommend durch die Innenstadt promenierten. Heute im Morgengrauen tauchte dann ganz unvermittelt die „Costa Diadema“ am Horizont auf. Ein Schiff zum Frühstück? Besser geht’s nicht.
Was für ein gewaltiger Anblick von der Dachterrasse aus: In der Baulücke zwischen Kathedrale und Königspalast schwimmt am nächtlichen Palma fast lautlos eines der größten Cruisehips vorbei, die Mallorca anlaufen. Das ganze Schiff ist hell beleuchtet, so, als gelte es die noch schlaftrunkenen Palmesanos aus dem Feiertagsschlummer zu wecken. (Übrigens: So wie es Flightradar24 zur Ortung von Flugzeugen gibt, kann der Schiffsverkehr über Marinetraffic.com abgerufen werden.)
Auch am Morgen nach unserer Ankunft in Palma fällt es noch immer schwer zu glauben, dass es sich bei dem Schotter auf unserer Terrasse wirklich um weiße Steine handelt und nicht um Schnee. Der Eissturm, den Montréal für uns noch zum Abschied hingelegt hatte, sitzt immer noch tief in den Knochen.
Und dann die Luft! Nicht sommerlich schwül, eher milde wie an einem Frühlingstag. Dabei ist es auch am Mittelmeer tiefer Winter – zumindest auf dem Kalender. Witzig, wie sich Palmesaos bei 15 Grad Celsius wattierte Parkamützen ins Gesicht ziehen. Die Dachterassen rund um uns herum: wie ausgestorben. In Kanada wäre das T-Shirt-Wetter.
Noch etwas fällt an diesem Morgen auf: Die Globalisierung zieht inzwischen auch in die Ferienwohnungen ein. IKEA macht’s möglich: Nicht nur Tische, Sofa und Betten sehen wie fast überall in der Welt aus. Selbst Tassen, Teller und Servietten kommen vom schwedischen Alleskönner.
Und auch in Palma darf, ganz wie daheim, eine Nespresso-Maschine mit knallbunten Alukapseln ein bisschen die Umwelt versauen. Nur dass der Kaffee am Mittelmeer noch ein bisschen besser schmeckt als zwischen Eis und Schnee.
Am Ende ging doch wieder einmal alles gut: Die Verspätung, die uns der Eissturm beim Abflug in Montréal beschert hatte, war zwar ärgerlich, die Ankunft in Frankfurt siebeneinhalb Stunden später immer noch zeitig genug, um den Weiterflug nach Palma nicht zu verpassen.
Tage, die nicht Fisch sind und auch nicht Fleisch, drastisch zugenommen. War es zu Beginn meiner Kanada-Zeit beschlossene Sache, dass der Winter klirrend kalt und der Sommer glühend heiß ist, schlägt das Klimapendel inzwischen aus, wie es will. In diesem Teil Kanadas ist Eisregen mehr als nur ein lästiges Wetterphänomen. Der Strom kommt aus dem Norden, die Fernleitungen verlaufen über der Erde. Bilden sich auf den Kabeln dicke Eisschichten, reissen die Leitungen. Die Folge: Die riesigen Masten knicken um wie beim Mikado.
Silvesternacht in der Altstadt von Montréal: Zigtausende feiern den Jahreswechsel mit Feuerwerk, Schampus – und einem begnadeten Blick auf die Montréaler Innenstadt. Die Fotos sind auf dem Place Jacques-Cartier entstanden, in unmittelbarer Nähe des Hafens. – Menschenmassen auch in der U-Bahn – wie unten in der Métro-Station Champs-de-Mars. Fotos: © Bopp

