Wie soll diese Frau den Euro retten, wenn sie nicht einmal meinen Flugplan auf die Reihe kriegt? Nein, Frau Merkel, das war nicht nett. Ich behaupte jetzt einfach mal: Die Kanzlerin war schuld, dass sich meine Ankunft in Frankfurt verzögert hat.
Da haue ich mir schon die ganze Nacht im Flieger um die Ohren. Dann kreist die Maschine aus Montreal auch noch ewig über Frankfurt, ehe sie endlich zur Landung ansetzt. Offiziell hieß es aus dem Cockpit: Starker Nebel verzögere unsere Ankunft. Inzwischen habe ich den Verdacht: Die Kanzlerin ließ Air Canada warten.
Angela Merkel hatte sich vorgenommen, ausgerechnet gestern in Frankfurt zu sein. Einen dooferen Termin für die Inbetriebnahme der Nordwest-Landebahn hätte sie sich nicht aussuchen können.
Diesmal kein Weisswurst-Frühstück
Als die Air Canada-Maschine endlich Boden unterm Hintern hatte, versperrten Bundespolizisten den direkten Weg zu den Gepäck-Karussells. Erst über einen abenteuerlichen Umweg durch das Airport-Labyrinth ging“s zu den Koffern. Den Anschlusszug nach Köln schaffte ich noch mit Müh und Not. Dabei buche ich den ICE immer so großzügig, dass ich vor der Weiterfahrt bequem ein Weißwurst-Frühstück beim Käfer einnehmen kann. Irgendjemand muss ja schliesslich all die herrlichen Deutschland-Klischees bedienen. Aber zum Weisswurst-Essen reichte diesmal die Zeit nicht aus.
Ohnehin stand der Flug von Montreal nach Frankfurt unter einem schlechten Stern. Der Start verzögerte sich um fast eine Stunde, weil der Catering-Service dreißig Essen zu wenig angeliefert hatte. Als die Jungs von der Küche endlich mit Pasta und Pute eintrudelten, setzte ein so heftiger Regensturm ein, dass die Maschine noch länger am Boden blieb.
Kein Film, keine Musik. Nicht einmal Leselampen
Das nächste Malheur ließ nicht lange auf sich warten: Der Videoserver im Flieger machte schlapp. Kein Film, keine Musik, nicht einmal ein virtueller Streckenplan auf dem Monitor. Leider blieben während des Transatlantik-Flugs nicht nur die Bildschirme dunkel. Auch die Leselampen funktionierten nicht. Mehr Langeweile geht nicht. Immerhin zeigt die Airline wegen all der Unannehmlichkeiten Reue: Am Ausgang gab’s einen Gutschein für Jeden: Fünf Prozent Preisnachlass beim nächsten Air Canada-Flug.
Wünschen wir Ihnen auch, Frau Merkel!
Der Satz, den die Bundeskanzlerin bei der Einweihung der neuen Landebahn sagte, klingt im Nachhinein wie Hohn: „Ich wünsche allen, die hier ankommen, eine gute und sichere Landung“.
Und eine pünktliche dazu, Frau Merkel. Eine pünktliche!


nicht besonders vertrauenserweckend in einer Maschine, die aussah, als hätte sie schon Kampfeinsätze in Afghanistan hinter sich. Dafür waren die Cocktails umso schöner. Mojito mit Sonnenschirm. Irgendwann kam der Kapitän aus dem Cockpit und grüßte elegant ins Publikum. So sehen Sieger aus. Nachdem der Käpt’n mäßig stürmische Ovationen für gutes Fliegen entgegengenommen hatte, ließ sich auch noch der Co-Pilot von den Passagieren beklatschen. Zu diesem Zeitpunkt wäre ich gerne umgekehrt. Wer die Maschine eigentlich geflogen hat, weiß ich nicht. Ich vermute mal der Flugingenieur. Vielleicht auch der Autopilot. Oder der liebe Gott.
Und dann wäre da noch die Geschichte mit den Tauben: Auf dem Weg von Montréal nach Berlin legte ich einen neunstündigen Zwischenstopp in London ein. Alles passte: Ankunft Heathrow am Morgen. Weiterflug nach Berlin am soäten Abend. Dazwischen englische Freunde besuchen. Nach der Landung in Berlin erkannte ich meinen Koffer nicht wieder. Er war zubetoniert mit Vogelscheiße. Die Briten hatten mein Gepäckstück den ganzen Tag auf dem Rollfeld stehen lassen. Tauben und Möwen benützten meinen Koffer neun Stunden als ihr Privatklo. Noch in der Nacht gab’s eine geharnischte Mail an British Airways. Mit Fotos vom Kackkoffer. Die Airline ließ sich nicht lumpen: Rückflug Erster Klasse von Berlin über London nach Montréal. Lachs statt Tauben.
Lesen Sie überhaupt noch Print? Oder wohnen Sie auch schon im Internet? Eben habe ich das Abo meiner Tageszeitung gekündigt. Nach mehr als 20 Jahren. Ich brauche die „Montreal Gazette“ nicht mehr in der Druckversion. Meine tagesaktuellen Nachrichten beziehe ich aus dem Netz. Und Hintergrund-Berichterstattung war ohnehin nie die Stärke meiner Lokalzeitung.
